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Russland zerstört ukrainische Druckerei Faktor Druk

Branchen-News
Sandra Uschtrin
Ukraine Flagge als Hinweis auf Meldung über Ukraine und die Zerstörung der Druckerei Faktor Drug von Russland

Russland hat am 23. Mai 2024 die ukrainische Großdruckerei Faktor Druk zerstört. Sieben Menschen starben, 22 weitere wurden schwer verletzt. Der Börsenverein und der European Writers’ Council meldeten sich zu Wort. Sie bekundeten ihr Beileid und forderten, Russlands Krieg gegen die Ukraine müsse beendet werden.

Russland hat gegen die Stadt Charkiw am 23. Mai 2024 Luftangriffe geflogen und dabei die Druckerei Faktor Druk / Factor Druk zerstört. Nach Angaben des ukrainischen Verlegerverbandes kamen dabei 7 Menschen ums Leben, 22 weitere wurden schwer verletzt. Laut Verbandsberichten wurden die Produktionsstätten einschließlich gedruckter Bücher vollständig zerstört. Darunter waren auch viele Schul- und Lehrbücher für Kinder. Die Factor-Druckerei zählt zu den größten der Ukraine und Europas. Dort werden Bücher des zum selben Konzern gehörenden Vivat-Verlags sowie zahlreicher anderer ukrainischer Verlage gedruckt. Heute, am 30. Mai, beginnt das Internationale Arsenal Book Festival in Kiew. Viele Bücher, die für den Direktverkauf dort gedruckt worden waren, sind nun zerstört.

Börsenverein: »Wir sind bestürzt und entsetzt!«

Peter Kraus vom Cleff, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels: „Der Angriff auf die Factor-Druckerei trifft die ukrainische Buchbranche ins Herz. Wir sind bestürzt und entsetzt! Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind vor allem bei den Verletzten und den Angehörigen der Todesopfer. Seit Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffs Russlands auf die Ukraine kamen laut UN-Angaben bereits über 10.000 ukrainische Zivilist*innen ums Leben. Gezielte Angriffe auf die ukrainische Buchbranche sind perfider Teil der hybriden russischen Kriegsführung. Diese abscheulichen und unmenschlichen Taten müssen aufhören! Wir unterstützen weiterhin unsere ukrainischen Kolleg*innen.“

European Writers’ Council: »Ein feiger Versuch Russlands, eine Kultur, eine Nation und ihre Sprache zu zerstören«

Auch der European Writers’ Council (EWC) meldete sich zu Wort. Der EWC vertritt mehr als 220.000 professionelle Autorinnen und Autoren. Auf der Generalversammlung des EWC am 26. Mai in Helsinki verurteilten mehr als 60 Delegierte und Vorstandsmitglieder aus 19 europäischen Ländern den russischen Angriff auf die Druckerei.

EWC-Präsident Miguel Ángel Serrano: „Wir sind alarmiert und entsetzt über diesen Angriff Russlands, das die ukrainische Buchlandschaft, ihre Stimmen und ihre Sprache auslöschen will. Unsere Gedanken und unser tief empfundenes Beileid sind bei den Verletzten und ihren Angehörigen sowie bei den Familien der Opfer. Putin setzt die Sprache als Waffe ein. Gezielte Angriffe auf den ukrainischen Buchsektor sind ein verabscheuungswürdiger Teil der russischen Kriegsverbrechen, die gegen das Völkerrecht verstoßen. Wir unterstützen weiterhin unsere ukrainischen Kolleginnen und Kollegen und fordern: Diese ungeheuerlichen und unmenschlichen Handlungen Russlands gegen die Ukraine müssen aufhören!“

Und Paula Havaste, EWC-Vorstandsmitglied und Vertreterin der finnischen Gastgeber der EWC-Hauptversammlung, sagte: „Drucker und Arbeiter wurden getötet und schwer verwundet, Bücher wurden verbrannt. Die finnische und europäische Gemeinschaft der Schriftsteller und Übersetzer steht an der Seite ihrer ukrainischen Kollegen und verurteilt den feigen Versuch Russlands, eine Kultur, eine Nation und ihre Sprache zu zerstören. Und auch wenn uns die Worte fehlen, um unsere Bestürzung über Russlands Angriff auf Factor auszudrücken, werden uns niemals die Worte fehlen, um zu fordern: Russlands Krieg gegen die Ukraine muss beendet werden.“

