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Die Gesetze erfolgreiche TV-Serien zu schreiben

Federwelt
Anne Weiss
Die Gesetze erfolgreiche TV-Serien zu schreiben

Profis erklären, wie eine Serie aufgebaut wird, welche Probleme auftauchen und in welche Figuren sich Leserinnen und Leser verlieben.

„Ein Heft aus der Reihe könnte ich auch schreiben.“ Der junge Arzt tippt sich an die Brust. Dort prangt ein Namensschild, auf dem in eleganten Lettern Dr. Stefan Frank steht.
„Klar!“, schreie ich gegen den Lärm der Karnevalsparty an.
Derlei Talentbekundungen höre ich oft, wenn ich von meinem Beruf erzähle. Nach x Endlospraktika und Volontariaten ist mein erster fester Job in der Verlagsbranche der einer Heftromanlektorin.
Als solche weiß ich, dass es gar nicht so einfach ist, eins der Heftchen zu schreiben. Und auch, dass Dr. Stefan Frank keine Reihe, sondern eine Serie ist: In den Romanen einer Reihe stehen immer neue Protagonisten im Mittelpunkt, auch der Ort wechselt. Eine Serie hingegen spielt immer im selben Setting mit denselben Charakteren. Es gibt zwar stets neue Patienten, aber die Krankenhausbelegschaft ist fix. Dabei verändern sich im Heftroman die Serienfiguren im Laufe der Zeit allenfalls geringfügig. Der Grund dafür ist, dass die Hauptfigur bei einer so langlebigen Serie wohl inzwischen im Altenheim praktizieren würde.
Diese Begriffe gelten so streng nur im Heftroman, in anderen Genres ist man da nicht so pingelig.
Wer auf einer Party eine angesagte Serie erwähnt, merkt oft, wie schnell andere darauf anspringen. Oft reden wir dann von Fernsehserien, doch viele davon basieren auf Buchvorlagen. Miamis beliebtester Serienkiller Dexter? Die Bücher dazu hat Jeff Lindsay geschrieben. Das verruchte Stadtleben in Babylon Berlin? Stammt aus den Gereon-Rath-Krimis von Volker Kutscher. Der Trouble mit den lebenden Toten in The Walking Dead? Im Original: Comics von Robert Kirkman und Tony Moore.
Liebgewonnene Figuren werden zu einem Teil unseres Lebens. Wir können zu ihnen zurückkehren, wenn wir die nächste Folge lesen oder ansehen. In einer Zeit, in der uns vieles unüberschaubar vorkommt, sind Serien ein Stück Sicherheit.
Kein Wunder, dass es der Traum vieler Autorinnen und Autoren ist, mit einer Serie erfolgreich zu werden. Und das könnte gelingen – mit den folgenden Expertentipps.

Wie viel Planung ist für eine gute Serie vorab nötig?

