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Twitter in der Literaturbranche – Braucht’s das oder kann das weg?

Federwelt
Cally Stronk
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Cally Stronk hat Kolleginnen wie Kollegen gefragt und liefert eine schnelle Anleitung zum ersten Zwitschern. Spannend, wie unterschiedlich Twitter-Konten verwendet werden!

Twitter ist schon so eine Sache für sich. Immer wieder habe ich mich gefragt, ob sich dieser Kurznachrichtendienst lohnt oder nicht. Schließlich sind die meisten von uns doch schon auf Facebook und Instagram. Und dafür Posts zu schreiben, Fotos zu machen, zu interagieren und Beiträge anderer zu kommentieren, das kostet schon Zeit. Macht es da Sinn, noch eine weitere Plattform ins Portfolio zu nehmen? Bringt es das? Was ist der Nutzen? Das Besondere? Und wie funktioniert Twitter überhaupt?
 
Aller Anfang ist (nicht) schwer …
Ein Konto bei Twitter anzulegen, ist eigentlich ganz einfach. Entweder man lädt sich die Twitter-App aufs Handy und registriert sich direkt oder man meldet sich auf seinem Computer an. Mit ein paar Klicks wird man durch das Menü geführt, lädt eventuell schon mal ein Profilbild hoch und tippt eine Kurzbeschreibung von sich ein (überspringen und später machen geht auch). Abschließend vernetzt man sein Telefonbuch, das heißt, Twitter verbindet einen automatisch mit allen Handykontakten, die auch Twitter nutzen, und schon kann man loslegen. Der erste Tweet könnte heißen: „Juhuuu, ich bin jetzt auch bei Twitter! #firsttweet“ Oder so ähnlich. Und was passiert dann? Wahrscheinlich erst mal nicht so viel … aber irgendwie muss man ja beginnen.
Ja, ich muss zugeben, anfangs fühlt sich Twitter ziemlich sinnlos an. Man hat kaum Follower und die Resonanz scheint auch sehr mäßig. Immer wieder bekommt man das Gefühl, einsam auf weiter Flur zu sein. Sieht überhaupt jemand, was ich hier absende? Liest es jemand? Warum reagiert so selten jemand auf meine Tweets?
Hätte ich nicht doch immer wieder die App geöffnet, darin herumgeschmökert, das ein oder andere retweetet, also den Ursprungstweet auf meinen eigenen Account gestellt, kommentiert und hin und wieder etwas ins gefühlte Nichts geschickt, wäre ich wahrscheinlich schon längst nicht mehr dabei. Allerdings haben mich dann doch ein paar Erlebnisse davon überzeugt, dass Twitter sich lohnt.
 
Was so passieren kann bei Twitter
1. Ich habe über Twitter die Bibliothekarin und Bloggerin Thea kennengelernt (bei Twitter unter [email protected] zu finden), die ich schließlich im Café bei mir um die Ecke getroffen habe und die über mehrere Treffen zu einer lieben Freundin geworden ist, einem Herzensmenschen.
2. Meine neue Freundin hat mich dann mit der großen Familienbloggerin Béa Beste (Twitter: @TOLLABEA) vernetzt. Wir haben uns ebenfalls getroffen und dann festgestellt, dass wir beide das Gleiche studiert haben, nämlich Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste. Ein gemeinsames Studium am selben Ort verbindet ungemein und schafft irgendwie grundlegend eine Loyalität. Mittlerweile haben Bea und ich eine schöne Kooperation, von der wir beide profitieren: Ich schreibe ihr Content und sie berichtet über meine Bücher. Eine Win-win-Situation.
3. Des Weiteren hat mich Thea vor Kurzem eingeladen, bei drei Folgen des RTL- Podcasts Das gewünschteste Wunschkind zum Thema Vorlesen, Leseförderung und Kinderliteratur mitzumachen; sie hat schon mehrere Lesungen und gerade erst sogar eine Schreibwerkstatt für mich organisiert. Super Sache!
4. Durch Twitter habe ich noch etliche andere neue Kontakte bekommen, mit denen ich mich dann auch auf Facebook vernetzt habe. Einige habe ich irgendwann auf Messen und anderen Veranstaltungen getroffen. Und wir hatten gleich ein paar Gesprächsthemen, weil wir ein bisschen was über den Anderen oder die Andere wussten. Diese Twitter-Erstkontakte sind quasi zu echten Menschen geworden. Das mag ich. 
Ihr seht schon, man kann auf jeden Fall sagen: Durch Twitter lernt man Menschen kennen. Durch die Hashtags, also Schlagwörter, die man am Anfang mit der Raute „#“ markiert, (wie #Federwelt, #Lieblingsheft für #AutorInnen #ichbinfan ;-)) können auch Leute außerhalb der eigenen Filterblase auf einen aufmerksam und zu Kontakten werden. Und wenn man jemandem auf einer Literaturveranstaltung begegnet, kann man sich wiederum vernetzen … so behält man sich im Blick! Klar, das geht über Facebook und Instagram ebenfalls, aber es geht halt auch per Twitter.
Was ist eine Filterblase?
Bei Facebook wie bei Twitter heißt es im Grunde: Gleich und gleich gesellt sich gern. Häufig verbindet man sich mit Menschen, die ähnliche Werte und Interessen haben wie man selbst.
Filterblase oder filter bubble nennt man das Phänomen, dass der angelegte Algorithmus auf der jeweiligen Plattform meist hauptsächlich Informationen und Meinungen einblendet, die unsere bisherigen Ansichten und Interessen weitestgehend bestätigen. So befinden wir uns in einem digitalen Raum, der uns von Menschen abschirmt, mit denen wir selten Kontakt haben, deren Posts kaum geteilt werden oder die sich für andere Dinge interessieren ...
 
