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Vernetzung, vertonte Leseproben und mehr – Stephan Schacht von 1001 Buch im Gespräch mit Nathalie Schwaiger

Stephan Schacht ist der kreative Kopf des Online-Autoren- und Künstlerportals 1001 Buch.net. Er will Menschen zum Schreiben ermutigen. Nicht, weil gleich alle den nächsten Bestseller landen müssen, sondern weil Schreiben Spaß macht, weil es Türen, Herzen und neue Dimensionen öffnet – auch oder gerade im digitalen Zeitalter. Was er mit 1001 Buch erreichen möchte? Unsere Autorin Nathalie Schwaiger hat es herausgefunden.

Wie entstand die Idee zu 1001 Buch?
Wissen zu vermitteln hat mir immer sehr viel Spaß gemacht, und Literatur und Kunst haben mich schon immer sehr interessiert. Ich bin zwar gelernter Einzelhandelskaufmann, aber ich wollte auch kreativ arbeiten. 2006 habe ich mich mit einer Firma für EDV-Dienstleistungen selbstständig gemacht. Schon zu dieser Zeit kam ich mit Autoren zum literarischen Austausch zusammen. Ich bekam mit, wie schwierig es für Autoren ist, einen Verlag zu finden. Die Verlage und die Autoren zusammenzubringen, das musste doch irgendwie machbar sein ... So kam mir der Gedanke, eine Autorenplattform fürs Internet zu entwickeln. 2009 ging ich dann mit 1001 Buch an den Start.

Schreiben Sie selbst?
Ja, ein wenig, allerdings nur für mich selbst beziehungsweise nur für einen kleinen Kreis. Ich bin sehr selbstkritisch, wenn es um meine Texte geht. Aber ich freue mich sehr, wenn ich die Geschichten anderer Autoren lesen darf. Ich finde es immer erstaunlich, wie vielfältig, überraschend und bunt die Ideen sind.

Was ist Ihnen bei 1001 Buch wichtig?
Bei uns liegt der Schwerpunkt auf der Kreativität. Wir möchten Autoren und Künstlern Mut machen, ihre Werke in der Öffentlichkeit zu präsentieren und anderen Kreativen zugänglich zu machen. Die Autoren und Künstler sollen sich auf dem Portal wohlfühlen und sich austauschen können. Ich weiß, wie schwer es ist, das Interesse der Verlage zu wecken; wir wollen den Autoren zeigen, dass wir an sie glauben. Mit Büchern viel Geld zu verdienen, das schaffen nur wenige. Aber den Spaß am Schreiben – und Veröffentlichen – sollte man sich deshalb trotzdem nie nehmen lassen.

Was bietet Ihre Plattform?
1001 Buch ist ein Portal, über das Autoren, Künstler, Schreibgruppen, Verlage und Projektgruppen in Kontakt miteinander treten können. Autoren können ein eigenes Profil anlegen und ihre Texte und Gedichte präsentieren.

Zusätzlich bieten wir Serviceleistungen an, die auf unsere spezielle Zielgruppe zugeschnitten sind. Dazu gehören Lektorate und die Möglichkeit, Werbung zu schalten. Auch die professionelle Vertonung von Texten bieten wir an. Hierzu gehört unsere „vertonte Leseprobe“, die wir Autoren und Verlagen zugänglich machen.

Wir veranstalten außerdem regelmäßig Wettbewerbe und Events. Und in unserem Veranstaltungskalender können Autoren, Dichter, Schreibcoaches, Künstler et cetera Termine und Informationen zu ihren Lesungen, Ausstellungen oder Kursen veröffentlichen.

Sie haben den Start von 1001 Buch lange vorbereitet, was mussten Sie bedenken?
Drei Jahre Vorlaufzeit waren notwendig bis zum Start. Bevor das Konzept stand, haben wir viele Ideen gesammelt und dann nach und nach umgesetzt. Die größte Herausforderung war die Technik, beziehungsweise die Webseite selbst zum Laufen zu bringen. Außerdem war es mir sehr wichtig, ein gutes Team aufzubauen. Alleine hätte ich so etwas nicht stemmen können.