Natürlich kann man keine 100 Serienfolgen im Voraus planen, aber das Konzept muss stimmen – die Ideen, Handlungsstränge, Figuren werden in ein ausführliches Exposé gegossen.
„Du bekommst bei jeder Serie eine dicke, fette Bibel“, erklärt Christine Drews, die als Autorin für zahlreiche Showformate gearbeitet hat und aktuell Drehbücher für die ZDF-Serien SOKO Köln und Bettys Diagnose schreibt. „Die kann teilweise 300 Seiten und mehr umfassen und enthält eine ausführliche Charakterbeschreibung, eine Übersicht über alle bisher ausgestrahlten oder geschriebenen Folgen, ein sogenanntes Future. Das gilt übrigens nur für Serien mit einer horizontalen Erzählweise. Wenn jede Folge in sich abgeschlossen ist, wie bei SOKO, muss man nicht unbedingt wissen, was mit den Figuren in den nächsten 30 Folgen passieren soll, wer sich in wen verliebt, wer krank wird oder sterben muss et cetera. Bei einer Serie wie Bettys Diagnose ist das dagegen sehr wichtig.“
Als horizontal erzählt gelten Serien, bei denen die Handlungsstränge hervortreten, die sich über eine gesamte Staffel oder sogar Serie erstrecken. Vertikal erzählt zum Beispiel, wer in sich abgeschlossene Episoden schreibt – für eine Sitcom etwa, die in einem klar definierten Kosmos spielt. Horizontales Erzählen verstärkt den „Suchtfaktor“, wir wollen wissen, wie es insgesamt weitergeht, daher das Bingewatchen, sobald die neue Staffel Game of Thrones raus ist.
Autorinnen, die neu in eine Serie einsteigen, erhalten auch einige Folgen zur Ansicht. „Sobald ich anfange zu schreiben, lese ich mir immer die vorangegangenen zehn Folgen noch mal durch“, so Drews, „genauso wie die Plots für die Folgen nach meiner, damit ich weiß, wie die Anschlüsse liegen müssen.“
Für weniger umfangreiche Stoffe, eine Trilogie etwa, ist zwar keine Serienbibel erforderlich – geplant werden sollte dennoch ganz genau.
„Unbedingt am Anfang alles bis zum Schluss durchdenken“, rät Bestsellerautorin Kathryn Taylor, aus deren Feder die erfolgreichen mehrbändigen Romane Colours of Love und Daringham Hall stammen. „Wenn ich das Ende der Geschichte beim Schreiben des ersten Bandes noch gar nicht kenne, muss ich im zweiten Band lauter lose Handlungsfäden zusammenfügen. Und um für die Leser und Leserinnen ein Geheimnis befriedigend aufzulösen, muss ich schon im ersten Band Hinweise platzieren.“ In ihrer Trilogie Daringham Hall, in der es vor Rätseln und alten Familiengeheimnissen nur so wimmelt, spielt es beispielsweise im dritten Band eine Rolle, dass eine der Figuren geistig verwirrt ist. Um dies einzuleiten, hat Kathryn Taylor in den ersten Band eine Szene eingefügt, in der die Figur mit ihrem Enkel spricht, diesen aber für ihren Mann hält. Wichtig ist für die Autorin dabei vor allem eines: „Erst, wenn das Ziel und die Entwicklung der Figuren klar sind, treiben sie die Handlung richtig voran. Und ich sehe dann auch, ob eine Figur fehlt oder überflüssig ist. Natürlich ändert sich im Schreibprozess auch mal was und man weicht ein wenig vom Exposé ab. Aber wer sich das Plotten am Anfang spart, gräbt sich selbst eine Grube: In den Folgebänden muss alles zusammengebastelt werden. Und Stückwerk ist immer unbefriedigend.“
Erfahrene Autorinnen und Autoren schreiben ein ausführliches Exposé, das alle überraschenden Wendungen und den Schluss enthält. Viele kleistern auch ihre Wände mit Romanplanung zu: mit Figurenkonstellationen, Notizen zu Handlung, Charakteren und Schauplätzen, gern auch bebildert. Je klarer man das Bild im Kopf hat, desto besser, denn das Publikum muss sofort Feuer fangen. Der Markt ist groß, und meist gibt es keine zweite Chance für den ersten Eindruck.
„Die erste Folge ist fast die größte Herausforderung“, sagt Christine Drews. „Die Figuren müssen sympathisch sein, was man schwierig in nur einer Folge unterbringen kann. Was sich auf jeden Fall bewährt hat: mit einem Knaller anfangen und mit einem Knaller enden. Dazwischen versuchen, den Figuren und dem Setting Profil zu geben, das in den nachfolgenden Folgen ausgearbeitet werden kann. Aber sehr, sehr häufig sind die ersten Folgen von Serien nicht die stärksten.“

Welcher Stoff und welche Figuren taugen für meine Serie?

