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Krieg in der Ukraine – Reaktionen der Buchbranche

Branchen-News
Sandra Uschtrin
Krieg in der Ukraine – Reaktionen der Buchbranche

Der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller, der Europäische Schriftstellerrat (EWC), Frank Werneke von ver.di sowie der Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels und seine Stifterin, die Börsenvereinsgruppe, haben am 24. Februar 2022 mit Statements auf den russischen Angriff gegen die Ukraine reagiert.

Das Statement vom Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS):

»Der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) in ver.di blickt mit großer Sorge auf den Überfall auf die Ukraine. Russland greift mit Panzerverbänden, mit Raketen, Bomben und Luftlandetruppen völkerrechtswidrig Flughäfen und Industriestandorte in der Ukraine an.

In die Furcht um das Leben und die Gesundheit aller Menschen in der Ukraine mischt sich die Angst vor der Zukunft für die Bewohnerinnen und Bewohner des Landes. Wir erinnern an die Verfolgung von Schriftstellerinnen/Schriftstellern und Journalistinnen/Journalisten in Russland, an die Drangsalierung und Bedrohung von homosexuellen Menschen. Mit dem russischen Überfall geht die Gefahr einher, die junge Demokratie in der Ukraine zu verlieren.

Wir appellieren deshalb an die demokratische europäische Staatengemeinschaft:
Schaffen Sie erleichterte Exilzugänge für ukrainische Künstlerinnen und Künstler, Journalistinnen und Journalisten und für queere Menschen aus der Ukraine, aber auch aus Russland. Denn die aggressive Kriegspolitik wird, so befürchten wir, eine noch aggressivere Innenpolitik nach sich ziehen.

Die Waffen nieder!
Für Frieden in Freiheit!«

Der European Writers’ Council (EWC) ließ verlautbaren:

»Der EWC verurteilt Putins Verbrechen gegen Demokratie und Menschlichkeit. »Der heutige gewaltsame Angriff der russischen Regierung auf die Ukraine ist ein Krieg gegen alle Demokratien, unsere Werte, unsere Überzeugungen von Frieden, Freiheit und Menschenrechten«, heißt es weiter.

Die verabscheuungswürdigen Angriffe auf die Ukraine würden massiv die demokratische Freiheit, die in vielen Staaten Osteuropas nach 1989 gewonnen wurde, verletzen. Putin, der die Auflösung der totalitären Sowjetunion als »Tragödie« bezeichnete, ziele auf die Destabilisierung Europas. Der militärische Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 durch russische Truppen sei daher ein Angriff auf den Frieden und alle demokratischen Werte in Europa.

»Eine Bedrohung für die Demokratie in ganz Europa«

»Das Blutvergießen muss gestoppt werden. Die Menschen in der Ukraine und unsere Schriftstellerkollegen müssen in dieser schwierigen Zeit unterstützt werden«, fordert Arno Jundze, Vorsitzender des lettischen Schriftstellerverbandes in Riga. »Was in der Ukraine geschieht, ist eine Bedrohung für die Demokratie in ganz Europa. Wenn der Krieg in der Ukraine nicht gestoppt wird, ist das ein Zeichen dafür, dass der Aggressor in ganz Osteuropa machen kann, was er will.«

Bereits über 1,5 Millionen Menschen seien gezwungen worden, ihre Häuser in Donezk und Luhansk zu verlassen. Es werde erwartet, dass weitere fünf Millionen Ukrainer dazu gezwungen sein würden, das Land zu verlassen, wenn Russland seine Invasion fortsetzt.

Putins Anerkennung der Volksrepubliken Donezk und Luhansk könnte auch nur der Anfang eines größeren, antieuropäischen Trends russischer Gewaltaktionen zur Eroberung weiterer ehemaliger Sowjetgebiete sein, befürchtet der EWC: Die baltischen Staaten würden die Präsenz russischer Truppen in Weißrussland als Bedrohung ansehen, vor allem wegen der sogenannten »Suwalki-Lücke«. Dieser Begriff bezeichne das 100 Kilometer lange Grenzgebiet zwischen Polen und Litauen, das von der russischen Exklave Kaliningrad und Weißrussland eingerahmt wird. Da es sich um die einzige Landverbindung zwischen den drei baltischen Staaten und den anderen NATO-Mitgliedern handelt, wird befürchtet, dass Russland die Lücke im Falle eines militärischen Konflikts einnehmen und damit das Baltikum vom übrigen NATO-Gebiet isolieren könnte. Dies könnte eine schnelle Eroberung des Baltikums ermöglichen. Litauen, das an die russische Exklave Kaliningrad an der Ostsee grenzt, hat den Ausnahmezustand ausgerufen.

