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    Beigetreten: 23.01.2018
    Frage zu Verlagseinreichung

    Ich habe eine Frage an erfahrene Autoren: Ich habe einen Roman fertiggestellt, den ich gerade verschiedenen Agenten anbiete. Die meisten Agenturen fordern eine Liste der Agenturen an, denen man das Buch ebenfalls anbietet oder angeboten hat. Wie geht man hier am besten vor? Ist es ein Ablehnungskriterium, wenn man hier viele Agenturen auflistet? Sollte man besser wenige bis keine anderen Agenturen nennen, auch wenn man das Manuskript an verschiedene Agenturen schickt?

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      Beigetreten: 02.12.2015
      RE: Frage zu Verlagseinreichung
      Di, 23.01.2018 14:08

      Das System, was sich da etabliert hat, ist vollkommen meschugge. Die Agentur erwartet, dass ihnen das Manuskript exklusiv angeboten wird. Allerdings melden die sich dann bei einem Wochen oder Monate nicht. Die haben ja keine Zeit und müssen prüfen.

      Ergo soll es in der "Agenturwelt" ungefähr so ausschauen.

       

      Bewerbung mit Manuskript bei einer Agentur

      drei Monate warten - melden sich immer noch nicht - man fragte mal ganz nett nach

      Absage

      neuerliche Bewerbung mit Manuskript bei einer anderen Agentur

      drei Monate warten - melden sich wiederum nicht - neuerlich nachfragen

      Absage

      abermals Bewerbung mit Manuskript bei einer anderen Agentur

      drei Monate warten - melden sich wiederum nicht - neuerlich nachfragen

      Absage

      etc pp

       

      Damit kann man Jahre verbringen, ohne das etwas Nennenswertes passiert. Vollkommen irre. Ich würde mich bei so vielen Agenturen wie möglich bewerben. Kannst ja sagen, dass du das Skript an drei oder vier andere ebenso geschickt hast. Es geht aber eine Agentur einen Feuchten an, an wieviele andere Agenturen du etwas geschickt hast oder nicht.

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      Beigetreten: 12.03.2014
      RE: Frage zu Verlagseinreichung
      Di, 23.01.2018 15:56

      Ja, ich habe auch schon gehört, dass Agenturen immer erfahren wollen, wem man das Manuskript noch angeboten hat. Ich kann verstehen, dass man sich keine unnötige Arbeit machen möchte. Wenn man als Agentin ein Manuskript liest und dann erfährt, dass die Autorin bereits mit einer anderen Agentur in Verhandlung steht, dann war das verschenkte Zeit. Aber bei AutorInnen muss nunmal auch der Rubel rollen. Man bietet das Manuskript ja auch immer gleich mehreren Verlagen an.

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      Beigetreten: 12.03.2014
      RE: Frage zu Verlagseinreichung
      Di, 23.01.2018 15:58

      Lieber Marian,

      ich würde dir empfehlen, den Agenturen tatsächlich mitzuteilen, bei welchen anderen Agenturen/Verlagen du dich bereits gemeldet hast und im Falle der Verlage würde ich auch angeben, wenn das Manuskript abgelehnt wurde. 

      Die Agenturen erhalten täglich ungefähr so viele Manuskripte zugeschickt wie die Publikumsverlage. Die haben alle Hande voll zu tun, die Spreu vom Weizen zu trennen. Daher dauert es tatsächlich lange, ehe man etwas hört. Viele Agenturen geben auch keine negativen Rückmeldungen, sondern informieren nach dem Prinzip "wenn du nach sechs Monaten noch nichts gehört hast, hat es dein Manuskript nicht in die Auswahl geschafft". Ist eine Unart, zugegeben, aber der schieren Menge an Manuskripten geschuldet.

      Wenn du bereits an mehrere Agenturen geschrieben hast, solltest du, wenn du eine Zusage einer Agentur bekommst, dein Manuskript zu vertreten, allen anderen Agenturen absagen. Wenn ein Verlag absagt, teile es deinem Agenten mit (ich würde sowieso nicht mischen - entweder Agentur oder Verlag, nicht beides parallel). Viele Agenten haben zu bestimmten Verlagen gute Kontakte. Sind mehrere Agenten an deinem Manuskript dran, könte es passieren, dass es dem gleichen Verlag mehrfach vorgestellt wird. Das würde alle Beteiligten - freundlich ausgedrückt - verärgern.  

      Ein Buch in einen Verlag zu bringen, ist nichts für Menschen ohne Geduld. Das sollte man im Voraus wissen. Darum kann ich die Kritikpunkte von Marcus nicht alle nachvollziehen. Wenn ich als Autor bereits ein Feindbild "Agentur vs. Autor" aufgebaut habe und die normalen Abläufe als Schikane ansehe (womöglich noch persönlich nehme), wird die Zusammenarbeit schwierig. 

      Die Agenturen wollen gute Manuskripte gewinnbringend "verkaufen", denn am Erfolg sind sie (monetär) beteiligt. Ist dein Buch gut, werden sie es nehmen, ist es (ihrer Meinung nach) nicht gut genug für den Markt, werden sie es ablehnen. Lehnen viele ab, ist es ein Signal, das Manuskript noch einmal zu überarbeiten.

      Viel Glück beim Finden der richtigen Agentur!

      Liebe Grüße
      Dirk  

      • [Moderator]
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      Beigetreten: 12.03.2014
      RE: Frage zu Verlagseinreichung
      Di, 23.01.2018 16:02

      Sphärenspringer schrieb:

      Wenn du bereits an mehrere Agenturen geschrieben hast, solltest du, wenn du eine Zusage einer Agentur bekommst, dein Manuskript zu vertreten, allen anderen Agenturen absagen. Wenn ein Verlag absagt, teile es deinem Agenten mit (ich würde sowieso nicht mischen - entweder Agentur oder Verlag, nicht beides parallel). Viele Agenten haben zu bestimmten Verlagen gute Kontakte. Sind mehrere Agenten an deinem Manuskript dran, könte es passieren, dass es dem gleichen Verlag mehrfach vorgestellt wird. Das würde alle Beteiligten - freundlich ausgedrückt - verärgern. 

      Da muss ich Dirk komplett Recht geben.

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        Beigetreten: 09.05.2014
        RE: Frage zu Verlagseinreichung
        Mi, 24.01.2018 10:48

        Angeblich ist es ebenso schwer bei einer Agentur anzukommen wie bei einem Verlag. Da frage ich mich dann zunächst einmal, ob es Sinn gibt, sich bei einer Agentur zu bewerben, zumal nach der Annahme dann ja das nächste Filter, der potentielle Verlag, kommt. Rein rechnerisch müsste der Weg über die Agentur dann ja noch schwieriger sein. Ich würde (und hab es getan) mein Manuskript (nein, natürlich Expose usw.) direkt an einen Verlag schicken. Die Verlage interessiert es nicht, ob du es gleichzeitig an andere geschickt hast.
         

         

        • [Moderator]
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        Beigetreten: 12.03.2014
        RE: Frage zu Verlagseinreichung
        Mi, 24.01.2018 13:44

        Lieber Gerd,

        tatsächlich ist es im Vergleich zu einem Verlag in etwa gleich schwer (dazu später mehr), bei einer (guten und seriösen) Agentur "unterzukommen".

        Allerdings bietet die Agentur Vorteile, die man bedenken sollte. Überzeugt dein Werk den Lektor einer Agentur und überzeugt dieser wiederum seinen Chef von den Vorzügen deiner Schreibkunst, wird die Agentur auf die Verlage zugehen, in deren Portfolio dein Roman/Gedichtband/Essay usw. passt. Die Agenten kennen die Lektoren der Verlage in der Regel persönlich, da ist es ein himmelweiter Unterschied, ob ein unbekannter, womöglich unveröffentlichter Autor (was auf dich ja nicht zutrifft, du bist ja beim SiebenVerlag bereits veröffentlicht) sein Buch schriftlich vorstellt oder der Agent dem Lektoren beim Arbeitsbesuch sagt: "Hey, ich habe da letztens ein tolles Pitch/Exposé  mit dem Titel "XY"gelesen, das wär was für Euch! Hab ich zufällig dabei ..."

        Mit einer erfolgreichen Bewerbung bei einer guten Agentur ersparst du dir eine Menge Arbeit, da diese (hochprofessionell) an die Verlage herantritt, für deren Programm du in Frage kommst.

