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    Ich-Perspektive vs. Er-Form --> oder einfach beides???

    Hallo zusammen,

     

    was haltet ihr von der Idee, sowohl in der Ich-Form als auch in der dritten Person zu schreiben in ein und derselben Geschichte???

    Man stelle sich zum Beispiel ein Ermittlerduo vor. Die Handlungsstränge der beiden bis zu einem bestimmten wichtigen Punkt als Ich-Erzählung und von da aus dann überwiegend in der dritten Person weiter?

    Ist das cool oder doof?

    Was haltet ihr alternativ von der Idee, die Ich-Form beizubehalten, obwohl es in der Geschichte aber mehrere "Ichs" gibt?

    Oder könnte es sich evtl auch gut lesen, einem der Protas die Ich-Perspektive zu geben und den anderen nicht?

    Der Antagonist wird definitiv die Ich-Perspektive bekommen. Irgendwie denke ich fast, das reicht, sonst wird es vielleicht zu unruhig.

     

    Freue mich auf eure Meinungen.

     

    Hintergrund:

    Ich habe drei alte Texte herausgekramt. Die will ich verwenden für eine neue Geschichte. Jeder der drei Texte würde hierbei die Einführung eines der Protagonisten sein.... So weit so gut.

    Nun habe ich jedoch eben überrascht festgestellt, dass einer davon in der Ich-Form geschrieben ist. Und irgendwie finde ich das gar nicht so schlecht... Könnte ich nun eventuell auch den Text von der Ich- in die Er-Form ummodeln, und dabei die Gedanken einfach drin lassen? Das ist dann dieses kursiv Geschriebene, oder?

     

    Viele liebe Grüße

    Christina

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      RE: Ich-Perspektive vs. Er-Form --> oder einfach beides???
      Fr, 21.10.2016 22:13

      Hallo Christina,

      du wirst lachen: Davon halte ich sehr viel!

      Ich selbst habe bereits einen Roman geschrieben, der zwar erst als mein übernächstes Buch veröffentlich wird, wo ich diese Form benutzt habe. Es gibt einen Hauptprotagonisten, der aus der Ich-Erzählperspektive erzählt, und zusätzlich weitere Personen, deren Handlungen aus der personalen Erzählsituation geschildert werden. Da ich für diesen Roman einen Verlag gefunden habe, scheint das nicht so ungewöhnlich zu sein.

      Ein weiterer Roman, für den ich allerdings noch keinen Verlag gefunden habe (wird aber sicher noch), geht sogar einen Schritt weiter: In ihm habe ich diese Form noch einen Schritt weiter getrieben, denn er wird grundsätzlich in der weit verbreiteten Form der personalen Erzählsituation verschiedener Protagonisten in der Vergangenheitsform erzählt, außer ... Schilderungen des Serienkillers, den die Protagonisten jagen, in der Ich-Erzählperspektive in der Gegenwartsform.

      Sprich: der Killer macht sich über die dummen Kriminalisten lustig: "Mein Gott, sind die blöd. Die haben keine Ahnung, was ich gerade aushecke. Morgen werden die sich wundern. Aber jetzt muss ich mich aufmachen zur Tat!)" -   Und dann im nächsten Kapitel:  "Kommissar X stand vor der Grube mit der verstümmelten Leiche und überlegte, was er übersehen hatte. Wie hatte er zulassen können, dass sie nun bereits vor der dritten Leiche standen."

      Also bin ich der Meinung, die Idee mit den verschiedenen Erzählperspektiven ist nicht doof, sondern eigentlich ziemlich schlau :-)

      Mehrere "ichs" könnte vielleicht verwirrend sein, es sei denn, es gelingt dir, immer ganz deutlich zu machen, wer gerade erzählt. Das mit den Gedanken und kursiv scheint eine Sache zu sein, die sogar Verlage unterschiedlich sehen. Mein Verlag will keine Gedanken in Kursiv oder Anführungszeichen. Laut meiner Lektorin muss man am Text erkennbar sein, dass es sich um Gedanken handelt, ohne dass man es durch das Schriftbild deutlich macht. Trotzdem lese ich es immer wieder in den verschiedensten Büchern.

