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Schreibsoftware im Test: Scribus

der selfpublisher
Anke Lange

Scribus – eine Alternative?

Wer Printmaterial wie Werbeflyer, Anzeigen, Leseproben, Broschüren oder gar Bücher, Zeitschriften und Kataloge gestalten möchte, benötigt ein Desktop-Publishing-Programm. Marktführer ist das Programm InDesign von Adobe. Ebenfalls sehr komplex und renommiert ist QuarkXPress. Nachteil dieser beiden DTP-Profi-Programme: Sie kosten relativ viel Geld. InDesign erhalten Sie als Monatsabonnement in der Creative Cloud für 35,69 Euro, QuarkXPress als aktuelles PC/Mac-Installationspaket für 999 Euro.

Scribus gehört zur Familie der OpenSource-Programme und ist kostenlos erhältlich. Das ist prima, besonders wenn Sie einfach mal ausprobieren möchten, ob Ihnen die Arbeit mit einem DTP-Programm – also das Layouten und Gestalten von Texten und Bildern – liegt. Scribus ist für Betriebssysteme wie Linux, OS X oder Windows und in 44 Sprachen und Sprachvarianten verfügbar, sodass es bestimmt auch für Sie eine passende Variante gibt.

Vielleicht fragen Sie sich nun: „Wozu brauche ich ein Desktop-Publishing-Programm? Ich habe doch Word?“

Mit einem Textverarbeitungsprogramm wie Microsoft Word können Sie Texte schreiben, bearbeiten, auf einfache Weise formatieren und so für den Satz vorbereiten. Ein DTP-Programm – auch Satzprogramm genannt – dient dazu, die Inhalte eines Dokuments ansprechend anzuordnen. Texte und Grafiken werden dafür in Rahmen geladen, die Sie mithilfe von Hilfslinien und Rastern auf einer Seite anordnen.

Bei kleinen Projekten mit wenig Text – etwa bei einer Werbepostkarte – können Sie den Text direkt in den Textrahmen des Satzprogramms schreiben. Bei umfangreicheren Dokumenten wie Büchern und Magazinen ist es effizienter, den Text in einem Textverarbeitungsprogramm zu verfassen und erst dann in den Textrahmen des Satzprogramms zu laden.

Möchten Sie es einmal mit einem DTP-Programm versuchen, sollten Sie bereit sein, sich Grundwissen in Sachen Typografie anzueignen. Einen Artikel zum Einstieg finden Sie in der letzten Ausgabe des selfpublishers (Jaroslaw Piwowarski: „Buchsatz für Selfpublisher“, Heft 2, Juni 2016, Seite 30–39).

Jedes Programm benötigt eine gewisse Einarbeitungszeit. Ein DTP-Programm ist vom Aufbau anders zu bedienen als ein Textverarbeitungsprogramm. Und je umfangreicher ein Programm ist, desto mehr gibt es zu lernen und auszuprobieren. Scribus ist unter den DTP-Programmen eher ein kleines und im Vergleich zu InDesign und QuarkXPress überschaubar. Sind Sie vertraut mit Ihrem Computer und haben gute Kenntnisse in Textverarbeitung, sollten Sie keine Probleme haben, sich relativ zügig in Scribus einzuarbeiten. Möchten Sie ein Dokument mit vielen Bildern gestalten, ist es vorteilhaft, Kenntnisse in der Bildbearbeitung mitzubringen.

Scribus können Sie kostenlos von der Projektseite herunterladen und auf Ihrem Computer installieren (www.scribus.net/downloads/stable-branch/). Hilfe zur Arbeit mit Scribus – darunter kostenlose Tutorien – finden Sie im Internet auf www.scribus-user.de. Auch über die Mailingliste des Scribus-Projektes ([email protected]) erhalten Sie schnell kompetente Hilfe.

