Sie sind hier

Suchformular

Die Landingpage zum Buch

Federwelt
Collin Croome

Die Landingpage zum Buch – Ein wirksames Instrument zur Vermarktung?
Collin Croome im Interview mit Anke Gasch
Was ist eigentlich eine Landingpage? Was kann sie für mich als AutorIn leisten? Wie unterscheidet sie sich von einer üblichen Homepage? Diese Fragen und mehr beantwortet Collin Croome, Experte für Social-Media-Marketing, im Gespräch mit Anke Gasch. Croome ist Inhaber und Geschäftsführer einer Agentur für digitale Markenführung, gefragter Vortragsredner und Autor.

Herr Croome, ich habe gehört, dass AutorInnen eine Landingpage zu ihrem Buch erstellen sollten, um es bestmöglich im Netz zu vermarkten. Was ist denn überhaupt eine Landingpage (zu Deutsch: Landeseite)? Und was unterscheidet sie von einer Homepage?

 

Eine Landingpage ist eine speziell eingerichtete Mini-Website, die ein bestimmtes Thema und Ziel hat. Ich kann sie so einrichten, dass ich auf der Seite ein Produkt vorstelle, E-Mail-Adressen sammele oder das Produkt direkt verkaufe. Wichtig ist, ein klares Ziel zu verfolgen und alle Inhalte daraufhin zu optimieren. Weniger ist hier mehr.

 

Für ein Buch gedacht heißt das: Ich erstelle eine Seite zum Buch, hinterlege dort ein Inhaltsverzeichnis und biete – kostenlos – ein Probekapitel als PDF an. Bevor die Besucher meiner Seite dieses aber runterladen können, müssen sie ihre E-Mail-Adresse eintragen. Diese kann ich später für mein Online- und Newsletter-Marketing verwenden. Ich kann natürlich auch etwas schreiben wie: Unter allen, die sich anmelden, verlose ich jeden Monat zehn signierte Bücher. Rechtlich ist zu beachten, dass der Nutzer seine Anmeldung zunächst bestätigen muss, bevor ich ihn später per Newsletter kontaktieren darf. Man spricht hier vom „Double-opt-in“-Verfahren.

Das einfache „Opt-in“ geschieht beim Einholen der Adresse: Da biete ich ausdrücklich an, weitere Mails oder Newsletter an den Nutzer zu senden und bitte ihn dafür um Zustimmung. Nun ist der Nutzer mein Abonnent. Dem sende ich nun aber nicht einfach den nächsten Newsletter, sondern frage per Mail noch einmal nach, ob er tatsächlich weiter Nachrichten von mir erhalten möchte. Erst wenn er dies durch einen Klick in meiner Mail bestätigt, darf ich ihn auch später kontaktieren.

Warum die doppelte Absicherung? Damit eindeutig ist, dass der Nutzer die Infos selbst angefordert hat und nicht irgendjemand anders.

Eine Landingpage beinhaltet also immer eine Aufforderung zu einer Aktion und damit ein Anmeldeformular oder einen Link zum Webshop. Sie ist speziell auf das Produkt optimiert. Natürlich stelle ich als Autor meine Bücher auch auf meiner regulären Homepage vor, verlinke dann aber für mehr Informationen direkt auf die jeweilige Landingpage.

Wichtig ist auch, dass die Landingpage eine eigene Webadresse (URL) hat: Statt hans-mueller.de würde diese dann meinbuch.hans-mueller.de oder titel-meines-buches.de lauten.

Auf meiner Homepage stelle ich mich auch als Person und Experte vor – mit allem, was ich sonst noch biete. Auf der Landingpage geht es einzig um mein Buch und was ich damit erreichen will.

Als AutorIn ist mein großes Ziel also, Menschen, die sich für mein Buch interessieren könnten, auf meine Buchseite zu locken, sie dort konkret über mein Werk zu informieren und sie mit diesen Infos zum Klick auf den „Kaufen-Button“ zu verführen ...

Es gibt verschiedene Arten von Landingpages, die aber jeweils ein klares Ziel verfolgen sollten: Ein Ziel könnte es sein, das eigene Buch über Amazon zu verkaufen. Mit einem sogenannten „Empfehlungslink“ (Affiliate-Link) verdienen Sie bei jedem verkauftem Buch einen bestimmten Prozentsatz (zurzeit 8 Prozent) mit. Sie erhalten also eine Provision. (Bei einem Affiliate-Link erkennt der Shop, von welcher Website der Kunde kommt, und kann den Umsatz einem Vertriebspartner direkt zuordnen.) Mehr Informationen gibt es unter https://partnernet.amazon.de.

