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    Beigetreten: 20.01.2016
    Kopf-/Bauchschreiber Artikel in Federwelt Nr. 134 (Feb. 2019)

    Hallo Schreibende.
    Nachdem ich bewusst das Lesen der neuen Federwelt hinausgeschoben hatte, weil ja die nächste Nummer bei mir erst frühestens Ende der ersten Aprilwoche ankommt, konnte ich mich schließlich nicht mehr zurückhalten. Zu sehr war ich doch, nachdem mein 2. Buch Ende Januar erschienen ist, mit der Planung des nächsten Romanes beschäftigt. Und da ich mich zur Gilde der Bauchschreiber zähle, wollte ich nun endlich nachlesen, was denn nun die Profis zu dieser Thematik zu sagen haben.
    Und siehe (lese) da, acht Könner und jeder tut es anders, aber keiner ist ´nur´ ein Bauchschreiber oder Kopfschreiber. Sie verteilen sich alle wie auf einer Perlenkette irgendwo zwischen den beiden Extremen. Sogar der preisgekrönte Autor Peter Stamm verriet mir nach einer Lesung aus seinem Buch »Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt«, dass er dafür nichts geplottet habe. Staun!!
    Ist eigentlich absolut nachvollziehbar. Die Arbeitsweisen sind doch immer geprägt vom Charakter der jeweiligen Person. Wollte man den zahlreichen Schreibratgebern glauben schenken, wäre es eine Sünde, ohne ausgiebig zu plotten einfach drauflos zu tippen. Mein Gott, was für ein Anfänger! Ganz ähnlich klingt es auch in verschiedensten Foren. Die Voten für ein ausgiebiges Plotten sind zahlreicher als jene für das Spontanschreiben. Vielleicht getrauen sich die zweiten gar nicht so, dafür einzustehen, denn dann würden sie doch als Nobody angesehen.
    Wie das nun auch immer sei, der eine glaubt den Geboten mehr, die andere will sich nichts vorschreiben lassen. Die eine verlässt sich eher auf ihre Intuition, der andere mehr auf akribisches Konstruieren am Zeichenbrett.
    Welche Arbeitstechnik die Richtige ist, muss wohl jeder Schreibende für sich selbst herausfinden. Sich damit/dabei wohl und frei zu fühlen, ist ein entscheidender Faktor.
    Ich für mich bin noch auf der Suche, werde mich aber sicher weiterhin deutlich näher im Bauchbereich aufhalten. Ich bekenne schon mal, dass ich ein Rohtexttipper bin und mich (auch wenn das vielleicht etwas masochistisch klingt) jeweils riesig darauf freue, das Manuskript nun nach allen möglichen und vielleicht auch unmöglichen Betrachtungswinkeln, ausschweifend nachzubearbeiten. Dafür wende ich mindestens doppelt bis dreimal so viel Zeit auf, wie für das Erfassen des Rohtextes.
    Nun aber nach langer Rede eine kurze Frage in die Runde:
    Wie haltet ihr das mit diesem Thema und was für Erfahrungen habt ihr damit gemacht?
    Mit gespannten Grüßen

    Walter

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      Beigetreten: 09.05.2014
      RE: Kopf-/Bauchschreiber Artikel in Federwelt Nr. 134 (Feb....
      Fr, 15.03.2019 08:41

      Nach etwa zehn Büchern hat sich bei mir folgende Methode eingestellt: ein grober Plot (möglichst mit Anfang und Ende), dann eine Liste von Kapiteln erstellen (ich benutze Scrivener). Anschließend schreibe ich die Kapitel, aber nicht unbedingt in der Reihenfolge. Während des Schreibens ergeben sich dann in der Regel neue Ideen für weitere Szenen, die aber oft Anpassungen der bereits geschriebenen beinhalten.
      Ich hab keine Ahnung, ob meine Methode irgendwo empfohlen wird.
      Ich hab leider ein großes Problem (hat aber mit der Methode nichts zu tun). Meine Kapitel und das ganzes Manuskript werden meist sehr kurz. Das liegt an meiner Art zu schreiben. Dafür suche ich noch eine Lösung. Vielleicht liegt es daran, dass ich keine Nebengeschichten mag.  Ein Kommissar, der ein Trauma hat und Alkoholiker ist, eine Kommissarin, die lesbisch ist und Probleme mit ihrer Partnerin hat, usw. Na ja, ein Kater, der einen Polizeieinsatz auslöst kommt trotzdem bei mir vor. 

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        Beigetreten: 14.03.2014
        RE: Kopf-/Bauchschreiber Artikel in Federwelt Nr. 134 (Feb....
        Fr, 15.03.2019 13:36

        Hallo Gerd,

        "zu" kurze Krimis kann man sicher durch mehr Irr-Spuren verlängern; gegen "zu" kurze Kapitel hilft meiner Erfahrung nach, sich mehr auf die Figuren einzulassen. So, wie du dein Vorgehen beschreibst, scheinst du dich "zu" sehr auf die bloßen Handlungsabläufe zu konzentrieren - da kommt logischerweise nur unwesentlich mehr Text raus als bei einem detaillierten Ablaufplan. (*)

        Das "zu" hab ich deshalb in Anführungszeichen geschrieben, weil es ja nicht per se schlecht ist, kurz und knackig zu schreiben - auch das findet ganz sicher Liebhaber. Es gibt ja auch Fans für Kurzgeschichten.