        Und etwas leichter kommt man schon in der Agentur unter, was einen Grund hat. Die Agentur hat zunächst ein kleineres finanzielles Risiko mit der Annahme deines Werkes. Der Verlag wird deinen Text erst dann zu drucken bereit sein, wenn die Buchmenschen, die für ihn arbeiten, davon überzeugt sind, dass der zu erwartende Gewinn größer ist als der Aufwand ( Erwerbsregel Nr. 962 der Ferengi 1f 605 ). Der Verlag geht ein nicht unerhebliches Risiko ein, welches im Falle des Misserfolgs einen finanziellen Verlust darstellt.

        Der Agent verdient erst anteilig an deinem Werk, wenn es veröffentlicht und verkauft wurde. Er muss es nicht drucken und vetreiben, hat abgesehen von Manpower und Zeit zunächst kaum Kosten. Da fällt es leichter zu sagen "Ich nehme das Werk/Den Autoren an", wenn das Werk dem Lektor gefällt. Wenn man dann in üblichen Zeiträumen keinen Abschluss hinbekommt, geht das Werk eben an den Autoren zurück.

        Ich habe bewusst die männliche Form gewählt, der Lesefreundlichkeit wegen. Wen es stört, der fühle sich denoch freundlich *ge-gendert* 1f 607

        Liebe Grüße
        Dirk

         

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          Beigetreten: 09.05.2014
          RE: Frage zu Verlagseinreichung
          Mi, 24.01.2018 15:16

          Lieber Dirk,
          ​das Prinzip einer Agentur habe ich schon verstanden. Ich bilde mir aber ein, dass ich selbst erkennen kann, welcher Verlag für mich infrage kommt. Beim Buch, das vom Sieben Verlag angenommen wurde, habe ich lediglich einen weiteren Verlag angeschrieben (und keine Antwort erhalten). Danach habe ich selbst veröffentlicht, weil ich mir im SF-Bereich gar keine Chancen ausgerechnet habe. Dann habe ich einen Regionalkrimi verfasst und nur einen Verlag angeschrieben und eine Zusage bekommen. Ich wusste sofort, welchen Verlag ich wollte und hatte Glück. Hätte es nicht geklappt, hätte ich vermutlich auch das Buch selbst verlegt. Bei dem Verlag bin ich geblieben. Der nächste Titel ist auch schon angenommen (Arbeit auch hier =0). Ich vermute mal, dass der Weg über eine Agentur stressiger gewesen wäre. Wie ich herausgehört habe, wendet man sich da ja auch mit allen Unterlagen an mehrere Agenturen. Und was evtl. Verhandlungen angeht, ist das für einen unbekannten Autor wie mich (das wird sich natürlich bald ändern) sowieso witzlos. Die Autorenverträge solider Verlage sind in Ordnung. Wenn man Fitzek heißt kriegt man wahrscheinlich Sonderkonditionen, und die handelt dann die Agentur aus. Aber bis ich soweit bin ...
          ​Wahrscheinlich muss jeder selbst seinen Weg finden. Jedenfalls wird ein Buch trotz Agentur auch nur dann einen Verlag finden, wenn (wie Du geschrieben hast) ein wirtschaftlicher Gewinn erwartet wird. Vieleicht verstehe ich das Ganze doch zu wenig?*1f60f*

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          Beigetreten: 12.03.2014
          RE: Frage zu Verlagseinreichung
          Mi, 24.01.2018 15:50

          Lieber Gerd,

          danke für die schnelle Antwort! Du hast Recht, es gibt nicht nur einen Weg zum Ziel, du hast deinen eigenen gewählt und es hat für dich gepasst. Du hast also Alles richtig gemacht.

          Ich wollte nur eine Lanze für die vielen fleißigen Agenten und ihre Mitarbeiter brechen, die viele gute Storys an Verlage vermitteln, die wir sonst vielleicht nie hätten lesen dürfen. Denn nicht jeder hat soviel Glück wie du, und kommt so schnell an den Verlagsvertrag.

          Liebe Grüße
          Dirk

           

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            Beigetreten: 09.05.2014
            RE: Frage zu Verlagseinreichung
            Mi, 24.01.2018 16:40

            Lieber Dirk,
            ​nur noch eine Kleinigkeit. Ich hab immer gedacht, dass die Verlage sich gar nicht mehr die Mühe machen, ein Manuskript zu lesen. Das stimmt aber offenbar nicht. Natürlich sollte man sich informieren, welche Bücher ein Verlag überhaupt annimmt. Desweiteren sollte man natürlich auf der Internetseite nachsehen, welche Unterlagen verlangt werden. In der Regel ist das ja ein Expose, einen Leseprobe, eine Liste mit Veröffentlichungen (da hilft es, wenn man schon mal Kurzgeschichten veröffentlicht hat - das kann ich unbedingt empfehlen) usw. Aber es ist bei jedem Verlag anders. Hilfreich ist es natürlich auch, wenn man eine außergewöhnliche Idee hat. Bei mir war die Idee beim Krimi: "ein Musiker löst mit seinem absoluten Gehör einen Kriminalfall". Und wenn das Expose ankommt, hat man eine gute Chance, dass das Manuskript angefordert wird. Das ist dann schon mal 50%-Chance - und dann noch 50% Glück.

            Und: Keinesfalls möchte ich die Arbeit der Agenturen unterschätzen. Nur (s.o.) auch die muss man erst überzeugen. Hat man das geschafft, hat man vermutlich auch eine hohe Chance, dass die irgendwann einen (guten?) Verlag finden.

            Sorry- wenn ich hier Binsenweisheiten von mir gebe.*1f615*

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              Beigetreten: 14.03.2014
              RE: Frage zu Verlagseinreichung
              Mi, 24.01.2018 20:50

              Es ist sinnvoll, der Agentur die erbetenen Infos zu geben, denke ich. Die wollen die ja nicht aus langer Weile haben. Die Agenturen kennen einander ein wenig, X weiß z. B. mit einiger Sicherheit, ob Y um die selben Verlage buhlt. Wenn dein Buch schon auf den ersten Blick klasse zu Verlag A zu passen scheint, Y aber auch A beliefert, dann könnte das für X das Signal sein, sich nicht zu lange Zeit mit der Prüfung zu lassen, um Y zuvorzukommen. Oder X weiß, dass alle Verlage, zu denen das Buch zu passen scheint, sowieso Y bevorzugen  dann lohnt sich vielleicht nicht, da Kraft reinzustecken. 

              Was „Agentur oder Verlag‟ angeht: Es ist schön, wenn man auf Anhieb den einen (oder die zwei) passenden Verlag findet, vor allem, wenn er auch noch anbeißt. Eine Agentur hat aber in der Regel noch ein paar mehr Verlage im Hinterkopf, die passen könnten, vielleicht sogar besser zahlende. 

              Die meisten Homepages von Verlagen nennenswerter Größe und/oder Reputation enthalten meiner Erfahrung nach gar keine Infos zu „verlangten Unterlagen‟, weil sie schlicht und einfach auch so mit Angeboten überhäuft werden und/oder sich auf die Vorsortierung durch Agenturen verlassen. (Oder neuerdings auch in den Bestsellerlisten im SP-Bereich stöbern gehen.) Bei kleineren Genre-Verlagen mag das anders aussehen …

               

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              Beigetreten: 12.03.2014
              RE: Frage zu Verlagseinreichung
              Do, 25.01.2018 10:03

              Lieber Gerd,

              Veröffentlichungen können nie schaden, die sollte man tatsächlich angeben. Da habe ich auch Einiges zu bieten, wenn ich in (spätestens) zwei Jahren mit meinem Thriller auf die Suche gehe. Dein Pitch klingt tatsächlich interessant, ich kann den Verlag verstehen. Und was die Wahrheit in den Binsen angeht, so darf man die hier gerne loswerden. 1f 609

              Liebe Grüße;
              Dirk

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              Beigetreten: 12.03.2014
              RE: Frage zu Verlagseinreichung
              Do, 25.01.2018 10:37

              Ulrike Jonack schrieb:

              Die meisten Homepages von Verlagen nennenswerter Größe und/oder Reputation enthalten meiner Erfahrung nach gar keine Infos zu „verlangten Unterlagen‟, weil sie schlicht und einfach auch so mit Angeboten überhäuft werden und/oder sich auf die Vorsortierung durch Agenturen verlassen. (Oder neuerdings auch in den Bestsellerlisten im SP-Bereich stöbern gehen.) Bei kleineren Genre-Verlagen mag das anders aussehen …

              Liebe Ulrike,

              Da muss ich widersprechen ...

