Sie sind hier

Suchformular

VS fordert die Möglichkeit einer Verbandsklage

Branchen-News
Sandra Uschtrin
VS fordert die Möglichkeit einer Verbandsklage

Schriftstellern und Übersetzerinnen geht es wirtschaftlich immer schlechter. Viele hören auf. Daran ist nicht nur Corona schuld. Der Schriftstellerverband fordert eine Stärkung der Rechte von Literatinnen und Literaten und die Möglichkeit einer Verbandsklage ohne Offenlegung der Identität von Betroffenen.

Auch nach einem Jahr Pandemie gibt es keine strukturell funktionierende Absicherung von Schriftstellerinnen und Schriftstellern in Deutschland, und das während die Rechte von Urheber*innen per Gesetzesänderung beschnitten werden sollen. Anlässlich des Welttags des Buchs und Urheberrechts mahnte der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) in ver.di erneut dazu, die Urheberinnen und Urheber des Kulturguts Buch in ihren Rechten und Lebenssituationen zu stärken.

»Bücher sind ein integraler Bestandteil der gesellschaftlichen Meinungsbildung und des gesamtgesellschaftlichen Wandels. Das merken wir in diesen Zeiten besonders, in denen Buchhandlungen nur eingeschränkt öffnen dürfen und die Lesungen und Literaturfestivals nur noch digital stattfinden können«, so Lena Falkenhagen, Bundesvorsitzende des VS.

Viele Urheberinnen oder Urheber geben auf

»Im ersten Pandemiejahr habe ich prognostiziert, dass die Schäden der Corona-Krise die Buchbranche noch mindestens in den nächsten beiden Jahre beeinflussen werden. Diese Vorhersage ist eingetroffen. Viele Urheberinnen oder Urheber geben auf und ziehen sich aus dem selbständigen Schaffen von Literatur zurück«, so Lena Falkenhagen.

Lena Falkenhagen betont: »Die wirtschaftliche Situation von Schriftstellerinnen und Schriftstellern im Kulturland Deutschland ist weiterhin oft prekär. Doch die Coronakrise macht nur sichtbar, was sich seit Jahrzehnten entwickelt: Die Rechte von Urheberinnen und Urhebern werden immer weiter beschnitten.«

Verbandsklage ohne Offenlegung der Identität von Betroffenen ist unverzichtbar

Es müsse sichergestellt werden, dass Schriftstellerinnen und Übersetzer für ihre Arbeit auch wirklich angemessen vergütet werden. Und zwar bevor mit den Regelungen zum neuen Urheberrecht (zum Beispiel im Text- und Data-Mining oder im E-Lending bei Bibliotheken) neue Schranken geschaffen werden, die Schriftsteller und Übersetzerinnen noch weiter schädigen.

Die VS-Bundesvorsitzende: »Wir brauchen jetzt eine Verbesserung des Urhebervertragsrechts, etwa um die Möglichkeit einer Verbandsklage ohne Offenlegung der Identität von Betroffenen zu erhalten. Die Umsetzung der EU-Urheberrechtsrichtlinie in deutsches Recht bietet hier Anlass und Möglichkeiten.«

Bereits Anfang April hatten der Deutsche Journalisten-Verband und die Gewerkschaft ver.di gemeinsam eine Presseerklärung herausgegeben. Darin hieß es, ein Verbandsklagerecht sei unverzichtbar. Hier der Wortlaut:

»Das Verbandsklagerecht muss zwingend als neues Rechtsinstrument in das Urheberrecht aufgenommen werden.
Mit dieser Forderung wenden sich der Deutsche Journalisten-Verband und die Gewerkschaft ver.di gemeinsam an die Abgeordneten des Deutschen Bundestags. Unterstützung erfahren die beiden Gewerkschaften durch das Rechtsgutachten und den konkreten Formulierungsvorschlag der Prozessrechtlerin Prof. Dr. Caroline Meller-Hannich von der Universität Halle-Wittenberg. Sie spricht sich für die Einführung eines Verbandsklagerechts aus, um so die Ansprüche der Urheberinnen und Urheber wirksam durchsetzen zu können. Ihr Gesetzesvorschlag ist dogmatisch und handwerklich ohne großen Aufwand umsetzbar.

"Für unsere freiberuflich tätigen Kolleginnen und Kollegen ist es immer wieder schwierig bis unmöglich, ihre berechtigten Honoraransprüche einzufordern und durchzusetzen", klagt DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall. "Oft ist die erste Honorarnachforderung auch die letzte, weil der Verlag die Zusammenarbeit beendet." Die Kreativen müssten davon entlastet werden, hinter ihren Honoraren herzulaufen und individuelle Rechtsstreitigkeiten auszufechten.

"Das deutsche Urhebervertragsrecht leidet unter einem krassen Durchsetzungsdefizit. Um angemessene Vergütung zur gelebten Regel werden zu lassen, braucht es ein wirksames Mittel wie die vorgeschlagene Verbandsklage", unterstreicht ver.di-Urheberrechtler Valentin Döring die Forderung.
Mit der Urheberrechtsrichtlinie habe die Europäische Union die Position der Kreativen in der digitalen Gesellschaft immens gestärkt, so der DJV-Vorsitzende. Bei der Umsetzung in nationales Recht komme es darauf an, dass die Abgeordneten des Deutschen Bundestags nicht hinter diese Standards zurückfielen.«

Blogbild: Foto: Andraz Lazic auf Unsplash