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Bettelbriefe von Verlagen

Branchen-News
Sandra Uschtrin
Viele Autorinnen und Autoren fühlen sich derzeit wie Sterntaler. Und sehen sich vor die Frage gestellt: Behalte ich das Geld für mich, schenke sie es meinen Verlagen oder ...?

Sollten Autorinnen und Autoren ihren Verlagen Geld schenken? Eine Frage, die eine Gegenfrage provoziert. Nämlich: Würden Verlage AutorInnen Geld schenken?

Viele Autorinnen und Autoren erhalten dieser Tage Post von ihren Verlagen. Darin werden sie gebeten, bis zum 28. Februar 2017 bei der VG WORT eine Erklärung abzugeben, die sich finanziell zu Gunsten des Verlags und zu ihren eigenen Ungunsten auswirken wird. Es geht dabei um die VG-WORT-Geldausschüttungen der Jahre 2012 bis 2016, also um hohe Summen. Fälschlicherweise erhielten Verlage hiervon einen Teil, der aber gar nicht ihnen, sondern den AutorInnen zusteht. So entschied es der Bundesgerichtshof am 21. April 2016. Verlage müssen diese Gelder, die sie in den vergangenen Jahren unter Vorbehalt von der VG WORT erhielten, daher nun (ohne Zinsen) an die Verwertungsgesellschaft zurückzahlen; die VG WORT leitet sie dann an die AutorInnen weiter. Viele Verlage haben zwar laut gemurrt – Wer gibt schon gerne Geld zurück? –, die zu Unrecht erhaltenen Gelder aber bereits an die VG WORT zurücküberwiesen.

Manche Verlage, auch ganz große wie Droemer Knaur oder Piper sind darunter, wollen wenigstens die Höhe ihrer Rückzahlung mindern und wenden sich nun per Brief an ihre AutorInnen. AutorInnen ist es nämlich erlaubt, auf ihren Nachforderungsanspruch zu verzichten und das Geld, das ihnen zusteht, ihren Verlagen quasi zu schenken. AutorInnen, die das möchten, können auf der VG-WORT-Website eine Verzichtserklärung herunterladen oder diese Erklärung online, per E-Mail oder via Fax abgeben. Einsendeschluss ist Ende Februar.

AutorInnen, die das Geld, das ihnen zusteht, nach all den Jahren nun auch endlich erhalten und nicht bei den Verlagen belassen möchten, müssen sich keine Sorgen machen. Die VG WORT darf Verlagen keinerlei Auskunft erteilen, welche AutorInnen eine Verzichtserklärung unterschrieben haben und welche nicht.

Mit welchen Nachzahlungen können AutorInnen bei der nächsten Ausschüttung in etwa rechnen? Das ist von Person zu Person verschieden. WissenschaftsautorInnen dürften in etwa die Summe der VG-WORT-Zahlungen aus den Jahren 2012–2015 erhalten. Bei BelletristikautorInnen wird es etwas weniger sein.

Eva Leipprand, Vorsitzende des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) in ver.di, zitiert dazu in ihrer »Empfehlung zur Verzichtserklärung« den Übersetzerverband (VdÜ) mit den Worten: »Vorstand und Honorarkommission des VdÜ empfehlen, denjenigen Verlagen den VG-Verlagsanteil zukommen zu lassen, die sich den Gemeinsamen Vergütungsregeln (GVR) von 2014 angeschlossen haben oder ihre Verträge daran ausrichten, ohne die GVR zu unterzeichnen. In allen Fällen liegt es allein in Eurem Ermessen, auf die Anteile zu verzichten oder aber nicht, z.B. je nachdem, wie fair die Verträge des jeweiligen Verlages ausfallen.«

Leipprands Fazit: »Wenn Ihr Euch von Verlagen fair behandelt fühlt, lasst ihnen den Anteil aus Einnahmen aus z.B. Kopie- und Bibliothekstantiemen. Wenn Ihr Euch unfair behandelt fühlt und/oder Ihr Euch zum Verzicht gedrängt fühlt, lasst ihnen den Anteil nicht; das ist Euer gutes Recht.«

Sandra Uschtrin schreibt in der Februarausgabe* der Federwelt: »Wer sich nun unsicher ist, ob er seinem Verlag Geld schenken soll oder nicht, kann diese Entscheidung natürlich auch auf später vertagen und erst einmal abwarten, wie hoch der Geldsegen im Sommer ausfällt. Und dann einen Scheck an seinen Verlag ausstellen – oder eben auch nicht. Auch Autorenverbände, wo mangels Geld – im Gegensatz zum Verlegerverband – allenthalben ehrenamtlich geschuftet wird, könnten das Geld sicher gut gebrauchen. Bezahlte Lobbyarbeit für Autorinnen und Autoren – da ließe sich bestimmt einiges im Sinne der UrheberInnen bewegen.«

Und weiter: »Eva Leipprand, Imre Török, Nina George und all die anderen, die sich für die Belange der Autorinnen und Autoren einsetzen, sie alle arbeiten ehrenamtlich und bekommen allenfalls Aufwandsentschädigungen, die von der Höhe her beschämend niedrig sind. Dass Verlage fair arbeiten und sich an den Gemeinsamen Vergütungsregeln orientieren, sollte selbstverständlich sein. Als (Wissenschafts-)Autorin würde ich mein Geld lieber dem Netzwerk Autorenrechte schenken. Aber auf deren Seite finde ich nicht mal eine Kontoverbindung. Bitte einrichten!«

> www.vgwort.de
> www.fairerbuchmarkt.de/ueber_geld.html
> www.fairerbuchmarkt.de/vg_wort_verzichtserklaerungen.html
> vs.verdi.de
> www.netzwerk-autorenrechte.de

* Die Februarausgabe der Federwelt erscheint am 1. Februar 2017; es gibt sie auch im Bahnhofsbuchhandel oder direkt beim Verlag, siehe: www.autorenwelt.de/magazine/magazine-bestellen