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Leonie Looping von Cally Stronk - Wie ein Kinderbuch zum Spitzentitel wurde

Federwelt
Cally Stronk
Spitzentitel Leonie Looping von Cally Stronk mit Illustrationen von Constanze von Kitzing

Wie ein Buch zum Schwerpunkttitel wurde und Marketingbudget erhielt - ein Fallbeispiel.

Spitzentitel/Schwerpunkttitel – und was dahintersteckt
Viele von euch werden das kennen. Man hat viel Zeit und Liebe in ein Buchprojekt gesteckt und freut sich, dass man endlich einen Verlagsvertrag in der Tasche hat. Doch dann wird man enttäuscht, weil man das Gefühl hat: Der Verlag tut nichts oder zu wenig für den Titel. Das ist leider bei dem Großteil der Bücher der Fall. Zwar landen sie in der Vorschau, sind auf der Website zu finden und werden auf der Buchmesse in einem Regal präsentiert – aber mehr passiert selten.
Nur wenige Bücher schaffen es, Spitzentitel oder Schwerpunkttitel zu werden. Die Bezeichnung variiert von Verlag zu Verlag, bedeutet aber immer, ein Marketingbudget zu erhalten. Doch was tun ohne Werbung? Die Märkte sind gesättigt, die Buchläden bis oben hin voll mit Titeln … Neue Bücher müssen beworben werden, damit man bestimmte Verkaufszahlen erreichen kann. Die BuchhändlerInnen und die Medien müssen überzeugt oder zumindest informiert werden. Was der Verlag konkret für Werbung macht, welche Ideen rund um das Buch er dann doch finanziert, hängt von vielen Entscheidungen ab. Natürlich stehen dabei wirtschaftliche Interessen im Vordergrund.
Die Verlage diskutieren im Vorfeld über ihr Programm und legen fest, welche Priorität einzelne Titel bekommen. Nach meiner Erfahrung sind es oft Lizenzen aus dem Ausland oder Bücher von etablierten Bestsellerautoren, die den Zuschuss erhalten und Spitzentitel oder Schwerpunkttitel werden. Manchmal ist es auch so, dass sich Verlage in ein Manuskript verlieben und daran glauben und Projekte von NachwuchsautorInnen eine Chance bekommen. Es ist also auch eine Menge Glück, der oder die Auserwählte zu sein. Das Thema muss neu oder brisant sein und eine hohe Resonanz versprechen.

Leonie Looping – ein Fallbeispiel
Ich selbst hatte das Glück, dass meine Buchreihe Leonie Looping zum Schwerpunkttitel im Ravensburger Buchverlag wurde. Leonie Looping ist eine Kinderbuchserie für Erstleser mit 96 Seiten – das entspricht etwa 25.000 Zeichen mit Leerzeichen –, vollillustriert, vierfarbig. Im Zentrum der Serie steht ein Mädchen, das mithilfe von Schrumpferbsen zur Schmetterlingselfe werden kann und mit ihren Freunden spannende Abenteuer erlebt. Mittlerweile arbeiten wir am sechsten Band und ich bin immer wieder überrascht, was alles von Verlagsseite möglich ist, um die Bücher zu platzieren.
Dass Leonie Looping Schwerpunkttitel geworden ist, war von Seiten des Verlages nicht von Anfang an geplant. Es ist irgendwie einfach so passiert. Und natürlich kann man spekulieren, warum. Ich denke, dass da verschiedene Faktoren zusammengekommen sind:

  • Ich bin zu dem Zeitpunkt schon eine erfahrene Autorin gewesen, hatte über 20 Bücher veröffentlicht – vom kleinen Pixi-Buch über Bilderbücher bis hin zu Abenteuergeschichten für das Grundschulalter. Keine Bestseller, aber durchaus auch erfolgreiche Titel wie die Giraffenaffen-Serie.
  • Ich habe mir durch die vorherige Zusammenarbeit mit verschiedenen Verlagen und durch den Austausch mit erfahreneren KollegInnen immer mehr Wissen über die Kinderbuchbranche und die verschiedenen Möglichkeiten der Buchvermarktung angeeignet. Diese Erfahrung ist in das Projekt eingeflossen. Zudem konnte ich meine Ideen besser formulieren und klarer kommunizieren. Ich bin vom Typ her immer offen für Neues und bereit, ständig dazuzulernen.
  • Im Ravensburger Buchverlag erscheinen sehr erfolgreiche Marken und Reihen. Im Bereich Erstleser suchte Ravensburger einen Seriencharakter mit Potenzial, um ihn neben der Produktmarke Leserabe aufzubauen. Er sollte gerne etwas frecher sein. Thema und Ausarbeitung überzeugten.
  • Der Titel passte wunderbar ins Verlagsprogramm. In Abstimmung mit dem Verlag wurden die Bücher formatgerecht entwickelt. (Klare Zielgruppe, klares Genre.)
  • Die Illustratorin Constanze von Kitzing und ich haben wahnsinnig viel Zeit und Liebe in die Bücher gesteckt. Unser Motto war und ist: Wir wollen nur noch Lieblingsbücher machen, beste Qualität abliefern, sowohl inhaltlich, als auch visuell. Immer wieder haben wir uns selbst hinterfragt, das Mädchen-/Frauenbild angesehen, das wir vermitteln, und auch die Werte, die den Geschichten zugrunde liegen. Uns war es wichtig, Geschichten zu schaffen, die nicht nur spannend und witzig sind, sondern auch ein solides Fundament haben: In unseren Büchern sollen Werte wie Toleranz, Hilfsbereitschaft und Umweltbewusstsein ganz selbstverständlich sein. Constanze und ich verstehen uns als Team und so werden wir auch wahrgenommen. Der Verlag war begeistert von unserem Engagement und merkte bereits zu Beginn des Projektes, dass wir sehr viel Herzblut investierten.
  • Die aktuelle Umwelt-Thematik passt zum Zeitgeist. Auch wenn der Verlag das Thema nicht in den Vordergrund stellt, scheint es viele Eltern anzusprechen. Besonders im vierten Band Das Rätsel um die Bienen, der im Frühjahr erscheint, spielt das Thema Umweltschutz eine große Rolle. Wir sind gespannt, wie das Buch ankommt.

Wie das Projekt zum Verlag kam und umgekehrt
Doch wie ist es dazu gekommen, dass das Projekt den Verlag fand? Oder war es umgekehrt?
Mein Tipp ist: Tretet selbstbewusst und kooperativ auf, seid offen für Feedback und hört genau zu, wo die Bedenken sind! Wir Autorinnen und Autoren sind keine Bittsteller, wir haben etwas Wertvolles anzubieten, das der Verlag braucht: unsere Ideen und Geschichten. Der Verlag hat aber auch mega viel Erfahrung, die uns helfen kann, uns weiterzuentwickeln. Vielleicht ist dieses eine Gespräch, das ihr gerade führt, der Beginn einer guten Zusammenarbeit …
Bei unserem Projekt fing alles mit einer Interviewanfrage an. Ich produziere und moderiere gemeinsam mit meiner guten Freundin Constanze von Kitzing von Zeit zu Zeit die Internet-Sendung Neues aus der Bücherwelt (www.neuesausderbuecherwelt.blogspot.com), in der wir Menschen aus der Verlagsbranche vorstellen und ihre Sicht auf den Buchmarkt. Es geht darum, dem AutorInnen/IllustratorInnen-Nachwuchs gebündeltes Wissen zugänglich zu machen.
Für unsere Sendung habe ich also den damaligen Ravensburger Geschäftsführer Dr. Martin Bethke um ein Interview gebeten. Herr Bethke antwortete recht zügig und schlug gleichzeitig vor, im Gegenzug mal gemeinsam ein Buch zu machen. Da schrieb ich spontan die Antwort, er müsse, wenn schon, mehrere Bücher mit mir machen, da ich derzeit an einer Serie arbeiten würde. Und prompt bekam ich die Einladung, mein Konzept an den damaligen Ravensburger Geschäftsführer zu schicken, der es an die zuständigen Stellen zur Prüfung weiterleitete, genauer: in die Redaktion „Erzählendes Kinderbuch“.
Vier Tage später bekam ich eine Zusage. Für vier Bände. Das eingereichte Konzept gab einen Überblick über die Idee, die Charaktere, Orte und mögliche Geschichten. Zudem beinhaltete es einen Probetext und einen Haufen Crossmedia- und Transmedia-Ideen. Also Ansätze, wie man die Geschichte in anderen Medien verwenden kann und auch Merchandising-Ideen waren angedacht. Schon damals hatten wir das Projekt groß angelegt und konnten es uns in viele Richtungen vorstellen.

Von der Idee zum Buch: Kooperation
Ohne ein starkes Thema, ein Konzept, das begeistert, hat man keine Chance. Ob Einzeltitel oder Serie – die Vielfalt der Möglichkeiten ist groß. Ich entscheide mich immer dafür, die Ideen auszuarbeiten, wo ich selbst am meisten Lust draufhabe. Die, die das gewisse Kribbeln auslösen.
Entstanden ist unsere Idee zu Leonie Looping durch ...

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Autorin: Cally Stronk | www.callystronk.blogspot.de
Weiterlesen in: Federwelt, Heft 128, Februar 2018
Illustration: Constanze von Kitzing

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