              Tatsächlich haben die großen Publikumsverlage mehr oder weniger offensichtliche Hinweise für veröffentlichungswillige Autoren auf ihren Seiten (versteckt). Das hat, wenn es weniger offensichtlich ist, mit der Menge ungefragter Zusendungen zu tun. Beispiele:

              Beim Ullstein-Verlag (u. a. List) findet man unter der Rubrik "Service" eine FAQ mit ausführlichen Angaben für Autoren: https://www.ullstein-buchverlage.de/service/faq.html

              Bastei Lübbe hat einen Link für Autoren ebenfalls auf der Kontaktseite: https://www.luebbe.de/bastei-luebbe/faq/id_3416526#manuskript_einreichen

              Piper hat unter Service alle Infos für die Manuskripteinreichung: https://www.piper.de/service

              Random House (u.a. Heyne, Blanvalet etc.) informiert ebenfalls recht umfangreich: https://www.randomhouse.de/webarticle/aid65375.rhd#manuskript

              Der dtv hat unter Service einen Link für Manuskripteinsendungen: https://www.dtv.de/service/manuskripteinsendungen/c-59

              Beltz hat in der FAQ die Angaben mit Links: http://www.beltz.de/hilfefaq.html

              Liebe Grüße
              Dirk

               

               

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                Beigetreten: 09.05.2014
                RE: Frage zu Verlagseinreichung
                Do, 25.01.2018 16:35

                Lieber Dirk,
                ​bist Du auch so ein Langsamschreiber wie ich, oder wird Dein Buch so dick. Ich schreibe eher "dünn und langsam". Ich hänge ständig an Formulierungen fest. Hab jetzt die Strategie geändert und schreibe ein wenig mehr darauf los. Das kostet mich allerdings Überwindungen und macht natürlich die spätere Nacharbeit schwieriger. Ich blicke immer voller Neid auf Autoren, die dicke Wälzer schreiben können.*1f620*

                 

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                  Beigetreten: 14.03.2014
                  RE: Frage zu Verlagseinreichung
                  Do, 25.01.2018 21:34

                  Hallo Dirk, da hat sich wohl in den letzten drei, vier Jahren einiges geändert. Auch gut. 

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                    Beigetreten: 02.12.2015
                    RE: Frage zu Verlagseinreichung
                    Fr, 26.01.2018 11:45

                    Zitat:

                    Beim Ullstein-Verlag (u. a. List) findet man unter der Rubrik "Service" eine FAQ mit ausführlichen Angaben für Autoren: https://www.ullstein-buchverlage.de/service/faq.html

                    Bastei Lübbe hat einen Link für Autoren ebenfalls auf der Kontaktseite: https://www.luebbe.de/bastei-luebbe/faq/id_3416526#manuskript_einreichen

                    Piper hat unter Service alle Infos für die Manuskripteinreichung: https://www.piper.de/service

                    Random House (u.a. Heyne, Blanvalet etc.) informiert ebenfalls recht umfangreich: https://www.randomhouse.de/webarticle/aid65375.rhd#manuskript

                    Der dtv hat unter Service einen Link für Manuskripteinsendungen: https://www.dtv.de/service/manuskripteinsendungen/c-59

                    Beltz hat in der FAQ die Angaben mit Links: http://www.beltz.de/hilfefaq.html

                    Liebe Grüße
                    Dirk

                     

                    Das ist doch nur zum Kanalisieren der Anfragen. Auch hinter diesen Seiten steckt nur ein armer überarbeiteter Praktikant ohne Entscheidungsbefugnis.

                    Davor mussten die Leute kreativ werden, um eine richtige eMail-Adresse zu bekommen. Da wurde Xing durchforstet, die Telefonbücher und Facebook nach einem Mitarbeiter im Verlagsprogramm befragt, um einen Ansprechpartner zu finden. Manchmal auch die Sekretärin per Telefon terrorisiert.

                     

                    So landen heute aber 95% der Anfragen automatisch im Spamordner ohne jemanden im Verlagshaus auf die Nerven zu gehen.

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                    Beigetreten: 12.03.2014
                    RE: Frage zu Verlagseinreichung
                    Fr, 26.01.2018 13:00

                    Lieber Gerd,

                    eigentlich  bin ich kein Langsamschreiber. Ich nehme mir allerdings sehr, sehr viel Zeit für das Plotten und die Figurenentwicklung. Wenn das Gerüst dann meiner Meinung nach 'perfekt' ist, dann erst beginne ich mit dem Schreiben. Ich habe in der Vergangenheit allerdings zu immer zuviel "überarbeitet", sprich, ich habe meine Projekte immer wieder umgestrickt, sodass sie nie wirklich fertig wurden. Es fehlte einfach noch am Handwerkszeug, um wirklich professionell arbeiten zu können.

                    Damit sich das ändert und in zwei Jahren mein Thriller-Projekt "Totenruh" zwischen Buchdeckel kommt, eigne ich mir das Handwerkszeug jetzt über die Textmanufaktur durch ein Studium an.

                    Ansonsten neige ich dazu, zu episch zu werden. Krimis/Thriller plane ich auf 350-400 Seiten, Fantasy, Sci-Fi und Horror gerne auch gegen 1000. Die sind als "Erstlinge" allerdings kaum zu vermarkten. Mein Herzensprojekt "Sphährenspringer", eine Romanserie mit neun Teilen, die im Horror/Sci-Fi/Fantasy-Crosssover verortet sind, liegt pro Band zwischen 600 und 1200 Seiten. Nach dem Kürzen 1f61c

                    Ich würde daher sagen, nur auf das Schreiben bezogen, "schnell und dick". Fast-Food soll es aber trotzdem nicht werden ...

                    Liebe Grüße
                    Dirk

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                      Beigetreten: 09.05.2014
                      RE: Frage zu Verlagseinreichung
                      Fr, 26.01.2018 14:33

                      ... "schnell und dick" ist echt besser als "langsam und dünn". Aber meine Lebenszeit wird langsam knapp und das Denken ist auch nicht mehr so flott wie früher 1f 629

                      • [Moderator]
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                      Beigetreten: 12.03.2014
                      RE: Frage zu Verlagseinreichung
                      Mo, 29.01.2018 15:12

                      Marcus Wächtler schrieb:

                      Das ist doch nur zum Kanalisieren der Anfragen. Auch hinter diesen Seiten steckt nur ein armer überarbeiteter Praktikant ohne Entscheidungsbefugnis. [...] So landen heute aber 95% der Anfragen automatisch im Spamordner ohne jemanden im Verlagshaus auf die Nerven zu gehen.

                      Lieber Marcus,

                      hast du da persönliche Erfahrungen, arbeitest du in einem Publikumsverlag oder warst dort armer, überarbeiteter Praktikant ? Hast du einem Verlag den Spamfilter so konfiguriert, dass er nur 5% der Anfragen durchließ? 

                      Falls nicht, finde ich die Aussagen - sportlich. Oder zumindest reichlich pessimistisch.

                      Ich habe auf Anfragen auch schon Rückmeldungen erhalten, mal Formschreiben, mal individuell per E-Mail, auf den Text eingehend. Daher gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass Verlage gute Prosa erkennen und entsprechend ihren Geschäftsinteressen, Bücher gewinnbringend zu verkaufen, auch weiterhin nachgehen. Auf der Suche nach dem Nugget im Dreckhaufen werden die sich schon alle Einsendungen zumindest kurz ansehen. Bei einem Teil der Einsendungen wird ja nicht mal das Mindestmaß an Professionalität eingehalten bzw. Stoff geliefert, der nicht lektoriert ist oder überhaupt nicht ins Verlagsprogramm passt. Die Einsendungen mit "groben Formfehlern" kann von mir aus auch gerne der Praktikant aussieben, das schafft er oder sie sicher.

                      Nichtsdestotrotz fände ich es spannend, wenn jemand aus dem Verlagswesen mal aus dem "Nähkästchen" plaudern könnte ... 1f60f

                      Liebe Grüße
                      Dirk

                      Gelöschter Nutzer
                      RE: Frage zu Verlagseinreichung
                      Mo, 29.01.2018 17:11

                      Keine Sorge, lieber Dirk. Ich habe schon oft mit Verlagslektorinnen gesprochen und es ist tatsächlich so, wie du hoffst und vermutest. Sofern die Einsendungen den Mindestanforderungen an Programm und Form entsprechen, also das was der Verlag vorgibt, so werden alle Einsendungen von den Lektorinnen auch gelesen. Zumindest immer das Exposè und die Leseprobe. Die Wahrheit ist aber auch, dass immer noch rund die Hälfte aller Einsendungen eben nicht den Mindestanforderungen entsprechen. Der Klassiker: Kinderbuch wird zum Kochbuch-Verlag geschickt. Ist wirklich so. Oder es wird alles in einem riesigen Papierstapel geschickt, obwohl ausdrücklich um Emails gebeten wird. Oder umgekehrt. Ich weiß, man will gern glauben und hoffen, dass Autoren lesen können, allein, .....die Realität...:-)

                       

                      LG, Dorit

                      • [Moderator]
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                      RE: Frage zu Verlagseinreichung
                      Mi, 31.01.2018 15:05

                      Liebe Dorit,

                      danke für deine Antwort. Was die Verlage angeht beruhigend, was die Autorinnen und Autoren angeht, ein wenig erschreckend. Als Papierstapel kommen gern die Memoiren von Opa, habe ich mir sagen lassen. Die bevölkern aber so langsam aber sicher auch die Selfpublisher-Gefilde.