Scribus kann als OpenSource-Programm am besten mit Dateien umgehen, die von anderen freien Programmen erstellt wurden, da diese keine Barrieren aufweisen. So kann Scribus Absatzformatierungen aus Formatvorlagen von LibreOffice und OpenOffice im Format odt importieren. Word-Dokumente (bis Word 2003) können von Scribus geladen werden, jedoch werden keine Formatierungen erkannt. Mein Tipp: Speichern Sie Ihre Word-Dokumente als Textdatei im txt-Format ab. Auch Texte aus Dokumenten in den Formaten html, htm, csv und pdb können von Scribus geladen werden.

Sicher möchten Sie auch Grafikdateien wie Fotos, Logos oder Strichzeichnungen verwenden. Sie können in Scribus alle gängigen Bildformate importieren: jpg, bmp, tiff, png, gif, Photoshop-Dateien im Format psd. Aber auch Vektorgrafiken in den Formaten eps (für Großdrucke auf LKW-Planen) und svg (für Firmenlogos) sowie pdf-Dateien lassen sich mit Scribus öffnen und verwenden.

Projektstart

Öffnen Sie Scribus das erste Mal, werden Sie aufgefordert, die Abmessungen und Eigenschaften des Dokumentes zu definieren. Ein Flyer zum Beispiel wird am einfachsten einseitig im A4-Format angelegt. Für eine Broschüre oder ein Buch benötigen Sie hingegen eine Doppelseite, also eine linke und eine rechte Seite.

Legen Sie zu Beginn außerdem die Seitenränder und den Anschnitt fest. Der Anschnitt ist eine (Beschnitt-)Zugabe von zumeist 2–5 Millimetern; die Druckerei benötigt diese zusätzlichen Millimeter, die über das Endformat hinausreichen, um Ungenauigkeiten beim Schneiden des Druckbogens auszugleichen. Auf der Internetseite Ihrer Druckerei finden Sie Angaben zur Mindestbreite der Seitenränder und zum Anschnitt.

Praktisch ist es auch, gleich am Anfang die Maßeinheit der Abmessungen einzustellen, mit denen Sie arbeiten möchten. Verwenden Sie viele Grafiken in Ihrem Dokument, ist es sinnvoll mit Millimetern (mm) zu arbeiten, bei viel Text mit der Maßeinheit für die Punktgröße (pt). Klicken Sie auf OK, um das Dokument zu generieren.

Dokumenteneigenschaften

Über den Menüpunkt „Datei“ gelangen Sie zu „Dokument einrichten“. Dort finden Sie weitere Funktionen und Einstellungen wie den Bereich „Hilfslinien“. In den Einstellungen für Hilfslinien definieren Sie die Höhe des Grundlinienrasters.

Das Grundlinienraster ist wie eine Art Linie im Schreibheft. Es beschreibt die Zeilenhöhe des Textes. Die Zeilenhöhe in Texten sollte mindestens 120 Prozent der Schriftgröße der Hauptschriftart betragen. Nur so kann der Leser den Text angenehm erfassen, weil die Schrift genügend Raum hat.

Mit der Verwendung des Grundlinienrasters erreichen Sie zudem, dass Ihr Dokument registerhaltig gestaltet werden kann. Registerhaltigkeit bedeutet, dass der Text und andere Gestaltungselemente sich bei zweiseitigen Dokumenten auf der linken und rechten Seite genau gegenüberliegen und sich auf der Vorder- und Rückseite überdecken.

Die Registerhaltigkeit entstand in den Ursprüngen des Buchsatzes und findet auch heute noch Anwendung bei allen Drucksachen, in denen mit viel Text gearbeitet wird. Bei der Gestaltung eines grafiklastigen Flyers ist die Registerhaltigkeit eher nebensächlich.

Eine weitere wichtige Rubrik in den Einstellungen ist das Farbmanagement.

Farbmanagement

Das Farbmanagement dient dazu, Farben in unterschiedliche Farbräume umzuwandeln. In der Regel werden alle Grafiken, die Sie auf einem Monitor sehen, also einem selbstleuchtenden System, im RGB-Farbraum dargestellt (RGB = Rot, Grün, Blau). Geräte, die ein Bild mit Hilfe von Licht erzeugen, wie Beamer, Kameras oder Scanner, verwenden den RGB-Modus.