Wenn Sie das Buch selbst – sprich direkt – verkaufen wollen, sollten Sie ein Bestellformular auf der Landingpage integrieren und dort bestenfalls die Möglichkeit bieten, das Buch direkt per PayPal, Kreditkarte oder Sofortüberweisung zu bezahlen. Hierfür gibt es diverse Payment-Provider und -Services, die Sie einbinden können.

Und dann können Sie, wie gesagt, E-Mail-Adressen sammeln und einen Datenpool von Interessenten oder potenziellen Kunden aufbauen, die Sie langfristig per Newsletter ansprechen können. Ein praktisches Tool hierfür ist beispielsweise MailChimp (www.mailchimp.com).

Was müssen AutorInnen beim Aufbau der Seite beachten, wenn das Ziel die Verführung zum Kauf ist?

Oft wollen Besucher nicht sofort kaufen, sondern sich erst mal informieren und umschauen. Deshalb sollte ich als Autor dem potenziellen Kunden die Möglichkeit bieten, mehr über mein Buch in Form eines Inhaltsverzeichnisses und Probekapitels zu erfahren. Auch wäre es gut, der Seite einen Mehrwert zu geben: zum Beispiel mit einem Video, in dem ich mein Buch vorstelle. Dies macht das Ganze sehr viel persönlicher. Jeder hat heute in seinem Smartphone eine Kamera, mit der man Videos in guter Qualität selbst produzieren kann.

So ein Smartphone-Video – wirkt das nicht zu laienhaft?

Das muss heutzutage gar nicht alles super professionell sein. Lieber authentisch und echt. Wichtig sind eine helle Umgebung und dass der Ton gut ist. Dafür könnte man ein externes USB-Mikrofon nehmen. Wenn nötig, kann ich das Video später mit Gratiswerkzeugen wie iMovie oder VideoSpin schneiden. Natürlich sollte man zu Beginn den Titel einblenden und am Ende die Adresse der Landingpage.

Mein Leitsatz: Ich halte die Seite kurz, prägnant und visuell! Die Leute wollen im Web nicht lange lesen, sie wollen Information und Unterhaltung. Für alle Autoren, die gerne und viel schreiben, ist das vielleicht ein wichtiger Hinweis: Die Kunst ist, dass ich auf der Landingpage mein Buch auf den Punkt bringe – vom Werbetext bis zum Video.

Auch wichtig: Dass ich kreativ bin und mir überlege, was ich anbieten kann, um potenziellen Kunden einen Mehrwert zu bieten, vor allem, wenn sie mir ihre Mail-Adresse hinterlassen. (Ich möchte ja gern wissen, wer sich generell für mich und mein Buch interessiert.)

Für ein Sachbuch zum Beispiel weiterführende Links, Charts, Checklisten oder Formulare als Download oder „Die zehn besten Tipps, wie ...“. Oder ein Interview, das im Buch keinen Platz mehr gefunden hat. Alles mit dem Ziel, den User letztlich zum Kauf zu verführen. Und natürlich: Ich muss dem Besucher klar kommunizieren, was er davon hat, mir seine Adresse zu geben. Zum Beispiel: Sie sind der Erste, der davon erfährt, wenn ich ein neues Buch schreibe, wo ich eine Lesung halte, wann ich auf welcher Messe bin ...

Und was kann ich tun, damit möglichst viele BesucherInnen auf meiner Buchseite landen?

Ja, das ist oft das Problem: Jetzt habe eine Landingpage und keiner kennt sie. – Das heißt, ich sollte auf allen Marketing-Kanälen, die mir zur Verfügung stehen, die Adresse meiner Landingpage kommunizieren. Welche sind das? Das können Visitenkarten sein, meine E-Mail-Signatur, Werbemittel vom Verlag und natürlich: Facebook, Twitter, Instagram, XING, LinkedIn ... Die Voraussetzung für die Nutzung der sozialen Medien ist, dass die gewählten Kanäle vorher von mir kontinuierlich aufgebaut worden sind. – Sonst rufen Sie ins Nichts.

Eine sehr effektive Möglichkeit ist bezahlte Werbung über Google AdWords, Facebook- oder Twitter-Anzeigen. Dort kann ich die für mich relevante Zielgruppe exakt definieren und mit wenig Budget Werbung schalten, die dann entweder direkt auf meine Landingpage oder auf mein Facebook- oder Twitter-Profil verlinkt.

Was passiert durch bezahlte Werbung bei Google AdWords?

