Sie sind hier

Suchformular

10 Beiträge / 0 neu
Letzter Beitrag
    Status:
    Offline
    Beigetreten: 31.03.2014
    Wie erkennt man einen guten Lektor?

    Ich habe mal aufgeschrieben, woran man einen guten Lektor erkennt. Ist natürlich sehr subjektiv.

    Welche Erfahrungen habt ihr? Was macht eurer Meinung nach einen guten Lektor aus?

    https://hproentgen.wordpress.com/2017/02/02/wie-erkennt-man-einen-guten-...

    Herzliche Grüße, Hans Peter

    Gelöschter Nutzer
    RE: Wie erkennt man einen guten Lektor?
    Di, 07.02.2017 18:52

    Hallo Hans Peter, schön, dich hier zu lesen. :-)

    Ich habe izwischen mit verschiedenen Lektorinnen zusammen gearbeitet und gemerkt, dass mir die Arbeit immer dann am besten gefällt, wenn folgende Punkte erfüllt sind: 

    - das Feedback erfolgt systematisch, kontruktiv und ist begründet

    - die Alternativvorschläge halten sich in Grenzen; mir genügt ein "verstehe ich nicht" oder ein "das klingt langweilig/abgedroschen/banal/klischeehaft", die besseren Formulierungen überlege ich mir lieber selbst

    - die Geduld der Lektorin erschöpft sich nicht schon nach dem ersten Durchgang

    - sie versteht meinen Humor und vor allem meine Ironie

    - sie lässt sich weder von Ausreden noch von Schnellschüssen beeindrucken

     

    VG, Dorit 

      Status:
      Offline
      Beigetreten: 31.03.2014
      RE: Wie erkennt man einen guten Lektor?
      Do, 09.02.2017 17:48

      Hallo Dorit,

      danke für deine Rückmeldung, das sind ja wichtige Punkte.

      Herzliche Grüße, Hans Peter

      • [Moderator]
      • [Forum-Betreuer]
      Status:
      Offline
      Beigetreten: 12.03.2014
      RE: Wie erkennt man einen guten Lektor?
      Di, 14.02.2017 10:43

      Lieber Hans Peter,

      vielen Dank für deinen Blogbeitrag. Du hast schon, denke ich, die wichtigsten Punkte aufgezählt. Ich finde es wichtig, dass sich Autor und Lektor kennen. Sie müssen natürlich ncht alte Kumpel aus Kindertagen sein, aber ein persönliches Gespräch von Angesicht zu Angesicht halte ich für das Mindeste. Die Chemie zwischen den beiden sollte, auf die Profession bezogen, stimmen. Der wichtigste Punkt an deinem Text war für mich die Aussage, dass ein guter Lektor ein Buch besser, ein schlechter ein anderes Buch daraus macht. Genau so ist es. Allein deswegen ist ein Austausch zwischen Lektor und Autor so wichtig. Der Lektor muss ja erfahren können, wie der Autor tickt, das erleichtert mit Sicherheit das Verständnis des Buches.

      Es gibt (hoffentlich ganz wenige) Verlagslektorate, die nicht wirklich in Kontakt mit dem Autor treten. Der Autor reicht sein Manuskript beim Verlag ein, es dauert ein paar Monate, dann liegt eine kunterbunt markierte und kommentierte Datei im E-Mail-Postfach. Kenne ich von einem "Indie-Verlag", der hauptsächlich Liebesromane vertreibt. Meiner Meinung nach werden die Manuskripte dort in ein vorgegebenes Korsett gestopft, sodass die Romane sich hinterher alle irgendwie ähneln. Auf den Deckeln dieser Bücher sollte eigentlich der Name des Lektors mit stehen, weil dort, wie du schon richtig erklärt hattest, andere Bücher aus den Manuskripten werden. Lediglich E-Mail-Kontakt wäre mir zu wenig.

