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Die Plot FAQ

Federwelt
Mascha Vassena

Die Plot-FAQ
Von Mascha Vassena
Plotten: ein Muss, ein Kann, was dazwischen? Wie geht es, was bringt es, was macht einen Plot originell? Das Federwelt-Team hat die häufigsten Fragen rund ums Plotten gesammelt und Plotprofi Mascha Vassena vom Autorendienst gebeten, diese zu beantworten.

Wozu braucht man einen Plot?

 

Der Plot ist die Reiseroute durch eine Geschichte, von ihrem Anfang bis zum Ende. Wie im wirklichen Leben kann man einfach ins Blaue fahren, und wenn man Glück hat, Wunderbares entdecken. Aber meistens verfährt man sich, verliert jede Menge Zeit und endet in einem schlechten Restaurant mit Aussicht auf einen vermüllten Parkplatz.

 

Ein Plot hilft dabei, sich das Thema der Geschichte bewusst zu machen und die Entwicklung der Figuren darauf abzustimmen. Er legt wichtige Stationen der Geschichte fest und gibt AutorInnen während des Schreibens jederzeit den Überblick darüber, wo sie sich gerade befinden. Dadurch können sie sich aufs Schreiben konzentrieren.

Das bedeutet nicht, dass man seine Intuition ausschalten sollte. Ich glaube an die Macht des Unbewussten: Sie macht die Magie des Schreibens aus.

Wie finde ich meinen Plot?

Wenn du Probleme hast, die Grundidee zu einer Geschichte auszuarbeiten, hilft es, die Hauptfigur vor eine Wahl zu stellen, die sie in eine Zwickmühle bringt. Welchen Weg sie auch wählt, er wird Vor- und Nachteile für die Figur haben und sie wird mit den Konsequenzen zurechtkommen müssen. Und du solltest herausfinden, über welches Thema du schreibst. Frage dich nicht, was in deiner Geschichte passiert, sondern worum es geht. Wie meine Agentin einmal sagte: „Was wird in dieser Geschichte eigentlich verhandelt?“

Muss ich dann schon den Schluss der Geschichte kennen?

Wenn du mit dem Plotten beginnst, nicht unbedingt, aber wenn du mit dem Plotten fertig bist. Siehe oben: Wenn ich nicht weiß, wohin ich will, kann ich auch die Reiseroute nicht festlegen. Ich frage mich immer: „Was soll meine Hauptfigur durch die Geschichte lernen?“ Wenn ich das weiß, ergibt sich das Ende ganz natürlich aus der Handlung.

Was ist, wenn sich beim Schreiben etwas ändert?

Das macht gar nichts, im Gegenteil. Ein Plot wird nicht in Stein gemeißelt und beim Schreiben spielt Intuition eine große Rolle. Änderungen solltest du aber in den Plotplan einarbeiten, ebenso wie deren Folgen für den weiteren Handlungsverlauf.

Wie detailliert plotte ich: die reine Handlung oder Kapiteleinteilungen und einzelne Szenen?

Das richtet sich ganz nach deinem Bedürfnis. Du solltest dich anhand des Plotplans in deiner Geschichte orientieren und alle wichtigen Zusammenhänge erkennen können. Manchen Autorinnen und Autoren genügt ein grober Überblick, andere plotten jede Szene detailliert.

Muss ich von Anfang an wissen, zu welchem Genre meine Geschichte gehört?

Die Genres und die jeweiligen Genrekonventionen zu kennen, macht es einfacher, dein Manuskript an Verlage zu verkaufen. Eigentlich ist es aber Sache der Agentur oder des Verlages, eine „Schublade“ (und damit das spätere Regal) für den Roman zu finden.

Recherchiere ich, bevor ich den Roman plane oder erst während des Schreibens?

Eine Vorab-Recherche ist sinnvoll, weil du dadurch oft auf die besten Ideen kommst.

Was genau macht einen Plot originell?

