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Österreichische Autor*innen in Sorge um Buchpreisbindung

Branchen-News
Sandra Uschtrin
Bücher – für Bücher in Österreich gelten Feste Ladenpreise

Österreichs Autor*innen appellieren an den Buchhandel, die festen Ladenpreise einzuhalten. Immer häufiger verlangen Buchhändler von ihren Kunden ein, zwei Euro mehr, als es der feste Ladenpreis eines Buches vorsieht. Dieser ist in Österreich als Mindestpreis definiert. Er darf nicht unterschritten, wohl aber überschritten werden. An höheren Preisen partizipieren Autor*innen aber nicht. Außerdem gefährde die neue Praxis die Buchpreisbindung.

423 Autorinnen und Autoren sowie die vier größten österreichischen Verbände für Autor*innen haben am 20. November 2025 an den österreichischen Buchhandel appelliert, den Festen Ladenpreis einzuhalten. 

Feste Ladenpreise sind in Österreich Mindestpreise

Auch in Österreich gibt es eine gesetzlich vorgeschriebene Buchpreisbindung. Im Gegensatz zu Deutschland sind die Festen Ladenpreise in Österreich jedoch als Mindestpreise definiert, die Buchhandlungen nicht unterschreiten dürfen. Diese Mindestpreise zu überschreiten ist in Österreich dagegen erlaubt.

In der Vergangenheit haben österreichische Buchhandlungen das offenbar eher selten getan. Seit einiger Zeit ist das anders. „Inzwischen ist es so, dass die Preisaufschläge zu einer Dauereinrichtung zu werden drohen oder auch schon zur Dauereinrichtung geworden sind“, sagt Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren, gegenüber der Autorenwelt. Und es seien, wie es heißt, gar nicht so sehr die kleinen unabhängigen Läden, die Bücher zu höheren Preisen verkaufen, sondern besonders die großen Filialisten.

Das ist vielen Autor*innen ein Dorn im Auge. Deren Honorare sind in der Regel prozentual an den Festen Ladenpreis gekoppelt und diesen legt der Verlag fest. Verlangt eine österreichische Buchhandlung von einem Buch zwei Euro mehr von der Käuferin, als es der Feste Ladenpreis vorsieht, profitiert der Urheber des Textes also nicht davon.

Das Argument, dass viele Buchhandlungen mit immer höheren Mieten, Heiz- und Personalkosten zu kämpfen hätten, lassen die Autor*innen nicht gelten. Gerhard Ruiss: „Ja, es geht dem Buchhandel schlecht, es geht aber auch den Verlagen schlecht und es geht und ging den Autor*innen in Österreich schon immer schlecht. Dieses Problem können wir nicht dadurch lösen, dass sich der eine auf Kosten des anderen zu retten versucht, was so ohnehin nicht funktioniert, sondern bestenfalls aufschiebende Wirkung hat.“

Buchpreisbindung in Gefahr?

Die österreichischen Autorenverbände treibt auch die Sorge um, die Buchpreisbindung gerate durch diese neue, in Österreich um sich greifende Praxis in Gefahr. Gerhard Ruiss schreibt dazu an die Medienvertreter*innen: 

„Die größten österreichischen Buchhandlungen sind dazu übergegangen, Bücher über dem Festen Ladenpreis zu verkaufen. Für österreichische Autor/inn/en ist diese Entwicklung inakzeptabel und zutiefst beunruhigend. Umso mehr, als es auch in Deutschland ein vom Filialbuchhandel deutlich signalisiertes Interesse an der österreichischen Mindestfixpreislösung gibt, die diese Entwicklung ermöglicht. 

