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Sternstunde eines Autors

der selfpublisher
Phillip P. Peterson
Foto: Zucker Kommunikation

Sternstunde eines Autors
Interview mit Phillip P. Peterson, Gewinner des Kindle Storyteller Awards 2015
 

Auf der letzten Frankfurter Buchmesse wurde Phillip P. Peterson für seinen Science-Fiction-Roman „Paradox – Am Abgrund der Ewigkeit“ mit dem Storyteller Award von Amazon Kindle ausgezeichnet. Die Begründung der Jury: Das Buch zeige über­aus kompetent und gekonnt in fast spielerischer Weise die physikalischen Möglichkeiten und Grenzen auf und lasse den Leser teilhaben an der bemannten Raumfahrt. Der Gewinn für den Autor: ein Preis im Gesamtwert von 30.000 Euro sowie ein Verlagsvertrag mit Bastei Lübbe.
Eigentlich ist Peterson von Beruf Raumfahrtinge­nieur. Für das Schreiben seines Romans „Paradox – Am Abgrund der Ewigkeit“ hatte sich der 38-jährige Rheinländer eine berufliche Auszeit genommen. Aus der Idylle eines Bonner Vorortes, umgeben von reichlich Natur und unterstützt von seiner Familie, ist ein spannender Astronautenthriller über die Reise an die Grenzen der Realität entstanden. Es ist erst der zweite Roman, den Peterson neben diversen wissenschaftlichen Sachthemen veröffentlicht hat. Bereits sein erstes Buch „Transport“ rangierte lange auf Platz 1 der Science-Fiction-Charts bei Amazon.

Über tausend Einsendungen
Dass er mit „Paradox“ den Kindle Storyteller Award gewinnen würde, hätte Peterson nie gedacht: „Ich kann es heute noch kaum glauben, dass mein Roman aus über tausend Einsendungen zum Gewinner gekürt wurde. Das war wie ein Traum, als ich mit dem Preis in der Hand auf der Bühne stand. Ich habe befürchtet, ich wür­de jeden Moment aufwachen.“
Eine befreundete Autorin hatte Peterson auf den Wett­bewerb aufmerksam gemacht. „Ich finde es toll, dass dieser Award ins Leben gerufen wurde. Er trägt mit dazu bei, dass Selfpublishing als ernstzunehmende Form der Veröffentlichung akzeptiert wird“, findet Peterson. Er selbst sei schon lange passionierter Leser elektronischer Bücher und habe früh das Programm Kindle Direct Publishing (KDP) von Amazon für sich entdeckt: „Die Mög­lichkeit, über KDP zu veröffentlichen, hat mich sofort begeistert. Als Autor hat man so die volle Kontrolle über sein Werk, letztendlich sind alle Teilaspekte einer Veröffentlichung in meiner Hand. Vom Lektorat über das Cover und das Marketing redet mir niemand in meine Entscheidungen hinein.“ Das bedeute zwar mehr Verantwortung für Autoren, die typische Aufgaben eines Verlegers übernehmen müssten: „Ich sehe das aber als Vorteil“, sagt Peterson.
Mit den Lesern seiner Bücher steht Peterson im engen Austausch. Über seine eigene Homepage, Facebook und Twitter erhält der Autor viele Rückmeldungen zu seinen Büchern: „Ohne die Rezensionen wäre der Gewinn des Kindle Storyteller Awards nicht denkbar gewesen“, gesteht Peterson. Der Entscheidung der Leser ist es auch zu verdanken, dass „Paradox“ in die Finalrunde des Wettbewerbs gewählt wurde. Die Jury hatte das Buch im Anschluss aus insgesamt fünf Favoriten zum Gesamtsieger bestimmt.

Auf Ihrer Homepage (www.raumvektor.de) steht: „Peterson ist verlagsloser Indie-Autor, gönnt seinen Texten aber ein professionelles Lektorat.“ Haben Sie Ihr Manuskript, mit dem Sie im Oktober 2015 den Kindle Storyteller Award gewannen, lektorieren lassen, bevor Sie es dort einreichten?
Ich würde niemals etwas veröffentlichen, dass nicht zuvor ein professionelles Lektorat durchlaufen hat. Der unabhängige Blick auf ein Buch bringt immer Probleme im Text zutage, seien es Logikfehler, Schwächen in der Handlung oder im Spannungsbogen, ganz abgesehen von der stilistischen Aufwertung des Textes. Wenn ich lektorierte und unlektorierte Fassungen nebeneinanderlege, wird sofort klar, dass Welten dazwischen liegen. Wenn ich Geld für ein Buch bezahle, dann erwarte ich auch eine professionelle Produktion, und da gehört ein Lektorat – ganz abgesehen von einem Korrektorat – unweigerlich dazu. Ich bin auch überzeugt davon, dass das Buch ohne ein Lektorat diesen Wettbewerb niemals hätte gewinnen können.