Eine originelle Geschichte entsteht, wenn die Autorin, der Autor eine ganz eigene Art findet, seine Geschichte zu erzählen, statt sich an den Geschichten anderer zu orientieren. Ein neues Thema und ein Setting, das man nicht schon aus vielen anderen Büchern kennt, sowie eine ungewöhnliche Erzählstruktur tragen dazu bei. So zu schreiben ist riskant, weil man nicht auf ausgetretenen Pfaden wandelt. Schreiberisch ist ein origineller Plot die größere Herausforderung, finanziell das größere Wagnis, weil er sich häufig schwieriger verkaufen lässt als ein Me-too-Roman.

Was kann ich tun, wenn Figuren sich selbständig machen?

Folge ihnen und beobachte, ob ihr Verhalten zur Geschichte passt, die du schreiben willst. Wenn nicht, möchtest du unbewusst vielleicht eine ganz andere Geschichte erzählen und solltest deinen Plotplan dahingehend ändern.

Woran liegt es, wenn es mit dem Plot(ten) nicht klappen will? Und wie kann ich das Problem/die Mängel beheben?

Meistens liegt es daran, dass du dein Thema noch nicht kennst. Dann solltest du dich noch einmal fragen: Worum geht es in meiner Geschichte? – Auch über die Motivation deiner Figuren solltest du dir klar sein: Wonach streben sie bewusst und unbewusst? Welches innere Bedürfnis treibt sie an?

Du kannst ruhig Plotmodelle zu Hilfe nehmen: die Heldenreise, die Dreiaktstruktur, das Vier- oder Fünfaktmodell, die Schneeflockenmethode ... Ich mag die Sieben-Punkte-Struktur von Dan Wells, aber jedeR AutorIn muss herausfinden, welches Plotmodell ihr oder ihm am meisten liegt.

Was bemängelt ein Lektor, wenn er sagt: „Ihr Plot trägt nicht über einen ganzen Roman“?

Seine Aussage kann bedeuten, dass die Geschichte der Hauptfigur nicht genug Möglichkeiten bietet, sich zu entwickeln. Oder dass sie nicht genug ausgearbeitet ist, um über 250 oder mehr Seiten hinweg interessant zu bleiben. Oder dass nicht genug auf dem Spiel steht. Oder dass die Grundidee einfach nicht zündet. Am besten die Lektorin, den Lektor direkt fragen, was genau sie/er meint.

Wie kann ich selbst prüfen, ob mein Plot über einen ganzen Roman trägt?

Ein Kapitel- oder Szenenplan gibt dir die Sicherheit, deine Geschichte bis zum Ende durchdacht zu haben. Wahrscheinlich spürst du, ob dein Plot rund ist oder ob noch etwas fehlt. Was genau das ist, lässt sich manchmal nur schwer erfassen. Dann hilft es, wenn jemand von außen sich den Plot ansieht. Das kann eine gute Testleserin sein, der eigene Agent, die Lektorin oder ein Schreibcoach. Bitte nicht die beste Freundin oder Verwandte! Oft genügt es aber auch, die Geschichte einige Wochen ruhen zu lassen. – Im Hinterkopf arbeitet sie weiter und plötzlich liegt die Lösung auf der Hand.

J. K. Rowling hat sich für jedes Ereignis, das in den „Harry Potter“-Büchern stattgefunden hat, ein festes Datum notiert. Sollte man es als AutorIn so genau nehmen?

Unbedingt. Gerade bei mehreren parallel laufenden Zeitsträngen solltest du die zeitlichen Abläufe aufeinander abstimmen. Wenn Figur A nach einem Unfall drei Monate im Koma liegt, im Strang von Figur B aber nur drei Wochen vergehen, kommst du als AutorIn in Erklärungsnot.