Es waren die österreichischen, Schweizer und deutschen Autor/inn/en/verbände, IG Autorinnen Autoren, VS und AdS, die sich gemeinsam gegenüber der EU vehement für den Festen Ladenpreis eingesetzt haben. Es gibt keinen Grund, von unseren damals vertretenen Standpunkten abzuweichen und egal welcher Aufweichung des Festen Ladenpreises mit stiller Duldung zuzusehen oder ihr gar zuzustimmen.“

Wir behalten uns die Fortsetzung dieser Aufforderung sowie weitere Aktionen vor, sollte es zu keiner Rückkehr des Buchhandels zu einem auch nach oben verbindlichen fixen Ladenpreis kommen.“

Gerhard Ruiss hat am 21.11.25 vorgeschlagen, im Januar 2026 einen Runden Tisch mit Autor*innen, Verlagen und Buchhandlungen abzuhalten, um zu gemeinsamen Lösungen zu kommen. 

Hier die Aufforderung im Wortlaut:

Aufforderung von 423 Autorinnen und Autoren und den 4 größten österreichischen Autor/inn/enverbänden an den österreichischen Buchhandel zur Einhaltung des Festen Ladenpreises 

Wir fordern den sofortigen Stopp der Verteuerung von Büchern durch den Buchhandel auf unsere Kosten 

Unsere Bücher werden vom Buchhandel eigenmächtig verteuert verkauft. Die Bücherpreise liegen je nach Buchhandlung meistens um 1 bis 2 Euro (5 bis 10 Prozent) über dem mit den Autorinnen und Autoren vereinbarten, von den Verlagen festgelegten Ladenpreis. Die Preissteigerungen können auch noch darüber liegen. Rechtlich möglich ist das, weil es sich beim Festen Ladenpreis nach dem österreichischen Modell um einen Mindestpreis handelt, der nur nicht unterschritten werden darf, darüber liegen aber darf er.  

Die Gewinnbeteiligungen von Autorinnen und Autoren sind prozentuell an den Festen Ladenpreis gebunden, die kalkulierten Gewinnspannen von Verlagen ebenfalls. Der Buchhandel erwirtschaftet sich ein Mehreinkommen auf unsere Kosten, ohne Gewinnbeteiligungen von uns und ohne Absprache mit uns. Er unterwandert unsere Vertragsbeziehungen und kassiert diese Mehreinnahmen alleine für sich ein.

Praktiziert wird diese früher nicht übliche und mit den Verlagen und den Autor/inn/en nicht vereinbarte Verteuerung der Bücher bereits seit einiger Zeit. Sie droht zur Dauereinrichtung zu werden. Mehrere Proteste gegen diese für Autorinnen und Autoren und ihre Verlage inakzeptable Praxis von Seiten der IG Autorinnen Autoren sind unbeachtet geblieben. Es sind nicht die bedürftigen Einzelbuchhändler, die diese Verteuerungen forcieren, es sind die Marktführer.

Ein aktueller Vorstoß in Deutschland zielt darauf ab, die deutlich schlechtere Regelung in Österreich auch in Deutschland umzusetzen. Wir können nur davor warnen, die österreichische Buchpreisbindung zum Vorbild für eine Neuregelung der deutschen Buchpreisbindung zu machen. Die österreichische Regelung würde über kurz oder lang nur zu einer deutlichen Verschlechterung der Produktions- und Absatzmöglichkeiten und schließlich und endlich zur Aushebelung des Festen Ladenpreises führen.  
 
Wir sind nicht länger gewillt mit dieser eigenmächtigen, vertragsrechtlich nicht abgedeckten Praxis des Buchhandels auf der Grundlage des österreichischen Festen Ladenpreises zu leben. Wir fordern den Buchhandel zur sofortigen Einstellung seiner Sanierungsversuche auf Kosten der Autor/inn/en und Verlage auf. Wir verlangen in all den Fällen, wo das bisher nicht geschehen ist und weiter nicht geschieht, Abgeltungen aus den zusätzlichen Einnahmen durch den Buchhandel.

Wir fordern vom österreichischen Gesetzgeber die umgehende Reparatur des österreichischen Festen Ladenpreises nach dem Vorbild des deutschen Festen Ladenpreises in seiner jetzigen Fassung.
 
IG Autorinnen Autoren
Grazer Autorinnen Autorenversammlung
PEN Austria
Österreichischer Schriftsteller/innenverband
Wien, 20.11.2025

Blogbild: Hermann Kollinger auf Pixabay