Mai 2019: Eine Twitter-Begegnung in der Bahn
„Entschuldigen Sie bitte, darf ich Sie mal fragen, was Sie da machen?“, hörte ich plötzlich eine Stimme neben mir.
„Öhöm, ich schreibe Autogrammkarten. Ich bin Kinderbuchautorin und fahre gerade zu zwei Lesungen. Da wollte ich die Zeit im Zug nutzen …“, erklärte ich der sympathischen Dame am Nebentisch.
„Darf ich davon ein Foto machen und bei Twitter posten? Das interessiert bestimmt meine literaturinteressierten Follower!“
So oder so ähnlich klang der Dialog zwischen mir und Edda Klepp (bei Twitter unter @eddaklepp zu finden). Herausgekommen sind dabei ein spontaner Post, ein sehr nettes Gespräch und eine neue Twitterfreundschaft.
Spreng deine Bubble mit Hashtags
Bei Facebook sehen Freunde deine Posts und du hoffst, dass die Freunde von Freunden eventuell auch deine Beiträge sehen. Dort werden Hashtags kaum unterstützt, aber bei Instagram oder Twitter schon.
Twitter entfaltet mit der Nutzung dieser Hashtags erst sein ganzes Potenzial. Bei Twitter ist zwar nicht viel Platz für Hashtags, denn man hat insgesamt ja nur 280 Zeichen, die man füllen kann, aber zwei bis drei Hashtags pro Post machen Sinn.
Manchmal gibt es regelrechte Twitter-Events zu gewissen Hashtags und Zeiten. Wenn man beispielsweise die Oscarverleihungen, Wahlen oder Sportveranstaltungen wie Weltmeisterschaften verfolgt, gibt es immer die passenden Hashtags, unter denen viele, viele Menschen ihre Gedanken zu diesem Ereignis teilen. Dies gilt auch für Buchmessen und andere Veranstaltungen. Per Hashtag klinkt man sich in den Stream ein und tauscht sich mit Gleichgesinnten darüber aus. Das kann richtig Spaß machen!
 
Humor macht’s!
Ein weiteres Beispiel dafür, dass sich Twitter lohnt, ist mein Mann. Er heißt Christian Friedrich, ist Inhaber einer Ideenagentur, Medienberater, Filmemacher, Moderator und auch Autor. Besonders gut kennt er sich im Bereich Humor aus.
Mein Mann hat Twitter irgendwie immer vergessen (und da ist er nicht der einzige). Immer wieder habe ich ihn daran erinnert, seine Inhalte doch auch noch schnell zu twittern. So auch, als wir in der Agentur ein lustiges Plakat zur Wahl des Abgeordnetenhauses 2016 entwickelt hatten, zu der er als parteiloser Kandidat antrat. Zu der Zeit gab es den Pokémon-Go-Trend und wir wohnen in Pankow, so entstand die Idee zu folgendem Plakat:
 
„Ich hab doch kaum Follower bei Twitter. Das sieht doch niemand!“, meinte er, als ich ihn mal wieder daran erinnerte, das Plakat auch dort reinzusetzen.
Zum Glück hat er es trotz seiner Bedenken getan. Denn durch die richtigen Hashtags (#agh16 und #berlinwahl) entdeckte der Journalist Martin Fuchs Christians Plakat und nahm es auf in einen Artikel mit dem höchst schmeichelhaften Titel: „Wahlplakate des Grauens“. Prompt landete mein Mann bei SPIEGEL ONLINE und in der FAZ. Was für eine Reichweite!
Trotz seiner anfänglich geringen Followerzahlen hat Christian eine beneidenswerte Resonanz bekommen.
Hier zeige ich euch noch ein weiteres Beispiel von Christian:
 
Twitter in der Literaturbranche
Zurück zur Literaturbranche. Verlage sind jetzt nicht alle bei Twitter unterwegs, manche behandeln ihre Konten eher stiefmütterlich. Es gibt aber durchaus Verlage, die spannende Twitterprofile haben. Schaut doch beispielsweise mal …
 
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Autorin: Cally Stronk | https://callystronk.blogspot.com | [email protected]
Weiterlesen in: Federwelt, Heft 138, Oktober 2019
Blogbild: George Pagan III auf Unsplash
 

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Dieser Artikel steht in der Federwelt, Heftnr. 138, Oktober 2019: /magazin/federwelt/archiv/federwelt-52019
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