Beim Druck auf Papier steht kein Licht zur Verfügung. Alles, was auf Papier ausgegeben wird, wird aus den CMYK-Farben (Cyan, Magenta, Yellow, Schwarz) gemischt.

Täglich wandeln wir diese beiden Farbräume ineinander um: beim Ausdrucken eines Bildes von RGB in CMYK, beim Einscannen unserer Fotos von CMYK in RGB. Damit das reibungslos und mit nur wenigen Verlusten funktioniert, benötigen die Geräte eine Farbtabelle, in der die Farben genau definiert sind. Diese Farbtabellen nennt man auch Farbprofile. Sind die Farbprofile im Scanner (Eingabegerät) und im Drucker (Ausgabegerät) hinterlegt, können die Geräte die Farben entsprechend umrechnen, sodass Druck- beziehungsweise Scan-Ergebnis einander in etwa entsprechen. Zu einer hundertprozentigen Farbtreue zwischen der Ein- und Ausgabe eines Bildes kann es allerdings niemals kommen, da das Licht wesentlich mehr Farben und Farbabstufungen erzeugen kann, als es auf dem Blatt Papier durch die Mischung der Farben möglich ist. Aus diesem Grund wirken gedruckte Fotos häufig nicht so leuchtend wie das Original am Monitor, und es gibt leichte Farbabweichungen.

Für Druckmedien geben die Druckereien in der Regel ein CMYK-Profil vor. Welches Profil sich am besten eignet, hängt auch von der Papiersorte ab. Der Kundenservice jeder Druckerei gibt Ihnen die notwendige Auskunft. Aktuelle Farbprofile stellt die European Color Initiative (ECI) kostenlos auf ihrer Internetseite www.eci.org/de/downloads zur Verfügung.

Mit einem Doppelklick installieren Sie das Profil auf Ihren Computer. Anschließend können Sie es im Farbmanagement von Scribus einstellen. Als Eingabeprofil wird in der Regel das sRGB-Profil verwendet. Wählen Sie als Ausgabeprofil das von Ihnen installierte CMYK-Profil.

Um böse Überraschungen zu vermeiden, empfehle ich Ihnen, vor dem Druck einen Proof, das heißt einen Probedruck, von der Druckerei anzufordern. Das kostet ein bisschen extra, gibt Ihnen aber die Sicherheit, dass Ihr Dokument später so aussieht, wie Sie es sich wünschen.

Rahmen einfügen und ausrichten

Um nun Inhalte in Ihr Dokument hinzuzufügen, fügen Sie zunächst Rahmen für Ihre Texte und Bilder ein. In der Symbolleiste finden Sie entsprechende Icons; alternativ klicken Sie im Menü auf „Einfügen“ und wählen dort den entsprechenden Rahmen aus. Mit gedrückter Maustaste ziehen Sie anschließend einen Rahmen auf.

Um die genaue Position und Größe eines Rahmens definieren zu können, benötigen Sie das Fenster „Eigenschaften“. Dieses Fenster ist das zentrale Einstellungstool im gesamten Programm und sollte während der Arbeit nicht geschlossen werden. Öffnen Sie es über „Fenster“ > „Eigenschaften“ oder mit der Funktionstaste F2.

Das Fenster ist in mehrere Register aufgeteilt, wovon das Register „Text“ weiter unterteilt ist. Über das Register „XYZ“ legen Sie die exakte Größe und Position eines Rahmens im Dokument fest. Jeder Rahmen wird automatisch eindeutig benannt.

Im Register „Form“ können Sie überlappende Rahmen aufeinander wirken lassen. Im Register „Text“ finden Sie Einstellungen, um Texte zu formatieren und Stile anzuwenden. Besondere Linienformatierungen stellen Sie über das Register „Linien“ ein, und im Register „Farben“ definieren Sie die Hintergrundfarbe des Rahmens und die Farbe der Umrandung des Rahmens.