      LG
      Dirk  

      Gelöschter Nutzer
      RE: Wie erkennt man einen guten Lektor?
      Di, 14.02.2017 16:55

      Hallo Dirk, 

      nicht immer ist ein persönliches Treffen möglich. Und für mich auch nicht zwingend nötig. Ob die Chemie stimmt, merkt man auch am Telefon. Bei einem meiner umfangreicheren Romane haben sich zwei Lektorinnen an die Arbeit gemacht, die eine lebte damals in Köln, die andere in Berlin. Wir haben die räumliche Trennung via Telefon schmelzen lassen und es hat ganz wunderbar funktioniert. :-) +

      Bei meinem allerersten Roman saß die Lektorin irgendwo ganz weit im Süden. Habe sie erst kennen gelernt, als das Buch schon erschienen war. Auch hier genügte mir der Kontakt per Mail und Telefon.

      VG, Dorit 

        Status:
        Offline
        Beigetreten: 21.10.2015
        RE: Wie erkennt man einen guten Lektor?
        Di, 14.02.2017 17:51

        Ich finde auch noch wichtig - wobei das in deinem Text schon impliziert ist - dass die Lektorin oder der Lektor meine Schwächen ausbügelt und eben dort Stärken hat, wo ich Schwächen habe.
        Ich kann z.B. Dramaturgie ziemlich gut, aber ich neige (jahrelange Wolf-Schneider-Schule) zu Subjekt-Prädikat-Objekt-Hauptsätzen. Es ist schön, wenn meine Lektorin da dann den Finger draufhat und rechtzeitig sagt: "Jetzt wird's hölzern."

        Und - Texterhalt hin oder her - bei vielen Büchern fällt mir auf, dass ihnen großflächiges Streichen gut getan hätte. Ich find's prima, wenn Lektoren auch mutig sind und vorschlagen, ganze Schwafel-Absätze oder vielleicht sogar Seiten zugunsten der Textgeschwindigkeit zu tilgen.
         

          Status:
          Offline
          Beigetreten: 13.03.2014
          RE: Wie erkennt man einen guten Lektor?
          Fr, 17.02.2017 21:18

          Referenzen sind ein guter Anfang. Dann kann jeder die Kollegen, die ich als Lektorin auf meiner Webseite als Referenzen nenne, auch fragen.

          Der Rest ergibt sich durch die bereits genannten Vorlieben!

          • [Moderator]
          • [Forum-Betreuer]
          Status:
          Offline
          Beigetreten: 12.03.2014
          RE: Wie erkennt man einen guten Lektor?
          So, 19.02.2017 17:34

          Emilia schrieb:

          nicht immer ist ein persönliches Treffen möglich. Und für mich auch nicht zwingend nötig. Ob die Chemie stimmt, merkt man auch am Telefon. Bei einem meiner umfangreicheren Romane haben sich zwei Lektorinnen an die Arbeit gemacht, die eine lebte damals in Köln, die andere in Berlin. Wir haben die räumliche Trennung via Telefon schmelzen lassen und es hat ganz wunderbar funktioniert. :-)

          Da hast Du recht, liebe Dorit. Ein persönliches Gespräch kann am Telefon stattfinden. Aber ich meinte das mit dem "von Angesicht zu Angesicht" schon ernst. Man kann sich auch per Skype oder ähnlicher Video-Telefonie unterhalten. Ich kann am Telefon überzeugend freundlich rüberkommen, auch wenn ich mein Gegenüber kein Stück leiden kann. Allerdings, wenn der mch dabei sehen könnte ... Körpersprache und Mimik von Menschen, denen ich mein Wichtigstes Gut, das Produkt monate- oder gar jahrelanger Arbeit anvertraue, möchte ich vorher so gut es geht kennenlernen. Ob ich immer auch bekomme, was ich gern möchte, steht auf einem anderen Blatt.

          Liebe Grüße

          Dirk

            Status:
            Offline
            Beigetreten: 19.07.2016
            RE: Wie erkennt man einen guten Lektor?
            Sa, 25.02.2017 15:07

            Hallo zusammen,

            ich habe etwas länger überlegt, ob ich mich hier einbringe, weil noch nicht viele Erfahrungen mit Lektoren habe - sondern nur mit einem. Aber jetzt "juckt" es mich doch ein wenig. Die Punkte, die Hans Peter Roentgen auf seiner Seite nennt, würde ich komplett unterschreiben, auch das, was Du, Dorit, in Deinen vier Punkten weiter oben gesagt hast. Insofern habe ich mir ein wenig auf die Schulter geklopft, "Haken dran", alles richtig gemacht.

