Sie sind hier

Suchformular

Digitale Kommunikation für AutorInnen

Federwelt
Annette Schwindt
Bild zum Thema Digitale Kommunikation für AutorInnen

Für Autoren wie für jeden anderen, der sich online erfolgreich präsentieren möchte, gilt es, die richtigen Plattformen und passenden Medienarten auszuwählen. In diesem Artikel skizziere ich die Bausteine für eine sinnvolle und nachhaltig konzipierte digitale Kommunikation für AutorInnen.

Die technische Basis ist immer eine gute Website, die durch die „Außenposten“ in den jeweils passenden Social-Media-Plattformen erweitert wird. Was dabei wie genutzt wird, hängt vom Gesamtkonzept ab, das als erster Schritt erstellt werden sollte:

1. Konzept und Strategie

Bevor Sie Ihre Website erstellen oder überarbeiten, sollten Sie sich über Ihre Ziele und Ressourcen klar sein. Was möchte ich online erreichen, wen möchte ich ansprechen und warum? Wo wird über mich und meine Veröffentlichungen bereits gesprochen, wie bringe ich mich dort am besten ein und wie baue ich online meine eigene Marke auf? Welches Know-how, wie viel Zeit und welche Materialien stehen mir dazu zur Verfügung? Welche Inhalte möchte ich in welcher Form präsentieren und welche Inhalte suchen meine Fans und LeserInnen? Welche Maßnahmen gehe ich zuerst an, was hat noch Zeit? Wie und in welchen Abständen kann ich meine Kommunikationsarbeit überprüfen und die dazugehörigen Maßnahmen anpassen? Was kann ich selbst erledigen, wo brauche ich Beratung für die Konzepterstellung oder Hilfe bei der technischen und inhaltlichen Umsetzung?

Ein gutes Konzept sollte all diese Fragen beantworten.

2. Website/Blog als Basis

Die eigene Website ist Ihr Aushängeschild, Ihre Basisstation und Ihre Dokumentationsstelle. Hier kontrollieren Sie, was wohin kommt und in welcher Form aufbereitet wird. Sie hängen nicht von vorgegebenen Formaten und Funktionsweisen ab, sondern können alles auf die eigenen Bedürfnisse ausrichten und bei Bedarf auch später anpassen.

Ich empfehle dafür WordPress als Content-Management- und als Blogsystem. WordPress ist suchmaschinenfreundlich und hilft Ihnen auch, Ihren Webauftritt für die mobile Nutzung zu optimieren. Wählen Sie dazu ein responsives Design, das sich der Bildschirmgröße automatisch anpasst.

Obwohl die Internetnutzung inzwischen weg vom stationären PC oder Notebook geht und hin zum Smartphone oder Tablet, vernachlässigen viele diesen Gesichtspunkt. Machen Sie nicht denselben Fehler!

Feste Inhalte wie die Autoreninfo, Bücherliste und Kontaktmöglichkeiten gehören auf statische Seiten innerhalb Ihres Webauftritts. Und natürlich ein rechtsgültiges Impressum sowie eine Datenschutzerklärung! Die laufenden Neuigkeiten veröffentlichen Sie als Blogartikel. Diese Artikel sollten Sie nach Themen kategorisieren und nach Schlüsselwörtern verschlagworten. Das hilft den Suchmaschinen, das Ganze noch besser zu verstehen, und ermöglicht es, innerhalb Ihres Blogs auch über die zeitliche Reihenfolge hinaus nach eben diesen Themen oder Schlüsselwörtern zu navigieren. Sie können also in einem Blog wie zum Beispiel in einer Excel-Tabelle sowohl chronologisch als auch thematisch filtern.