Aber auch bei einer linearen, eingleisigen Handlung solltest du wissen, an welchem Wochentag eine Szene spielt, damit du Ladenöffnungszeiten, einen Kirchen- oder Kneipenbesuch logisch einarbeiten kannst. Erstreckt sich die Handlung über einen längeren Zeitraum, gilt es, auch die Jahreszeiten sowie das entsprechende Klima und die daran angepasste Kleidung der Figuren zu berücksichtigen.

Behindert das Plotten nicht die Kreativität?

Nein. Es fördert spontane Einfälle eher, als sie zu verhindern. Wie gesagt solltest du diese aber in den Plotplan einarbeiten, um ihn aktuell zu halten.

Entstehen so nicht „Reißbrettromane“?

Ein Architekt, der ein Haus nicht am Reißbrett plant, sondern einfach drauflos baut, würde wohl für verrückt erklärt. Nun ist Schreiben nicht bloß Handwerk, sondern im besten Fall auch Kunst. Je mehr Erfahrung du bekommst, umso freier wirst du beim Schreiben. Anfangs ist es allerdings sinnvoll, sich an bewährte Erzählstrukturen zu halten. Plotmodelle können helfen, den eigenen Stoff zu strukturieren. Ob dabei ein Reißbrettroman im Sinn von „ideenlos“ herauskommt, liegt ganz bei dir: Ist der Handlungsverlauf deiner Geschichte zu vorhersehbar? Dann: neu planen und überraschende, aber plausible Wendungen einbauen.

Komme ich da überhaupt noch in den Flow?

Und wie! Bei der Planung kannst du dich ganz auf die Handlung und die Figuren konzentrieren, beim Schreiben auf die Sprache und die Dialoge. Weil du dich nicht verzettelst, kannst du dich ganz dem Schreibrausch hingeben.

Was sind Plotpoints?

Ein Plotpoint ist schlicht ein Wendepunkt in der Romanhandlung, an dem sich etwas Entscheidendes ändert. Hauptwendepunkte in der klassischen Dreiaktstruktur sind: der erste Plotpoint, der Midpoint und der zweite Plotpoint. Was dort jeweils genau passiert, wird in Schreibratgebern unterschiedlich definiert. Wichtig ist, dass die Ereignisse die Hauptfigur in eine neue Richtung schicken. Die erste Wendung findet in der Regel statt, wenn die Hauptfigur neue Erkenntnisse gewinnt, zum Beispiel über die Hintergründe von Ereignissen, und daraufhin ihre Ziele neu ausrichtet. Dabei sollte ihr Handeln sie näher an das, was sie im Verlauf der Geschichte lernen soll, heranführen. Eine weitere Wendung geschieht, wenn die Figur über sich selbst hinauswächst: ab da gibt es kein Zurück zu ihrem früheren Selbst. Darüber hinaus gibt es weitere Wendepunkte in einer Geschichte. Zum Beispiel gerät die Hauptfigur unter immer stärkeren Druck, oder es taucht ein Hindernis auf, das sie kurz bevor sie ihr Ziel erreicht, noch einmal zurückwirft.

Wie finde ich einen Plot?

Ausgangspunkt einer Geschichte ist immer eine Idee. Ideen fliegen in der Gegend herum und manchmal gelingt es, eine von ihnen einzufangen. Eine Idee allein ist noch keine Geschichte. Ein Plot, also eine Handlung, entsteht, wenn die Idee anfängt, Wurzeln zu schlagen und auszutreiben. Dazu benötigt es Figuren mit gut durchdachter Motivation, einen zentralen Konflikt und ein Thema.

Wie notiere ich einen Plot?

Das kommt ganz darauf an, was dir am meisten liegt. Ein Plotplan kann eine Tabelle sein, in der verschiedene Handlungsstränge nebeneinander herlaufen. Oder eine Kapitel- oder Szenenliste, entweder in fortlaufender Folge in einem Dokument oder als Sammlung von Karteikarten an einer Wäscheleine/einer Pinnwand oder Klebezetteln auf dem Badezimmerspiegel. Programme wie Scrivener oder DramaQueen helfen bei der Plotplanung, indem sie virtuelle Karteikarten oder Zeitleisten zur Verfügung stellen.