      Viele liebe Grüße

      Dieter

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        RE: Ich-Perspektive vs. Er-Form --> oder einfach beides???
        Fr, 21.10.2016 22:18

        Hi Dieter, Du hast mir teilweise aus der Seele geschrieben, danke! :-*

          Beiträge:
          RE: Ich-Perspektive vs. Er-Form --> oder einfach beides???
          Fr, 21.10.2016 22:40

          Entscheidend ist, was hinten rauskommt. :-) Christina, machen kann man alles. Und wenn es sorgfältiges Handwerk ist, umso mehr. Also, nicht drüber nachdenken, ob, sondern höchstens wie. :-) Und dann Stück für Stück rantasten, ausprobieren, überarbeiten.... und dann wieder von vorn.

          Gedanken kursiv zu schreiben, das wird von manchen Lektoren und Verlagen als typische Anfänger-Krücke gesehen. Ich persönlich mag es auch nicht, weil es wirkkich nicht nötig ist, wenn man sich Mühe mit der Perspektive und dem Bezug gibt. Aber in manchen Genres wird das längst nicht so eng gesehen.

          vG, Dorit

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            Beigetreten: 17.06.2016
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            RE: Ich-Perspektive vs. Er-Form --> oder einfach beides???
            Sa, 22.10.2016 08:25

            Hallo Dorit,

            Danke für die Info. Dass das Kursivschreiben so umstritten ist, wusste ich nicht. Bisher hab ich das nicht verwendet und wollte es nun einführen um es besonders gut und richtig zu machen. Hahaha, manchmal liegt man wohl einfach daneben mit seinen Vorstellungen :-)

            Viele liebe grüße
            Christina

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              RE: Ich-Perspektive vs. Er-Form --> oder einfach beides???
              Di, 25.10.2016 16:40

              Liebe Christina,

              Können kann man alles. Fragt sich dann, ob man es auch KANN. ;-)

              Also, springender Punkt bei Erzählen aus mehreren Perspektiven:

              Klare Trennung, am besten kapitelweise. Dh., 1 Kapitel/1 Szene hat immer nur 1 Perspektive. Dabei müssen die Szenen nicht immer 1 solche/1 andere kommen. ich würde immer empfehlen, aus der Sicht zu erzählen, aus der es am spannendsten ist. (Grad beim Krimi, aber auch sonst.)

              UND

              Es muss klar ersichtlich sein, wer in diesem Moment der Erzähler ist. Das gelingt zB. über Figurensprache, also jede Figur hat ihre ganz eigene Art zu erzählen (Wortwahl, viel oder wenig sagen, ...) oder als Hilfsmittel mit einer unmissverständlichen Kapitelüberschrift. (Figur x, Datum, Ort.) Ist aber eher auch eine Krücke.

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                RE: Ich-Perspektive vs. Er-Form --> oder einfach beides???
                Do, 27.10.2016 00:57

                Klar kann eine Geschichte aus mehreren Perspektiven erzählt werden. Ich erinnere mich grade nur an Patrick Rotfuss in einem life-Talk letztes Jahr im NaNo und finde, er hat es auf den Punkt gebracht: Wenn man nicht gerade G.R.R. Martin heißt und der Welt zeigen will, dass es keine Protagonisten gibt, dann sollte man sich vielleicht auf max. 2 Perspektiven beschränken.
                Ich habe letztens ein Buch gelesen, das aus 4 Personalen Erzählstimmen zusammengesetzt war und das war mir ehrlich gesagt zu viel. Viel zu viel Einblick in zu viele Personen, die die Geschichte nicht vorangetrieben haben. Auch wenn es gut geschrieben war, hat es mich genervt - so viel wollte ich über die einzelnen Charaktere nicht wissen. Was mich noch mehr gestört hat war, dass die Perspektivwechsel auch während einem Kapitel stattgefunden haben - zwar immer abgetrennt durch einen Doppelabsatz, aber es ging mir mehrmals so, dass ich verwirrt war und zurückblättern musste, weil ich den Wechsel beim Doppelabsatz nicht bemerkt hatte und es noch die gleiche Szene war. Wenn Perspektivwechsel, dann entweder mit einer kleinen Überschrift innerhalb eines Kapitels oder aber nur Kapitelweise (selbst G.R.R. Martin wecheselt nicht in einem Kapitel den Erzähler.).

