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    Beigetreten: 03.02.2019
    "Gerüchte" über Erfolgsperspektive // Verunsicherung

    Hallo zusammen,

    ich bin neu hier und falle direkt einmal mit der Tür ins Haus. Ich hoffe, dass das in Ordnung ist.

    Mittlerweile (nach dem Lesen in diversen Autorenforen) bin ich sehr verunsichert über einen Weg zur Veröffentlichung eines eigenen Roman-Manuskriptes. Vielleicht könnt ihr mir ein wenig helfen. Ich wäre euch wirklich dankbar!

    Immer wieder lese ich, dass

    1. Sci-Fi heute kaum noch eine Chance auf eine Veröffentlichung hat (jedenfalls nicht in Deutschland, wenn der Erfolg in anderen Ländern nicht bereits nachgewiesen wurde und man nicht selbst bereits ein namhafter Autor ist),

    2. ein Manuskript unter etwa 300 Seiten heutzutage kaum noch eine Chance hat einen Verlag zu finden,

    3. die Chance durch ein direktes und ungefragtes Anschreiben (mit Leseprobe etc.) einen Verlag zu finden gegen Null geht und man sich das eigentlich gleich schenken kann. Es gehe heutzutage NUR noch über Literaturagenturen oder bereits gewonnene Aufmerksamkeit (Stichwort: Follower auf irgendwelchen Blogs, größere Downloadzahlen bei selfpublished ebooks u.ä.).

     

    Um es ein wenig überspitzt-provokativ auszudrücken: Ich sollte also das Genre wechseln oder zumindest noch fünfzig Seiten mehr schreiben, um eine Chance zu haben überhaupt zu veröffentlichen. Mit viel Glück versteht sich. Alternativ hätte ich höchstens eine Chance, wenn ich mir jetzt twitter, instragram und eine Website mit einem Blog anlege und fleißig poste. Am Allerbesten wäre es, wenn ich meine Geschichte für 0,99€ als ebook anbieten würde, um möglichst viele Käufer zu finden und durch diese dann höchst beeindruckenden Verkaufszahlen bei einem Verlag bessere Chancen für ein Zweitwerk zu haben.

    Wobei man bedenken sollte, dass in diesem Fall das nächste Gerücht schon wieder greift, wonach Autoren, die bislang "nur" selfpublishing betrieben haben, für viele Verlage immernoch persona non grata sind, weil man es ja -wenn man wirklich gut wäre- vermutlich auch für das Erstwerk bereits geschafft hätte einen Verlag zu finden.

     

    Meine konkreten Fragen wären jetzt also:

    -Wie schätzt ihr die von mir genannten "Gerüchte" ein? Ist es genau so oder habt ihr andere Erfahrungen und Eindrücke?

    -Wenn die Gerüchte größtenteils richtig sind, was also tun? Die Energie, die man in die Suche nach einem passenden Verlag investiert, lieber gleich ins selfpublishing stecken?

    Das alles klingt etwas negativer als ich mich eigentlich fühle, aber ich schwanke gerade doch sehr, ob und welchen Weg ich wähle und wie viel Hoffnung auf eine Veröffentlichung eigentlich gerechtfertigt ist. Lt. Angaben der Verlage (bis zu 50 ungefragte Manuskripte pro Tag) schafft sowieso kaum jemand (Prozentual gesehen) den Weg zu einer Veröffentlichung. (Oder?)

    Ich danke euch allen schon einmal ganz herzlich!

