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Korrektorat. Was ist das?

der selfpublisher
Ina von Brunn

Korrektorat – Was ist das?

Haben Sie sich beim Blick auf das Leistungsspektrum von freien Lektoren schon gefragt, was eigentlich ein Korrektorat von einem Lektorat unterscheidet? Ein Korrektorat ist meist weniger umfangreich als ein Lektorat. Es schließt als Arbeitsschritt an Letzteres an.

Beim Lektorat werden in Absprache mit dem Autor oder Übersetzer unter Umständen größere Änderungen vorgenommen. Der Korrektor oder die Korrektorin ist hingegen die letzte Person, die das Manuskript vor dem Druck noch einmal genau prüft. Anders als beim Lektorat ändern Korrektoren nicht den Inhalt und nehmen in der Regel auch keine stilistischen Korrekturen mehr vor. Sie bereinigen jedoch das, was im Lektorat gegebenenfalls entstanden oder stehen geblieben ist. Da im Lektorat der Text oftmals grundlegend geändert wird, können sich beispielsweise Varianten doppeln oder Sätze unvollständig sein bzw. einzelne Wörter fehlen.

Das Hauptaugenmerk der Korrektoren liegt auf Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Ist jedes Wort richtig geschrieben? Wurde überall wo nötig durchgekoppelt? Stimmen die Bezüge? Ist die Syntax korrekt? Stimmen alle Konjugationen und Deklinationen? Auf der Zeichenebene kommt auch die Typografie ins Spiel: Werden überall einheitliche Anführungszeichen verwendet? Werden Binde- von Gedankenstrichen richtig unterschieden? Ist für den Apostroph das richtige Zeichen gesetzt? Wurden alle Satzzeichen sinnvoll verwendet? Sind Sonderzeichen korrekt wiedergegeben?

Korrektoren achten zudem auf die einheitliche Schreibweise von Wörtern, bei denen die neue Rechtschreibung mehrere Varianten erlaubt. Im Zweifel geben sie in der Regel der Duden-Empfehlung (gelb markiert im Duden, Band 1) den Vorzug. Außerdem überprüfen sie die Silbentrennung am Zeilenende und sorgen so dafür, dass Wörter nicht sinnentstellt getrennt werden. Auch sollten Trennungen nicht in zu vielen aufeinanderfolgenden Zeilen vorkommen. Ebenso achten sie darauf, dass Wortzwischenräume nicht unmittelbar mehrere Zeilen lang untereinanderstehen oder einen sogenannten „Wasserfall“ ergeben, wenn sie schräg verlaufen.

Im Gegensatz zu den Lektoren arbeiten Korrektoren beim letzten Durchgang oft auf Papier, da die Augen am Bildschirm schneller ermüden und Fehler auf Papier eher auffallen. Dennoch ist es auch für Korrektoren wichtig, dass sie eine digitale Version des Manuskriptes zur Hand haben, um beispielsweise mithilfe der Suchfunktion nach Wörtern zu suchen, die im gesamten Text vereinheitlicht werden sollen. Die gängigen Korrekturzeichen, die Korrektoren bei der Arbeit auf Papier benutzen, können Sie im Band 1 des Dudens nachschlagen. Der Setzer oder auch der Autor arbeitet die Papierkorrekturen im Anschluss in den Text ein und überprüft diese dabei noch einmal.

Arbeiten Korrektoren im schon gesetzten Text, spricht man in der Buchproduktion von Fahnen- oder Umbruchkorrektur. Dabei werden auch Leerzeilen, Abstände, Einzüge und Einrückungen, Schriftarten und -größen, Block- oder Flattersatz, Kursiv- oder Fettdruck, Kolumnentitel und Wortzwischenräume geprüft. Auch fällt dem Korrektor auf, ob stellenweise Text beim Setzen verschwunden ist. Korrektoren prüfen außerdem, ob das Inhaltsverzeichnis mit den Kapitelüberschriften übereinstimmt, ob die Seitenzahlen korrekt sind, ob Schusterjungen oder Hurenkinder auf der Seite auftauchen (einzelne Zeilen unten und oben auf der Seite) und ob Impressum, Register sowie die Nummerierung von Abbildungen, Tabellen und Grafiken fehlerfrei sind. Sie vereinheitlichen das Literaturverzeichnis sowie Aufzählungslisten und überprüfen gegebenenfalls Verweise im Text. Des Weiteren werden wo nötig umbruchgeschützte Leerzeichen ergänzt, damit Abkürzungen nicht auseinandergerissen oder Zahlen von den dazugehörigen Wörtern abgetrennt werden.

In Nachrichtenredaktionen heißt das Korrektorat in der Regel Schlussredaktion. Printmedien sparen Korrektoren bzw. Schlussredakteure aufgrund knapper Finanzen jedoch häufig ein. Auch in der Verlagsbranche geht der Trend dahin, auf mehrere Korrekturdurchgänge zu verzichten. Wenn Sie also am Sonntagmorgen eine Zeitung lesen und Ihnen dabei viele Fehler ins Auge springen, kann das daran liegen, dass sich die Redaktion dazu entschlossen hat, den Schlussredakteur einzusparen.

Autorin: Ina von Brunn | www.lektorat-von-brunn.de
In: der selfpublisher, Heft 2, Juni 2016