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    Beigetreten: 11.07.2018
    Zeitstufen im Text

    Hallo!

    Ich freue mich immer sehr über eure schnellen und vor allem hilfreichen Antworten. Leider kann ich selbst nicht so viel helfen, wie ich Fragen habe, da ich noch ziemlich am Anfang stehe.

    Diesmal habe ich eine Frage zu den Zeitstufen im Text. Wobei es eigentlich mehr so ein Unbehagen ist. Bei einer Kurzgeschichte, die im Imperfekt geschrieben ist, muss ich mehrere Seiten lang auf die Vorvergangenheit zurückgreifen, um die Zeit vor der eigentlichen Handlung miteinzubeziehen. Natürlich weiß ich, dass man das im Plusquamperfekt macht. Die Absätze sind allerdings ziemlich lang. Wenn ich mir den Text selbst vorlese, klingt er anfangs richtig, dann aber anstrengend, weil dauernd "hatte" dasteht.

    Habt ihr eine Idee dazu? Passen muss es ja.

    Tut mir leid, dass das jetzt eigentlich keine richtige Frage ist.

    Danke!

    Nina

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      Beigetreten: 09.05.2014
      RE: Zeitstufen im Text
      Sa, 06.07.2019 10:47

      In einigen Ratgebern wird empfohlen, den ersten (oder die ersten) Sätze im Plusquamperfekt zu formulieren, und dann auf die Vergangenheitsform überzugehen. Am Schluss dann wieder kurz Plusquamperfekt.

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      Beigetreten: 12.03.2014
      RE: Zeitstufen im Text
      Sa, 06.07.2019 11:16

      Das mag in Ratgebern stehen. Mich persönlich stört das Plusquamperfekt, da man in dieser Zeitform zu oft auf schwache Verben und Hilfsverben zurückgreifen muss. Das Präteritum gefällt mir da bedeutend besser, da ich hier leichter auf starke Verben zurückgreifen kann, was die Handlung und vor allem den Protagonisten aktiver erscheinen lässt. Hilfsverben versuche ich ohnehin wegen des Wordcounts zu vermeiden. Die meisten davon fliegen in der Überarbeitung sowieso raus, wenn das Manuskript gekürzt werden muss. Und das muss es (zumindest bei mir) fast immer. Hängt auch vom Genre und der Veröffentlichungsweise ab (Buch vs. Heftroman, Unterhaltung vs. hohe Literatur).

      Liebe Grüße
      Dirk

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        Beigetreten: 31.03.2014
        RE: Zeitstufen im Text
        Sa, 06.07.2019 11:26

        Ich würde es wie Gerd Cramer machen. Erst ein, höchstens zwei Sätze im Plusquamperfekt (damit dem Leser der Zeitsprung klar wird), dann weiter Perfekt oder Imperfekt, um diese komplizierte Plusquamperfektform zu vermeiden.

        Ist auch logisch. Wir sind in eine andere Zeit gesprungen und ab jetzt spielt die Zeit in der Rückblende auch in der Vergangenheit.

        Herzliche GRüße, Hans Peter

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        Beigetreten: 12.03.2014
        RE: Zeitstufen im Text
        Sa, 06.07.2019 11:47

        Na, dann beuge ich mich gern dem Urteil des ausgewiesenen Fachmannes Hans Peter Roentgen, dessen Ratgeber ich öfters in Händen halte (hauptsächlich, wenn es um Spannung geht). Dennoch nutze ich diese Technik eher selten, weil Rückblicke am Anfang ... ich lasse mal Andreas Eschbach sprechen:

        Andreas Eschbach schrieb:
        Und Rückblende auf S. 2, das ist ein No-no; das dürfen nur langjährige Bestsellerautoren mit stabiler Fangemeinde, die ihnen auch mal einen faulen Moment verzeiht. ;-)

        Stammt aus einer Mail an mich, die sich um ein Projekt von mir dreht und einen Rückblick am Anfang betrifft. Ich frage mich auch, warum man das Wichtige, was offenbar vor dem Beginn des Romans passierte, nicht szenisch darstellt, sondern in Form einer Rückblende. Kann man machen, "erleben" (aus Sicht des Lesers) ist aber doch spannender als "erzählt bekommen" ...

