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    Beigetreten: 12.03.2014
    "That escalated quickly" - oder - Unvorhergesehene Entwicklung im eigenen Text :)

    Kurze Einleitung:

    Ich schreibe gerne nur mit einem groben roten Faden, ohne extrem durchkalkuliertes Konzept.

    Daher werde ich oft von der Entwicklung meiner eigenen Geschichte überrascht, wenn ich sie durchschreibe/ausformuliere. Da kommen manchmal Entwicklungen zustande, die ich mir nie hätte erträumen lassen. Und auch wenn sie so manches Konzept über den Haufen werfen muss ich sagen: Nicht zum Nachteil der Geschichte.

    Gerade eben wieder passiert. Da legt man sich ein Konzept über 6-7 Kapitel zurecht. Aber dann kommt der Plottwist nicht erst in 6, sondern schon in 4 !!! wtf ?!

    Mist ! Kann ich mir mindestens zwei Kapitel in die Haare schmieren...

    Wie gesagt: Super für die Geschichte (was natürlich vorrangig ist), aber katastrophal für die Planung, bei einem Mehrteiler :D

    Kann dieses Gefühl jemand teilen? Ich bitte um die Schilderung eigener Erfahrungen :)

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      Beigetreten: 27.11.2014
      RE: "That escalated quickly" - oder - Unvorhergesehene Entw...
      Mi, 03.06.2015 02:32

      Das erinnert mich an Stephen King.. Der schreibt von Anfang an nur "aus dem Bauch heraus" und lässt sich überraschen, was dann passiert.

      Daneben gibt es knallharte Plotter (Michael Peinkofer?), deren Plots und Rohfassungen sich dann von der Endfassung kaum unterscheiden.

      Wenn ich es richtig verstanden habe, bist Du sowas wie ein Mischtyp? Du planst grob und es kann aber sein, dass von einer unsichtbaren Macht getrieben die Erzählung eine andere Richtung nimmt, als zunächst geplant?

      In einem Interview habe ich Patrick Rothfuss reden hören, dass er sich nicht von seinen Charakteren beherrschen lässt und er meint, der Autor solle seine Charaktere beherrschen.

      Ich bin da anderer Meinung und da gibt es wohl viele Autoren, die wohl auch anderer Meinung wären. Sir Henry Rider Haggard soll glaube ich seine Hauptprotagonistin aus "Sie" im Traum erschienen sein, wenn ich mich nicht irre (auf jeden Fall der "Schauplatz"). Ich habe zwar wenig/ kaum Erfahrung, aber ich habe selbst sogar in Kurzgeschichten erlebt, dass der Plot übern Haufen geworfen wird und manchmal daraus etwas "besseres" entsteht, als ob das Unterbewusstsein so manches besser weiss als der planende Geist.

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        Beigetreten: 16.07.2014
        RE: "That escalated quickly" - oder - Unvorhergesehene Entw...
        Mi, 03.06.2015 08:16

        Hallo Mario.

        Obwohl ich meine Storys immer ziemlich detailliert plane, passiert mir das auch oft genug.

        Die grobe Richtung wird zwar beibehalten, aber wenn eine meiner Figuren meint, sie müsste jetzt doch mal wieder einen Auftritt haben, oder sie hat eine tolle Idee für einen weiteren Konflikt, den ich übersehen habe, dann lasse ich sie auch gewähren. Was das angeht, vertraue ich meinen Figuren. Bisher hat mir das auch nie Nachteile gebracht. Im Gegenteil, meist hab ich mir vor die Stirn geschlagen und mich gefragt, warum ich das  - vor lauter Plotten - nicht selbst gesehen hab 1f60f

        Ist zwar manchmal ärgerlich, wenn man dann geplante und vielleicht schon grob entworfene Szenen wegschneiden muss, vor allem, wenn sie etwas enthalten, was man so richtig toll findet ^^. Aber die kommen dann in einen Ordner "Deletet Scenes" und können später wiederverwendet werden (tut man zwar in der Regel nie, aber das Gefühl, dass die Arbeit nicht ganz für die Katz war, macht es einem schon leichter, drüber wegzukommen).

