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Vorlesen für Fortgeschrittene Folge 52

Federwelt
Michael Rossié
Bild zum Thema Vorlesen für Fortgeschrittene

Die Pause, Teil 1: Um Pausen beim Vorlesen wird herrlich gestritten.

Zunächst mal gibt es den Tipp für die Schnellredner, mehr Pausen zu machen. Das Problem ist, dass sie jetzt die Pausen mitten in Gedanken machen Mia hatte sich als erstes Ziel – Paris ausgesucht. So eine Pause zerreißt den Gedanken und würde im täglichen Gespräch nie vorkommen. Und das gilt auch, wenn da ein Komma steht. Hast du nicht Lust – mit mir essen zu gehen? Über eine solche Pause würde sich der Partner kaputtlachen. Wenn also jemand zu schnell spricht, dann sollte er mehr Pausen zwischen den Gedanken machen.

Auch wenn Sätze mehrere Kommas enthalten, können sie aus einem einzigen Gedanken bestehen, müssen also durchgesprochen werden. Das gilt für Alles, was du willst, kannst du haben oder für Du, der Alleswisser, solltest dich nicht mit mir, die nicht so viel weiß, ständig anlegen. Zugegeben, der Satz ist etwas sperrig, aber beim Vorlesen sollte hier keine einzige Pause gemacht werden. Es ist ein Gedanke.

Im Einzelfall kann es bei der Teilung eines Satzes in der Mitte zu ungewollten Pointen kommen. Max ging – mir auf die Nerven oder Gerd kämpfte – dieses Mal nicht sind Sätze, die den Hörer eher verwirren, weil seine Erwartung in eine andere Richtung ging. Diese Beispielsätze sind kurz, aber da sich im Deutschen oft erst im letzten Wort eines Satzes alles entscheidet, kommt in meinen Rede-Manuskripten relativ häufig ein Zeichen vor, das mir empfiehlt, keine Pause im Satz zu machen.

Ausnahmen machen wir, wenn das „Durchsprechen“ zu Missverständnissen führt. Zeichensetzung kann Leben retten: Wir essen Opa oder Wir essen, Opa sind zwei verschiedene Dinge. Das kann auch für Sätze ohne Kommas gelten. Sehen Sie sich mal den folgenden Satz an: Marion fuhr nach dem Training mit ihm in die Stadt. Trainiert sie jetzt mit ihm und fährt alleine in die Stadt oder trainiert sie alleine und fährt mit ihm in die Stadt? Eine kleine Pause an der richtigen Stelle macht den Zusammenhang klar. Eine solche kurze Pause nennt man Staupause.

Jemanden gut zu unterhalten, ist eine Frage der richtigen Vorbereitung!

Michael Rossié im Internet: www.sprechertraining.de

In FEDERWELT, Heft 112, Juni/Juli 2015

 

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