        Liebe Grüße,
        Dirk

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          Beigetreten: 31.03.2014
          RE: Zeitstufen im Text
          Sa, 06.07.2019 12:19

          Sphärenspringer schrieb:

          Na, dann beuge ich mich gern dem Urteil des ausgewiesenen Fachmannes Hans Peter Roentgen, dessen Ratgeber ich öfters in Händen halte (hauptsächlich, wenn es um Spannung geht). Dennoch nutze ich diese Technik eher selten, weil Rückblicke am Anfang ... ich lasse mal Andreas Eschbach sprechen:

           

          Andreas Eschbach schrieb: Und Rückblende auf S. 2, das ist ein No-no; das dürfen nur langjährige Bestsellerautoren mit stabiler Fangemeinde, die ihnen auch mal einen faulen Moment verzeiht. ;-)

           

          Dirk, da hat Andreas ganz recht. Rückblenden auf den ersten Seiten sollte man sich dreimal überlegen. Die streich ich in der Regel.

          Herzliche Grüße, Hans Peter

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          Beigetreten: 12.03.2014
          RE: Zeitstufen im Text
          Sa, 06.07.2019 13:42

          Genauso habe ich es auch gemacht. Ich hatte eine (zu) ausführliche Anfangsszene geschrieben, die den Einstieg zu sehr in die Länge gezogen hat. Daraufhin hat Andreas zu Kürzung oder weglassen geraten. Ich habe die Szene gleich ganz gestrichen, was aber wichtige Informationen mit betraf, stattdessen eine Rückblende eingebaut. Letztendlich habe ich dann aber einen kürzeren Einstieg gewählt und die Rückblende gelöscht. Jetzt liegt das Manuskript beim Verlag und ich kann nur noch abwarten, was passiert.

          Liebe Grüße
          Dirk

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            Beigetreten: 16.02.2019
            RE: Zeitstufen im Text
            Sa, 06.07.2019 13:53

            Hallo!

            Wenn die Rückblende schon am Anfang kommen muss, mache ich einen Prolog, der die Vorgeschichte erzählt, und dann den Zeitsprung in die Hauptgeschichte. Später könnte man für längere Rückblenden ein eigenes Kapitel mit einem "literarischen Trick" machen, zum Beispiel der Erinnerung eines Protagonisten, einen alten Brief oder ähnlichem.

            In der Frage war allerdings angegeben, dass es sich um eine Kurzgeschichte handelt. Da erscheint mir eine mehrseitige Rückblende eher lang. Vielleicht kann man auch noch am Plot etwas drehen.

            Liebe Grüße,

            Hermann

             

             

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              Beigetreten: 11.07.2018
              RE: Zeitstufen im Text
              So, 07.07.2019 11:23

              Vielen lieben Dank euch allen! Ich werde es so machen, dass ich nur die ersten Sätze im Plusquamperfekt schreibe. Dann klingt es genau richtig. Auch eure anderen Überlegungen fand ich interessant.

              Einen schönen Sonntag!

              Nina

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                Beigetreten: 13.07.2015
                RE: Zeitstufen im Text
                So, 07.07.2019 11:52

                Ich komme erst jetzt dazu, "meinen Senf zum Thema dazuzugeben". 1f 604

                Ich habe mir gerade nochmals vorgestellt, wie ein Text, der einen Ablauf in der Vorvergangenheit beschreibt, aussehen müsste. Ich bin, zumindest in meinen Vorstellungen eines Handlungsablaufs, zu dem Schluß gekommen, dass man nicht unbedingt ständig das Plusquamperfekt gebrauchen muss, um durchgängig einen Ablauf in der Vorvergangenheit beschreiben zu können. So ähnlich hat es Hans Peter ja auch schon geschrieben. Es genügt m.E. lediglich ab und an eine Plusquamperfektformulierung, um den Zeitunterschied im Gesamttext darzustellen. Sonst wird das Ganze zu lahm.
                Allerdings würde ich eine Rückblende auch nicht direkt an den Anfang setzen, denn auf diese Weise kommt kein Zug in die Geschichte, der ja bei einer Kurzgeschichte von Anfang an da sein sollte. Eher würde ich eine Rückblende erst nach einigen Seiten einbauen. 

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                  Beigetreten: 11.07.2018
                  RE: Zeitstufen im Text
                  So, 07.07.2019 15:42

                  Vielen Dank noch einmal! Und keine Sorge. Meine Rückblende macht wirklich Sinn *1f600*. Witzigerweise hatte ich alles erst richtig, habe es dann falsch überarbeitet und werde jetzt noch einmal alles zurück verändern.