         

        (*) Bei meinem Schreiben ist es praktisch unmöglich, die Kapitel "bunt durcheinander" zu schreiben, weil sich beim Schreiben Dinge ergeben (im Innern der Figuren, aber auch an Handlungsdetails), die sich erheblich auf den Text danach auswirken. So kommt automatisch mehr Stoff als das ursprünglich geplante Handlungsgerüst zusammen.

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          Beigetreten: 09.05.2014
          RE: Kopf-/Bauchschreiber Artikel in Federwelt Nr. 134 (Feb....
          Fr, 15.03.2019 14:27

          Hallo Ulrike,
          ja, Du hast recht. Bei mir muss immer die Handlung fortschreiten. Vielleicht hab ich die Angst im Nacken, dass die Story sonst langweilig wird. Ich werde mal darüber nachdenken. Zum Durcheinanderschreiben: Bei mir funktioniert es ganz gut. Ich denke und schreibe in Szenen. Natürlich sind die nicht gänzlich unabhängig voneinander. Aber Schnittprobleme kann man immer noch später bearbeiten.
          Irgendwann werde ich mal ein Buch mit über 400 Seiten schreiben.1f 604

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            Beigetreten: 25.12.2018
            RE: Kopf-/Bauchschreiber Artikel in Federwelt Nr. 134 (Feb....
            Fr, 15.03.2019 17:34

            Kopfschreiber oder Bauchschreiber? Ich spreche inzwischen lieber von Outlinern, die Handlung, Figuren und Struktur planen, bevor sie an der eigentlichen Geschichte arbeiten und von Discovery Writern, die Handlung und Charaktere der Geschichte beim Schreiben entwickeln.
            Bisher nannte ich mich einfach Nicht-Plotter und war damit zufrieden. Doch für mein letztes Projekt wurde ein Plot gefordert. Also zog ich das Internet und etliche Schreibratgeber zu Rate, die Zeit wurde knapp, daher entschied ich mich für das 3-Akt-Modell, das ich anhand meiner Notizen und „Kopfideen“ gleichermaßen füllte. Es widerstrebte mir meinen Stoff in ein Schema zu pressen und fühlte mich unproduktiv, da mein Schreibprozess deutlich verlangsamt wurde. In dieser Zeit erkannte ich, dass ich nach meinem eigenen „Emma Potter-Plot-Modell“ arbeite, das aus einer Fülle an Notizen, sowie spontanen Ideen, die beim beim Schreiben entstehen, gewebt ist. 
            Meinen Ausflug ich die klassische Plot Welt fand ich spannend, ich stand am Ende mit etwas Neuem da, das mit meiner Geschichte nur noch wenig zu tun hatte. Zu gegebener Zeit werde ich diesem Stoff ein Leben ohne Plot  einhauchen. Auf meine Weise.

            Ach ja, das Projekt. Wer sagt denn, dass der Plot vor der Story kommen muss...?  ;))

             

            Grüße an alle, ob ihr plottet, so tut als ob oder einfach schreibt.

            Emma

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              Beigetreten: 20.01.2016
              RE: Kopf-/Bauchschreiber Artikel in Federwelt Nr. 134 (Feb....
              Fr, 15.03.2019 19:04

              Gerd schrieb:
              Anschließend schreibe ich die Kapitel, aber nicht unbedingt in der Reihenfolge. Während des Schreibens ergeben sich dann in der Regel neue Ideen für weitere Szenen, die aber oft Anpassungen der bereits geschriebenen beinhalten.

              Damit würde ich mich wahrscheinlich heillos verirren. Wenn ich an mein letztes Buch denke mit 22 Kapiteln und 69 Szenen!! Und diese nicht in der Reihenfolge zu schreiben? Undenkbar für mich.

              Da geht es mir wie @Ulrike, es entstehen mit fortschreitender Geschichte neue, andere Gegebenheiten, die sich auf den weiteren Verlauf auswirken. Manchmal allerdings auch, dass ich in zurückliegenden Szenen Ergänzungen/Änderungen einbringen muss.

              Ute schrieb:
              ... daher entschied ich mich für das 3-Akt-Modell, das ich anhand meiner Notizen und „Kopfideen“ gleichermaßen füllte. Es widerstrebte mir meinen Stoff in ein Schema zu pressen

              Das behagt mir auch nicht, nach vielen Vorgaben zu schreiben. Das blockiert. Ich lege mir zwar im Kopf eine Ausgangssituation und das Ende vor. Zusammen mit einem Pitch ist das dann die Grundlage, mit dem Schreiben zu beginnen.