                      Lektor*in - den Beruf (Berufung?)stelle ich mir faszinierend und schaurig vor. 

                      Liebe Grüße
                      Dirk

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                        RE: Frage zu Verlagseinreichung
                        Do, 01.02.2018 11:19

                        Sphärenspringer schrieb:

                        Liebe Dorit,

                        danke für deine Antwort. Was die Verlage angeht beruhigend, was die Autorinnen und Autoren angeht, ein wenig erschreckend. Als Papierstapel kommen gern die Memoiren von Opa, habe ich mir sagen lassen. Die bevölkern aber so langsam aber sicher auch die Selfpublisher-Gefilde.

                        Lektor*in - den Beruf (Berufung?)stelle ich mir faszinierend und schaurig vor. 

                        Liebe Grüße
                        Dirk

                         

                        Aus meinen Gesprächen auf Messen und den gelegentlichen Blogeinträgen von Verlagsangestellten, kenne ich zumindest die Situation, dass das heute nicht mehr so ist. Den Zustand mit schlechten und fehlerhaften Exposes gibt es schon lange nicht mehr. Natürlich gibt es die Ausnahme. Allerdings sind die Menschen heutzutage dank Google und solchen tollen Seiten wie hier oder der Selfpublisherbibel innerhalb von 5 min in der Lage, eine vernünftige Verlagseinreichung zu gestalten. Das man sich mit einem vernünftigen Expose abhebt kannst du vergessen.

                        Der Zustand wie Dorit ihn beschreibt, war vielleicht noch vor vier oder fünf Jahren so. Heutzutage hat sich auch das professionalisiert. Auf der einen Seite ist das gut - viele Autoren geben nicht mehr so einen halbgaren Mist ab. Andererseits trudeln nun tatsächlich tausende akzeptable Exposes bei Verlagen ein. Genau deswegen haben die große Verlage nun die "Einreichungsprozedur" so klar kanalisiert. Das wäre sonst ein Fulltime Job für einen Lektor bei allen auch nur die Betreffzeile zu lesen. Zumal die ohnehin keine Zeit für das Durcharbieten haben. Bzw würden sämtlich Kanäle des Verlags sonst mit Einsendungen zugespammt.

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                          RE: Frage zu Verlagseinreichung
                          Fr, 02.02.2018 06:25

                          Wenn ich dich richtig verstehe, meinst du also, die Anzahl, die Menge der Einsendungen sei unverändert, aber die Qualität sei gestiegen, weshalb die Chancen auf Veröffentlichung über einen Verlag sinken, sofern man nicht wirklich was Grandioses anzubieten hat. Hab ich das richtig verstanden?

                          In dem Fall frage ich mich aber, wo dann vor diesem Qualitätsanstieg die ganzen heutigen Selfpublisher gewesen sind, die ganz ohne Verlag ihren - man möge diese Ausdrucksweise entschuldigen - halbgaren Mist auf Amazon und Co vertreiben (Damit beziehe ich mich jetzt nicht auf ausnahmslos alle selbstveröffentlichten Bücher! Ihr wisst selbst, es gibt solche und solche).

                          Mit dieser Veröffentlichungsvariante im Hinterkopf müsste doch die Zahl der Einsendungen gesunken sein, damit die Qualität angestiegen sein kann. Schon allein, weil diejenigen, die sich seinerzeit dann nicht die Mühe machen wollten, die Einsendekriterien zu beachten, sich jetzt erst recht nicht die Mühe machen, sie überhaupt zu lesen. Wozu auch, wenn sie es doch nur bei Amazon hochladen müssen?

                          Zu sagen, die Leute haben sich angepasst, und achten - aus welchem Grund eigentlich? - mehr auf das, was sie einreichen fühlt sich für mich ähnlich an, wie wenn mir jemand sagt, die Erde sei eine Scheibe. Ich kann mir nur schwerlich vorstellen, dass jemand, der vielleicht fünf, sechs Mal vergeblich versucht hat, sich bei einem Verlag zu bewerben, sich aber nie die Mühe machte, die Kriterien zu beachten, dass der sich jetzt hinsetzt und versucht, es richtig zu machen. Wo doch BOD und Amazon und wie sie alle heißen, ihm sagen, dass sein Traum nur wenige Klicks entfernt ist.

                          Es gibt natürlich Ausnahmen, ganz klar. Manch einen wird es zum Nachdenken bewegen. Gerade auch jetzt, wo es soviele Schreibforen und -ratgeber und -kurse gibt. Aber dass generell die Anzahl der Einsendungen in den letzten fünf Jahren unverändert geblieben, die Qualität aber angestiegen sein soll, das halte ich für unglaubwürdig.

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                          RE: Frage zu Verlagseinreichung
                          Sa, 03.02.2018 19:17

                          Marcus Wächtler schrieb:

                          Allerdings sind die Menschen heutzutage dank Google und solchen tollen Seiten wie hier oder der Selfpublisherbibel innerhalb von 5 min in der Lage, eine vernünftige Verlagseinreichung zu gestalten. Das man sich mit einem vernünftigen Expose abhebt kannst du vergessen. [...] Zumal die ohnehin keine Zeit für das Durcharbieten haben

                          Lieber Marcus,

                          deine steile Behauptung mit den 5 Minuten schreibe ich dir unter dem Motto "künstlerische Freiheit" gut, dein Ernst kann das nicht sein. Ganze Schreibratgeber beschäftigen sich ausschließlich mit diesem für sehr viele Autoren als "Angstthema" bekannten Stoff.

                          Beispiele:

                          Hans Peter Roentgen: Drei Seiten für ein Exposé (Sieben Verlag, 198 Seiten)

                          André Hille: Titel, Pitch und Exposé (Textmanufaktur Verlag, 112 Seiten)

                          Sicher gibt es noch einige weitere Werke dieser Art, für mich haben diese beiden aber gereicht. 

                          Im Ernst, niemand ist in der Lage, sich innerhalb von fünf Minuten das notwendige Handwerkszeug anzueignen, um eine professionelle Verlagseinreichung erstellen zu können.
                          Und der rein formale Aufbau ist nichts ohne den Inhalt, der ja ebenfalls stimmen muss.

                          Und nicht jeder Autor kann wie du seinen eigenen Kleinverlag gründen, um seine Bücher selbst zu vertreiben. Du beschreibst dich selbst als Autodidakt, daher nehme ich an, du hast dir dein Handwerkszeug (Prosaschreiben ist schließlich eine Mischung aus ungefähr einem Teil Kunst/Talent und zwei Teilen Handwerk= Handwerkskunst) aus Ratgebern und der von dir genannten Selfpublisherbibel geholt.

                          So ähnlich habe ich das bis vor Kurzem auch gehandhabt, aber bemerkt, dass ich so zwar Romane schreiben kann, die sich "okay" lesen, aber um einen erfolgversprechenden Titel zu fabrizieren, reicht es dann doch nicht. Daher mache ich jetzt sozusagen eine "Ausbildung" und eigne mir das Handwerkszeug durch didaktisch aufbereitete Materialien und viele, viele lektorierte Schreibaufgaben an.

                          Ich empfinde es übrigens als demotivierend und auch ein Stück weit unfair gegenüber angehenden Autoren/Autorinnen, wenn "Kollegen" ihnen in Postings die Hoffnung auf eine erfolgreiche Veröffentlichung schmälern, indem sie Behauptungen aufstellen, die nur von Verlagslektoren tatsächlich bestätigt oder als unwahr bezeichnet werden können.

                          In einem muss ich dir allerdings Recht geben: Man hebt sich nicht mit einem "vernünftigen" Exposé ab. Mit einer richtig guten Geschichte (mit richtig guten Figuren im  originellem Setting usw.) allerdings schon. Und um diese Geschichte bestmöglich dem Verlag/Agenten zu präsentieren, rate ich dazu, weit mehr, sehr viel mehr als fünf Minuten in das Erstellen eines Exposés zu investieren.