Je mehr ich für diese Werbung zahle, also für das Schalten einer Anzeige, desto häufiger und länger wird diese bei Google angezeigt – zusammen mit dem Link zu meiner Landingpage. Sucht ein potenzieller Kunde nach bestimmten Schlüsselwörtern zu meinem Buch, habe ich also eine größere Chance, dass er auf mich und mein Buch stößt.

Diese Schlüsselwörter sind aber auch wichtig, wenn ich keine Anzeige schalten möchte oder kann ...

Richtig. Damit meine Landingpage bei der organischen Suche gefunden wird, sollte ich so oder so dafür sorgen, dass sie SEO-gerecht ist, also „suchmaschinenoptimiert“. Bestmöglich wäre es, wenn sie unter den ersten zehn Treffern angezeigt wird, denn nur die erscheinen auf der ersten Seite der Suchmaschinen. Damit ist klar, wie schwierig das ist. Auch bei bezahlter Werbung ist das schon eine Herausforderung. Deshalb ist auch die Offpage-Optimierung wichtig: Ich unterstütze das „Gefundenwerden“ durch die Verlinkung von anderen Seiten, zum Beispiel indem ich meine Seite auf der Autorenwelt (www.autorenwelt.de) eintrage oder Freunde und Kollegen darum bitte, auf sie zu verlinken. Je mehr auf meine Landingpage von reichweitenstarken Websites, Blogs und Social Networks verlinkt wird, umso besser.

Und wie finde ich die passenden, originellen Schlüsselwörter – auch Keywords genannt –, die dafür sorgen, dass mein Werk von den Suchmaschinen an prominenter Stelle angezeigt wird?

Das beste Tool dafür ist Google selbst: Im ersten Schritt suchen Sie dort nach allen Themen und Inhalten, die zu Ihrem Buch und seinem Inhalt passen. Und dann schauen Sie, welche Seiten zuerst angezeigt werden und wie diese aufgemacht sind. Klicken Sie sich einfach durch die Websites der ersten drei bis vier Google-Ergebnisseiten und beurteilen Sie selbst: Wie ist die Optik? Wie sind die Inhalte aufgebaut? Wie wird Social Media genutzt? Welche Schlüsselwörter sind im Text enthalten? – Im Grunde lernen Sie dabei von Ihren Mitbewerbern. Sie versetzen sich in die Rolle eines potenziellen Kunden, der Inhalte zum Thema sucht. Und Sie lernen von guten wie von schlechten Beispielen. Fragen Sie sich dabei: Erkenne ich auf den ersten Blick, was mich erwartet? Ist der Nutzen klar erkennbar? Oder muss ich dazu erst zwanzig Zeilen lesen?

Eine gute Website ist übersichtlich, informativ, relevant und mobil optimiert, da die meisten Nutzer über Smartphones und Tablets surfen. Zudem sollten ihre Inhalte über die sozialen Kanäle teilbar sein.

Die Vermarktung fängt übrigens schon an, bevor das Buch erschienen ist: Als renommierter Autor teile ich meinen Followern über meinen Blog und Social Media mit, was gerade ansteht. Sabine Asgodom etwa, lässt die Menschen an ihrer Arbeit auf sehr persönlicher Ebene und auf Augenhöhe teilhaben – das macht den Erfolg ihrer Maßnahmen aus.

Wie kann ich das auch tun?

Zeigen Sie das echte Leben! Mit Fotos vom Schreibtisch. Sie können mit Ihrem Smartphone auch den inspirierenden Ausblick aufnehmen, den Sie gerade haben, oder die letzten Seiten Ihres Manuskriptes und diese mit Ihren Followern teilen. – Schauen Sie es sich ab von Leuten, die Ihnen gut gefallen.

Was meinen Sie: Funktioniert so eine Landingpage für alle Bücher gleich gut? Oder kann man etwas sagen wie: „Für Sachbücher lohnt sich so eine ‚Buchseite‘ immer – für Thriller nur bedingt“?

Für Sachbücher funktioniert sie wahrscheinlich etwas besser, da es einfacher ist, das Thema klar zu definieren. Als Autor eines Liebesromans muss ich sicher herausstellen, was das Besondere an meinem Roman ist. Bei der Masse der Neuerscheinungen macht es wohl eher wenig Sinn, hier in Google AdWords zu investieren. Ganz wichtig beim Anlegen ist es, sich diese Fragen zu stellen: 1. Schaffe ich es, ein Thema zu besetzen? (Liebesromane mit Frankreichbezug; Thriller, die in Deutschland spielen ...) 2. Wie steche ich heraus, wie werde ich sichtbar?