        Federgruß

        Nina

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          Beigetreten: 14.03.2014
          RE: "That escalated quickly" - oder - Unvorhergesehene Entw...
          Mi, 03.06.2015 08:33

          Meine "Erweckung" fand so statt. Ist schon ein Weilchen her …

          Ich hatte schon ein Weilchen geschribbselt, eine größere Sache in der Mache, eine grobe Vorstellung, was passieren wird … und es passierte einfach nicht. Irgendwann – ich war endlich an dem entsprechenden Punkt – wurde mir klar, warum genau das passieren musste. Ich verstand auch plötzlich, warum es so schwer gewesen war, es passieren zu lassen. Und was die Hauptfigur für ein "Problem" hat: Sie ist ein Mensch. Seitdem ist dieses "Problem" mein Hauptthema.*1f609*

          Überraschende Wendungen gab es danach nicht mehr, wohl aber ungeplante Entwicklungen, die sich – als Effekt an sich oder dadurch, dass ich sie abbrechen/ändern musste – als hilfreich (für die Geschichte bzw. sogar meine ganze Erzählwelt) erwiesen. 

          Tatsächlich sind diese ungeplanten Entwicklungen (bzw. eher ungeplante Elemente) das, was für mich Schreiben so spannend macht. Es ist wie ein Erkunden des Dahinter …

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            Beigetreten: 12.03.2014
            RE: "That escalated quickly" - oder - Unvorhergesehene Entw...
            Mi, 03.06.2015 21:17

            Das passiert mir andauern 1f60b Das letzte Mal bei meinem inzwischen fertigen Roman. Die ersten 200 Seiten musste ich umbasteln, weil mir eine *geniale*  Idee kam, die ich unbedingt umsetzen wollte. ich plote während des Schreibens, alles andere funktioniert bei mir nicht wirklich,

            Mein aktuelles Projekt, ist halb geschrieben und halb geplottet. Mein Versuch, den "Rest" zu plotten, bevor ich weiterschreibe, scheiterte kläglich. Plötzlich gab es zig Möglichkeiten, wie der Verlauf aussehen könnte ... ich hätte Stoff für weitere drei Romane, nur blöd, dass ich jetzt an diesem hänge, weil ich mich noch nicht entscheiden kann, wie es weitergeht. 1f 624 

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              Beigetreten: 23.10.2014
              RE: "That escalated quickly" - oder - Unvorhergesehene Entw...
              Fr, 05.06.2015 11:06

              Aloha,

              meine Meinung: Während der Planungsphase hat man die freie Wahl, wie die Geschichte sich entwickeln soll, welche Handlungsstränge es geben soll, wie die Personen aussehen etc.
              Beim anschließenden Schreiben (wenn man sich strikt an den Plan hält!) verliert man diese Wahlfreiheit. Man wird zum "Ausführer".

              Ich denke, gerade Anfänger und Semiprofis planen nicht - oder nur grob, um eine Linie zu haben.

              Ich plane generell nichts, schreibe einfach drauf los und lasse alles sich selbst entwickeln. Auch halte ich mich nicht an irgendwelche Kapitelreihenfolgen. Wenn mich der Schluss eher erwischt, als der Anfang ...

              Natürlich bringt das i.A. Mehrarbeit, weil man oft völlig umgestalten muss. Aber das nehme ich gern in Kauf, um der Überraschung willen, die sich am Schluss einstellt.

               

              Glück auf!

              Bernhard

               

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                Beigetreten: 12.03.2014
                RE: "That escalated quickly" - oder - Unvorhergesehene Entw...
                Sa, 06.06.2015 01:24

                Maki schrieb:

                Wenn ich es richtig verstanden habe, bist Du sowas wie ein Mischtyp? Du planst grob und es kann aber sein, dass von einer unsichtbaren Macht getrieben die Erzählung eine andere Richtung nimmt, als zunächst geplant?

                Ich arbeite nach einem Bausteinprinzip :D Die Haupthandlung ist grob im Kopf, ebenso Ideen zu einzelnen Szenen. Beides schreibe ich nieder und formuliere Szenen, die mir unter den Nägeln brennen, Fixpunkte und entscheidende Wendungen bereits aus.

                So wächst mein Konzept an. Nach ein paar Tagen hab ich ein mehrseitiges Hybridding zwischen Konzept und löchrigem Manusskript vor mir, das dann ausgebaut wird, und Lücken geschlossen werden. Während das Konzept noch logisch war, kommen beim Ausformulieren u.U. logische Fehler auf oder eben eine bessere Idee ploppt mir in den Kopf und wirft das halbe Konzept um. Und genau das finde ich so toll.