Wer sich eine Serie ausdenkt, wird zum Schöpfer seines eigenen Kosmos. Wichtig ist zunächst, für welches Medium sie gedacht ist. „Der Hauptunterschied zwischen der Konzeption einer E-Book- und einer TV-Serie ist sicherlich immer noch der, dass ich beim E-Book Stoffe nutzen kann, an die sich das Fernsehen häufig noch nicht herantraut“, erklärt Christine Drews.
„Meine E-Book-Serie KILLER BLOG, die aus dem Thriller Killerjagd hervorging, erzählt aus der Sicht eines Serienkillers, was ihn zu seinen Taten motivierte, wie es dazu kam und er sie umsetzte. Fürs Fernsehen wäre das harte Kost, die nur am späten Abend gesendet werden könnte. Und allein das ist für viele Sender schon abschreckend. Im Moment wird KILLER BLOG allerdings tatsächlich für eine Verfilmung geprüft, und ich bin gespannt, wie die Umsetzung aussehen könnte.“
Und wie entsteht die passende Idee überhaupt? Ob Krimi, Komödie oder Kinderbuch – die meisten Projekte beginnen mit der Frage: „Was wäre, wenn ...?“ Im Fall von Stromberg lautet sie: „Was wäre, wenn ein Kamerateam den Büroalltag in einer Firma filmt? Bei Harry Potter: „Was, wenn ein Waisenkind entdeckt, dass es ein Zauberer ist?“ Ob diese Grundidee trägt, hängt davon ab, ob es starke Figuren und Spannungsbögen gibt. Harry Potter ist ein starker Held, er entwickelt sich zwar weiter, aber er verliert dabei weder seine Zauberkraft noch die Feindschaft zu Lord Voldemort. Die Frage „Wird er ihn letztlich besiegen?“ im Hinterkopf hält die Spannung über sieben Bände aufrecht, wobei jeder Band ein in sich geschlossenes Abenteuer ist. Auch wichtig: Die Romane von J. K. Rowling erzählen eine universelle Geschichte, nämlich die vom Kampf des Guten gegen das Böse.
Doch woher weiß man, welcher Stoff das Lesepublikum in seinen Bann zieht?
Bestsellerautor Mario Giordano hat mit Tante Poldi eine Krimiserie entwickelt, deren Bände hierzulande stets auf der SPIEGEL-Bestellerliste stehen und auch in Übersee erfolgreich sind. Kann man einen solchen Erfolg planen?
„Marktüberlegungen haben bei Tante Poldi keine Rolle gespielt“, meint Giordano. „So kann ich nicht arbeiten, das blockiert mich nur. Am Anfang stand die Hauptfigur mit ihrer Ausgangssituation (Totsaufen mit Meerblick, aber blöderweise kommt immer was dazwischen), das Setting (Sizilien und die Sizilianer), die Erzählperspektive (der nerdige Neffe), die Idee einer Liebesgeschichte zwischen Tante und Neffe und einer Geschichte übers Scheitern und schließlich die Entscheidung für das Genre Krimi. Der Rest fühlt sich immer ein bisschen wie Blindflug an. Ich halte es da immer noch mit Puschkin: Ich schreibe für mich, ich drucke für Geld. Vielleicht nicht die erfolgversprechendste Vorgehensweise, aber mit Sicherheit der einzige Weg, mit Lust und Improvisation das Beste zu schreiben, was man gerade kann.“
Wenn die Idee feststeht, sind die Figuren der Motor der Geschichte. Damit Figuren glaubwürdig sind, müssen sie komplex sein wie echte Menschen. Was ist ihre Motivation? Ihr Talent, ihre Macke? Wie lösen sie Konflikte? Können wir uns mit ihnen identifizieren? Um Spannung zu erzeugen, brauchen wir Kontrast: Das Duo aus der urbayerischen Wuchtbrumme Poldi und ihrem Neffen, einem erfolglosen Schriftsteller, den Poldi als nutzlos bezeichnet und der allzu gern abschweift, kommt gut an. Der Flirt mit einem Kommissar, der Poldis Temperament kaum zügeln kann, tut sein Übriges. Wie stark dürfen sich die Figuren da im Lauf der Zeit verändern?
„Bei Tante Poldi sind die einzelnen Fälle zwar abgeschlossen, aber die Figuren entwickeln sich immer weiter. Beziehungsweise man lernt sie immer besser kennen. Dabei muss ich als Autor darauf achten, den Figuren genug Geheimnis zu belassen, denn sonst sind sie auserzählt, und das war’s dann mit der Serie. Am wichtigsten ist halt, dass immer genug Intrige und Konflikt in den Figurenkonstellationen erhalten bleibt.“
Denn die Serie soll ja möglichst lange laufen – und im besten Fall mit jedem Band neue Leser dazugewinnen. Wie aber flechte ich Infos aus früheren Bänden geschickt in die aktuelle Folge ein?

Wie viel Infos aus früheren Bänden sind notwendig, was ist zu viel?

