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Petra Durst-Benning im Interview über ihre Fans und ihre Romane

Federwelt
Anne Weiss
Bild zum Artikel Petra Durst-Benning im Interview mit Anne Weiss

Petra Durst-Benning über Fanbeziehungen, Fantreffen, Lesungen als Genießerfeste und Marketingspecials und die Romane Die Fotografin, Die Glasbläserin und Spätsommerliebe

Die Bücher von Petra Durst-Benning haben sich über 2,5 Millionen Mal verkauft. In Amerika ist Durst-Benning ebenfalls eine gefeierte Bestsellerautorin; ihre amerikanischen Leser nennen sie schlicht und liebevoll „Petra“. Das Erfolgsgeheimnis der Autorin: Sie hat ein Händchen für tolle Stoffe – und einen super Draht zu ihren Fans. Die danken es ihr und katapultieren ihre Romane immer wieder auf die Bestsellerliste. Mit vielen hält sie über Facebook und ihr Fanforum Kontakt.
Ob historische Romane wie die Glasbläser-Trilogie und die Zarentochter-Saga oder zeitgenössische Stoffe wie in der Maierhofen-Reihe – Petra überlegt sich jedes Mal, wie sie ihre Bücher persönlich und charmant in Szene setzt.
Sind ihre Lesungen und Fantreffen das, was die Fans bindet? Oder liegt es daran, wie nahbar Petra in Interviews und in den sozialen Netzwerken erscheint? Und organisiert sie alle Events rund um ihre Bücher selbst? Anne Weiss hat für die Federwelt nachgefragt, um Tipps zu sammeln, wie man als Autorin oder Autor erfolgreich seine Fancommunity aufbaut.

Buchpräsentationen, Lesungen oder Signierstunden, Ausflüge zu Romanschauplätzen, Besichtigungen und literarische Spaziergänge: ein volles Programm! Du bist eine Autorin, die für ihre Leserinnen und Leser nicht nur innerhalb ihrer Bücher, sondern mit ihren flankierenden Events und Marketingideen eine Welt erschafft. Warum?
„Tu alles, was du tust, mit Liebe“, so lautet mein Lebensmotto. Es ist mir wichtig, meine Geschichten mit Leben und Liebe zu erfüllen. Den Menschen Freude schenken, das empfinde ich – über das Schreiben hinaus – als meine Aufgabe im Leben. Durch meinen Beruf kann ich meiner Berufung gerecht werden, dafür bin ich sehr dankbar.

Wie fing das alles einmal an? Hat es sich mit der Zeit entwickelt oder hattest du von Anfang an alle Aktionen im Programm, die du auch heute anbietest?
Lesungen habe ich vom ersten Buch an abgehalten, auch eine Plattform für mein Fanforum hatte ich sehr früh. Denn ich habe sehr schnell gemerkt, dass die Leser und die Besucher meiner Lesungen nicht nur Interesse an mir und meinen Büchern hatten, sondern auch am Austausch untereinander: In der Pause haben sich immer wieder Gespräche zwischen Fremden entwickelt, meine Romane waren der Anlass dazu, unter anderem, weil sie bestimmte Schauplätze haben. Beispielsweise hat jemand einen Foodblog, der sich mit regionalen Spezialitäten beschäftigt, und das ist dann für die anderen interessant. Mit meiner Lesung biete ich den Rahmen dafür, dass sich diese Menschen kennenlernen. Und ich ermuntere die Leute auch ein bisschen: Wenn einer sagt, meine Frau und ich wandern gern in der Alb, dann sage ich: „Möchtet ihr solche Touren nicht auch für andere Leserinnen und Leser anbieten?“ Ich bin einfach gerne Anstoßgeber.

Social Media, Fan-Aktionen, Werbeanzeigen – welche Form des Selbstmarketings ist deiner Erfahrung nach für Autorinnen und Autoren sinnvoll oder sogar unverzichtbar?
Es gibt Autoren, die kommen ganz wunderbar ohne all das aus. Wenn ich darüber nachdenke, finde ich die Fragestellung nicht gut: Denn wenn jemand den Kontakt zu seinen Lesern nur aus Marketing- und Verkaufsgründen hält, dann spüren die das. Ich persönlich habe einfach Spaß daran, mit meinen Lesern zu kommunizieren, ich lerne täglich viel über die Menschen dazu und das bereichert mein Leben sehr. Aber ich bin sowieso ein offener Mensch. Egal, wo ich hinkomme – überall entwickeln sich Gespräche, man lacht zusammen und geht mit dem Gefühl auseinander, die Welt ist doch nicht ganz schlecht.
Wichtig ist, dass es nicht nur ums Verkaufen geht. Schrecklich finde ich es, wenn Autoren sich immer nur dann gehäuft zu Wort melden, wenn ein neues Buch von ihnen erscheint, das wirkt auf mich sehr berechnend.
Rund um das Erscheinen von Spätsommerliebe habe ich mal das Foto einer Schale mit Früchten, die mir eine Freundin aus ihrem Garten geschenkt hatte, auf Facebook gepostet. Dazu habe ich meine Follower gefragt, was ich mit dem Obst machen soll. Flugs waren etliche Kommentare drunter. – Es macht den Leuten einfach Spaß, mich mit Ideen dafür zu versorgen. Das ist ganz was anderes, als hätte ich Buchwerbung gepostet, viel persönlicher. Und es ergibt sich, das kann man nicht erzwingen.
Mir ist wichtig, dass es von Herzen kommt. Wenn man nur die Verkaufszahlen im Kopf hat, ist das eine schlechte Voraussetzung. Man muss das, was man macht, mit Leidenschaft und Herzblut machen und andere mit dem eigenen Feuer anstecken.