                Stures Runterschreiben mag ich nicht. Gerade die Planungsphase macht mir am meisten Spaß. Und wenn während des Schreibens eine neue Entwicklung daherkommt, dann heiße ich sie mit Freuden willkommen. Auch wenn es viel Arbeit zunichte macht und manchmal stundenlanges Kopfzerbrechen bedeutet. 

                Aber das macht das Schreiben so lebendig. Es fasziniert mich, dass mich mein eigener Text vor Herausforderungen stellt :)

                Kady schrieb:

                Ist zwar manchmal ärgerlich, wenn man dann geplante und vielleicht schon grob entworfene Szenen wegschneiden muss, vor allem, wenn sie etwas enthalten, was man so richtig toll findet ^^. Aber die kommen dann in einen Ordner "Deletet Scenes" und können später wiederverwendet werden (tut man zwar in der Regel nie, aber das Gefühl, dass die Arbeit nicht ganz für die Katz war, macht es einem schon leichter, drüber wegzukommen).

                Ohja, das kenn ich auch. Musste ich vor allem bei einem Mal schmerzlich erfahren. Ich habe eine so rührselige Szene geschrieben, die dann aus dem Manuskript fallen musste, weil sie durch eine Handlungsänderung nicht mehr rein passte. Die Szene versauert seitdem im Papierkorb und ich habe schon aufgegeben, dass diese jemals doch noch ihren Weg in die Geschichte findet :(

                AnkhMorpork schrieb:

                Ich plane generell nichts, schreibe einfach drauf los und lasse alles sich selbst entwickeln.

                Ganz so ins Blaue schreibe ich nicht. Da käm ich mir ziemlich verloren vor. Bestimmte Ereignisse und Zusammenhänge muss ich schriftlich festsetzen. Sind auch eine Art Anker, um die ich rumarbeiten kann. Personenbeschreibungen und Charakterisierungen, Sprechweisen ebenso. Wär ja blöd, wenn eine meiner Personen in einem Kapitel blaue und drei Kapitel später grüne Augen hat :) Ich schreibe aber halt auch Mehrteiler. Bei abgeschlossenen Bänden ist es wohl mehr entbehrlich.

                Danke euch allen für eure Meinungen bisher :)

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                  Beigetreten: 10.05.2015
                  RE: "That escalated quickly" - oder - Unvorhergesehene Entw...
                  Sa, 06.06.2015 09:35

                  Die Methode von Mario sagt mir zu, ich arbeite auch so. Erst muss mal ein Handlungsgerüst her, von Anfang bis Ende. Die Feinarbeit kommt dann später.

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                    Beigetreten: 23.10.2014
                    RE: "That escalated quickly" - oder - Unvorhergesehene Entw...
                    So, 07.06.2015 16:18

                    @Mario Schenk:

                    Zitat:
                    Ganz so ins Blaue schreibe ich nicht. Da käm ich mir ziemlich verloren vor.

                    Nein, nein! So meinte ich das nicht. Nicht ins Blaue ... ich schreibe direkt in meine Geschichte - und die kenne ich. Zumindest in ihren Grundzügen. Ich lasse ihr nur die Leine. Die Story wabert irgendwo in meinem Schädel, ist aber zunächst etwas trübe. Aber sie klärt sich mit jedem Kapitel. Am Ende weiß ich dann, was ich schreiben wollte. Und ggf. muss ich dann gewaltig nachlegen.

                    Vielleicht nicht einfach nachvollziehbar, aber eben mein derzeitiger "Style"

                     

                    Glück auf

                    Bernhard

                     

                    • [Moderator]
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                    Beigetreten: 24.03.2014
                    RE: "That escalated quickly" - oder - Unvorhergesehene Entw...
                    Di, 09.06.2015 09:22

                    Ich habe diesen Thread verschoben von "Allgemeines" in "Schreibhandwerk und Schreibtools". Denn ich finde, diese Diskussion hat etwas mit "Schreibhandwerk" zu tun. Ich hoffe, das war richtig und ist für euch in Ordnung.