„Tja ... das ist eine kleine Gradwanderung“, sagt Giordano. „Man möchte die Leser, die mit der Serie schon vertraut sind, nicht mit Wiederholungen langweilen, gleichzeitig aber den Neueinsteigern einen Anschluss bieten. Ein bisschen Wiederholung und Recaps, also Zusammenfassungen, sind immer gut, schließlich liegt zumeist ein Jahr oder mehr zwischen den Veröffentlichungen. Der Trick ist, die Recaps so in die Handlung einzubauen, dass diese Informationen auch nützlich sind. Das sind zumeist Infos über die Backstory der Figuren. Die letzten Kriminalfälle erwähne ich höchstens kurz. Da bei Tante Poldi Sizilien als Handlungsort ganz zentral ist, geht es natürlich immer um Land und Leute. Aber da bietet Sizilien noch genug Stoff, dass ich mich nicht ständig wiederholen muss.“
Vor der Frage, wie viel Info aus früheren Bänden notwendig ist, steht auch Daniel Holbe, dessen Romane um die Kommissarin Julia Durant regelmäßig die Bestsellerlisten anführen und damit auch Neuleser gewinnen. Mit ihnen führt er eine Serie von Andreas Franz weiter.
„Ich habe mir angewöhnt, nicht gleich zu Beginn eine komplette Personenbeschreibung herunterzuleiern. Vieles ergibt sich in den ersten paar Szenen, oft in ganz alltäglichen Situationen.“
Im neuen Band der Serie erwähnt Holbe zwei diensthabende Kommissare, sagt, dass sie seit einigen Jahren ein Paar sind und eine gemeinsame Tochter haben. Tatsächlich, so erklärt er, sei die Entwicklung der beiden über viele Bände mitzuerleben. Dennoch genüge dem neuen Leser an dieser Stelle eine solche kurze Einführung. An diesem Punkt der Handlung spielt es weder eine Rolle, dass sie sich erst zusammenraufen mussten, noch dass die Kommissarin hochschwanger eine Treppe hinuntergestürzt ist und sie um ihr Kind bangten. Und auch nicht, dass der Kommissar ein Don Juan erster Güte gewesen war, bevor die beiden zusammenkamen. Generell macht Holbe im Text keine Angaben zum Temperament der Figuren.
„Ich muss nicht sagen, ob jemand ein Zyniker, ein Morgenmuffel oder ein Energiebündel ist. Das spürt man als Leser doch anhand des Auftretens der Person. Und – gerade bei Krimis und bei Verbrechen geht das besonders einfach, finde ich – man kann bestimmte Hintergründe eines Charakters sehr schön erklären, ohne zu viel aus dem Off erzählen zu müssen. Wie reagiert meine Hauptperson auf bestimmte Themen, Bilder oder Stimmungen? Und warum? Das kann man damit wunderbar erzählen.“
Kinderbuchautorin Tanya Stewner hat mit Liliane Susewind und Alea Aquarius zwei beliebte Heldinnen erfunden, die Kinder über einen längeren Zeitraum begleiten. Um alle mitzunehmen, muss sie auch immer wieder Informationen aus vorherigen Bänden einbauen.
„Das ist meines Erachtens die Königsdisziplin des Reihen-Schreibens“, meint Tanya Stewner. „Gerade bei einer Saga wie Alea Aquarius, bei der ein Band auf den nächsten aufbaut, ist das eine schwierige Aufgabe. Man muss gut abwägen, welche Erinnerungshilfen der Leser unbedingt braucht und welche man weglassen kann.“ Da das Alea-Universum mit jedem Band umfangreicher und bunter werde, gebe es bei jedem neuen Teil auch mehr zu wiederholen. „Ich mache es meist so, dass ich die alten Informationen nicht geballt als Einleitung aufführe, sondern in den normalen Text einfließen lasse. Das mache ich mal in Form eines inneren Monologs, bei dem sich Alea zum Beispiel eine aktuelle, neue Frage stellt, dazu aber Hintergründe aus alten Bänden überdenkt oder heranzieht. Gern verpacke ich Wiederholungsinfos auch in einen Dialog, bei dem der eine Gesprächspartner mehr weiß als der andere. Insgesamt ist es aber immer eine Herausforderung, und man hofft, den Leser weder zu langweilen noch im Unklaren zu lassen. Aber ohne Herausforderungen würde es ja keinen Spaß machen.“

Wie schreibe ich eine Folge für eine bestehende Serie?