                          Wie heißt es so schön bei der Textmanufaktur: Gute Geschichten finden ihren Weg. Und davon bin ich überzeugt.

                          Und doch, die Lektoren haben Zeit für das Durcharbeiten. Darum muss man auch relativ lange auf eine Antwort warten. Wenn schon der Pitch nicht zu überzeugen weiß, muss sich ein Lektor/eine Lektorin allerdings nicht viel Zeit nehmen ... die hat er/sie dann für die guten Einreichungen.

                          Liebe Grüße
                          Dirk

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                            RE: Frage zu Verlagseinreichung
                            So, 04.02.2018 14:03

                            Hi, Dirk. Nun wird es doch langsam komplex mit dem Antworten. ^_°

                            Zitat:

                            deine steile Behauptung mit den 5 Minuten schreibe ich dir unter dem Motto "künstlerische Freiheit" gut, dein Ernst kann das nicht sein. Ganze Schreibratgeber beschäftigen sich ausschließlich mit diesem für sehr viele Autoren als "Angstthema" bekannten Stoff.

                            Doch sehe ich definitiv so. Gerade durch die Ratgeber und der Selfpublisherbibel ist man innerhalb von ein paar Minuten in der Lage, ein Expose zu verfassen. Da wird auf wenigen Zeilen zusammengefasst, um was es geht und wie es ausschauen soll. Das ist doch gerade der Erfolg der ganzen Geschichte. Warum willst du das schmälern? Früher musste man deswegen dicke Bücher wälzten. Heute reicht ein Blick auf eine gute Seite oder in einen Blog. Er soll das Ding ja nicht in 5 min schreiben. Ich denke nur, dass man heute an das Wissen WIE es geht viel schneller und einfacher kommt. Und es deswegen auch wesentlich mehr Menschen nutzen.

                            Zitat:
                            Ich empfinde es übrigens als demotivierend und auch ein Stück weit unfair gegenüber angehenden Autoren/Autorinnen, wenn "Kollegen" ihnen in Postings die Hoffnung auf eine erfolgreiche Veröffentlichung schmälern, indem sie Behauptungen aufstellen, die nur von Verlagslektoren tatsächlich bestätigt oder als unwahr bezeichnet werden können.

                            Es ging ja ursprünglich um deine Liste vom Ullstein-Verlag, Bastei Lübbe, Piper, Random House und dtv, dass die den Service anbieten, um sich vor Einreichungsspamm zu schützen. Das sehe ich nach wie vor so. Die Qualität der Einreichungen ist in den letzten Jahren auf jeden Fall gestiegen. Das wurde mir bei Gesprächen auf Messen so bestätigt. Trotzdem werden eher weniger denn mehr Bücher aus diesem Pool veröffentlicht. Man hat heutzutage mit einem guten Expose noch weniger Chance, an einen Buchvertrag zu kommen, als früher. Damit demotiviere ich niemanden. Ich würde ja auch niemanden demotiviere, wenn ich sagen, dass die Chance im Lotto zu gewinne, sehr sehr schlecht ist. Es sind einfach nur Tatsachen. Aus aus diesem Grund bin ich den entgegengesetzen Weg gegangen, um meine Bücher zu veröffentlichen. Aber das ist hier nicht das Thema.

                            Zitat:
                            Und doch, die Lektoren haben Zeit für das Durcharbeiten. Darum muss man auch relativ lange auf eine Antwort warten. Wenn schon der Pitch nicht zu überzeugen weiß, muss sich ein Lektor/eine Lektorin allerdings nicht viel Zeit nehmen ... die hat er/sie dann für die guten Einreichungen.

                            Und das ist jetzt eine sehr gewagte These von dir, die den Leuten zu viel Hoffnung macht. Wer ist denn nun gemeiner? Der, der die Sache realistisch betrachtet? Oder der, der überbordenden Hoffnungen macht? Und nein, wir reden nicht von dem einen Buch unter 100.000. Sondern die 99.999 anderen.

                             

                            Kady schrieb:

                            Wenn ich dich richtig verstehe, meinst du also, die Anzahl, die Menge der Einsendungen sei unverändert, aber die Qualität sei gestiegen, weshalb die Chancen auf Veröffentlichung über einen Verlag sinken, sofern man nicht wirklich was Grandioses anzubieten hat. Hab ich das richtig verstanden?

                            In dem Fall frage ich mich aber, wo dann vor diesem Qualitätsanstieg die ganzen heutigen Selfpublisher gewesen sind, die ganz ohne Verlag ihren - man möge diese Ausdrucksweise entschuldigen - halbgaren Mist auf Amazon und Co vertreiben (Damit beziehe ich mich jetzt nicht auf ausnahmslos alle selbstveröffentlichten Bücher! Ihr wisst selbst, es gibt solche und solche).

                            Die Qualität der meisten SP Titel hat sich der signifikant verbessert. Oder etwas nicht?

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                              RE: Frage zu Verlagseinreichung
                              Mo, 05.02.2018 06:47

                              Zitat:
                              Die Qualität der meisten SP Titel hat sich der signifikant verbessert. Oder etwas nicht?

                              Kann ich nicht bestätigen. Gerade in letzter Zeit war ich mit meinem Ebook-Reader eher ziellos im SP-Bereich auf der Suche nach gutem Lesestoff und dabei unterwegs in sehr unterschiedlichen Genres. Selbst bei sehr gut bewerteten und/oder als Bestseller titulierten Büchern fielen mir schon in der Leseprobe z. B. Unstimmigkeiten in der Perspektive, oder grobe Fehler in der Recherche auf, die beide leicht zu beheben gewesen wären. Hätte man sich die Mühe gemacht, einen Lektor aufzusuchen. Aber sowas kostet ja Geld und meine Erfahrungen bisher haben gezeigt, dass die wenigsten dazu bereit sind.

                              Zitat:
                              Er soll das Ding ja nicht in 5 min schreiben.

                              Damit hast du dir jetzt selbst widersprochen:

                              Zitat:
                              ist man innerhalb von ein paar Minuten in der Lage, ein Expose zu verfassen

                              Und da muss ich Dirk zustimmen. Innerhalb von fünf Minuten verfasst man kein Exposé. Jedenfalls keins, das was taugt. Den Rohentwurf meinetwegen. Aber so ein Exposé, das ja letztlich andere Menschen mit viel Erfahrung und - im Idealfall - auch Gespür davon überzeugen soll, das ganze Manuskript zu lesen. Wer sich dafür nur fünf Minuten Zeit nimmt, darf sich meiner Meinung nach nicht wundern, wenn er abgelehnt wird.

                              Gleichzeitig gebe ich dir aber auch Recht, dass heutzutage sehr viele Ratgeber, Blogs und Internetforen sehr viele und brauchbare Tipps geben, nicht nur, wie man ein gutes Exposé schreibt, sondern auch noch den dazugehörigen Roman.

                              Trotzdem haben viele keine Lust, sich damit zu befassen. Es ist natürlich viel Arbeit. Viele sind aber so sehr von sich überzeugt, dass sie auch keine Kritik zulassen, weder am Werk noch am Exposé. Ich denke, dass diese Leute dann auch nicht viel drauf geben, welche Anforderungen ein Verlag an die Manuskripteinsendung stellt. Wenn sie es dort überhaupt versuchen, weil Amazon und Co in ihrem Sirenengesang ja nicht zu überhören sind.

                              Was mich wieder zu der Frage bringt: Wie kann bei gleichbleibender Anzahl der Einsendungen die Qualität gestiegen sein, wenn diejenigen, die die Qualität gemindert haben/hätten zum Selfpublishing ohne Verlag abgewandert sind? Die Anzahl der Einsendungen hätte sich so nach deiner Theorie verringern müssen.

                              Wobei ich nicht grundsätzlich anzweifle, dass die Qualität besser geworden ist, eben weil es an jeder Ecke inzwischen Ratgeber, Blogs, etc. gibt, und manche sich tatsächlich darum bemühen, sie zu lesen und umzusetzen, was sie gelesen haben.

                              Zitat:
                              Man hat heutzutage mit einem guten Expose noch weniger Chance, an einen Buchvertrag zu kommen, als früher.