Wie mache ich das Portal bekannt? Welcher Mehrwert ergibt sich für Autoren und Künstler mit einem Profil bei uns? Wie können wir Verlage gewinnen? Da gab es jede Menge Fragen.

Wie viele AutorInnen, KünstlerInnen, LektorInnen und andere Personen nehmen Ihren Service bisher in Anspruch?
Es sind inzwischen schon über hundert Profile. Noch bleibt es übersichtlich. Gerade bei den Verlagen ist es ausbaufähig. Allerdings ist mir die Qualität hier wichtiger als die Quantität.

Wie legt man ein Profil an?
Das ist ganz einfach: auf der Webseite auf „Anmelden“ gehen, dann kostenfrei registrieren und los geht’s. Man kann sich als Autor oder Privatperson registrieren, ein Profil erstellen und dann mit weiteren Seiten vernetzen, mit der einer Projektgruppe etwa. Das ist leicht umzusetzende und kostenfreie Werbung für unsere User.

Bei Fragen kann man mich auch immer anmailen, ich helfe gerne weiter. Außerdem gibt es unter der Rubrik „So funktioniert’s“ Hilfestellung.

Gibt es ein „Vorzeigeprofil“, das Sie besonders gelungen finden?
Besonders gute Beispiele von Autorinnen, die den Mehrwert von 1001 Buch für sich zu nutzen wissen, sind Diana Hillebrand und Astrid Rösel, die auch ihre Schreibwerkstätten vorstellen. Brina Steins und Betty Zehners Profile sind ebenfalls sehr schön geworden.

Welche Leistungen sind kostenpflichtig?
Erst einmal vorweg: Bei uns gibt es keine Kostenfallen. Wir machen alles transparent, und jeder kann schnell erkennen, wenn etwas zu bezahlen ist. Professionelle Vertonungen und Lektorate haben einfach ihren Preis.
Außerdem kostenpflichtig ist das Schalten von Werbung, sei es für ein Buch oder für eine Dienstleistung.

Richtet Ihr Portal sich vor allem an Profis oder an Amateure?
Beide Gruppen sind herzlich willkommen. Für uns ist es völlig unerheblich, ob die Autoren das Schreiben als Hobby oder professionell betreiben. Wir freuen uns über jedes Gedicht und jede Geschichte. – Unter unseren Mitgliedern finden sich etwa ebenso viele Profis wie Amateure. Und so war es auch gedacht.

Was für Profile, Genres und Persönlichkeiten sind dabei?
Es sind Menschen, die Kultur und Kunst schätzen: Momentan sind es 80 Prozent Frauen und 20 Prozent Männer zwischen 15 und über 60 Jahren, Privatleute, die einfach kreativ sein wollen und Gedichte schreiben, bis hin zu Krimi-, Kinder- und Sachbuchautoren, Künstlern und Verlagen.

Welchen Vorteil hat es, sich auf Ihrer Plattform einzutragen?
Der Vorteil ist, dass alle auf einer Plattform zusammenkommen. 1001 Buch hat die Schwerpunkte Kultur, Schreiben, Bücher, Kunst. Jeder, der sich hier anmeldet, identifiziert sich mit diesen Themen. Somit haben beide Seiten etwas davon: die, die eine Schreibwerkstatt anbieten, sowie diejenigen, die eine Schreibwerkstatt suchen. Schreibende, die ihren Text präsentieren, und LeserInnen, die ihn mit Freude lesen. Autoren, die einen guten Lektor brauchen, und Freie Lektoren, die ihre Dienstleistung bei uns auf die Seite stellen.

Die Nutzung des Portals ist kostenlos, wie verdienen Sie dann Ihr Geld?
Über den Service, den wir anbieten. Hauptsächlich über die Vertonung von Kurzgeschichten und die „erzählte Leseprobe“, die wir für Autoren und Online-Seiten von Kleinverlagen aufnehmen.

Ich sehe 1001 Buch aber nicht als rein kommerzielles Portal. Die Vernetzungsmöglichkeit und eine kreative Plattform zu schaffen, wo Autoren sich frei ausdrücken und austauschen können, ist meine Hauptmotivation.

Was haben AutorInnen davon, ihre Bücher vertonen zu lassen?
Bei den Vertonungen durch Profis kommen viele Emotionen mit hinein, das wertet das geschriebene Wort noch mal auf: Die Geschichten fallen auf der jeweiligen Webseite eher auf, werden sichtbarer.