Wer wie Daniel Holbe oder Christine Drews auch für bestehende Formate schreibt, der taucht mit dem Schreiben in eine bereits bestehende Welt ein. Wie bereiten sich Autorinnen und Autoren darauf am besten vor?
„Je nachdem, wie gut man mit den Figuren vertraut ist, muss man immer wieder in den bestehenden Texten nachforschen“, erklärt Holbe. „Dank gezielter Textsuche am PC ist das ganz gut machbar. Naja, und dann ist es auch immer schön, mal einen Dialog zu lesen. Denn jeder Charakter verhält sich anders. Gibt es Floskeln oder typische Reaktionen? Das vergisst man gerne mal, was wo hingehört, vor allem, wenn man mehrere Reihen abwechselnd schreibt. Dasselbe gilt übrigens auch, wenn man eine Reihe startet. Am besten gleich mit einer ordentlichen Datenbank starten – bis hin zu Größe, Gewicht und Geburtsdatum. Dann kommt man hinterher nicht ins Schwimmen. Und wenn neue Dinge dazukommen, gleich ergänzen. So geht man auf Nummer sicher, dass es keine Widersprüche gibt.“
Kann man an einem bestehenden Konzept noch etwas verändern, und welche Probleme erwarten den Autor dann? „Zwei Szenarien, wie ich sie erlebt habe: einmal das Einsteigen in eine Reihe“, sagt Daniel Holbe. „Da ist das absolut Einzige, das ich an der Hauptperson ändern darf, ihr biologisches Alter. Weil sie sich eben naturgemäß weiterentwickelt. Ansonsten gilt: Finger weg! Nichts machen, was Andreas Franz nicht auch gemacht hätte. Punktum. Zum anderen durfte ich eine neue Serie kreieren. Und da war das natürlich alles anders. Es gab ein paar Eckdaten, aber ansonsten viel Raum zum Experimentieren. Und auch in Band drei tue ich das noch immer, selbst wenn sich die Karteikarte meiner Personen allmählich zu einem recht guten Gesamtbild zusammengefügt hat. Wenn ich aber hier etwas Neues probieren will, warum nicht? Nur eine Komplettwende, die würde mir wohl keiner abnehmen. Aber warum sollte man das auch tun?“
Als Autorin in das funktionierende Gerüst einer Serie einzusteigen, hat durchaus Vorteile, findet Christine Drews: „Regieanweisungen können in einer Serie, in der die Figuren etabliert sind, knapper ausfallen“, erklärt sie. „Jeder weiß, wie arrogant Figur X in Folge 90 ist und wie sentimental Figur Y, da sie schon seit Dutzenden Folgen so sprechen und sich ihrem Charakter gemäß benehmen.“ Die Schwierigkeit bestehe darin, sich auch nach endlos vielen Folgen immer wieder was Neues einfallen zu lassen. „Uninspirierte Drehbücher sind schließlich der Tod einer jeden Serie!“

Und wie komme ich jetzt an einen Job als Serienautor?

Vor allem ist es wichtig, die Gesetze der Serie zu kennen, selbst wenn man sie brechen will – denn Genreschreiben, und das ist das Serienhandwerk, beruht auf klaren Regeln. Das überzeugende Exposé, die engagierte Literaturagentin, der gute Draht zum Verlag sorgen dann im besten Fall dafür, dass eine Serie im Buchmarkt ankommt.
Und wie ist das beim Fernsehen?
„Es ist durchaus hilfreich, zum Einstieg einen der gängigen Ratgeber zu lesen“, sagt Christine Drews. „Ich habe mir damals als Erstes das Standardwerk von Syd Field besorgt. Danach schaut man sich in der Regel jede Menge Filme und Serien an und analysiert sie. Das ist hilfreich, aber nicht unbedingt ausreichend. Drehbuchseminare sind zusätzlich sinnvoll und werden eigentlich in jeder größeren Stadt angeboten. Auch dazu kann ich jedem nur raten, da man viel über das Handwerk erfährt. Aber es hilft alles nichts, man lernt das Schreiben nur durchs Schreiben. Ein guter Einstieg kann eine Soap sein. Zum einen werden dort häufig Autoren gesucht. Wegen des hohen Arbeitspensums wechseln die Autoren dort schneller. Und auch Newcomer werden gerne genommen, was an den meist geringeren Honoraren liegt. Zum anderen lernt man dort das produktionsbezogene Schreiben sehr gut, da der Kosten- und Zeitdruck in der Regel sehr hoch ist. Das Prozedere ähnelt sich meist: Man bewirbt sich bei der Produktionsfirma – nie beim Sender – und bekommt die Chance, unentgeltlich ein Probebuch zu schreiben. Sollte das gefallen, darf man loslegen.“

Autor: Anne Weiss | www.bonnerweiss.de
In: Federwelt, Heft 129, April 2018
Blogbild: Photo by Diego Duarte Cerecedaon on Unsplash

 

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