                              Kannst du das irgendwie erklären oder belegen? Für mich klingt das nach einer bloßen Behauptung. Heißt das im Umkehrschluss, dass ich mit einem schlechten Exposé eine bessere Chance hätte als früher? Und wenn schon ein gutes Exposé nicht zieht, wie kommt man dann an einen Verlagsvertrag? Beziehungen? Bestechung? Erpressung und Drohung? Denn selbst, wenn ein Exposé schlecht geschrieben ist, ein erfahrener Verlagsmitarbeiter erkennt durchaus, ob in der Geschichte trotzdem Potential drin stecken kann. Und ja, wenn man sich an die Vorgaben hält, was der Verlag zur Einsendung schreibt, dann stehen die Chancen auch gut, dass das Exposé auch gelesen wird.

                              Zitat:
                              Damit demotiviere ich niemanden. Ich würde ja auch niemanden demotiviere, wenn ich sagen, dass die Chance im Lotto zu gewinne, sehr sehr schlecht ist.

                              Doch. Da gebe ich Dirk Recht, das ist sehr demotivierend. Vor allem, wenn man es als unsicherer Neuling liest, der viel Zeit mit seinem Manuskript verbracht und nun endlich den Mut gefunden hat, sich zu bewerben. Dass es schwer ist, ist jedem, der sich ernsthaft mit dem Schreiben befasst, absolut klar. Aber zu sagen, dass jede Anstrengung schon von Beginn an zum Scheitern verurteilt ist, ist hochgradig demotivierend. Mit Fakten hat das nichts zu tun - siehe oben, da schrieb ich schon, dass deine Aussage bisher bloße Behauptung ist (selbst, wenn du diese aufgrund von Gesprächen mit Verlagsmitarbeitern aufgestellt hast, so fehlen doch immer noch nachweisbare Fakten, die eure Aussagen stützen).

                              Und der Lottogewinn hinkt schon ziemlich. Beim Lotto muss man auf gut Glück Zahlen raten. Man kann nicht durch Handwerk und viel Arbeit die richtige Reihenfolge erarbeiten, man muss raten. Wer ein Buch so schreibt, wie er Lotto spielt, darf sich über Absagen nicht wundern. Lotto ist ein Glücksspiel. Ein Buch veröffentlichen ist Arbeit (ganz egal, ob über Verlag oder Selfpublishing).

                               

                               

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                              RE: Frage zu Verlagseinreichung
                              Mo, 05.02.2018 15:36

                              Liebe Nina,
                              lieber Marcus,

                              ich denke, Marcus hat tatsächlich gemeint, jeder könne sich innerhalb von fünf Minuten die Fähigkeit aneignen, ein gutes Exposé zu schreiben. Dass das Schreiben des Exposés selbst mehr braucht als die fünf Minuten, ist ihm klar. So habe ich das aus seinen Postings herausgelesen. 

                              Dennoch halte ich das für unmöglich. 

                              Marcus Wächtler schrieb:
                              Da wird auf wenigen Zeilen zusammengefasst, um was es geht und wie es ausschauen soll.

                              Stimmt, das ist ein Teil der Voraussetzungen, die ein Exposé erfüllen muss. Beileibe aber nicht alles. Die "wenigen Zeilen" sind normalerweise drei bis fünf Normseiten bei "normal" dimensionierten Romanen. Sehr wichtig ist das klare Herausarbeiten des USP, der letztendlich den Lektor überzeugen muss. Allein das lernt niemand in fünf Minuten. Da Leser, die den Roman ja später kaufen sollen, gerne wissen wollen, was sie im Roman erwartet (und das trifft so eben auch auf das Lektorat und das Exposé zu), müssen Genreregeln eingehalten werden, und das sollte aus dem Exposé ebenso hervorgehen. Zumindest im Bereich Krimi/Thriller ist es so und da gibt es unzählige Subgenres. Was da sonst noch dazu gehört, kann man ja den von mir weiter oben im Thread genannten Büchern entnehmen oder den unzähligen Blogs und Websites. 

                              Nina Geritan schrieb:
                              Und der Lottogewinn hinkt schon ziemlich. Beim Lotto muss man auf gut Glück Zahlen raten. Man kann nicht durch Handwerk und viel Arbeit die richtige Reihenfolge erarbeiten, man muss raten. Wer ein Buch so schreibt, wie er Lotto spielt, darf sich über Absagen nicht wundern. Lotto ist ein Glücksspiel. Ein Buch veröffentlichen ist Arbeit (ganz egal, ob über Verlag oder Selfpublishing).

                              Dem stimme ich zu. Wir (damit meine ich Autoren im belletristischen Bereich) sind Kunsthandwerker, keine Glücksspieler.

                              Und wenn Lektoren von den Verlagen durch all die "Anti-Spam-Maßnahmen" vom Lesen eingesandter Exposés abgehalten werden sollten, hätten dann nicht sowohl die Verlage als auch die Lektoren ihr berufliches Ziel verfehlt?

                              Liebe Grüße
                              Dirk 

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                                RE: Frage zu Verlagseinreichung
                                Mi, 07.02.2018 14:22

                                Ich geb mal meinen Senf dazu, wenn ich darf.

                                In meinen Augen gibt es hauptsächlich zwei Dinge, mit denen man seine Chancen, bei einem Verlag unterzukommen, signifikant erhöhen kann:

                                1. Beherrschung des Handwerks. Nicht zu unterschätzen. Da spielt auch der Punkt mit den Exposés rein. Aber wenn ich mein erstes Manuskript verfasse, heißt das nicht, dass ich gut schreiben kann. Eher ist das Gegenteil der Fall. Und wenn ich mir angucke, was im SP-Bereich gehypt wird, oder wer da irgendwelche komischen Wettbewerbe gewinnt, das ist da nicht so alles das Gelbe vom Ei. Die beherrschen dann z. B. das Marketing besser als das Schreiben.

                                2. Aufbau tragfähiger Arbeitsbeziehungen. Wenn ich einfach so bei einem Verlag mein Manuskript einreiche, habe ich im Normalfall zu niemandem dort eine Beziehung. Niemand dort hat schonmal meinen Namen gehört, niemand ist mit meiner bisherigen Arbeit vertraut. Deswegen Agenturen (die ich selbst eigentlich immer noch sehr skeptisch betrachte, aber das ist eine andere Geschichte). Schaffe ich es, bei einer Agentur unter Vertrag zu kommen, dann kann ich die Beziehungen des Agenten zu den Verlagen nutzen. Solcherlei Beziehungen kann ich auch auf anderen Wegen aufbauen. Bei der Leipziger Buchmesse gibt es z. B. diese Meet&Greet Geschichte, wo es schon viele Matches gegeben hat. Eine andere Form des Beziehungsaufbaus bieten z. B. die Konzepte von neobooks oder twentysix, die das Selfpublishing mit Verlagstalentsuche verknüpfen.

                                Es gibt noch einen dritten Punkt, der aber eher indirekt damit zu tun hat: Geduld. Auch wenn es uns durch Internet und Amazon seit einigen Jahren unheimlich schnell vorkommt, aber Bücher schreiben und veröffentlichen ist ein unheimlich langsames Geschäft. Man benötigt unheimlich viel Geduld und Durchhaltevermögen.

                                Und bevor mir jetzt noch ein vierter Punkt einfällt (ich höre sie schon rufen, die spanische Inquisition), fasse ich nochmal zusammen:
                                1. Handwerk
                                2. Beziehungen
                                3. Geduld

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                                RE: Frage zu Verlagseinreichung
                                Fr, 09.02.2018 14:32

                                Lieber Manuel,

                                danke für deinen wohldurchdachten Beitrag. Ich kann dem nur zustimmen. Das im SP-Bereich manche Autor*innen das Marketing besser beherrschen als das Schreiben, habe ich gerade erst hier m Forum erlebt:

                                Ein/e Autor*in, ich lasse Details zum Schutz der Person hier weg, hatte einen Eintrag - im Grunde war es eine Werbeanzeige - hier im Forum als Beitrag gepostet. Er/Sie präsentierte Bücher, die er/sie als kleine Bestseller beschrieb, wovon eines einen internationalen Buchwettbewerb in den USA gewonnen haben soll. Er/Sie gab an, es ohne Verlag und ohne Lektorat zu diesem Riesenerfolg gebracht zu haben und wollte nun sein/ihr Wissen um das "Wie?" für ordentlich Geld hier weitergeben.