Für Ihr Blog kann ein Redaktionsplan hilfreich sein, in dem Sie notieren, wann Sie welche Themen wie ansprechen wollen. Im Blog können Sie die LeserInnen am Schreibprozess teilhaben lassen, Termine wie Lesungen oder die Festlegung eines neuen Covers dokumentieren, die Veröffentlichung eines neuen Buchs feiern, Leserfragen sammeln und beantworten ... Würzen Sie die Texte mit Fotos, Videos oder Podcasts und ermöglichen Sie den LeserInnen bereits hier den Dialog mit Ihnen via Kommentarfunktion.

3. Auswahl der passenden Social-Media-Plattformen

Wenn die Website mit Blog als Basis steht, können Sie Ihre digitale Kommunikation in Richtung Social Media ausweiten. Dabei müssen Sie nicht überall präsent sein. Es ist okay, wenn Sie sich zunächst nur über die Alerts (Meldungen) von www.talkwalker.com/de/alerts/ auf dem Laufenden darüber halten, was in Blogs und Co. über Sie und Ihre Bücher gesagt wird.

Mit Werkzeugen wie www.social-searcher.com können Sie ebenfalls schon vor Ihrem Start ins Social Web nachsehen, in welchen Social Media über Sie gesprochen wird. Das hilft Ihnen dabei, die richtigen Plattformen auszusuchen. Bedenken Sie dabei immer, dass es im Social Web um Menschen und Gespräche geht, nicht um Einwegmarketing! Wenn Sie keinen Dialog führen wollen, sollten Sie Social Media bleiben lassen und können nur zusehen, was über Sie geredet wird. Um sich aber in die Gespräche einbringen zu können, müssen Sie dort selbst präsent sein.

Auf Ihren eigenen Social-Media-Präsenzen können Sie Ihre Blogbeiträge weitersagen, mit Ihren LeserInnen ins Gespräch kommen und mit KollegInnen netzwerken. Nehmen Sie sich dabei nicht zu viel auf einmal vor! Fangen Sie lieber nur mit ein oder zwei Plattformen an und fügen erst dann weitere hinzu, wenn die Nutzung der bestehenden Präsenzen alltäglich für Sie geworden ist und Sie noch genug Ressourcen übrig haben, um mehr zu stemmen.

Facebook ist der Platzhirsch

Ungeschlagen in Sachen Verbreitung, auch als Trafficlieferant für die eigene Website, ist Facebook. Der blaue Riese bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten für AutorInnen, die allein schon Bücher füllen könnten. Wichtig ist, dass Sie die Inhalte Ihrer Website richtig auf das Weitersagen (Sharing) in Facebook vorbereiten (das funktioniert dann auch bei den anderen Plattformen) und dass Sie sich gemäß den Richtlinien von Facebook verhalten. Wer das nicht tut, wird schnell gesperrt.

Als AutorIn haben Sie folgende Möglichkeiten, auf Facebook präsent zu sein:

  1. Persönliches Profil – so ein Profil ist fester Bestandteil jedes Kontos und repräsentiert Sie als Mensch. Sie dürfen daher kein Pseudonym verwenden, sondern müssen sich mit Klarnamen registrieren. Ihr Profil ist quasi Ihre Privatwohnung. Deren Inhalte können Sie nur für bis zu 5000 Freunde (und damit sind Personen gemeint, die Sie wirklich kennen) zugänglich machen oder Sie schalten zusätzlich „Abonnieren“ frei, um auch anderen das einseitige Folgen Ihrer öffentlichen Beiträge zu ermöglichen.
  2. Offizielle Seite – als Repräsentanz Ihres AutorInnendaseins erstellen Sie anschließend im selben Konto eine Seite. Die darf dann auch Ihren Künstlernamen als Titel tragen, sofern Sie einen haben. Seiten sind grundsätzlich öffentlich und das inner- und außerhalb von Facebook. Mit Ihren Beiträgen auf der Seite befüttern Sie den Nachrichtenstrom Ihrer Fans, sagen eigene Beiträge und empfehlenswerte von anderen weiter und stehen im Dialog mit Ihren LeserInnen.

