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    Beigetreten: 04.05.2019
    Datums- und Zeitangaben im Roman

    Hallo ihr Lieben,

    ich habe eine Frage zur Gestaltung der Kapitelüberschriften. Ich bin gerade dabei mein Manuskript zu bearbeiten und aktuell habe ich die Kapitel jeweils mit einer Zahl (bspw. "-1-") und einer genauen Zeit- und Ortsangabe (also bspw. "04. Mai 2019, London, Groß-Britannien")überschrieben , daneben gibt es Rückblicke und Briefe, die in gleicher Art und Weise überschrieben sind (allerdings ohne Zahl). Jetzt war ich mir unsicher, ob das Sinn macht und wenn nein, welche Alternativen ich habe. Jedes Kapitel beginnt mit einem Brief, der etwa ein Jahr vor dem Kapitel datiert, also sprich das Kapitel ist mit 04. Mai 2019 etc. überschrieben und der Brief, der vorangestellt ist, mit 07. Mai 2018.

    Machen Jahreszahlen in einem Buch Sinn? Sollte ich sie weglassen und nur Tag/Monat erwähnen? Im Text arbeite ich oft mit Angaben wie "vor fünfzehn Jahren" o. Ä., das ist ja auch unproblematisch. Nur bei den Überschriften tue ich mir schwer, da es ohne Jahresangaben schnell sehr verwirrend sein könnte durch die Zeitsprünge und Briefe...

    Ich hoffe ihr konntet mir folgen und habt einen Tipp für mich. Ich würde mich freuen.

    Vielen Dank und liebe Grüße

    Nina

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      Beigetreten: 14.03.2014
      RE: Datums- und Zeitangaben im Roman
      Sa, 04.05.2019 20:12

      Hallo Nina!

      A: Bitte wenn, dann ohne Null: "4. Mai 2019"

      B: Konkrete Jahresangaben sind erstmal nicht problematisch.
      Sie können sinnvoll sein, wenn sich die Handlung über Jahre hinzieht, dann kann man so umissverständlich zeigen. Oder/Und bei Texten, die in der Zeit hin und her springen, wie es deiner wohl tut.
      Andererseits legt man sich als Autor sehr fest. Wenn du z. B. auf 2019 datierst, kann das bei einem jungen Leser, der es 2025 liest, schon ein bisschen das Gefühl etwas "vor seiner Zeit" zu lesen, erzeugen. Je länger die Spanne wird, desto stärker wird der Effekt. Um bei der Wahrheit zu bleiben: Natürlich entsteht dieser Effekt auch dadurch, dass sich die Sprache ändert oder in unserer bewegten Zeit allein aufgrund technischer Details das Set als "veraltet" erkennbar wird. Vielleicht wirkt das auch gar nicht sooo stark, das Ganze ist jetzt eine sehr spontane Überlegung von mir.
      Alternative: Auf die Jahreszahl verzichten und nötigenfalls im Text den Zeitverlauf deutlich machen. 

      Alles in allem würde ich aber - ausgehend von deinen Angaben zum Text - nicht zum Weglassen raten. Es stört (sehr wahrscheinlich) nicht, hilf aber (wahrscheinlich) bei der Strukturierung.

       

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        Beigetreten: 16.02.2019
        RE: Datums- und Zeitangaben im Roman
        Sa, 04.05.2019 20:36

        Hallo,

        mir wurden die Jahreszahlen in den Überschriften vor kurzem weglektoriert und ich machte es ohne Diskussion. Aus praktischer Sicht ist es wohl meistens so, dass man einen Roman zur aktuellen Zeit niederschreibt, in meinem Fall 2016. Dann kommen Überarbeitungsrunden, die ewige Verlagsucherei und wenn man unterschrieben hat, vergeht im Verlag noch einmal ein Jahr. Damit würde mein Roman bei seiner anstehenden Veröffentlichung schon in den Überschriften 3 Jahre alt ausschauen. Die Geschichte einfach nach hinten schieben geht aus inhaltlichen und figurenbiografischen Gründen nicht. Also lasse ich es besser weg und wenn das Jahr wichtig wird, kann man es auch im Text erwähnen.