                                Ich habe den/die Verfasser*in der Bücher gegooglet und siehe da, er/sie hatte seine/ihre Bücher, wovon das erste sowohl in Englisch als auch in Deutsch vor vielen Jahren erschienen war, bei Amazon, lulu.com und Barnes&Nobel angeboten. Keines der Bücher hatte auch nur bei einem der Anbieter eine einzige Rezension, der "preisgekrönte" Bestseller nur eine (!) 5-Sterne-Markierung. Sonst nichts. Die Cover wirkten wie die Internetseite des Autors/der Autorin überaus amateurhaft (90er-Stile) und die Leseprobe konnte mich aus handwerklicher und inhaltlicher Sicht auch nicht überzeugen. Der internationale Buchpreis stellte sich dann auch als beinahe-Fake heraus.

                                Beinahe, weil es den Preis wirklich gibt und er/sie dort vor Jahren als "Finalist" tatsächlich nominiert war. Gewonnen hatte den "Preis" ein anderer Autor. Der Preis besteht im Grunde aus kostenpflichtigen Stickern auf den Büchern ("International Book Award Finalist") und einer Urkunde. Das soll wohl die Verkäufe ankurbeln.  Interessantes Detail am Rande: Bei meiner Recherche zu diesem Preis fiel mir auf, dass in jedem Jahr ein ganz bestimmter Autor jeweils in mehreren Kategorien gewinnt: L. Ron Hubbard.

                                Der Preis wird von der Firma "American Book Fest" gesponsert, der aber auch eine ganze Reihe von ähnlichenVeranstaltungen gehört. Es geht dort auch nicht um die Qualität der Werke, sondern um Geld, Man reicht seinen Titel zusammen mit einen Scheck von 50-75 Dollar ein, und hat damit sozusagen ein Los in der Trommel. Die Sticker für die Bücher muss man sich dann übrigens auch dort kaufen. Wobei der geneigte Auto*in bei dieser Frima auch gleich die Rezensionen in verschiedenen Preiskategorien dazu kaufen kann. Da weiß man, was man von dem "internationalen Buchpreis" halten darf. Eine Geldmaschine für den Veranstalter, sonst eigentlich nichts. 

                                Ich hatte bei unserem/unserer Preisträger*in nachgefragt, wie es sein kann, dass so erfolgreiche Titel keine Rezensionen bekommen. Mir wurde Aggressivität vorgeworfen und ich solle mich mal locker machen. Auf die Frage wurde aber nicht eingegangen. Die Werbeanzeige verschwand dann auch wieder ... 

                                Liebe Grüße
                                Dirk

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                                  RE: Frage zu Verlagseinreichung
                                  Mi, 14.02.2018 09:31

                                  Ich möchte nochmal auf Punkt 2 meiner kleinen Liste zurückkommen.

                                  Beziehungen

                                  Durch gute Beziehungen kann man gewisse Dinge wesentlich verkürzen. Der "Volksmund" sagt, wenn du ein Manuskript an einen Verlag schickst (unaufgefordert), dauert es bis zu einem halben Jahr, bis man möglicherweise eine Antwort bekommt. Wenn man Beziehungen hat, wird man mitunter sogar aufgefordert, sein Manuskript einzuschicken. Dann kann das alles sehr, sehr schnell gehen.

                                  Ich will noch nicht zu viel sagen, weil noch nichts in trockenen Tüchern ist, aber meine potentielle Verlegerin hat möglicherweise einen Rekord gebrochen. Gestern Abend wurde ich von ihr aufgefordert ihr etwas zu schicken, gestern Nacht habe ich auf Senden gedrückt und heute morgen hatte ich eine positive Rückmeldung. Schneller geht es nicht!!!

                                  Was ich sagen will: Geht raus! Geht auf die Leute zu! Im echten Leben, nicht im Internet! 

                                  Ich werde mit Sicherheit berichten, wenn es an der Front weitergeht. ;-)

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                                    RE: Frage zu Verlagseinreichung
                                    Mi, 14.02.2018 19:17

                                    Herzlichen Glückwunsch, Manuel! Ich verfolge diese ganze Diskussion schon eine Weile und habe mich absichtlich zurückgehalten, weil ich einerseits im Moment wenig Zeit habe und andererseits ein paar unschöne Erfahrungen mit Agenturen und Verlagen gemacht habe. Einiges davon kann man in der "Plauderecke" im Thread mit den Enttäuschungen nachlesen, aber damit habe ich inzwischen zu einem guten Teil abgeschlossen. 

                                    Manuel, Dir gebe ich auf jeden Fall recht: Es geht nichts über das persönliche Gespräch, allerdings kann man den Erfolg nicht herbeizwingen, auch nicht durch die oft gepriesenen "Meet & Greet" und ebensowenig, in dem man die vielen hier genannten Tipps zur erfolgreichen Agenturbewerbung beherzigt. Ich habe alles in allem ein Jahr auf die Aquise verwandt, so ziemlich alle schlauen Bücher zum Thema Exposé verschlungen und mir zu guter Letzt professionell helfen lassen. Trotzdem hat sich keine Agentur und auch kein Verlag gefunden. Aber eine Menge Leser, denen mein Roman gefallen hat, der vielleicht zwei Dinge hatte, die es ihm schwer gemacht haben: Eine Debütautorin mit grauen Haaren, die 51 Jahre alt ist - das ist nichts, was Agenturen jubeln lässt, wenn man dem Artikel "Das späte Debüt" im Deutschlandradio Kultur vom vergangenen Sommer glauben darf. Ich hatte auch selbst ein paar Erlebnisse in dieser Hinsicht. Zum zweiten haben ich einen Weihnachtsroman geschrieben, der nicht die typischen Genres wie Liebesroman, Krimi oder Komödie bedient. "Alles, was nicht Genre ist, ist ein Risiko" sagte mir ein Agent am Telefon - und ich bin froh, dass ich nicht auf ihn gehört habe.

                                    Beim Selfpublisher Seminar an der Akademie in Wolfenbüttel wurde im vergangenen Jahr eine Zahl genannt: Eines von tausend Manuskripten würde angeblich einen Verlag finden. Ich bin mir nicht sicher, ob es um die Manuskripte erfahrener Autoren oder Erstlingswerke ging - wie auch immer: Wenn das so ist, darf man sich auch nach vielen Absagen etwas entspannen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der eigene Roman einer von 999 ist, die keinen Verlag finden, ist ziemlich hoch.

                                    Insofern habe ich nur einen guten Tipp für Marian Buchholz: Ich wünsche Dir, dass Du Dich von den vielen Ratschlägen, die hier zu lesen sind und die sich teilweise auch widersprechen, nicht beirren lässt. Das eine Patentrezept, das den Erfolg garantiert, kann niemand für sich reklamieren. Es gehört schlicht und einfach auch eine ordentliche Portion Glück dazu. Und eine gewisse Arbeitsdisziplin, mit der man sich selbst in den Allerwertesten tritt und einfach weiterschreibt.

                                    Viele Grüße

                                    Anke

                                     

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                                      RE: Frage zu Verlagseinreichung
                                      Do, 15.02.2018 12:19

                                      Danke, Anke! ;-)

                                      Du hast sicherlich recht, man kann sowas nicht erzwingen. Man kann lediglich die Wahrscheinlichkeiten zu seinen eigenen Gunsten verschieben. In meinem Fall gab es auch gewisse Schlüsselfaktoren, die die Waage zu meinen Gunsten hat ausschwingen lassen. Aber sowas ist dann immer sehr individuell und nicht planbar. Ich hatte z. B. zwei Tage vorher einen Probedruck bei BoD bestellt, für meine nächste Veröffentlichung als Selfpublisher. Die wird jetzt so wohl nicht kommen.

                                      Das mit der "1 von 1000"-Aussage basiert mit Sicherheit auf Erfahrungswerten von entsprechenden Verlagslektoren. Ob das jetzt evidenzbasiert ist, lasse ich mal dahingestellt. Gefühlt mag sich das aber in der richtigen Größenordnung bewegen. Und die Gründe für Absagen sind vielfältig, da spielt nicht nur die Qualität des Manuskripts eine Rolle, sondern auch Faktoren wie Marktfähigkeit, Genre usw.

                                      Aber in welchem Genre bewegt sich z. B. ein Haruki Murakami?

                                      Manchmal muss man auch einfach etwas wagen und darf nicht nur dem Publikum nach dem Geschmack schreiben.

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                                        RE: Frage zu Verlagseinreichung
                                        Sa, 05.05.2018 17:56

                                        Ich kenne das Problem auch. Due fängst mit dem einen oder anderen kleinen buch an, zahlst gerade raus gesagt natürlich Lehrgeld. und irgendwann schreibst du ein Buch das du gerne bei einem Verlag unterbringen würdest, was ja nicht heißt dass das klappt, aber man will es versuchen. Bei Agenturen habe ich ähnliches als Antwort bekommen, aber je nachdem was ich da als Antwort bekomme, reagiert gleich mein Bauchgefühl. Deswegen habe ich mit für mich persönlich mit Agenturen abgeschlossen. Ich habe dann weil man viel negatives über unverlangt eingesandte Manuskripte hört, umgeschwenkt und gehe einen anderen Weg.