Twitter für schnelle Infos

J. K. Rowling zeigt, wie man als Autorin Twitter vorbildlich nutzen kann. Dort beantwortet sie Fragen der LeserInnen und kündigt Neues an. Twitter ist also einerseits Newsticker, andererseits ein Dialoginstrument. Da Sie je Beitrag in Twitter nur 140 Zeichen zur Verfügung haben, müssen Sie hier in der Lage sein, sich auf den Punkt kurz zu fassen.

Google+ nicht nur für SEO

Wie der Name schon sagt, ist Google+ eng mit der Suchmaschine Google verknüpft. Die Nutzerschaft ist hier etwas spezieller als in anderen Netzwerken. Das sollte vor allem AutorInnen von Sachbüchern oder denen, die viel mit Fotos arbeiten, zugutekommen. Wie bei Facebook werden auch hier persönliche Profile und Seiten unterschieden. Wer sich mit anderen vernetzen möchte, kann ihnen folgen, indem er sie einem Kreis zuordnet. Diese Kreise sind individuell verwendbar und können so auch zur gezielten Ansprache bestimmter Personengruppen verwendet werden.

Bilder sagen mehr als Worte

Wer gern mit Fotos arbeitet, dem sei Instagram ans Herz gelegt. Die rein mobile Foto-App, die zu Facebook gehört, spricht vor allem jüngere Menschen an. Über die hier veröffentlichten Bilder können Sie die LeserInnen einen Blick hinter die Kulissen werfen lassen, Fotos von Lesungen posten, neue Buchcover präsentieren und so weiter. Instagram lässt sich außerdem wunderbar mit Ihrer Facebook-Seite koppeln.

Aber auch direkt in Facebook, Twitter oder Google+ können Bilder gepostet werden. Facebook und Google+ erlauben außerdem das Anlegen von Alben.

Video killed the photo star

Noch besser, weil noch persönlicher als Fotos, sind Videos. Die Autorin Bettina Belitz zeigt mit ihrem YouTube-Kanal sehr schön, wie mit einfachen Mitteln eine Leserbindung erreicht werden kann. Dort erzählt sie nicht nur von der Entstehung ihrer Bücher und sonstigen Erlebnissen, sondern beantwortet auch Fragen und sagt Fanvideos weiter. YouTube gehört zu Google; Sie könnten Ihren Kanal also mit Ihrer Google+-Seite verknüpfen.

Neben YouTube erlaubt Facebook das direkte Hochladen von Videos. Alternativ können Sie Vimeo nutzen. Bei Instagram wiederum können Videos bis zu 15 Sekunden Länge veröffentlicht werden.

Podcast als eigenes Radio

Wem Bilder, ob nun als Foto oder Video, nicht liegen, der kann auch podcasten. Inzwischen hat ja jedes Smartphone eine Diktierfunktion, über die Sie MP3-Dateien aufnehmen und dann via App auf Dienste wie SoundCloud hochladen können. Dort lassen sich diese Podcasts direkt abonnieren. Idealerweise binden Sie sie aber jeweils in einen Blogartikel ein und sagen sie auch über Ihre sonstigen Social-Media-Präsenzen weiter.

Und vieles mehr

Mit all diesen Möglichkeiten ist es noch lange nicht getan. Sie können Ihren Kommunikationsmix auf Wunsch auch ergänzen durch:

  • Bookmarking* fürs Strukturieren, Wiederfinden und Archivieren, wie zum Beispiel delicious.com,
  • Aggregatoren fürs Zusammenfassen, also Dienste, die die Beiträge aus verschiedenen Plattformen in einem einzigen Nachrichtenstrom sammeln (etwa rebelmouse.com),
  • Apps für die rein mobile Nutzung ...

* Bookmarks sind Links, die man sich merken und eventuell mit anderen teilen möchte. Diese werden entweder privat oder öffentlich sichtbar abgelegt und verschlagwortet.

