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Autorenporträt - Thomas Friess

der selfpublisher
Thomas Friess

Autorenportrait
Pressearbeit wirkt. Dranbleiben. Eine Story haben. – Interview mit dem Autor Thomas Friess

In einen spannenden NSA-Krimi verpackt beschreibt der Autor Thomas Friess, welche fatalen Folgen die unkontrollierte Datensammelwut der Suchmaschinen-Betreiber und der Geheimdienste für den Einzelnen haben kann. Im Zentrum seinesThrillers steht Ertu Keser, ein freier und anerkannter Journalist, der durch seine Recherchen über die NSA in das Fadenkreuz der Geheimdienste gerät. In einem für ihn nicht mehr zu kontrollierenden Strudel aus Manipulationen und Rufschädigungen stürzt er in eine existenz- und lebensbedrohliche Situation.

 

Der Kriminalroman ist das Erstlingswerk von Thomas Friess. In seinem Brotberuf leitet er ein österreichisches Medienunternehmen mit über 500 Mitarbeitern, in dessen Fokus Online-Produkte und mobile Anwendungen stehen. Zutiefst von den vielen Vorteilen überzeugt, die das Internet für die Wirtschaft und die Gesellschaft bereithält, zeigt er in seinem Buch die Schattenseiten, die der technologische Fortschritt für uns alle mit sich bringt. Er schärft damit unser Bewusstsein dafür, dass technologischer Fortschritt immer auch der gesellschaftlichen Wachsamkeit bedarf.

Sie leiten selbst ein Medienhaus. Was hat Sie veranlasst, Ihr Buch nicht einem Verlag anzubieten, sondern selbst zu publizieren?

Als Neuautor sind die Chancen, einen großen, vertriebsstarken Verlag zu finden, selbst bei besten Voraussetzungen sehr gering. Kleinere Verlage haben sich angeboten, kamen aber für mich nicht in Frage, da deren Vertriebs- und Marketingpower sehr begrenzt ist. Letztlich habe ich abgewogen und bin für mich zu dem Ergebnis gekommen, meine Kontakte in die Medienszene zu nutzen und das Buch selbst zu drucken und zu vermarkten. Eine Rolle spielte sicher auch, dass angesichts der Erfahrungen vieler Autoren mit Verlagen – selbst heutige Bestsellerautoren erhielten Ablehnungen oft mehrfach – für mich ein eher chancenarmer Ritt durch die Verlagsszene einfach nicht in Frage kam. Auch bin ich mir bewusst, dass mein Buch – ein anspruchsvoller Krimi – nicht in klassische Genrekategorien passt. Verkürzt gesagt: Krimi = Unterhaltung = nicht viel Tiefgang. In diese engen Denkschemata passt mein Buch einfach nicht hinein.

Ihr Roman behandelt ein brandaktuelles Thema. Was haben Sie unternommen, um das Buch bekannt zu machen?

Als Geschäftsführer einer der größten Datencompanys in Österreich bin ich öfter gefragt als Redner zu Datenschutz und Themen rund um die Digitalisierung. Auf diese Weise habe ich in Österreich eine gewisse Bekanntheit, die mir dann half, mein Buch Zeitungs- und Radioredaktionen vorstellen zu dürfen, die es in aller Regel auch – positiv – besprochen haben.

Sie haben sich sogar einen eigenen Messestand geleistet. Verraten Sie uns, was Sie für Marketing bisher ausgegeben haben?

Der Messestand war nun in der Tat eine etwas abenteuerliche Idee – vor allem bei der Größe von zwölf Quadratmetern. Als Newcomer hat er mir Aufmerksamkeit und Kontakte vor allem zum Buchhandel und zur Presse gebracht. Monetär gelohnt hat er sich aber nicht.

Wie viel mehr haben Sie durch intensives Marketing verkauft? Welche Aktionen waren besonders erfolgreich?

Als Marketing habe ich vor allem Pressearbeit, Lesungen und hier und da Anzeigen in Zeitschriften rund um Buchthemen geschaltet. Durch die Presseartikel erreichte ich einen Pull-Effekt. Obwohl ich als Selbstverleger nicht in den Buchhandlungen auslag, gingen die Käufer dorthin und baten, mein Buch bestellen zu können. Wenn die Buchhändler mit mir Kontakt aufnahmen, bot ich an, bei entsprechender prominenter Platzierung bessere Konditionen zu gewähren – und schickte zum Beweis, dass weitere Kaufinteressenten kommen werden, Kopien der erschienenen Presseartikel mit. Daneben habe ich bewusst Kontakt mit den E-Book-Plattformen aufgenommen und hier ganz konkret um Vorschläge für besseres Marketing für mein E-Book gebeten. Thalia war hier äußerst responsiv und hat mir mehrfach Rabattaktionen zu Zeiten empfohlen, zu denen es aus deren Sicht Sinn ergeben könnte, und ich konnte dadurch erheblich mehr verkaufen. Insgesamt hat sich der Aufwand gelohnt. Das Buch ist sehr erfolgreich. Ich bin deutlich im Plus, selbst unter Berücksichtigung der teuren Messe.

Was empfehlen Sie anderen Selfpublishern für deren Marketing?

Pressearbeit wirkt. Dranbleiben. Eine Story haben, die Interesse beim Redakteur weckt. Und dann ganz viel „über die Dörfer gehen“: also zu Buchhandlungen, beginnend bei denen im Ort des Autors. Bitten, das Buch etwas prominenter testweise auszulegen. Lesungen anbieten.

„Wir dürfen nicht zulassen, dass es wegen der Sammelwut von Suchmaschinen und Geheimdiensten keine Privatsphäre mehr gibt“, heißt es auf Ihrer Homepage www.nsa-krimi.de. Wie halten Sie das, wenn Sie mit Ihrem Buch in die Öffentlichkeit gehen?

Als Autor verliert man natürlich ein Stück seiner Privatsphäre. Gerade als Neuautor muss man ein bisschen etwas von sich preisgeben. Da muss jeder selbst für sich entscheiden, wie weit er gehen möchte. Geheim unter Pseudonym veröffentlichen können nur wenige.

Sie sind ein vielbeschäftigter Mann, leiten ein großes Medienunternehmen. Wie haben Sie es bei Ihrem vollen Stundenplan geschafft, ein Buch zu schreiben und selbst zu vermarkten?

Ich bin der Überzeugung, dass jeder Mensch seine kreative Seite hat und auch Zeit finden sollte, diese zu leben. Egal wie beschäftigt jemand ist, so hat er doch auch immer etwas Freizeit und die Frage ist, wie er diese nutzen möchte. Der eine spielt Golf, der andere entspannt sich vor dem Fernseher. Wieder andere malen, werkeln oder schreiben eben ein Buch. Da es Freude macht, ist es gleichzeitig kein Energieverlust, sondern wirkt positiv.

 

Interview mit Thoman Friess | www.nsa-krimi.de
Geführt von Ingrid Haag | www.ingrid-haag.de
In: der selfpublisher, Heft 1, März 2016