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      Beigetreten: 17.04.2015
      RE: "Gerüchte" über Erfolgsperspektive // Verunsicherung
      Mo, 04.02.2019 10:16

      Hallo Stephan,

      erstmal herzlich willkommen hier im Forum. Vielleicht stellst du dich im Vorstellungsthread noch einmal vor, das finde ich immer ganz nett. Aber nun zu deinen "Gerüchten". Ich gehe die mal Punkt für Punkt durch.

      zu 1.: Science Fiction ist eine absolute Nische in Deutschland. Du hast im Grunde bessere Chancen mit lovecraftschem Horror, was ja ziemlich nahe an der Science Fiction dran ist. Es gibt zwei große Plattformen für SF in Deutschland, wo man tatsächlich noch gut veröffentlichen kann, das sind MADDRAX und PERRY RHODAN. Da reinzukommen ist natürlich entsprechend schwierig. Kleiner Tipp: Besser nicht den Begriff Sci-Fi verwenden, da klappen sich Klaus N. Frick immer die Zehennägel hoch. Science Fiction oder abgekürzt SF.

      zu 2.: Ein Verlag will etwas Handfestes bieten. Kurze Manuskripte haben es da naturgemäß etwas schwerer. Entscheidend ist da aber die Qualität des Geschriebenen. Und möglicherweise kann man ein Manuskript auch noch etwas erweitern, wenn man erstmal irgendwo den Fuß in der Tür hat.

      zu 3.: Blindbewerbungen bei Verlagen sind nicht grundsätzlich aussichtslos. Sie müssen nur tatsächlich so gut sein, dass sie dem Lektor/der Lektorin vom mit eingesandten  Manuskripten überfüllten Schreibtisch direkt ins Gesicht springen. Ein Agent hilft. Aber dafür müssen auch andere Voraussetzungen stimmen.

      Selfpublisher sind auch beileibe keine persona non grata mehr. Aber in jedem Fall muss man sich selbst die Qualitätsfrage stellen. Wie gut ist das, was ich schreibe, wirklich? Leider wird diese Frage viel zu selten diskutiert. Den meisten geht es eher um Marketingaspekte oder darum wie teuer man ein Ebook anbieten darf/sollte. Ich würde mich an deiner Stelle erstmal darauf konzentrieren, etwas fertigzuschreiben. Und es dann im zweiten Schritt nochmal komplett zu überarbeiten. Vielleicht sogar mehr als einmal. An erster Stelle sollte die Geschichte stehen. Alles andere ist zweitrangig. Nicht unbedingt unwichtig, aber zweitrangig.

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        Beigetreten: 03.02.2019
        RE: "Gerüchte" über Erfolgsperspektive // Verunsicherung
        Mo, 04.02.2019 12:12

        Lieber Manuel,

        vielen Dank für deine ausführliche und hilfreiche Antwort. Meine Vorstellung im Forum habe ich nachgeholt, danke für den Hinweis.

        Danke insbesondere auch für die Hinweise zu SF :-) Ich werde mich bemühen diesen Fehler nicht zu wiederholen.

        Ich gebe dir völlig Recht, dass man die Frage nach der eigenen Qualität viel stärker stellen sollte und es heutzutage eher um Marketing geht (auch in Zeitschriften, gerade beim Thema selbstpublishing, steht das ja häufig im Vordergrund). Ich selbst bin bei meinem aktuellen Manuskript tatsächlich in einem fortgeschrittenen Prozess, d.h. ich hatte bereits mehrere Testleser gehabt, die mir Hinweise geben konnten, aber mir insg. ein sehr positives Feedback gegeben haben und ich habe nach vielen Geschichten, die ich meist eher für mich selbst geschrieben habe und gar nicht veröffentlichen wollte, jetzt tatsächlich das Gefühl, dass mein aktuelles "Werk" tatsächlich etwas sein könnte, was auch anderen etwas geben und gefallen könnte. Daher überhaupt mein Interesse an Fragen zur Veröffentlichungen. (Natürlich weiß ich, dass die meisten Schreiber von ihren Ergebnissen oft sehr überzeugt sind und manchmal blind für Schwächen in Sachen Spannung, Plot, Figurengestaltung etc., und das nicht so realistisch einschätzen können wie sehr erfahrene "Testleser" bzw. Leser insgesamt, insbesondere Leser mit dem speziellen Blick für Veröffentlichungen und Erfolgseinschätzungen (Lektorat u.ä.). Auch darum bin ich nun hier im Forum aktiv und dankbar für jeden Hinweis und Ratschlag!