Wie behalte ich die Übersicht?

Indem du jede Szene oder jedes Kapitel in deinem Handlungsplan mit einer Nummer, einer aussagekräftigen Überschrift, dem Handlungsort, Datum/Wochentag und Tageszeit der Handlung versiehst. Das geschriebene Kapitel/die Szene sollte mit genau denselben Informationen überschrieben werden, damit du immer weißt, an welchem Punkt der Handlung du dich befindest. Auch hier sind Programme hilfreich, die es ermöglichen, Szenen oder Kapitel getrennt zu halten und nach Bedarf zu verschieben.

Wo ist der Punkt, an dem ich meinen Figuren glauben und ihnen folgen sollte?

Es ist völlig in Ordnung, den Plotplan über Bord zu werfen. Geschichten entwickeln sich manchmal ganz anders als gedacht. Aber dann solltest du schleunigst einen neuen Plotplan erstellen, um nicht in deiner eigenen Geschichte zu ertrinken. Ein Plot ist das Floß, das dich über Wasser hält.

Beim Schreiben kommen einem fast immer neue Ideen. Prüfe, ob sie in den Plot hineinpassen. Dazu gibt es eine einfache Methode, frage dich: Dient die neue Idee dazu, die Figur näher an ihr Lernziel heranzuführen oder sie davon abzuhalten? Ist die neue Idee geeignet, das Thema der Geschichte herauszuarbeiten?

Wie gebe ich dem Plot eine interessante Wendung?

Eine überraschende Wendung kann auf unterschiedliche Arten eintreten. Durch ein überraschendes Ereignis von außen, das die Hauptfigur vor neue Schwierigkeiten stellt: Ein Erdbeben zerstört die Straße, ein Mann mit einer geladenen Pistole betritt das Zimmer, ein wichtiger Gegenstand geht verloren. Oder durch neue Erkenntnisse, die die Hauptfigur zwingen, ihre Ziele neu zu definieren: Der Liebhaber entpuppt sich als Halbbruder, eine schlimme Erinnerung kehrt zurück, der bisherige Hauptverdächtige war zur Tatzeit nicht in der Stadt.

Diese Wendungen sollen die Leser überraschen, dürfen aber nicht willkürlich, aus heiterem Himmel stattfinden, sondern müssen die Handlung und damit die innere Entwicklung der Hauptfigur vorantreiben.

Wann habe ich genug Ereignisse im Plot, wann sind es zu viele?

Das kommt ganz auf die Geschichte an und lässt sich daher nicht pauschal beantworten. Manche Geschichten verlangen viel Action, andere kommen fast ohne äußere Handlung aus. Ich wiederhole, weil es so wichtig ist: Alles, was in Romanen geschieht, dient dazu, die Handlung und die Figurenentwicklung voranzutreiben. Mein Tipp: Frage dich bei jeder Szene, wozu du sie benötigst. Kannst du das nicht beantworten, streiche die Szene lieber.

Wann ist der Schluss gut?

Ein Romanende ist gelungen, wenn die Hauptfigur ihr Lernziel erreicht hat, also der Abschnitt ihrer inneren Entwicklung abgeschlossen ist, den die Leserinnen miterleben durften. Ein Happy End, ein Scheitern und alles dazwischen ist dann möglich. Ich finde es schön, wenn das Ende auch etwas offen lässt, sich der Leser also selbst überlegen kann, wie es mit der Hauptfigur wohl weitergeht.

Was geschieht, wenn ich mich zu sehr an meinen Plot halte?

Wenn der Plot gut durchdacht ist, schreibst du mit hoher Wahrscheinlichkeit einen guten Roman.

 

Mascha Vassena | http://autorendienst.net
In: Federwelt, Heft 120, Oktober 2016