4. Vernetzung und Netzwerken

Für welche Social-Media-Dienste auch immer Sie sich entscheiden: Vergessen Sie nicht, diese vernünftig mit Ihrer Website/Ihrem Blog zu vernetzen. Machen Sie jede Ihrer Präsenzen leicht auffindbar, erleichtern Sie das Sharing. Vernetzen Sie die Social-Media-Präsenzen, dort wo es möglich ist, auch untereinander (etwa Verknüpfung von Instagram und Facebook oder Google+ und YouTube). Wenn Sie selbst etwas von anderen empfehlen, verlinken Sie, wenn möglich, die Präsenz des Absenders im betreffenden Netzwerk.

5. Wiedererkennbarkeit

Sorgen Sie dafür, dass man Ihre Präsenzen auch optisch und namentlich einander zuordnen kann. Verwenden Sie also nach Möglichkeit überall denselben Namen, dasselbe Profil- und Titelbild. Damit helfen Sie den LeserInnen, Sie überall wiederzuerkennen.

6. Zeitmanagement

Wie gesagt: Sie müssen nichts von all dem machen, aber Sie können viel damit machen, wenn Sie es denn nutzen. Durch welche Social Media Sie Ihre Website und die üblichen Kommunikationswege dann ergänzen, können Sie sich gemäß den eigenen Vorlieben und natürlich denen Ihrer LeserInnen aussuchen.

Verzagen Sie nicht, wenn das am Anfang schleppend läuft. Wie bei allem, was man neu erlernt, dauert zu Beginn alles ein bisschen länger, bis es in Fleisch und Blut übergeht. Deshalb lieber schrittweise vorgehen und nicht alles auf einmal umsetzen wollen.

Werkzeuge wie Buffer (https://bufferapp.com/) oder Hootsuite (https://hootsuite.com/) helfen beim Vorausplanen von Beiträgen, sollten aber nicht dazu genutzt werden, das Ganze zum Einwegkanal verkümmern zu lassen. Das Gespräch mit anderen sollte immer im Vordergrund dessen stehen, was Sie online tun.

Da es inzwischen für alles eine App gibt, können Sie einiges auch rein mobil über Ihr Smartphone regeln: etwas posten oder schnell auf Fanbeiträge reagieren zum Beispiel.

Und nun?

Die Frage ist heute nicht mehr, ob Sie sich online einbringen, sondern auf welche Weise Sie es tun. Letztendlich geht es dabei nur um weitere Kanäle, über die Sie eine Bindung Ihrer Leserschaft zu sich selbst als Marke aufbauen können. Bei diesem Vorhaben ist es wichtig, dass Sie immer Ihre LeserInnen im Blick haben: Ist das, was Sie veröffentlichen, für diese wirklich relevant? Ist es geeignet, einen Dialog in Gang zu bringen? – Die Regeln der Kommunikation sind dieselben wie eh und je, was sich fortwährend verändert, sind die technischen Möglichkeiten, mit denen unsere Kommunikation umgesetzt werden kann.

Annette Schwindt: www.schwindt-pr.com

➢    Facebook sinnvoll nutzen: www.schwindt-pr.com/2013/05/04/facebook-autoren
➢    Website und Social Media richtig vernetzen (kostenloser Download): www.schwindt-pr.com/download/

 

In FEDERWELT, Heft 111, April/Mai 2015

 

SIE MÖCHTEN DAS GANZE HEFT LESEN?

Dieser Artikel steht in der Federwelt, Heftnr. 111, April 2015: /magazin/federwelt/archiv/federwelt-22015
Sie möchten diese Ausgabe erwerben und unsere Arbeit damit unterstützen?

PRINT
Diese FEDERWELT ist als Print-Ausgabe leider ausverkauft und daher nicht mehr lieferbar.
Bitte weichen Sie auf das PDF aus.

PDF
Download als PDF zum Preis von 4,99 Euro bei:

Oder in vielen anderen E-Book-Shops.
Suchen Sie einfach mit der ISBN: 9783932522611