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Steuerrecht für Selfpublisher #3 Halbzeit

der selfpublisher
Annette Warsönke
Ausschnitt eines Formulars zur Einkommenssteuererklärung

Das Jahr 2020 ist schon zur Hälfte vorbei – Zeit für eine Halbzeitbilanz in Sachen Steuern. „Ne, bitte jetzt keinen Papierkram!“, werden viele von Ihnen jetzt aufstöhnen. „Das mache ich immer erst kurz vor knapp.“ Glauben Sie mir, niemand kann das besser nachvollziehen als ich. Aber wenn Sie jetzt über Ihren Schatten springen und ein paar Tipps beherzigen, dann erleichtern Sie sich zukünftig einiges an Arbeit – und sparen möglicherweise sogar Steuern. Und dafür lohnt sich doch etwas Papierkram allemal. 

Belege vom 1. Halbjahr sortieren

Wer nicht sowieso monatlich oder quartalsweise seine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben muss oder dies von seinem Buchhalter oder seiner Steuerberaterin erledigen lässt, kennt das Problem zum Jahresende: Die Belege des Jahres türmen sich bestenfalls in einem Schuhkarton, schlimmstenfalls in der ganzen Wohnung verteilt. Wie schön wäre es doch, sich diesen Stress um die Feiertage ersparen und entspannt ins neue Jahr starten zu können?
Nichts einfacher als das! Nehmen Sie sich jetzt zur Jahresmitte ein paar Stündchen die Zeit, Ihre Unterlagen für die Steuer zu sortieren. Dies geht – noch ein Vorteil gegenüber dem Winter – auch draußen auf dem Balkon oder im Garten. 
Beim Sortieren gibt es – je nach Präferenzen – unterschiedliche Methoden:

Betriebliche Belege aus Ihrer Selfpublishing-Tätigkeit

  • Einfache Datums-Methode: Sie sortieren alle Belege Ihrer Selfpublishing-Tätigkeit der Reihe nach, und zwar nach Datum. Diese Methode ist allerdings nur dann zu empfehlen, wenn Sie nur sehr wenige Belege haben. 
  • Einfache Einnahmen-Ausgaben-Methode: Sie heften die Belege für Einnahmen und Ausgaben getrennt in jeweils einem Ordner ab, am besten chronologisch. 
  • Verfeinerte Einnahmen-Ausgaben Methode: Sie sortieren Belege für Einnahmen und Ausgaben nach Arten: also Einnahmen aus Buchverkäufen, Lesungen, Stipendien et cetera und Ausgaben für Büro, Reisekosten et cetera. Dies lässt sich beliebig verfeinern.
  • Kasse-Bank-Methode: Die Kassenbelege sortieren Sie nach Datum, die Belege, die Sie durch Überweisung oder Kreditkarten gezahlt haben, ordnen Sie den jeweiligen Kontoauszügen zu. Dies hat den Vorteil, dass Sie dabei prüfen können, ob es mit den abgebuchten oder überwiesenen Beträgen seine Richtigkeit hat.

Die Methoden lassen sich natürlich beliebig kombinieren. Passen Sie sie an Ihre persönlichen Vorlieben und Notwendigkeiten an.

Belege aus anderen Tätigkeiten und private Belege

Wenn Sie schon am Sortieren sind, sollten Sie auch gleich Ihre anderen Belege ordnen. Darunter fällt alles, was keine Betriebseinnahmen oder -ausgaben aus Ihrer Selfpublishing-Tätigkeit sind, also zum Beispiel Arbeitslohn, Vorsorgeaufwendungen (Krankenkasse, Altersvorsorge etc.), Krankheitskosten und so weiter. 

Halbjahresberechnung für das 1. Halbjahr aufstellen

Wenn Sie dann die Belege sortiert haben, ist es nur noch ein kleiner Schritt zur Halbjahresberechnung. Hier können Sie nicht nur wertvolle Vorarbeit für Ihre Jahresbuchhaltung leisten (50 Prozent haben Sie dann bereits erledigt!), sondern Sie wissen dann auch schon, wo Sie gerade stehen. 