        Liebe Grüße,

        Hermann

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        Beigetreten: 12.03.2014
        RE: Datums- und Zeitangaben im Roman
        So, 05.05.2019 14:39

        Liebe Nina B.,

        ich schreibe in meinen Krimis keine Datumsangaben, vereinzelt benenne ich Wochentage und Monate, aber keine Jahreszahlen. Zu schnell erscheinen Romane dann als "alt".

        Wenn es sich um einen historischen Roman handelt, sind Datumsangaben sicher genrebedingt sinnvoll.

        Das Gleiche kann für Science-Fiction-Romane gelten, wobei man bei Near Future Fiction darauf achten muss, die Abstände zur Realität nicht zu klein zu wählen. Ich habe ein uraltes Leihbuch von George Henry Smith aus dem Jahr 1969 mit dem Titel "Aufstand der Maschinen" (Original: "The four Day Weekend"). In der Geschichte beginnt an einem nicht näher benannten "verlängerten Wochenende" des Jahres 2015 der im Titel genannte Aufstand, während dem die "Automaten mit Elektronengehirnen" alle Menschen, also Männer, Frauen und sogar Kinder, mithilfe ihrer "robotischen Detektoren" jagen und töten. Meist handelt es sich um autonom fahrende Autos, die in dieser Zukunftsvision die öffentlichen Verkehrsmittel bereits völlig verdrängt haben. 

        Dieser durchaus spannende Roman fällt heute durch seinen angestaubten Duktus auf und das Datum für diesen Zusammenbruch der menschlichen Zivilisation. Er ist auf 2015 datiert, also vier Jahre in unserer heutigen Vergangenheit. Als Science-Fiction funktioniert er heute also nicht mehr wirklich, er stellt mehr einen Anachronismus dar.

        Dennoch hat er durchaus eine Botschaft, die auch heute noch aktuell ist. Diese wird im letzten Absatz des Romans deutlich, als der Obercomputer Omnivac, der die Menschheit als überflüssige, nicht vernetzte Einzelwesen ausrotten will und durch eine Gesellschaft der Maschinen ersetzen will (gemeint sind hier (fast) ausschließlich Fahrzeuge aller Art).

        George Henry Smith schrieb:

        Die Autos hielten zwei Meter von ihnen entfernt ruckartig an und blieben stehen. Der Motorenlärm verstummte schlagartig, und die Wagen schalteten ihre Scheinwerfer aus, als seien sie eben eingeschlafen. Chuck starrte sie lange ungläubig an, bis ihm auffiel, daß er ihre Gegenwart nicht mehr als bedrohlich empfand.
        »Jetzt ist alles vorbei!« rief er Helga und Jonas zu. »Dexter und Dirkman haben es geschafft! Omnivac hat ein neues Programm bekommen!«
        Eine Stunde später traten fünf Menschen aus dem Tunnel, der zu den Gewölben unter Detroit führte, und sahen sich in der Stadt um. Sie war menschenleer, aber auf den Straßen standen Hunderttausende von Autos.
        »Jetzt stehen sie einfach da«, sagte Dexter. »Das kommt einem irgendwie falsch vor. Ob sie jemals wieder fahren?«
        »Warum nicht?« fragte Chuck und legte Helga einen Arm um die Schultern. »Wir brauchen nur dafür zu sorgen, daß ihre Computer ausgebaut werden.«
        »Unmöglich!« widersprach Dexter. »Der Verkehr in unseren Städten würde zusammenbrechen, wenn wir keine computergesteuerten Fahrzeuge hätten.«
        »Vielleicht gibt es in der Stadt der Zukunft weniger Verkehr«, meinte Chuck nachdenklich. »Vielleicht sind wir in Zukunft klug genug, Städte für Menschen statt für Autos zu bauen.«

        ENDE

        Es ist also im Hinblick auf das gefühlte Alter eines Buches nicht immer sinnvoll, Datumsangaben zu machen, natürlich bleibt es dem Autor*in überlassen, ob er sich dem Risiko aussetzen möchte, von der zeit "überholt" zu werden.