Teil des Preises war, dass Ihr Buch auch bei Bastei Lübbe erscheint. Seit dem 10. Dezember ist es dort im Programm. Wurde das Buch dort ein weiteres Mal lektoriert?
Das Buch musste von Bastei Lübbe nicht mehr grund­legend lektoriert werden. Die Qualität des von mir in Auftrag gegebenen Lektorats war gut genug für die Verlagsveröffentlichung. Selbstverständlich wurde in Zusammenhang mit der Erstellung der Druckfahnen noch mal ein Korrektorat durchgeführt, das meines Wissens aber keine neuen Fehler zutage brachte.

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem Verlag? Sind Sie auf den Geschmack gekommen? Oder sind Sie lieber als unabhängiger Selfpublisher unterwegs?
Die Zusammenarbeit mit Bastei Lübbe war für mich immer angenehm und von einer professionellen Atmosphäre geprägt. Bei Fragen gab es sofort einen Ansprechpartner, und ich würde jederzeit wieder dort veröffentlichen. Für die Zukunft sehe ich mich allerdings eher als Hybridautor. Es gibt Projekte, die sind für eine Verlagsveröffentlichung gut geeignet, während andere Manuskripte schneller und einfacher als Selfpublisher zu realisieren sind.

Was haben Sie aus der Zusammenarbeit mit Amazon und Bastei Lübbe für sich als Autor gelernt?
Zum einen muss ich erst mal sagen, dass ich von der Zusammenarbeit mit Amazon und Bastei Lübbe nur gute Erfahrungen mitgenommen habe. Ich denke, bessere Partner kann man sich als Autor für seine Projekte nicht wünschen. Aber es gibt auch einige Dinge, die man generell bei der Zusammenarbeit mit Partnerfirmen beachten sollte. So kann ich jedem Autor nur wärmstens empfehlen, vor dem Unterzeichnen von Verlagsverträgen einen spezialisierten Anwalt zu engagieren. Das hat weniger mit Misstrauen zu tun als mit unterschiedlichen Vorstellungen von der Zukunft der eigenen Projekte. Wenn man mit dem Gedanken spielt, seine Bücher vielleicht irgendwann einmal selber in andere Sprachen übersetzen zu lassen, sollte man das bereits im Vorfeld vertraglich berücksichtigen. Kritisch können auch Optionen für zukünftige Werke sein.

Hat sich Ihr Leben als Autor seit letztem Herbst verändert? Und falls ja, wie?
Eigentlich nicht. Der anfängliche Rummel hat sich nach einigen Interviews schnell wieder gelegt, und es kehrte wieder die nötige Ruhe ein, um mich dem nächsten Roman widmen zu können, der demnächst erscheint. Einen größeren Einfluss auf mein Leben hatte dann eher die Geburt meines Sohnes, der einige Tage vor der Preisverleihung auf die Welt kam.

Herzlichen Glückwunsch zum Nachwuchs! Was raten Sie Selfpublishern, die beim nächsten Storyteller Award mitmachen wollen?
Es ist eher ein allgemeiner Ratschlag für alle angehenden Autoren, wenn ich sage, dass man sein Buchprojekt so professionell wie irgend möglich umsetzen sollte. Das fängt bei der Konzipierung der Story an, wo der grundlegende Spannungsbogen und auch die Charakterisierungen der Hauptfiguren bereits festgelegt werden sollten, auch wenn einige Autoren eine andere Arbeitsweise haben. In meinen Augen unbedingt nötig sind ein professionelles Lektorat und ein ansprechendes Cover, das ich bei einer Grafikdesignerin in Auftrag gebe. Sicherlich kostet das erst einmal Geld, aber als Au­tor ist man gleichzeitig auch Unternehmer, und ich kann nicht erwarten, mit einem Produkt Erfolg zu haben, in das ich nicht zu investieren bereit bin. Um eine Chance bei dem Storyteller Award zu haben, muss man zunächst einmal die Leser für sich gewinnen und das geht nur, wenn man ihnen ein gutes Buch vorlegt. Gute Ideen gibt es viele, aber oft scheitert es an der Umsetzung.

Wenn Sie könnten – würden Sie Ihren Beruf als Ingenieur an Satellitenprogrammen aufgeben und nur noch schreiben wollen?
Ich bin bereits seit über einem Jahr hauptberuflich als Autor tätig, wobei ich aber noch ein anderes Standbein habe. Ich hoffe, mich eines Tages ausschließlich dem Schreiben widmen zu können. Ich habe wahrscheinlich mehr Ideen für zukünftige Buchprojekte, als ich jemals umsetzen kann.

Interview mit: Phillip P. Peterson | www.raumvektor.de
Geführt von: Ingrid Haag | www.ingrid-haag.de
In: der selfpublisher, Heft 1, März 2016