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          Beigetreten: 09.05.2014
          RE: "Gerüchte" über Erfolgsperspektive // Verunsicherung
          Mo, 04.02.2019 13:50

          Ich hab einige SF-Kurzgeschichten veröffentlicht (davon 3 in der Computerzeitschrift c't, die eine sehr hohe Auflage hat). Damit hat man dann schon mal einige Referenzen, die bei der Verlagssuche helfen könnten. Mein erstes SF-Buch habe ich beim AAVAA-Verlag veröffentlicht. Ich glaube die nehmen so jedes Manuskript, bieten kein Lektorat, aber verlangen auch keine Kosten. Sie machen auch so gut wie keine Werbung. Allerdings ist das Buch trotzdem ganz erfolgreich gewesen ("Das versteckte Experiment"). Hätte ich es bei Bastei untergebracht, wäre es bestimmt ein Bestseller geworden 1f 604
          Dann habe ich einige SF selbst veröffentlicht. Für meine Art SF zu schreiben, gibt es nur eine beschänkte Leserschaft unter den SF-Lesern (eben Hard-SF mit Wissenschaft). Deshalb habe ich das Genre gewechselt (blöde Kommentare von Lesern, die unter SF nur Ballerei verstehen, hatte ich satt). Ich schreibe jetzt Regio-Krimis. Ich hatte das Glück, sofort einen Verlag zu finden. Damit bin ich sehr zufrieden. Ob ich jemals wieder einen SF-Roman schreiben werde, weiß ich nicht.
          Mein Tipp: Schreib das, wozu du Lust hast, sonst wird das sowieso nichts. Versuch dann einen Verlag zu finden, und, sobald das zu frustrierend wird, veröffentliche es selbst. Für den Papierkorb zu schreiben ist das Letzte. Der Ausweg SP ist immer offen.
          Noch ein Tipp: Kopple eine Geschichte aus deinem Buch aus, mach daraus eine Kurzgeschichte und versuche sie unterzubringen (allerdings, bevor du das Buch veröffentlichst). Ich bin übrigens andersherum vorgegangen und hab aus Kurzgeschichten Manuskripte für Bücher entwickelt.
          Ich wünsche dir viel Erfolg!

           

           

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            Beigetreten: 14.03.2014
            RE: "Gerüchte" über Erfolgsperspektive // Verunsicherung
            Mo, 04.02.2019 19:31

            Hallo Stephan,

            das Wichtigste wurde schon gesagt, aber …

            SF ist eine Nische. Aber: Es ist wohl so, dass SF, die nicht als solche deklariert wird, durchaus Chancen hat. Sie müsste als Krimi, als Thriller oder als "Gesellschaftskritik" oder sowas verkaufbar sein. Das heißt, du könntest neben den ausgewiesenen SF-Verlagen oder -Agenturen auch mal Verlage anschreiben, die nicht mit SF im Programm werben. Die Recherche nach solchen Verlagen ist etwas aufwändiger, könnte aber unter Umständen lohnen.

            Hier kann sich ein Agent als hilfreich erweisen - der weiß, welchem "seiner" Verlage er SF-Texte mit welchen Nicht-SF-Argumenten er anbieten könnte.

            Ja, Wälzer haben Hochkonjunktur, ich bin allerdings nicht sicher, ob das für SF so auch gilt. Es gibt welche, aber ob eingefleischte SF-Leser Wert darauf legen? In der Fantasy, bei historisierenden Romanen und Thrillern ist es wahrscheinlich wichtiger, viele Seiten zu bieten, als bei SF, einem klassischen Kurzgeschichten-Genre, dessen Leser entsprechend geeicht sind. Darüber hinaus gilt: Wenn die Qualität simmt, kommt es auf 50 Seiten eher nicht an (auf 100 schon eher).

