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    Beigetreten: 14.03.2022
    Krimis schreiben - Theorie und Übungen

    Hallo zusammen!

    Gibt es hier Krimiautor*innen oder solche, die es werden wollen? Ich biete einen Krimiworkshop an, in dem wir zusammen vom ersten bis zum letzten Schritt, der Planung bis zum Schreiben arbeiten können. Ich bin Tanja, 40 Jahre, Lektorin und liebe Krimis! Gern möchte ich dazu beitragen, viele gute, spannende und lesenswerte Bücher auf den Markt zu bringen. Deshalb möchte ich (Erstlings-)Autor*innen bei ihren Ideen unterstützen, damit eine runde Sache draus wird. 

    Wer Interesse hat, mit ein paar anderen Autor*innen und mir einen Krimiworkshop zu gestalten, der nehme doch bitte Kontakt mit mir auf! (Mailadresse entfernt durch Moderator, bitte per PN oder im Thread antworten)

    Ich freue mich auf Nachrichten!

     

    Viele Grüße

    Tanja, Lektorat feinetextsache

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      Beigetreten: 14.03.2022
      RE: Krimiworkshop
      Mo, 11.04.2022 16:45

      Huhu! 

      Ein Autor hat sich schon bei mir gemeldet, der Zeit und Lust hat! Wir brauchen aber noch zwei oder drei Autor*innen, die ebenfalls mitmachen wollen. Wir reden über die ersten Ideen, den Plot, die Figuren, das Kardinalindiz und, und, und. Es wäre so schade, wenn der Workshop nicht zustande kommt. Macht doch mit!

       

      Viele Grüße

      Tanja

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      Beigetreten: 12.03.2014
      RE: Krimiworkshop
      Di, 12.04.2022 12:12 / Bearbeitet am: Di, 12.04.2022 12:15

      Liebe Tanja,

      das Forum der Autorenwelt ist keine Werbeplattform für Dienstleister. Ich gehe mal davon aus, dass dein Workshop nicht kostenlos stattfindet. Unter Literaturbetrieb-> Menschen kannst du dein Lektorat eintragen und für dich Werbung machen. Antworten innerhalb des Forums sollten im Thread oder per Privatnachricht erfolgen, daher entferne ich die externe Mailadresse aus dem Post.

      Informationen zum Workshop kannst du mir gerne per PN schicken, vielleicht ändere ich meine Meinung dann (keine Aufforderung zu Bestechungsversuchen 1f 609 , sondern, falls der Workshop einen Mehrwert für die Community hat, könnte ich ein Auge zudrücken ...)

      Liebe Grüße
      Dirk

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      Beigetreten: 12.03.2014
      RE: Krimiworkshop
      Di, 12.04.2022 16:54 / Bearbeitet am: Di, 12.04.2022 16:55

      Da ich mittlerweise weiß, dass der Workshop tatsächlich kostenlos ist (bitte nicht mehr melden, es sind bereits alle Plätze vergeben), braucht hier nichts gelöscht zu werden. Ich würde mich über kurze, gerne anonyme Erfahrungsberichte der Workshop-Leiterin und den Teilnehmer:innen freuen!

      Liebe Grüße
      Dirk

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        Beigetreten: 14.03.2022
        RE: Krimiworkshop
        Di, 26.04.2022 18:17

        Lieber Dirk, liebe andere Interessierte,

        im 1. Termin haben wir uns mit den Subgenres des Krimis, der 70.000-90.000 Wörter haben sollte, beschäftigt:  Detektiv-/Ermittlerroman, Hardboiled Krimi, Agenten-/Spionagekrimi, Cosy Crime, Polizeikrimi, Gangsterkrimi, Anwalts-/Gerichtskrimi, Rechtsmedizinerkrimi, Psychokrimi, Regionalkrimi. Meiner Meinung nach ist es wichtig, das Genre vor dem Schreiben zu bestimmen bzw. im Schreibprozess zu definieren, weil sich daran die Handlung, die Stimmung, der Stil orientiert. Und auch die Verlage/Agenturen wollen ein Genre wissen, damit sie eine Einschätzung treffen können. Selbst für Selfpublisher bleibt es nicht aus, da sie ihr Buch ja auch in den passenden Kategorien anbieten müssen, damit die Leser*innen nicht enttäuscht werden. Weiterhin ging es um die (Haupt)figur und wie die Autor*innen sie kennenlernen können, damit sie auf die Leser*innen rund wirkt und sich ihrem Charakter entsprechend verhält. Fragen, die sich Autor*innen stellen können sind z. B. 