Ich selbst habe mich dagegen entschieden, noch ein weiteres Buch zum Thema Facebook-Marketing zu schreiben. Denn wenn dies veröffentlicht ist, sind die Infos in dieser extrem schnelllebigen Zeit meist bereits veraltet. Aktuelle Themen sind eher was für einen Blog. Wenn auf dem viel passiert und dieser oft verlinkt wird, merkt auch Google, dass es sich um eine wichtige Seite handelt. Es geht im Grunde nichts über kontinuierlich gute und relevante Inhalte.

Stichwort „ Sichtbarkeit“. Sinkt die nicht automatisch, wenn immer mehr AutorInnen (Selfpublisher inklusive) ihre Werke mit einer Landingpage bewerben?

Ja, deshalb muss ich herausstellen, was mein Buch so besonders macht, muss den Leuten die Möglichkeit geben, vorab Infos zu bekommen. Hilfreich ist auch, wenn ich einen bekannten Fürsprecher habe, der mir einen O-Ton zum Buch liefert, den ich auf die Landingpage stellen kann oder der mir sein Netzwerk öffnet.

Die traurige Wahrheit ist: Ich kann ein schlechtes Buch, das gut vermarktet wird, besser verkaufen, als ein gutes Buch, das schlecht vermarket wird. Was immer mit Geld und Zeit zu tun hat, eine Landingpage kostet beides.

Gibt es irgendwelche Werkzeuge, mit denen ich herausfinden kann, ob es sich für mich lohnt, eine Buchseite anzulegen?

Was es nicht im Internet zu finden gibt, gibt es auch in der realen Welt nicht. Insofern lohnt es sich immer, eine themenbezogene Website anzulegen. Es braucht Zeit und Lust dazu, wer beides nicht hat – aber Geld – sollte Expertise und Know-how einkaufen oder sich eine gute Agentur leisten.

Okay, ich will die Landingpage zum Buch haben, kann aber nicht programmieren, habe wenig Zeit und ein knappes Budget: Was empfehlen Sie mir?

Schauen Sie sich WordPress an; es ist ein kostenfreies Redaktionssystem, um Webseiten, Blogs und Landingpages zu erstellen. Ein großer Vorteil davon ist: Es gibt hierfür Tausende von Vorlagen (Templates), die Sie nehmen und an Ihre Inhalte anpassen können. Sie fangen also nicht bei null an. Zweiter Tipp: Es gibt eine ganze Reihe von Programmen zum Bauen von Landingpages, Instapage etwa (https://instapage.com). Über eine Million Menschen nutzen den Service, um sich eine Seite zusammenzuklicken.

Wichtig ist: Begegnen Sie Ihren Kunden auf Augenhöhe, geben Sie relevante Informationen, zeigen Sie Persönlichkeit und bieten Sie exklusive Inhalte.

Eine Autorin sagt: „Mein Buch ist doch schon auf Amazon, da steht doch alles, wozu brauche ich die Landingpage noch?“ Was antworten Sie?

Der Vorteil der Landingpage oder eines Blogs ist: Ich, als Autor bestimme die Inhalte, bestimme, was ich zeige, und nur hier habe ich die Möglichkeit, einen Mehrwert anzubieten.

Können Sie uns ein Beispiel für eine gut gestaltete Landingpage nennen?

Ja, die von Gregor Staub: http://megamemory.gregorstaub.com. Sie ist ein schönes Beispiel für eine einfache Landingpage, die wir entwickelt haben.

Gregor Staub verkauft sein großes mega memory® Gedächtnistraining mit Video- und Audio-Übungen inklusive interaktivem PDF im Shop für 250 Euro. So viel gibt man online natürlich nicht „mal eben so“ aus. Also haben wir eine Demo-Version des Pakets entwickelt, die man sich auf der Landingpage downloaden kann. Zusätzlich gibt es Infos zum Inhalt, zu Staub selbst sowie ein Beispiel seiner Lernvideos. Über „intelligente“ Re-Targeting-Werbung können wir Nutzer, die sich das Paket heruntergeladen haben, später sogar über Facebook-Werbung ansprechen und ihnen im Nachhinein das Paket mit einem exklusiven Rabatt anbieten.

Letztendlich konnten wir den Verkauf seines großen Pakets damit signifikant steigern und können Interessenten langfristig über neue Produkte und Bücher auf dem Laufenden halten.

 

Collin Croome | www.SocialMediaExperte.com im Interview
mit Anke Gasch | www.anke-gasch.com
In: Federwelt, Heft 118, Juni 2016
 

Linktipps