                                        Ich habe unterschiedliche Verlage nach der Sichtung ihrer Webseiten angeschrieben und ihnen erklärt was ich gerade schreibe, bzw. geschrieben habe. Nach Vorgaben aus dem Web hatte ich auch ein Epose erstmals erstellt und daheim auf dem Rechner liegen. Irgendwann kam dann auch mal eine positive Antwort dass ich das Manuskript zur Prüfung einreichen kann.

                                        Schriftliches in Form eines Vertrages habe ich bisher nicht, aber eine Zusage dass das Buch wenn ich das eine oder andere überarbeitet habe, nochmals durchs Verlagslektorat geht und auch veröffentlicht wird. Da manche Verlage ziemlich voll sind, kann es ggf. bis zur Veröffentlichung Jahresende oder auch Frühjahr 2018 werden, was mir persönlich nichts ausmacht. Ich habe denen beim Verlag gesagt, dass mir der genaue Termin wurscht ist, wenn ich weiß dass es klappt.

                                        Also übe ich mich momentan in Geduld, mache einige Korrekturen und reiche es dann ein. Zwischenzeitlich schreibe ich dann an meinem neuen Projekt. Alles frei von Hektik.

                                         

                                        Gelöschter Nutzer
                                        RE: Frage zu Verlagseinreichung
                                        Sa, 05.05.2018 18:31

                                        Hallo Joachim,

                                         

                                        nicht manche Verlage sind ziemlich voll, sondern alle. Das ist völlig normal und seit Jahrzehnten so. Und im Mai 2018 von einer Veröffentlichung zum Jahresende zu sprechen..., da gehen bei mir gleich wieder alle Alarmglocken an. Seriöse Verlage arbeiten nach ganz klaren Zeitschienen. Immer mindestens ein Jahr im Voraus. Das heißt, Buchverträge für das Frühjahr 2019 (!) wurden bis ca. März 2018 geschlossen. In Schriftform, mit allen Details. Denn: Wenn so ein Vertrag geschlossen wird, dann ist das ja nie der einzige für das kommende Frühjahr in diesem Verlag. Es sind ja immer zig Titel, die neu erscheinen sollen. Und alle diese Titel müssen geschrieben, lektoriert, korrigiert und gesetzt werden. Dann muss der Grafiker an das Cover ran, dann muss die Vertriebskonferenz tagen, usw. Dann müssen die Vorschauen für den Buchhandel erstellt werden, die Druckfahnen gehen ein letztes Mal an den Autor, gehen wieder zurück in den Verlag, usw. Also 12 Monate vom Vertrag bis zur Erscheinung sind das Minimum. Inzwischen dauert es bei vielen Büchern aber noch etwas länger. Sprich, derzeit sitzen Agenten, Verleger und Autoren zusammen und planen die Neuerscheinungen für den Herbst 2019.

                                         

                                        VG, Dorit 

                                        Gelöschter Nutzer
                                        RE: Frage zu Verlagseinreichung
                                        Sa, 05.05.2018 18:34

                                        colwyn schrieb:

                                         

                                        Aber in welchem Genre bewegt sich z. B. ein Haruki Murakami?

                                         

                                        Das Genre nennt sich zeitgenössischer Roman und wird gern bei Diogenes, btb und Dumont verlegt. :-) 

                                        VG, Dorit 

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                                          RE: Frage zu Verlagseinreichung
                                          Fr, 20.07.2018 01:13

                                          Marcus Wächtler schrieb:

                                          Hi, Dirk. Nun wird es doch langsam komplex mit dem Antworten. ^_°

                                           

                                          Zitat:

                                          deine steile Behauptung mit den 5 Minuten schreibe ich dir unter dem Motto "künstlerische Freiheit" gut, dein Ernst kann das nicht sein. Ganze Schreibratgeber beschäftigen sich ausschließlich mit diesem für sehr viele Autoren als "Angstthema" bekannten Stoff.

                                          Doch sehe ich definitiv so. Gerade durch die Ratgeber und der Selfpublisherbibel ist man innerhalb von ein paar Minuten in der Lage, ein Expose zu verfassen. Da wird auf wenigen Zeilen zusammengefasst, um was es geht und wie es ausschauen soll. Das ist doch gerade der Erfolg der ganzen Geschichte. Warum willst du das schmälern? Früher musste man deswegen dicke Bücher wälzten. Heute reicht ein Blick auf eine gute Seite oder in einen Blog. Er soll das Ding ja nicht in 5 min schreiben. Ich denke nur, dass man heute an das Wissen WIE es geht viel schneller und einfacher kommt. Und es deswegen auch wesentlich mehr Menschen nutzen.

                                          So einfach ist es nicht! Wer den Kampf um ein sauberes Exposé erlebt hat, weiß, dass das Lesen von Ratgebern allenfalls der erste Schritt in die richtige Richtung ist. In keinem Ratgeber steht, wie leicht man im Exposé tödliche Flanken aufmachen kann. Da liegt jedes Wort auf der Goldwaage und bei der kleinsten Unklarheit bist du weg. Ohne professionelles Lektorat ist gerade für einen Ersteinreicher ein stringentes Exposé ein Ding der Unmöglichkeit.

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                                            RE: Frage zu Verlagseinreichung
                                            Fr, 20.07.2018 00:56

                                            Anke Schläger schrieb:

                                            Beim Selfpublisher Seminar an der Akademie in Wolfenbüttel wurde im vergangenen Jahr eine Zahl genannt: Eines von tausend Manuskripten würde angeblich einen Verlag finden. Ich bin mir nicht sicher, ob es um die Manuskripte erfahrener Autoren oder Erstlingswerke ging - wie auch immer: Wenn das so ist, darf man sich auch nach vielen Absagen etwas entspannen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der eigene Roman einer von 999 ist, die keinen Verlag finden, ist ziemlich hoch.

                                            Die Zahl ist so noch immer zu optimistisch. Ich habe bei einem Seminar auf der Bastei Lübbe Akademie gehört, dass von 6000 unverlangt eingesandten Manuskripten, es gerade eines zum Buch schafft. Kommt hingegen ein Agent mit einem frischen Manuskript eines unbekannten Autors auf den Verlag zu, liegt die Chance hingegen bei 1:5, dass aus dem Manuskript ein Buch wird.

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                                              RE: Frage zu Verlagseinreichung
                                              Mo, 23.07.2018 11:51

                                              Eines kann ich jedoch bei den Agenten nicht verstehen. Wieso wollen die wissen, bei welchen Agenturen ich schon abgeblitzt bin und welche ich gerade angeschrieben habe? Das geht sie solange nichts an, bis sie zumindest nicht das ganze Manuskript anfordern. Für mich gilt da das Prinzip: wer zuerst kommt, der mahlt auch zuerst.

                                              Vor allem, wenn es nur um das Exposé und die Leseprobe geht. Ich muss Markus Recht geben, dass das sequentielle Anbieten bei den jetzt üblichen Laufzeiten in der Agenturen meschugge ist, denn das würde meinen Berechnungen zufolge mindestens 6 Jahre benötigen, bis man durch ist. Wenn exklusives, sequentielles Anbieten gewünscht ist, müssen sich die Agenturen am Riemen nehmen und ihrerseits Durchlaufzeiten von maximal einer Woche zwischen Einreichung und Absage gewährleisten können. Selbst dann würde sich die Agentursuche im Worst Case auf 40 (!) Wochen hinziehen.

                                              Ohne Agentur kann man die großen Verlage m. E. vergessen. Dann geht die Verlagssuche bewusst auf die kleinen und mittleren Verlage, wobei die Gefahr recht groß ist, an einen Schmuddelverlag zu geraten, bei dem man praktisch die gleiche Arbeit wie als Self Publisher hat.

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                                                RE: Frage zu Verlagseinreichung
                                                Mo, 23.07.2018 17:58

                                                Hallo Paul, 

                                                in vieler Hinsicht hast Du recht - deshalb bin ich nun schon seit fast einem Jahr Selfpublisherin. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich noch einmal auf die Agentursuche mache. Im Moment ist alles gut, trotz des Arbeitsaufwandes. Es macht viel Freude, täglich ein bisschen hinzuzulernen. Und ich kann selbst entscheiden, mit wem ich mich einlasse.

                                                Viele Grüße

                                                Anke