        • Welches Hauptbedürfnis hat die Figur? Welche Strategie wählt sie, um sich das zu erfüllen?
        • Was treibt sie an, wofür brennt sie?
        • Was sind ihre Stärken und Schwächen?
        • Was ist ihre größte Angst/Sorge?
        • Ist sie Pessimist oder Optimist?
        • Was ist ihr Motto fürs Leben?
        • Welche Vor- und Nachteile ergeben sich aus ihrer herausragendsten Eigenschaft?
        • Gibt es ein/e Hobby/Leidenschaft, widersprüchlich zum Charakter
        • Wie geht die Figur mit einem Problem um?
        • Verhält sie sich öffentlich und privat gleich?

        Und auch die Nebenfiguren sollten nicht nur aus einem Aspekt bestehen: 

        • Welches sind die drei wichtigsten Eigenschaften jeder Nebenfigur?
        • Wie war ihr Tag, bevor sie den Weg der Hauptfigur kreuzen?
        • Was ist ihre Aufgabe in Bezug auf die Hauptfigur?

        Um ausgewogene, dreidimensionale Figuren zu erschaffen, die die Handlung vorantreiben und die Geschichte interessant machen, können ein oder mehrere Punkte aufgegriffen werden:

        • Identifikationspotenzialder Figuren
        • aktiv handelnde Hauptfigur mit Motivation, die nachvollziehbar dargestellt wird
        • besonderes, wiedererkennbares Merkmal
        • sich widersprechende Sehnsüchte
        • Schwächen, die die Handlung beeinflussen; innerer Konflikt
        • emotionale Entwicklung deutlich machen
        • widersprüchliche Leidenschaft, die die Figur zu ungewöhnlichen Taten verleitet

        Nicht alles, was die Autor*innen über die Figuren erfahren, muss Einzug in den Krimi halten, aber wenn man jemanden kennt, kann man einfach besser einschätzen, wie er sich verhalten wird. Wie die beste Freundin oder der beste Freund in einer gewissen Situation reagieren würde, ist nicht so schwer vorherzusehen, weil man sie oder ihn eben gut kennt! So sollte es im besten Fall auch mit den Figuren im Krimi sein.

        Es gibt unterschiedliche Übungen, mit denen man seine Figuren besser kennenlernen kann: 

        • sie einer anderen Person vorstellen, so wie man zwei Menschen einander vorstellen würde, die sich nicht kennen
        • ein Interview mit der Figur führen und aufschreiben
        • andere Figuren über die Hauptfigur erzählen lassen
        • einen Steckbrief anlegen
        • die Figur in eine für sie schwierige Situation bringen und überlegen, wie sie sich verhalten würde

        So könnte der Steckbrief aussehen:

        Steckbrief der Hauptfigur

        Name:

        Beruf:

        Augenfarbe/Haarfarbe:

        Größe/Gewicht:

        Statur:

        Besondere Merkmale:

        Kleidungsstil:

         

        Eltern:

        Geschwister:

        Geburtsort:

        Bester Freund/Beste Freundin:

        Kindheit:

        Partner*in:

        Haustier:

        Wohnort und -art (Wohnung/Haus/Miete/Eigentum):

        Hobby/Leidenschaft/Freizeitgestaltung:

        Bücher/Musik/Filme/Serien:

        Lieblingsessen/-getränk:

         

        Hauptbedürfnis/Antrieb:

        Schlechte Angewohnheit/Schwäche:

        Stärke/Talent:

        Größte Angst:

        Ziele/Wünsche/Träume:

        DIE eine Erinnerung, die ihn/sie nicht loslässt:

        Wie ist ihre Haltung in Bezug auf Mitmenschen/Umwelt:

        Ein Missgeschick, das ihm/ihr immer noch peinlich ist:

         

        Habt ihr andere Möglichkeiten, eure Figuren kennenzulernen? Welche Methode hilft euch am besten?

         

        Ich bin gespannt!

        Tanja

         

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          Beigetreten: 14.03.2022
          RE: Krimis schreiben - Theorie und Übungen
          Mo, 09.05.2022 10:34

          Hallo zusammen! 

          In der 2. Sitzung des Krimiworkshops haben wir uns kurz mit den Unterschieden zwischen Krimi und Thriller befasst. Während im Krimi die Ermittlungen rund um das Verbrechen im Mittelpunkt stehen, geht es im Thriller um die Hauptfigur, deren Leben fast ab der ersten Seite oder wenig später in Gefahr ist. Das Tempo im Thriller ist wesentliche schneller und die Emotionen der Hauptfigur stehen im Vordergrund. Es kann natürlich Mischformen geben, allerdings sollte man als Autor*in darauf achten, die Erwartungen der Leser nicht zu enttäuschen. Wer einen gemütlichen Krimi lesen will, möchte nicht bei einem Blutbad, in dem es um Leben und Tod geht, dabei sein.