Halbjahresabrechnung Ihrer Selfpublishing-Tätigkeit

Auch hier gibt es wieder unterschiedliche Methoden:

  • Wenn Sie nur eine grobe Übersicht haben wollen, reicht es, betriebliche Einnahmen und Ausgaben jeweils zusammenzurechnen und dann die Einnahmen von den Ausgaben abzuziehen. 
  • Wenn Sie jedoch schon für die Jahresbuchhaltung genauer vorarbeiten wollen, lohnt es sich, die Einnahmen und Ausgaben nach Arten zu sortieren (siehe oben) und die einzelnen Posten zu erfassen. 
  • In beiden Fällen gilt jedoch: Wenn Sie sich für Ihre Selfpublishing-Tätigkeit etwas angeschafft haben, das über 800 Euro netto gekostet hat – zum Beispiel einen Computer –, dann dürfen Sie ihn für die Steuer in dem Jahr, in dem Sie ihn gekauft haben, nicht vollständig ansetzen; vielmehr müssen Sie den Betrag über die „Nutzungsdauer“ verteilen. Bei einem Computer sind das drei Jahre, sodass Sie für Ihren Computer, der 900 Euro netto gekostet hat, für das Jahr 2020 nur 300 Euro ansetzen können.

Übrige Halbjahresabrechnung

Daneben können Sie auch noch eine Aufstellung für Ihre anderen Tätigkeiten und Ihre privaten Einnahmen und Ausgaben erstellen.

Planung für das 2. Halbjahr

Steuerliche Planung Selfpublishing-Tätigkeit

Nach dieser überschlägigen Aufstellung haben Sie nun schon einen groben Überblick darüber, was Sie mit Ihrer Selfpublishing-Tätigkeit erwirtschaftet haben.
Doch für eine solide Planung sollten Sie weitere Punkte miteinbeziehen: 

  • Welche Geldeingänge für das 2. Halbjahr stehen bereits jetzt fest? 
  • Welche Fixkosten (Büromiete, Telefon-/Internetbasisbetrag, Beiträge zu Autorenverbänden etc.) oder sonstige Ausgaben fallen im 2. Halbjahr an?

Jetzt wissen Sie für Ihre steuerliche Planung: 

  • Haben Sie einen satten Überschuss erzielt, sodass Sie sich weitere Ausgaben leisten können?
  • Oder sollten Sie lieber sparsamer wirtschaften und geplante Ausgaben ins nächste Jahr verschieben? 

Dies ist insbesondere auch dann wichtig, wenn Ihre Selfpublishing-Tätigkeit sich noch in der Verlustzone befindet und das Finanzamt droht, Ihre Verluste nicht (mehr) anzuerkennen. (Siehe meinen Artikel in der Federwelt, Heft 128, Februar 2018: „Liebhaberei im Steuerrecht: Was ist eigentlich Liebhaberei und wie vermeide ich die?“)

Gesamte finanzielle Situation

Um Ihre finanzielle Situation im Ganzen richtig einschätzen zu können, müssen Sie noch weitere Faktoren berücksichtigen, beispielsweise:

  • die Beträge, die Sie im Rahmen Ihrer Selfpublishing-Tätigkeit 2020 steuerlich nicht voll ansetzen können, 2020 aber voll gezahlt haben (wie die restlichen 600 Euro für Ihren Computer);
  • Ihre Einnahmen und Ausgaben aus anderen Tätigkeiten;
  • Ihre privaten Geldzuflüsse (Unterhaltsleistungen, Kindergeld etc.) und Ausgaben (Lebenshaltungskosten, privater Urlaub, Vorsorgeausgaben, Krankheitskosten etc.).

Nur so haben Sie den vollen Überblick über Ihre Finanzen. Denn Ihre Selfpublishing-Tätigkeit und deren steuerliche Auswirkungen sind nur ein Puzzleteil Ihrer Finanzlage: Am wichtigsten ist, dass Sie insgesamt Ihren Lebensunterhalt bestreiten und Ihre Bedürfnisse befriedigen können.

Über die Autorin: Annette Warsönke kennt beide Seiten – die des Steuerrechts und die der Autorinnen und Autoren. Sie war viele Jahre als Rechtsanwältin tätig und hat schon mehrere Bücher zum Steuerrecht veröffentlicht. 2016 erschien „Der Autor und das liebe Geld – Steuerratgeber für Autoren“. Außerdem ist sie Freie Lektorin (ADM) und Dozentin sowie Autorin eines Kriminalromans. Ihr Ziel ist es, Autorenkolleginnen und -kollegen die Scheu vor dem Steuerrecht zu nehmen. Denn nicht nur für Kurzgeschichten und Romane, auch für den Umgang mit der Steuer gibt es Rezepte.

Autorin: Annette Warsönke | www.autorensteuerratgeber.de | [email protected]
Weiterlesen in: der selfpublisher, Heftnr. 18, Juni 2020
Blogbild: Andreas Lischka auf Pixabay

 

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Dieser Artikel steht in der selfpublisher, Heftnr. 18, Juni 2020: /magazin/der-selfpublisher/archiv/der-selfpublisher-22020
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