Musterseiten

In Musterseiten legen Sie alle Inhalte des Dokuments fest, die generell auf jeder Seite erscheinen sollen. Möchten Sie eine Broschüre gestalten, benötigen Sie eine Titelseite, eine rechte Seite und eine linke Seite. Die Seiten unterscheiden sich in der Regel durch die Breite der Seitenränder und die Platzierung der Seitenzahl. Meistens werden die linke Seite und die rechte Seite eines Dokuments spiegelverkehrt angelegt. Um dies nicht ständig und für jede Seite erneut machen zu müssen, legen Sie Musterseiten an, die Sie im Dokument zuweisen können.

Musterseiten finden Sie im Menü unter „Bearbeiten“ und dort unter „Musterseiten“. Um die Musterseiten zuzuweisen, wählen Sie im Menü „Seite“ und dort „Musterseite anwenden“. Möchten Sie Ihrem Dokument weitere Seiten hinzufügen, gehen Sie im Menü zu „Seite“ und dann zu „Einfügen“. Im Assistenten legen Sie fest, wie viele Seiten Sie an welcher Stelle im Dokument mit welchen Musterseiten einstellen möchten.

Bibliotheken

Auf Musterseiten legen Sie unveränderliche Inhalte fest, in den Bibliotheken veränderliche. Möchten Sie zum Beispiel ein Seitenlayout mit zwei Textrahmen und einem Bildrahmen auf mehreren Seiten verwenden, gestalten Sie diese Anordnung einmalig in Scribus. Markieren Sie alle Elemente und speichern Sie per Rechtsklick in die Bibliothek.

Auf einer neuen Seite rufen Sie die Bibliothek über Menüpunkt „Fenster“ > „Bibliothek“ auf und fügen die Anordnung per Rechtsklick ein. Die Rahmengruppe erscheint an exakt der gleichen Stelle auf der neuen Seite. Anschließend können Sie die Rahmen individuell mit Inhalt füllen. Auf diese Weise speichern Sie nicht nur Rahmengruppierungen, sondern auch häufig wiederkehrende Grafiken.

Texte erstellen und gestalten

Scribus bietet Ihnen verschiedene Möglichkeiten, Text hinzuzufügen. Sie können ihn aus einem externen Dokument laden oder direkt in den Textrahmen schreiben.

Texteingabe: Texte fügen Sie direkt in das Textfeld ein, indem Sie doppelt in das entsprechende Textfeld klicken. Sobald der Cursor blinkt, schreiben Sie Ihren Text.

Eine weitere Möglichkeit, einen Text in ein Textfeld direkt einzufügen, bietet der Texteditor. Klicken Sie den entsprechenden Textrahmen an. Wählen Sie im Menü „Bearbeiten“ und dort „Text bearbeiten“ oder das Symbol in der Symbolleiste. Der Texteditor bietet weitere Funktionen an, etwa eine Rechtschreibprüfung. Über den grünen Haken bestätigen Sie die Eingabe. Sie können den Text aber auch aus dem Editor heraus in ein Textdokument exportieren. Diese Funktion ist sehr nützlich, wenn Sie den Text getrennt vom Layout noch einmal Korrektur lesen (lassen) möchten.

Textimport: Bei umfangreichen Texten ist es angenehmer, den Text in einem Textverarbeitungsprogramm wie LibreOffice zu verfassen. Sie kennen die Funktionen und fühlen sich wohl damit. So fällt das Schreiben leichter. Speichern Sie das Dokument als Textdatei. In Scribus laden Sie den Text dann ganz einfach per Rechtsklick in den Textrahmen.

Formatvorlagen

Bei umfangreichen Texten erleichtern Sie sich die Arbeit enorm, wenn Sie mit Formatvorlagen arbeiten. Hierzu bietet Scribus einen Vorlagenassistenten an. Sie erreichen ihn im Menü bei „Bearbeiten“ und dort unter „Stile“.