        Liebe Grüße
        Dirk

         

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          Beigetreten: 04.05.2019
          RE: Datums- und Zeitangaben im Roman
          Mo, 06.05.2019 20:29

          Hallo allerseits,

           

          erstmal vielen herzlichen Dank für die Antworten. Ich habe verstanden, dass es mitunter sinnvoll sein kann, aber den Roman eben auch auf eine bestimmte Zeit festlegt. Ich überlege aufgrund eurer Rückmeldungen, ob ich nicht lieber mit Altersangaben spiele (diese lasse ich aufgrund der Jahreszahlen aktuell meist weg) oder eben dem obligatorischen "im Sommer vor drei Jahren". Ich werde das in meiner Korrektur mal ausprobieren und schauen, wie es klappt. In jedem Fall danke ich euch für die Antworten. :)

           

          Liebe Grüße 

          Nina

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            Beigetreten: 13.07.2015
            RE: Datums- und Zeitangaben im Roman
            Fr, 10.05.2019 16:15

            Hallo Nina,

            so wie es mir scheint, ist Dein Roman in gewisser Weise ein historischer, insofern Du ja mit Briefen aus der Vergangenheit arbeitest.
            Da sehe ich, wenn ich an verschiedene literarische Werke denke, die ebenfalls Briefe aus der Vergangenheit  beinhalten, kein Problem darin, warum Du nicht mit Jahreszahlen zie z.B. 4. Mai 2018 arbeiten solltest. 
            Ich würde allerdings die Daten nicht in eine Kapitelüberschrift packen, sondern unter der Überschrift in den Textverlauf setzen.
            Z.B.:

            1. (ggf. Überschrift)

            4. Mai 2018
            Brief

            4. Mai 2019
            weiterer Text.

            So bestände auch keine Veranlassung das Datum wegzuredigieren. Nach meinem Geschmack jedenfalls. Altersangaben stattdessen würde ich nicht nehmen. Die sind m.E. weniger hilfreich, da sie nicht so direkt auf ein vegangenes Datum hinweisen.
            Wenn es sich nicht um einen Sciencefictionroman handelt, dann sehe ich kein Problem darin, dass die Jahreszahlen nicht die gegenwärtige >zeit des Lesers wiederspiegeln. Es kommt ja letztlich immer darauf an, was Du mit Deinem Werk bezwecken willst.
             

             

             

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              Beigetreten: 14.03.2014
              RE: Datums- und Zeitangaben im Roman
              Fr, 10.05.2019 19:35

              "Altersangaben stattdessen würde ich nicht nehmen." … wobei Altersangaben für mehr als den "Zeitstrahl" gut sind, sie erinnern den Leser auch an den "Zustand" der Figuren (in der einen Passage jung, in der anderen erfahrener.

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                Beigetreten: 13.07.2015
                RE: Datums- und Zeitangaben im Roman
                Fr, 10.05.2019 20:16

                Zitat:
                wobei Altersangaben für mehr als den "Zeitstrahl" gut sind, sie erinnern den Leser auch an den "Zustand" der Figuren (in der einen Passage jung, in der anderen erfahrener.

                Aber Altersangaben geben nicht sehr viel her, wenn sie nicht in einen Zeitzusammenhang eingebettet werden. Und der Zustand der Figur, erst jung, dann älter und erfahrener ergibt sich eigentlich doch wie von selbst, wenn ein höheres Alter genannt wird.

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                  Beigetreten: 14.03.2014
                  RE: Datums- und Zeitangaben im Roman
                  Mi, 15.05.2019 17:12

                   "Und der Zustand der Figur, erst jung, dann älter und erfahrener ergibt sich eigentlich doch wie von selbst, wenn ein höheres Alter genannt wird." … jaaaa? Was dachtest du denn, was ich sonst damit meine, dass eine Altersangabe über die Zeitstrahlfunktion hinaus sinnvoll ist?