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Honorare für Übersetzungen erneut gesunken

Branchen-News
Sandra Uschtrin
Übersetzerinnen und Übersetzern droht Altersmut

Übersetzer*innen sind akut armutsgefährdet. Die Normseitenhonorare sind erneut gesunken. Das hat die aktuelle Honorarumfrage der Literaturübersetzer ergeben.

In regelmäßigen Abständen fragt der Verband deutschsprachiger Übersetzer/innen literarischer und wissenschaftlicher Werke e.V. (VdÜ) seine Mitglieder, zu welchen Konditionen sie arbeiten. Diese »Honorarumfrage Buch« gibt einen Überblick über Verlagsverträge, Seitenhonorare, Absatz- und Lizenzbeteiligungen für die wichtigsten Genres und Sprachen. Die aktuelle Umfrage hat ergeben, dass die Normseitenhonorare für Literaturübersetzungen 2017/2018 erneut gesunken sind. Die Normseite wurde im Mittel mit 18,72  Euro vergütet. Das sind 13 Cent weniger als 2016. Inflationsbereinigt liegt der Durchschnittssatz von 18,72 Euro sogar 3,39 Euro unter dem des Jahres 2001. Das sei alarmierend.

Patricia Klobusiczky, erste Vorsitzende des VdÜ: »Ob Klassiker, ob neue Stimmen aus aller Welt: Übersetzungen beleben und bereichern nach wie vor die deutsche Literaturlandschaft und sind eine tragende Säule der Buchbranche. Wer von dieser Vielfalt und Fülle am wenigsten profitiert, sind ausgerechnet diejenigen, die sie hervorbringen, wie unsere aktuelle Honorarumfrage wieder einmal belegt. Die vom Gesetzgeber angestrebte Stärkung der Urheberinnen hat seit 2002 so gut wie keine Wirkung gezeigt, das muss sich jetzt im Sinn des effet utile bei der Umsetzung der EU-Richtlinie in deutsches Recht dringend ändern. Nur so werden Übersetzerinnen und Übersetzer ihr Recht auf angemessene Vergütung durchsetzen und ihre zunehmend prekäre Lage verbessern können.«

In der Umfrage, die den VdÜ-Mitgliedern von Anfang April bis Anfang Juni 2019 offenstand, wurden 991 auswertbare Verlagsverträge gemeldet. Nur 73 Verträge (7,4 %) erfüllen alle Mindestvorgaben der Gemeinsamen Vergütungsregeln, die der VdÜ 2014 mit mehreren Verlagen abgeschlossen hat.

79 Prozent derjenigen, die an der Umfrage teilnahmen, waren weiblich, 17 Prozent männlich, 1 Prozent divers und 3 Prozent hatten keine Angabe zu ihrem Geschlecht gemacht. »Das von  Übersetzerinnen gemeldete Honorar (624 Verträge) betrug im Mittel 18,35 Euro, das ihrer männlichen Kollegen 20,35 Euro (129 Verträge). Das Durchschnittshonorar der Frauen unterschreitet damit zum dritten Mal in Folge das der Männer«, heißt es in der Zusammenfassung der Umfrageergebnisse.

Und weiter: »Mit einem durchschnittlichen Jahresgewinn von 19 386 Euro (Künstlersozialkasse: 18 000 Euro) erzielen Übersetzerinnen und Übersetzer nur 55 Prozent des bundesdeutschen Durchschnittseinkommens. Eine Rente beziehungsweise Rentenerwartung von durchschnittlich unter 700 Euro bedeutet für sie, dass sie auch im Alter akut armutsgefährdet sind. Darum tut eine Stärkung ihrer Verhandlungsposition dringend Not. Branchenweite Vergütungsregeln könnten dem Trend zu sinkenden Seitenhonoraren und der systematischen Unterschreitung von angemessenen Beteiligungssätzen entgegenwirken.«

Links
www.literaturuebersetzer.de
www.literaturuebersetzer.de/berufspraktisches/umfragen-studien/vdue-honorarumfragen/
www.literaturuebersetzer.de/site/assets/files/1323/honorarumfrage2017-18_final.pdf

Blogbild: Foto: Dilyara Garifullina auf Unsplash