Die Sprecher, Uwe Hartmann und Denise Monteiro, mit denen ich eng zusammenarbeite, haben beide professionell geschulte Stimmen und bringen ihr ganzes Können ein. Sie hauchen den Texten Leben ein und geben ihnen eine neue Dimension.

Wir arbeiten derzeit auch an einem eigenen Online-Shop, in dem wir Vertonungen zum Download anbieten werden. Selbstverständlich alles fair – mit Autorenvertrag.

Wie viel kostet die Vertonung einer Hörprobe?
Das fängt so bei 90 Euro an. An einer fünfminütigen Aufnahme arbeiten wir im Schnitt etwa eineinhalb Stunden bis zur fertigen Datei. Eine 30-Minuten-Aufnahme nimmt bis zu einem Tag in Anspruch. Wir schätzen das vorher ab und erstellen ein Angebot. Aber ich halte sehr viel von Feinheiten. Ich bin ein Perfektionist, das wird mir manchmal zum Verhängnis.

Eignen sich alle Bücher zur Vertonung?
Nein, es gibt auch Grenzen. Wir machen keine Vertonung nur des Auftrags wegen. Eine gewisse Qualität muss der Text schon mitbringen. Aber ansonsten vertonen wir quer durch alle Genres, von Poesie bis Horror!

Sie haben auch Clips zu Büchern auf YouTube gestellt?
Ja, aber das war mehr ein Experiment. Es wird eine kleine Nische bleiben, weil es sehr aufwändig ist, die Clips zu produzieren. Aber wir machen es auf jeden Fall auch von der Nachfrage bei den Autoren abhängig.

Wie kamen Sie auf die Idee mit dem Hör-Adventskalender-Wettbewerb?
Schon beim Start von 1001 Buch haben wir nach neuen spannenden und unterhaltsamen Konzepten gesucht. Wir wollten die Texte der Autoren bekannter machen, so kamen wir auf den Adventskalender. 24 Türchen mit 24 Geschichten, die die User auf unserer Webseite öffnen und entdecken können. Es war ein Riesen-Erfolg: Wir hatten über 10.000 Zugriffe und je nach Thema 250 bis 500 Einsendungen.

Wer kann mitmachen?
Alle, die Lust und gute Geschichten oder Gedichte haben! Infos dazu gibt es auf unserer Webseite und unserer Fanpage auf Facebook.

Was raten Sie Ihren neuen AutorInnen?
Nicht aufgeben! Egal, wie mühsam es manchmal ist, der Spaß beim Schreiben sollte immer das Wichtigste bleiben! Also einfach anfangen, loslegen und dranbleiben. Bücher schreiben sich nicht von heute auf morgen, Kreativität braucht Zeit. Dabei sollte man authentisch bleiben und zum eigenen Stil stehen – sich nicht verleiten lassen abzukupfern, davon hat niemand etwas.

Und es tut immer gut, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Daher mein Aufruf an alle Schreibenden: Suchen Sie sich eine Autorengruppe! Sie werden bald merken, wie bereichernd es ist, seine Texte einem interessierten Publikum zu präsentieren.

Haben Sie schon neue Ideen: Wie geht es mit 1001 Buch weiter?
Wir bekommen oft Anfragen wegen der schönen Grafiken, mit denen die Webseite illustriert ist. Die Bielefelder Illustratorin Pascale Gräbener zeichnet und entwickelt sie speziell für uns. Wir arbeiten gerade daran, den Leseesel, die Muppeente und die anderen lustigen Tiere und Figuren als Postkarten, Puzzles und Memory-Spiele herauszubringen.

Außerdem ist eine CD mit den schönsten Texten aus den literarischen Adventskalendern der vergangenen fünf Jahre geplant sowie, na klar, weitere Ausschreibungen in verschiedenen Genres. Und wie bereits erwähnt wird es bald einen Online-Shop geben.

 

1001 Buch im Internet: www.1001buch.net

Bild: Bücherkröte von Pascale Gräbener, © 1001 Buch | Stephan Schacht

 

In FEDERWELT: Heft 113, August/September 2015

 

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