          Danach haben wir uns mit der Prämisse beschäftigt. Wikipedia schreibt: Die Prämisse fasst in knapper Form die Verwandlung zusammen, die eine Romanfigur im Laufe der Handlung durchmacht. Sie enthält Ausgangspunkt, Konflikt und Lösung der Figur in einem kurzen Satz. 

          „Die Prämisse einer Geschichte ist einfach eine Feststellung dessen, was mit den Figuren als Ergebnis des zentralen Konflikts der Geschichte passiert“, schreibt James N. Frey in Wie man einen verdammt guten Roman schreibt.

          Die Formel von Lajos Egri (Literarisches Schreiben) für die Prämisse lautet: Hauptfigur + Konflikt = Lösung

          Ein paar Beispiele:

          Romeo und Julia: Wer eine verbotene Liebe über die Gebote der Familie stellt, wird mit dem Tod bestraft. Oder: Eine verbotene Liebe führt in den Tod.

          Der Herr der Ringe: Kleine Leute können große Helden werden. Oder: Mit wahren Freunden kann das Böse besiegt werden.

          Es kann hilfreich sein, die Prämisse wie eine Redewendung zu formulieren, aber hierbei gibt es kein Richtig oder Falsch. Die Prämisse muss nirgends im Buch stehen, soll nur den Schreibenden als roter Faden dienen, an dem sich die Handlung entlanghangelt. Die Prämisse gilt für die Hauptfigur in diesem Krimi. In einem anderen mit demselben Thema wird die Prämisse der anderen Hauptfigur ebenfalls anders ausfallen. 

          Weiterhin haben wir die Plotstruktur besprochen, die einem Roman zugrunde liegt. Hilfreich ist es, den Anfang und das Ende, das Ziel der Hauptfigur zu bestimmen und sich dann zu überlegen, welche Hindernisse/Konflikte ihr im Weg stehen werden und wie sie diese löst. Die Szenen, Kapitel, Akte müssen direkt aufeinander aufbauen. Um den Plot aufzuschreiben ist es hilfreich, für jeden Akt einen Satz zu formulieren. In meinem Überblick gibt es 4. Akte.

          1. Satz: Setting und Hauptfigur

          2. Satz:  1. Akt und 1. Wendepunkt (Kein Zurück mehr)

          3. Satz: 2. Akt und 2. Wendepunkt 

          4. Satz: 3. Akt und Krise

          5. Satz: 4. Akt und Auflösung

          Aus jedem Satz wird dann ein Absatz mit ca. 100 Wörtern.

          Zum einen wird einem beim Aufschreiben klarer, um was es gehen soll und wie die einzelnen Stationen miteinander zusammenhängen, zum anderen kann man leicht feststellen, was noch fehlt, unlogisch ist oder die HF nicht weiterbringt und deshalb raus kann. Sich kurz zu fassen und nur das wichtigste zu formulieren, bringt auch Struktur in die Gedanken. Die Sätze danach auszuformulieren und nur eine bestimmte Anzahl von Wörtern zu verwenden, ist zum einen einfach eine gute Schreibübung und zum anderen lernt man eine Wörteranzahl besser einzuschätzen. Zwischendurch ist es sinnvoll, dem Hirn immer wieder Pausen zu bieten, in denen es über das Geschriebene nachdenken darf. Vielleicht hat man dann am nächsten Morgen die Lösung für das eine Plotproblem. 

          Wie geht ihr bei der Ploterstellung vor? Benutzt ihr eine bestimmte Methode? Was haltet ihr von Prämissen und was hilft euch, den Überblick zu behalten? 

          Ich bin gespannt auf eure Antworten!

           

          Viele Grüße

          Tanja

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            Beigetreten: 15.04.2020
            RE: Krimis schreiben - Theorie und Übungen
            Di, 10.05.2022 19:27

            Wow, ein toller Leitfaden, vielen Dank!! Wenn das fertige Produkt steht, würde ich mich freuen, zu erfahren, wo man es bekommen kann :)

              Status:
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              Beigetreten: 14.03.2022
              RE: Krimis schreiben - Theorie und Übungen
              Mi, 11.05.2022 19:28

              Hallo Marko!

              Vielen Dank für deine Rückmeldung! Bisher ist das alles in meinem Kopf, in der Präsentation, die ich für den Krimiworkshop erstellt habe, und wird hier nach und nach weitergeschrieben. 

               

              Viele Grüße

              Tanja