»Der litauische Schriftstellerverband steht an der Seite der Ukraine und unserer ukrainischen Kollegen – unserer gemeinsamen Gemeinschaft von Schriftstellern und Übersetzern. Wir verurteilen die illegale und ungerechtfertigte russische Invasion auf ukrainischem Gebiet. Wir unterstützen die Ukraine und werden tun, was wir können, um unter schwierigen Umständen zu helfen«, erklärt Birutė Jonuškaitė Augustinienė, Chair des litauischen Schriftstellerverbandes.

»Der 24. Februar ist der estnische Unabhängigkeitstag. Am selben Tag begannen die Ukrainer, ihre Unabhängigkeit gegen den Großangriff des Aggressors zu verteidigen«,
ergänzt Tiit Aleksejev, Vorsitzender, Estnischer Schriftstellerverband.

»Der Europäische Schriftstellerrat (EWC) und seine 46 Mitgliedsorganisationen aus 30 Ländern stehen an der Seite ihrer ukrainischen Schriftstellerkollegen«, fährt EWC-Präsidentin Nina George in einer Mitteilung der Organisation fort. »Wir fordern die EU-Mitgliedstaaten auf, angesichts der anhaltenden Gewalt in der Ukraine energisch zu intervenieren. Wir appellieren an die Kulturminister aller EU-Mitgliedstaaten, das ukrainische Volk und unsere Schriftstellerkollegen in diesen schwierigen und lebensbedrohlichen Kriegszeiten zu unterstützen.«

Unsere Solidarität gilt unseren Kollegen in der Ukraine und dem ukrainischen Volk, schließt der EWC seine Erklärung.«

Das Statement von Frank Werneke, dem Vorsitzenden der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), zum Angriff Russlands auf die Ukraine:

»Der russische Präsident hat das Unfassbare Realität werden lassen: Mit Raketenbeschuss und Truppeneinmärschen in die Ukraine hat Russland auf eklatante Weise Völkerrecht gebrochen und einen Krieg in Europa begonnen. Russland muss die militärische Gewaltanwendung umgehend einstellen und die Verletzung der territorialen Integrität der Ukraine wieder zurücknehmen. Jegliche weitere militärische Eskalation muss unbedingt verhindert und alle Kanäle für eine friedliche Konfliktbeilegung genutzt werden.

Den Menschen in der Ukraine, deren Leben jetzt bedroht ist, gehört unsere Solidarität. Wir stehen an ihrer Seite – an der Seite für Frieden und Freiheit in Europa und in der ganzen Welt. Wir sind in tiefer Sorge über das Leid, die Gewalt und den Tod, die dieser Angriff über die Menschen bringt. Europa muss ihnen umfassende humanitäre Hilfe leisten und Schutz anbieten – für den Fall von Fluchtbewegungen müssen die Grenzen offen bleiben. Wir brauchen ein Europa der Solidarität, der Verständigung und der Abrüstung.«

Der Appell des Stiftungsrats des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels und seiner Stifterin, der Börsenvereinsgruppe:

»Der Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels und sein Stifter sind empört über den brutalen Angriff Russlands auf die Ukraine. Wir appellieren an die russische Bevölkerung und ihren Präsidenten, die vorsätzliche Zerstörung von Frieden und Freiheit in Europa zu beenden. Und wir senden Worte des Zusammenhalts an die Menschen in der Ukraine: Sie sind Teil einer internationalen Gemeinschaft, die die Menschenwürde, die demokratische Teilhabe, die Gleichheit aller beschützt. Sie haben ein Recht auf Frieden!«

Der Stiftungsrat des Friedenspreises entscheidet im Auftrag des Börsenvereins alljährlich über die Vergabe des Friedenspreises, der an Persönlichkeiten verliehen wird, die »in hervorragendem Maße vornehmlich durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen« haben.

Zu den Preisträger*innen gehören Tsitsi Dangarembga (2021), Amartya Sen (2020), Sebastião Salgado (2019), Aleida und Jan Assmann (2018) sowie in früheren Jahren unter anderem Swetlana Alexijewitsch (2013), Václav Havel (1989) und Lew Kopelew (1981).

Die Börsenvereinsgruppe ist Interessenvertretung und zentrale Dienstleisterin der deutschen Buchbranche. Die Gruppe besteht aus dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und seinen Wirtschaftstöchtern Frankfurter Buchmesse und MVB, dem mediacampus frankfurt sowie der Holding Börsenverein des Deutschen Buchhandels Beteiligungsgesellschaft. Von politischer Arbeit, Kulturprojekten bis hin zu Messeorganisation, Aus- und Weiterbildung, Verlag und Technologiedienstleistungen bündeln sich hier Service- und Bildungsangebote für die Buch- und Medienbranche.

Links
https://vs.verdi.de/presse/
https://www.verdi.de/presse/
https://www.boersenverein.de/presse/pressemitteilungen/

Blogbild: Landkarte der Ukraine mit Farbgebung der ukrainischen Flagge