                Klar gibt es es Bücher in denen eine Perspektive im Personalen Erzähler und die zweite im Ich-Erzähler ist, aber ehrlich gesagt ist das für mich zu lesen wie einen Kinofilm anzusehen, der mit Handkamera aufgenommen ist. Ich mag das nicht. Entweder alle Perspektiven Personal oder alle in Erster Person. Sonst ist das so ein Doppel-Wechsel und ich weiß ehrlich gesagt nicht, wozu der gut sein soll?

                Letztendlich kannst Du aber erst mal vieles ausprobieren und sehen, wie es auf Dich oder auch auf Testleser wirkt, bevor Du Dich von vorneherein beschränkst.

                Viel Spaß mit der Geschichte!

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                  RE: Ich-Perspektive vs. Er-Form --> oder einfach beides???
                  Do, 27.10.2016 14:31

                  Danke für eure Meinungen und Anregungen!

                  Ich habe mich für diese Geschichte jetzt dagegen entschieden, dass einer der drei Portas eine Ich-perspektive bekommt. Und zwar einfach deshalb, weil sie gleichwertig sein sollen. Ich möchte keinem von ihnen mehr Gewicht geben als den anderen, die sollen ein gleichberechtigtes Team werden sozusagen. Vielleicht probiere ich das ein andermal aus.
                  Der Bösewicht hingegen bekommt seine ich-form. Das habe ich schon mal so ausprobiert, und das ging gut. Vor allem, wenn er ein bisschen abstruse und durchaus interessante Gedanken hat, die die Geschichte würzen, und die sonst keiner kennt, dann finde ich das sehr passend.

                  Liebe Grüße
                  Christina

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                    RE: Ich-Perspektive vs. Er-Form --> oder einfach beides???
                    Do, 27.10.2016 14:34

                    PS: Den alten Text, der mich dazu gebracht hatte, die Frage hier zu stellen, den habe ich in die Er-Form umgemodelt. Ich hatte befürchtet, dass dabei evtl. etwas von dem Charakter, der Persönlichkeit flöten geht, aber es war nicht so. Alles gut :-)

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                      Beigetreten: 07.08.2018
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                      RE: Ich-Perspektive vs. Er-Form --> oder einfach beides???
                      Sa, 13.10.2018 13:55

                      Hallo,

                      Harlan Coben macht das fantastisch finde ich. Sein Protagonist wird aus der Ich Perspektive gezeigt. Der Rest nicht! Ich fand das beim Lesen äußerst spannend. Bei meinem zweiten Psycho Thriller werde ich das auch so handhaben.

                      Liebe Grüße Roy

                       

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                        Beigetreten: 08.11.2018
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                        RE: Ich-Perspektive vs. Er-Form --> oder einfach beides???
                        Fr, 09.11.2018 02:35

                        Hallo zusammen.

                        Witzigerweise ohne Vorahnung, habe ich das bei meinem Projekt auch so gehandhabt. Der Ich-Erzähler ist gleichzeitig einer der Hauptprotagonisten, und erzählt die anderen Handlungstränge ebenfalls. 

                        Die Erzählweise wechselt dann wieder in die Ich-Variante, sobald der Erzähler selbst beteiligt ist. 

                        Für die bisherigen Testleser ohne den Gesamtüberblick recht verwirrend, aber ich fand die Idee witzig. Ich freue mich grade tierisch, dass die Idee schon öfters genutzt wurde und Anklang gefunden hat. 

                         

                        Liebe Grüße