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Literatüröffner – Literaturevents barrierefrei gestalten

Federwelt
Nicol Goudarzi, Dr.
Illustration einer geöffneten Tür

Samstag, kurz vor neunzehn Uhr, ein dunkler Oktoberabend. Annika ist auf dem Weg zu einer Lesung in der Stadtbücherei, die im ersten Stock eines großen Einkaufszentrums untergebracht ist. Kurz vor dem Aufzug bremst sie ihren Rollstuhl ab. „Hoffentlich ist der nicht wieder defekt“, sagt sie. An diesem Abend funktioniert er und bringt Annika samt Rolli hinauf zur Bücherei. Glück gehabt. Barrierefreie Literaturevents? Sie zieht eine Grimasse. „Schön wär’s!“

Literatüröffner
Literatur für alle zugänglich zu machen – das ist das Ziel der barrierefreien und inklusiven Lesungsreihe Literatüröffner, die der Verein Rollipop e.V. (www.Rollipop.org) seit 2019 organisiert. Literaturevents von und für Menschen mit und ohne Behinderung. Schnell wurde bei der Veranstaltungsplanung klar: DIE barrierefreie Lesung gibt es nicht. Aber es gibt eine Vielzahl von Maßnahmen oder Faktoren, die – je nach Zielgruppe und Veranstaltungsressourcen – Barrieren verringern. Für die Literatüröffner-Abende im realen Leben bedeutet das: Der Veranstaltungsort ist barrierefrei. Informationen werden in Schriftform und als Hörtext zur Verfügung gestellt. Jede Veranstaltung wird von Gebärdensprachdolmetscherinnen und -dolmetschern begleitet. Und auch im Rampenlicht wird inklusiv gearbeitet: Im Lese-Tandem laden eine Autorin oder ein Autor mit und ohne Behinderung zur literarischen Begegnung ein. (Dabei sein geht, sofern Corona es zulässt, in 2021 wieder.)

Barrierefrei-Ideen
Wie werden Literaturevents barrierefrei? Was gilt es dabei zu bedenken, zu tun on- und/oder offline? Greifen Sie in unseren unvollständigen und doch reichen Ideenpool. Sie haben freie Wahl! Jeder einzelne Punkt, den Sie berücksichtigen, ist ein wichtiger Schritt in Richtung Barrierefreiheit.

Grundsätzliches

  • Sprechen Sie mit den Menschen, die das Thema „Barrierefreiheit“ betrifft, denn sie sind Expert*innen in eigener Sache.
  • Setzen Sie auf Vielfalt bei Gesprächsgästen und Moderierenden.
  • Erfragen Sie im Vorfeld und zu Beginn der Veranstaltung so weit möglich die individuellen Bedürfnisse.
  • Weisen Sie bei Ausschreibung, Werbung und Internetauftritt der Veranstaltung auf die konkreten barrierefreien Bereiche und auf Barrieren hin. Das ermöglicht Betroffenen, sich entsprechende Hilfen zu organisieren. Außerdem signalisieren Sie hiermit: „Alle sind willkommen!“
  • Achten Sie bei Flyern und Internetseiten auf ein gut lesbares, kontrastreiches Schriftbild.
  • Gestalten Sie Ihren Internetauftritt möglichst barrierefrei, schaffen Sie zum Beispiel einen Button, den man schnell finden und anklicken kann, um anzugeben, dass man einen Rollstuhlplatz braucht. Fragen Sie sich: Kann jemand mit Rot-Grün-Sehschwäche alle Inhalte auf der Seite erfassen? Sind alle ALT-Attribute/Tags aussagekräftig ausgefüllt? Beschreiben diese klar, kurz und genau, was auf einem Bild zu sehen ist? (Diese Tags sind für Sehbehinderte wichtig, die wissen wollen, welche Bilder und Grafiken auf einer Website angezeigt werden. Normalerweise erscheinen sie auf einem Bildschirm nicht, aber: Man kann sie sich anzeigen und von einem Vorleseprogramm vorlesen lassen.)
  • Bei großen Gebäuden ist eine auffällige Ausschilderung der Veranstaltungsräume in Schrift und Bild hilfreich.
  • Sprechen Sie, ergänzend zur Lesung, zum Gespräch möglichst viele Sinne an (siehe hierzu auch den Artikel aus der Federwelt Nummer 134 >>> Bilder gegen die Dunkelheit: eine Pixi-Buch-Lesung für blinde, körperlich und geistig behinderte Kinder)
  • Verzichten Sie auf englische Wörter.
  • Denken Sie Inklusion anders herum. So wie die blinde Autorin Pilar Baumeister, die …

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Autorin: Nicol Goudarzi | https://goudarzi.de | [email protected]
Weiterlesen in: Federwelt, Heft 144, Oktober 2020
Blogbild: Carola Vogt

 

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Dieser Artikel steht in der Federwelt, Heftnr. 144, Oktober 2020: /magazin/federwelt/archiv/federwelt-52020
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