            Wenn du dich für's Selfpublishing entscheidest, muss dir klar sein, dass du damit zum Unternehmer wirst. Das liegt nicht jedem.

            Liebe Grüße,

            Ulrike

             

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              Beigetreten: 03.02.2019
              RE: "Gerüchte" über Erfolgsperspektive // Verunsicherung
              Mo, 04.02.2019 19:41

              Danke, Gerd! Du hast mir sehr tolle Anregungen gegeben. Das mit der Kurzgeschichte (ggf. ausgekoppelt aus dem Roman) klingt super. - Das mit den Kommentaren wg. Ballerei-Wünschen eher weniger. Wenn ich an Romane von James P. Hogan denke, die wissenschaftlich sehr akribisch sind, aber vollkommen ohne Gewalt und beinahe ganz ohne Liebe auskommen, und die trotzdem unglaublich anregend und schön sind (jedenfalls ist das mein Empfinden), dann ist mir schon bewusst, dass das für viele nicht mehr das richtige ist, aber blöde Kommentare deswegen? Schade, dass die Erwartungen nur noch in diese Richtung gehen. Es scheint immer wieder, dass man mit 08/15-Plots ein Abo auf Leser hat. Schade, wenn dann innovativere Ansätze untergehen.

              Danke auch dir Ulrike, ja zum Unternehmer werden ist sicherlich eine Herausforderung, wenn man das dann macht. Was ich darüber gelesen habe, erinnert mich ein wenig an eine Steuererklärung: Vor der ersten hat man Angst und fühlt sich überfordert, aber wenn man sich einmal durchgebissen hat, dann klappt das schon :-) Ich hoffe, dass -wenn ich diesen Weg irgendwann gehen sollte- es hier ebenso läuft.

              • [Moderator]
              • [Forum-Betreuer]
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              Beigetreten: 12.03.2014
              RE: "Gerüchte" über Erfolgsperspektive // Verunsicherung
              Fr, 08.02.2019 13:57

              Lieber Stephan, 

              ich habe einige SF-Kurzgeschichten in der SOL, dem Magazin der Perry Rhodan-Fanzentrale, veröffentlicht. Eine davon kam beim William-Voltz-Award 2007 auf den zweiten Platz (Oh Gott, ist das schon wieder zwölf Jahre her? 1f 631 ). Ich hatte sie damals direkt an Klaus N. Frick geschickt, der, wenn ich mich recht entsinne, damals Chefredakteur des Magazins war. Eine SF-Geschichte von mir, die man unter Gesellschaftskritik einordnen könnte, wird in Estland, genauer im "Tallinna Saksa Gümnaasium" in Tallin im Deutschunterricht zur Prüfungsvorbereitung auf das Deutschdiplom verwendet. Einen SF-Roman habe ich in der Schublade, vielleicht veröffentliche ich den später noch.

              Als großer Science-Fiction-Fan (bedeutet bei mir hauptsächlich Perry Rhodan) würde ich gerne in "meinem" Genre veröffentlichen, alllerdings rechne ich mir im Thriller-Bereich größere Chancen auf eine Veröffentlichung aus. Im Moment habe ich da ein vielversprechendes Projekt in der Pipeline, welches ich bis Jahresende soweit fertig haben werde, dass es einer Agentur vorgelegt werden kann. Ich habe allerdings die Hilfe einer guten Lektorin in Anspruch genommen.

              Wenn du wirklich gerne im SF-Bereich schreiben möchtest und nicht auf den großen Bestseller hoffst, gibt es viele kleine Genre-Verlage, an die du deine Werke senden kannst.

              Ich wünsche dir auf alle Fälle viel Erfolg und viel Spaß beim Schreiben der Bücher, die du immer mal lesen wolltest.

              Liebe Grüße
              Dirk