                    Einen schönen Tag! Sandra

                    • [Moderator]
                    • [Forum-Betreuer]
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                    Beigetreten: 12.03.2014
                    RE: "That escalated quickly" - oder - Unvorhergesehene Entw...
                    Di, 09.06.2015 10:23

                    Lieber Bernhard,

                    Bernhard Chlebowski aka AnkhMorporkh schrieb:

                    Nein, nein! So meinte ich das nicht. Nicht ins Blaue ... ich schreibe direkt in meine Geschichte - und die kenne ich. Zumindest in ihren Grundzügen. Ich lasse ihr nur die Leine. Die Story wabert irgendwo in meinem Schädel, ist aber zunächst etwas trübe. Aber sie klärt sich mit jedem Kapitel. Am Ende weiß ich dann, was ich schreiben wollte. Und ggf. muss ich dann gewaltig nachlegen.

                    Vielleicht nicht einfach nachvollziehbar, aber eben mein derzeitiger "Style"

                    Doch, finde ich nachvollziehbar. Ich schätze, du bist ein "Dicscovery Writer" und damit in prominenter Gesellschaft. Stephen King arbeitet auch so. Er ist es auch, der sagt, einer der 10 wichtigsten Tipps zum Schreiben sei es, die Regeln zu brechen. Das setzt natürlich voraus, dass man die Regeln kennen muss. King "plant" im Kopf grob die Geschichte, was mit deinem "wabern" korrelieren dürfte. Das ist eine gar nicht so selten vorkommende Schreibtechnik. Ich plane recht detailliert, was aber auch nicht bedeutet, dass es mit mir nicht manchmal durchgeht und sich die Story dann anders entwickelt als geplant. Da passe ich den "Plan" dann eben an.

                    Liebe Grüße
                    Dirk

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                      Beigetreten: 22.10.2017
                      RE: "That escalated quickly" - oder - Unvorhergesehene Entw...
                      So, 21.02.2021 01:34

                      Hallo allerseits,

                      das Planen der Story, des Plots, der Welt, der Charaktere, der Wendungen usw. hat für mich den Zweck, mich in der Welt so zu Hause zu fühlen, dass ich dann dort planlos drauflos schreiben kann, ohne völligen Unsinn zu verzapfen, der vorne und hinten nicht konsistent ist.

                      Am Ende bleibe ich mindestens grob und halbwegs beim Originalplot, aber es ergeben sich Unmengen an Abkürzungen, Umwegen, alternativen Strängen usw.

                      Stephen King, der hier mehrmals erwähnt wurde, sieht man seine Planlosigkeit leider in den Handlungen an.  Am besten funktioniert er, wenn er kurze, knackige Werke mit wenig eigentlicher Handlung verfasst.  The Shining, Todesmarsch, Cujo – alles gute Bücher mit wenig Komplexität in der Rahmenhandlung.

                      Längere Werke wie sein Dark Tower hingegen leiden unter der Planlosigkeit.  Er schreibt das ja auch selbst (aus dem Gedächtnis in etwa: »Ich hatte mehr und mehr Schwierigkeiten, die Schlüssel zu finden, die mich in Rolands Welt führten«).  Den ersten drei Büchern merkt man an, wie inspiriert er war.  Dann flaut es leider ab, und am Ende war ich von dem großen Werk nicht mehr so begeistert.  Da hätte etwas mehr Planung und weniger Flickwerk geholfen.

                      So, und jetzt muss ich mir in bester Dobby-Manier, nachdem ich eins meiner großen Vorbilder so übel kritisiert habe, erstmal den Kopf am nächsten Schrank einschlagen gehen.

                      Herzlichen Gruß

                      Alfe

                       

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                        Beigetreten: 29.07.2020
                        RE: "That escalated quickly" - oder - Unvorhergesehene Entw...
                        Do, 25.02.2021 12:40

                        Auch T.C. Boyle schreibt meines Wissen munter drauflos. Hat er jedenfalls mal bei einer Lesung erzählt. Ich denke am häufigsten ist die Mischtypin oder der Mischtyp.
                        ich bin auch nicht der große Plotter. Sowohl die Handlung - die natürlich schon in groben Zügen feststeht - als auch die Charaktere dürfen sich in unvorhergesehener Weise entwickeln. Wie bei einem Schachspiel: Die nächsten paar Züge sehe ich voraus, aber jeder Zug eröffnet auch neue Möglichkeiten. Man sollte nur möglichst die Sackgassen schon frühzeitig erkennen.