            Eine Sache fehlt mir in dieser ganzen Diskussion aber noch. Einen guten Lektor erkenne ich daran, dass er mit deutlich sagt, wenn ich einen Fehler gemacht habe. Das kann sogar bedeuten, dass er mir einen ganzen Romanplot "zerschießt", wie leider gerade erst passiert. Aber es ist besser, wenn man das zu einem frühen Zeitpunkt erfährt und nicht erst dann, wenn jahrelange Arbeit drinsteckt. Noch besser: Wenn es nicht einfach Kritik ist, sondern konstruktive Kritik, aus der etwas Neues entstehen kann und das "Kopfkino" wieder einsetzt, nur eben anders. Gelernt habe ich daraus, dass ich den neuen Pitch und das neue Konzept noch wesentlich früher mit meinem Lektor besprechen werde. Das ist es dann, was ich eine langfristige Zusammenarbeit nennen würde, die über ein einmaliges Romanprojekt hinausgeht.

            Ach ja: Ein guter Lektor ist auch jemand, der da ist, wenn's mal nicht gut läuft ...

            Das persönliche Kennenlernen hat in meinem Fall geklappt, wenn auch erst nach Abschluss des Lektorats. Ich würde es nicht zur Grundvoraussetzung machen, denn schon beim ersten Telefongespräch hatte ich ein gutes Gefühl, das geblieben ist. Deshalb habe ich mir jedes "Schnupperlektorat" erspart. Aber das Kennenlernen weckt Verständnis - für beide Seiten. Denn ich finde es etwas "zu kurz gegriffen", wenn man das Lektorat nur als bezahlte Dienstleistung ansieht, ohne sich um den Menschen zu scheren, der dahinter steckt. Da geht's nicht um einen tropfenden Wasserhahn, der repariert werden muss, und auch um kein kaputtes Auto. Wer einen Text lektoriert, kann es mit Themen zu tun bekommen, die etwas tiefer gehen - oder auch mit Autoren, die ebensowenig "von der Stange" sind wie das, was sie geschrieben haben. Einfach kann das nicht sein, und ich habe davor ziemlich viel Respekt. Einen klitzekleinen Eindruck habe ich beim Testlesen hier im Forum bekommen, weil ich mich schon an einigen Stellen gefragt habe, welches echte Erlebnis sich hinter der einen oder anderen Stelle wohl verbirgt. Es gehört schon eine gewisse Persönlichkeit dazu, um so etwas auf Dauer machen zu können.

            Hier steht ja immer was von Lektorinnen. Gibt aber auch Männer, die all das, was mir wichtig ist, ziemlich gut hinbekommen.

            Liebe Grüße und einen schönen Samstag

            Anke

            Gelöschter Nutzer
            RE: Wie erkennt man einen guten Lektor?
            Sa, 25.02.2017 15:47

            Danke, dass du dich überwunden hast, liebe Anke. :-)

            Ja, gerade die ersten Lektoratserfahrungen können sehr prägend sein. Ich erinnere mich immer wieder daran (heute mit einem Schmunzeln, damals mit Zornesröte im Gesicht), dass meine Lektorinnen mich dauernd gefragt haben: Was wolltest du denn eigentlich mit diesem Dialog, mit dieser Szene, mit diesem Kapitel rüberbringen? Was wolltest du beim Leser bewirken? Das habe ich dann auch immer ganz brav und ausführlich erklärt, um dann zur Antwort zu bekommen: Und warum schreibst du das nicht so? Mit einem entsprechenden Zwinkern, denn meistens spürte ich ja schon beim Formulieren der Antwort, wie sich der Nebel lichtete. Ich neige dazu, die einfachsten Dinge furchtbar kompliziert zu machen. Und das war eben genau die konstruktive Art, die ich gebraucht habe, um die richtigen Worte zu finden.

            Inzwischen stelle ich mir die Fragen immer selbst. Einmal bevor ich etwas schreibe, und dann später, wenn der Text geruht hat, nochmal zu Beginn der Überarbeitung.

            LG, Dorit