Unter „Standard-Zeichenstil“ legen Sie die Standardschriftart und -größe fest. Klicken Sie auf die Schaltfläche „Anwenden“, um die Formatierung festzulegen. Unter „Standard-Absatzstil“ legen Sie fest, welche Abstände die Absätze generell einhalten sollen. Wählen Sie als Zeilenabstand das Grundlinienraster. Einen Einzug stellen Sie über das darunter liegende Lineal ein.

Legen Sie neue Absatzstile an für jedes abweichende Absatzformat wie Überschriften oder Nummerierungen und Aufzählungen, Einrückungen ... Und stellen Sie weitere Zeichenstile ein, für die Sie den jeweils passenden Schriftschnitt (etwa kursiv oder fett) wählen sollten.

Um eine Formatierung zuzuweisen, öffnen Sie den Eigenschaften-Assistenten mit F2. Im Register „Text“ wählen Sie „Stil verändern“. Dort finden Sie die Auswahllisten für Absatz- und Zeichenstile. Wie in einem Textverarbeitungsprogramm auch müssen Sie zuvor den Textbereich markieren, den Sie formatieren möchten.

Haben Sie Ihren Text in LibreOffice erstellt und arbeiten in diesem Programm bereits mit Formatvorlagen, bietet Scribus Ihnen die Möglichkeit, die Absatzstile zu importieren.

Grafiken

Grafiken laden Sie per Rechtsklick in einen Bildrahmen. Das Bild richten Sie über das Eigenschaften-Fenster – Register „Bild“ im Rahmen aus. Sie können das Bild beispielsweise automatisch am Rahmen anpassen; hierbei füllt das Bild automatisch die Breite des Rahmens aus. Über die Einstellungen „X-dpi aktuell“ und „Y-dpi aktuell“ wird die aktuelle Auflösung des Bildes angezeigt.

Ein Bild sollte immer ungefähr eine Auflösung von 300 dpi besitzen, um auch nach dem Druck noch gut auszusehen. dpi bedeutet dots per inch und beschreibt die Dichte der Farbpunkte. Je dichter die Farbpunkte sind, desto intensiver die Farben und schärfer die Konturen.

Im Bildrahmen werden Fotos über die dpi-Größe skaliert, denn die Größe des Ausgangsbildes bleibt hierbei konstant. Möchten Sie also ein Foto, welches 5 cm breit und 7 cm hoch ist und eine Auflösung von 300 dpi besitzt auf A4-Größe skalieren, besitzt das Bild dann nur noch 72 dpi und wird als Druckergebnis sehr blass und pixelig-verschwommen sein.

Arbeiten Sie mit vielen großen Fotos in einem Dokument, die in Ihrem Dokument relativ klein angezeigt werden und somit eine Auflösung von über 400 dpi besitzen, kann es passieren, dass der Arbeitsspeicher irgendwann nicht mehr mitmacht. Mit einem Rechtsklick zu „Bild bearbeiten“ oder via Menü „Bearbeiten“ > „Bild bearbeiten“ öffnen Sie das Bild direkt in einem Bildbearbeitungsprogramm. Über den Menüpunkt „Datei“ > „Allgemeine Einstellungen“ > „Externe Tools“ stellen Sie eine Verknüpfung zu Ihrem favorisierten Bildbearbeitungsprogramm ein.

Im Register „Bild“ des Eigenschaften-Fensters finden Sie eine kleine unscheinbare Schaltfläche „Bildeffekte“. Dahinter versteckt sich ein Bildbearbeitungsassistent, mit dem Sie das Bild auch in Scribus ein wenig nachbearbeiten können.

Druckvorstufenprüfung

Haben Sie Ihr Dokument fertiggestellt, alle Texte geladen, alle Bilder angeordnet? Dann können Sie das Dokument für den Druck in ein PDF exportieren. Öffnen Sie im Menü bei „Datei“ „Exportieren“ und dort „Als PDF speichern“. Im Hintergrund wird das Dokument nun auf eventuelle Fehler überprüft. Sollte sich ein leerer Textrahmen im Dokument befinden, ein Text nicht in den Textrahmen passen oder ein Bild existieren, das in der Auflösung zu klein ist, öffnet sich ein Assistent, der Ihnen die Fehler zeigt. Haben Sie alles korrekt gemacht, gelangen Sie automatisch in den Exportieren-Assistenten.