Von regionalen Köstlichkeiten auf Lesungen, über eigenes Werbematerial und Buchverlosungen bis zu Marketingaktionen auf Facebook: Was ist realistisch, mit welchen Kosten sollte man als Autorin insgesamt fürs Selbstmarketing rechnen?
Bei Autogrammkarten und Werbematerial für die Marke Petra Durst-Benning übernehme ich die Gestaltung, den Druck finanziere ich selbst. Der Verlag macht auch schöne Sachen, Plakate und Aufsteller. Aber das mit den Geschenken für die Leser möchte ich mir nicht aus der Hand nehmen lassen. Was ich gerne bei meinen Lesungen ausgebe, sind Lesezeichen oder Postkarten mit Fotos von mir mit einem Sinnspruch (derzeit: „Work is love in action“) oder mit Zitaten aus meinen Büchern. Auch kleine und größere Flyer mit Zusatzinfos über die Durst-Benning-Welt – auf denen beispielsweise erklärt wird, wie es zur Glasbläserin kam – lasse ich online drucken, das kostet nicht viel. Das Design mache ich selbst – ich liebe es! Mein Zeitaufwand ist hier der teuerste Faktor. Wenn ich Bücher verlose, sind es Belegexemplare, da habe ich nur die Portokosten zu tragen. Also alles easy.

Und welche deiner Aktionen kommen bei den Fans am besten an – Gewinnspiele, Treffen oder etwas ganz anderes?
Gewinnspiele kommen immer gut an, ich verlose Bücher, aber auch mal ein Meet and Greet oder Eintrittskarten zu Lesungen. Auch die Treffen sind etwas ganz Besonderes – für mich genauso wie für die Fans. Wir hatten beispielsweise einen wunderschönen Tag am Bodensee, wo wir auf den Spuren von Bella Clara gewandelt sind. Mehrmals haben wir uns auch schon zu einem Picknick an einem meiner Schauplätze getroffen. Meine Fans bringen dann alle was mit, tauschen Ideen und Rezepte für den Tag vorher aus – vielleicht hat jemand eine Scheune, wo man bei Unwetter hingehen kann, ich bin dann eher Impulsgeberin, nicht Veranstalterin.
Ich mache Dinge, auf die ich Lust habe, nicht aus Berechnung. Ich bin eben so – und ich fände es falsch, mich zu verstellen. Ich freue mich auf meine Leser, stürze mich gern ins Geschehen. Meine Fans mögen es dann sehr, wenn ich einfach aus meinem Leben erzähle. Nicht jeder hat so ein bewegtes Leben wie ich, und die Menschen genießen es, wenn ich sie teilhaben lasse. Ich erzähle genauso von Buchmessen, Reisen, Filmproduktionen wie von meinem Haus in Südfrankreich. Ich spüre auch, dass ich es erzählen kann, ohne dass jemand neidisch wird. Meine Fans gönnen mir alle diese Dinge und sind jeden Tag gespannt, wie es mir geht, gerade weil ich sie wie eine Freundin daran teilhaben lasse.

Was geschieht bei den Treffen, die deine Fancommunity regelmäßig veranstaltet? Gab es für dich ein besonderes Erlebnis mit Fans?
Es kommt immer auf das jeweilige Programm an. Manchmal machen wir eine Wanderung, gehen ins Museum oder unternehmen einen literarischen Spaziergang. Das kommt von den Fans selbst: Einer hat mal eine Führung durch Meersburg am Bodensee angeboten, ein anderer eine Orchideenwanderung auf der Schwäbischen Alb. Ich fand das eine tolle Idee und habe das Treffen angeregt – der Rest ergibt sich. Das Ganze hat eine Eigendynamik: Ich bin dann eine von vielen, hake mich mal hier, mal dort unter. So ein Treffen klingt nach der gemeinsamen Unternehmung meist noch mit einem Essen oder Kaffee aus.
Mal sind es kleine Treffen am Rande einer Lesung, mal auch etwas Größeres, so wie das große Maierhofen-Genießerfest, das ein Buchhändler anlässlich des Erscheinens von Spätsommerliebe im Juli organisiert hat. Einmal haben wir sogar eine dreitägige Reise nach Lauscha gemacht, wo der gläserne Christbaumschmuck erfunden wurde und wir die Glasbläser besucht haben – auch das haben Einheimische für uns organisiert.
Sehr bewegend war vor ein paar Jahren ein Fantreffen, bei dem wir uns alle von einem todkranken Mitglied verabschiedet haben, die Frau ist kurz darauf gestorben. Aber dieses eine Treffen war ihr wichtig und uns anderen auch.

Wie hältst du sonst Kontakt zu deinen Fans?
Viele schreiben mir per Mail, Brief und in privaten Nachrichten auf Facebook von ihren Sorgen, aber auch von schönen Erlebnissen, das berührt mich sehr! Für manchen ...

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Interviewerin: Anne Weiss | www.bonnerweiss.de
Weiterlesen in: Federwelt, Heft 132, Oktober 2018
Foto: privat

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