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AutorInnen daheim - diesmal: Nikolaus Nützel

Federwelt
Nikolaus Nützel
Foto von Nikolaus Nützel, copyright Isabelle Grubert

AutorInnen daheim – diesmal: Nikolaus Nützel
Hier öffnen uns erfolgreiche AutorInnen die Tür zu ihrem Heim, zeigen ihre Arbeits- und/oder Lieblingsplätze und beantworten zwei Fragen.

 

Nikolaus Nützel ist Journalist, fester freier Mitarbeiter beim Bayerischen Rundfunk und schreibt Sachbücher. Zehn sind es bisher. Die meisten richten sich an Jugendliche. Zwei davon waren für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert: „Mein Opa, sein Holzbein und der Große Krieg“ (2014) und „Sprache oder Was den Mensch zum Menschen macht“ (2008). Seine besonderen Talente? Kompliziertes so zu erklären, dass man es versteht. Und: den Humor nie zu vergessen.

Bei Ihrer Arbeit für den Deutschlandfunk (Deutschlandradio Kultur) haben Sie herausgefunden, dass es einen Bücherhimmel gibt* ...

… in den von der Chefin einer Recyclingfirma aber immer nur ein einzelnes Exemplar aufgenommen wird. Das Buch werde in ein Regal gestellt, hat mir ein Autorenkollege erzählt. Der Rest der nicht verkauften Bücher geht in den Schredder, verwandelt sich in Dämmmaterial oder Klopapier.

(* www.deutschlandfunk.de/vom-schredder-in-den-buecherhimmel.1310.de.html?dram:article_id=194602)

Sie dürfen für einen Tag ein Tier sein. Welches wären Sie? Und was würden Sie tun?

Darauf antworte ich mal mit einem Zitat aus einem Lied von Lucio Dalla: „Ich möchte durch den Himmel kreisen wie die Schwalben. Mich mal dahin setzen und mal dort. Mein Nest unter den Dächern haben, in der Kühle der Portale. Und wie sie, wenn es Abend wird, ganz einfach die Augen schließen.“

Meine Tochter hat mir, als sie acht Jahre alt war, etwas aufgeschrieben, das ich einfach in einen Rahmen packen und mir auf den Schreibtisch stellen musste. Dazu stelle ich in der Zeit, in der ich an einem Buch arbeite, gerne etwas, was zum Thema passt. Als ich über den Ersten Weltkrieg schrieb, war es eine Granatspitze, die mein Großvater aus Frankreich mitgebracht hatte.

Mein Schreibtisch im Bayerischen Rundfunk. Wenn ich nicht den größeren Teil meiner Arbeitskraft als freier Mitarbeiter an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk verkaufen könnte, wäre es mir aus wirtschaftlichen Gründen definitiv nicht möglich, Arbeitskraft auch in Bücher zu stecken.

Meine Kinder lesen meine Bücher bemerkenswerterweise aus Prinzip nicht. Mein Sohn hat „Mein Opa, sein Holzbein und der Große Krieg“ mal durchgeblättert, aber wenn er etwas über Sprache, Wirtschaft et cetera fragt, und ich sage „Da gibt es auch ein ziemlich gutes Jugend-Sachbuch“, dann rollt er nur mit den Augen. Muss irgendwie peinlich sein, etwas vom eigenen Vater zu lesen. So ähnlich, wie ihm nackt im Bad begegnen.

Ein Satz, den ich nicht mehr hören möchte: „Mit diesem Titel macht der Verlag ja nur Verluste!“ (Klingt am beeindruckendsten, wenn man ihn hört, bevor das Buch überhaupt im Handel ist.)

Mein „Hobby“? Vielleicht das Kochen. Das hat mit dem Schreiben einiges gemeinsam. Gute Zutaten helfen, wenn das Ergebnis gut werden soll. Auch Rezepte sind hilfreich – aber nicht alles. Und ob das Ergebnis gut ankommt, hängt immer auch vom Geschmack des Publikums ab.

Im Gespräch mit: Nikolaus Nützel | http://www.nikolaus-nuetzel.de
In: Federwelt, Heft 119, August 2016
Foto: Isabelle Grubert