Prüfen Sie noch einmal, ob Sie das richtige Farbprofil gewählt haben, ob die PDF-Kompatibilität stimmt, die Ihnen Ihre Druckerei vorgegeben hat (zum Beispiel PDF-X3 oder PDF-X1A) und ob alle Schriften eingebettet sind. Erst dann exportieren Sie das Dokument als PDF. Dieses PDF schicken Sie nun an die Druckerei und lassen es dort noch einmal prüfen. Bei einer mehrseitigen Broschüre würde ich immer einen Probedruck anfordern, um sicherzugehen, dass alles so ist, wie es sein soll, bevor es in den Auflagendruck geht.

Scribus 1.6

2001 erschien die erste wackelige Version des Programms. Zunächst war es kaum mehr als ein Texteditor. Aber im Laufe der Jahre wurden viele Funktionen hinzugefügt, sodass 2004 aus dem kleinen Scribus ein stabiles und leistungsfähiges Satzprogramm wurde. Seit Januar 2016 gibt es Scribus in der Version 1.4.6. Ein neues Scribus 1.6 ist in Arbeit. Auf dem Weg dorthin haben uns die Programmentwickler eine Vorabversion zum Schnuppern und Testen zur Verfügung gestellt. Fertige Installationspakete finden Sie auf www.scribus.net.

Und auf welche Neuerungen dürfen wir uns freuen? Viele Tools wurden überarbeitet und einige Funktionen hinzugefügt. Zum Beispiel wird es ein Schatten-Tool geben, mit dem Sie jedem Rahmen einen Schatten anfügen können. Die Oberfläche wird wesentlich aufgeräumter sein. Die vielen kleinen Fensterchen können in das Programmfenster integriert werden, sodass sie nicht mehr das Dokument verdecken. Und Dateien aus zum Beispiel InDesign können mit Scribus geöffnet werden. Eine umfangreiche Beschreibung der Neuerungen finden Sie im Internet auf www.scribus-user.de.

Was bringt Scribus dem Selfpublisher?

Mit einem DTP-Programm wie Scribus können Sie Ihr Projekt von Anfang bis Ende selbst gestalten, ganz individuell und mit der Druckerei Ihrer Wahl.

Scribus bietet Ihnen die Möglichkeit, die Arbeit mit einem DTP-Programm kennenzulernen, ohne auch nur einen Euro ausgeben zu müssen. Sie können herausfinden, ob Ihnen das Gestalterische liegt und ob es Ihnen Spaß macht, sich peu à peu Wissen aus den Bereichen Typografie, Bildbearbeitung und Druckvorstufe anzueignen.

Wer noch nie mit einem DTP-Programm gearbeitet hat, sollte sich etwas Zeit für die Einarbeitung nehmen. Für Geübte ist Scribus im Vergleich zu InDesign und QuarkXPress überschaubar, doch mehr und mehr mausert es sich zu einer echten Alternative.

Bewertungsübersicht:

Pro

+ kostenlos

+ läuft auf Windows 32 Bit und 64 Bit (2000, XP, Vista, 7, 8, 10), Portable, Mac (ab 10.8.x), Linux, FreeBSD, OpenBSD, NetBSD, Solaris, OpenIndiana

+ Farbmanagement

+ Kompatibilität mit anderen Programmen

+ Nähe zu Programmentwicklern

+ Große Anwendergemeinschaft und Hilfeangebote

+ Vielsprachig verfügbar

Contra

– wenig intuitiv für DTP-Neulinge

– etwas chaotische Oberfläche im Eigenschafteneditor

– lange Entwicklungszeiträume

www.scribus-user.de

Autorin: Anke Lange
In: der selfpublisher, Heft 3, September 2016