»Unterstützung aus allen Teilen der Welt ist für uns derzeit lebenswichtig!«

Yulia Orlova, Generaldirektorin von Vivat, dem Verlag, der zur gleichen Holding wie Faktor Druk gehört, appellierte an die ukrainische und internationale Buchgemeinschaft, den Familien der verletzten und getöteten Mitarbeiter zu helfen und das ukrainische Verlagswesen zu unterstützen: „Eine Druckerei dieses Ausmaßes, die ihre Arbeit einstellt, kann das gesamte ukrainische Buchwesen in Mitleidenschaft ziehen, da hier alles gedruckt wird, von Schulbüchern und Kinderliteratur über Bücher zum aktuellen Krieg bis hin zu sprachlichen und historischen Publikationen.“ Und weiter: „Bitte informieren Sie die Welt über diese Tragödie – darüber, wie der Feind ukrainische Bücher und Kultur zerstört und versucht, die Entwicklung unseres Landes zu stören. Unterstützung aus allen Teilen der Welt ist für uns derzeit lebenswichtig.“

Meldung auf der Website von Faktor Druk / Factor Druk

Auf der Website von Faktor heißt es (übersetzt mit Deepl):

»Am Morgen des 23. Mai schlugen russische Raketen in der Druckerei Factor Druk ein, die zur Factor-Unternehmensgruppe gehört. Bei dem Einschlag wurden 7 Mitarbeiter getötet und 22 weitere verletzt. Die Rakete schlug in der Mitte der Druckerei ein und zerstörte mehr als 1.000 Quadratmeter der 4.000 Quadratmeter großen Produktionsfläche, beschädigte einzigartige Geräte und vernichtete mehr als 45.000 gedruckte Bücher.

Auch während des Krieges arbeitete die Druckerei weiter und produzierte Bücher für mehr als 30 ukrainische Verlage, doch nach dem Raketeneinschlag wurde die Produktion vollständig eingestellt.

„Durch die Zerstörung von Bibliotheken und Druckereien und die eklatante Vernichtung ukrainischer Schulbücher in den besetzten Gebieten versucht Russland wieder einmal ganz offen, die ukrainische Kultur, Literatur, Sprache und Bildung zu zerstören – alles, was zu unserer Selbstidentität beiträgt, was unser Erbe und unser Stolz ist. Dies ist nicht der erste Versuch des ehemaligen Imperiums, die Entwicklung der ukrainischen Nation zu stoppen, die Geschichte der Ukraine umzuschreiben und ihre Errungenschaften zu zerstören oder sich anzueignen. Für den russischen Aggressor ist eine Druckerei wie ein Munitionsdepot, ein strategisches Objekt, denn sie ist die Geburtsstätte dessen, was unser geistiges, intellektuelles und wirtschaftliches Wachstum antreibt“, kommentierte Sergey Polituchiy, Gründer und Präsident der Factor Group.

Factor Druk, ein vollstufiger Druckkomplex, ist seit 1996 auf dem Druckmarkt tätig. Vor der russischen Invasion war das Unternehmen in der Lage, rund 50 Millionen Hardcover- und Softcover-Bücher, 100 Millionen Zeitschriften und 300 Millionen Zeitungen pro Jahr zu produzieren. Die Druckerei hielt etwa 30 % des nationalen Marktes. Das Unternehmen war in der Lage, eine vollfarbige Zeitung in nur drei Stunden aus einer elektronischen Datei in einer Auflage von 100.000 Exemplaren zu drucken.

Vor der russischen Invasion beschäftigte das Unternehmen 450 Mitarbeiter.

Am Vorabend des Krieges entfielen etwa 20 % der Produktion der Druckerei auf Auslandsaufträge: Zu den Kunden gehörten etwa 200 Verlage aus 14 GUS- und europäischen Ländern.

Die Unternehmensleitung hat Hilfe für die Familien der Opfer und die Verwundeten organisiert, die in Krankenhäuser eingeliefert wurden. Derzeit benötigt das Unternehmen Hilfe bei der Wiederherstellung seiner Produktionsanlagen.

Wir wenden uns an die gesamte ukrainische und internationale Gemeinschaft.

Bitte verbreiten Sie die Nachricht von dieser Tragödie in der Ukraine und im Ausland; davon, wie der Feind die ukrainischen Bücher und die ukrainische Kultur zerstört und versucht, die Entwicklung unseres Landes zu stoppen. Die Unterstützung der ganzen Welt ist jetzt wichtig.

Wir appellieren an alle internationalen Medien, diplomatischen Dienste, Organisationen und Gemeinschaften von Gleichgesinnten.

Wir sind Zeugen der Zerstörung der europäischen Werte und ein Beweis für den niedrigen Entwicklungsstand der russischen Gesellschaft. Wir sind zuversichtlich, dass diese Tragödie niemanden in der zivilisierten Welt gleichgültig lassen wird, denn wir haben es alle schon einmal erlebt: Die Zerstörung von Büchern führt zu einem Verfall der Moral in der Gesellschaft.

Verbreiten Sie die Nachricht und helfen Sie der Ukraine im Kampf!

Wie Sie unterstützen können:

  • Beenden Sie die Zusammenarbeit mit russischen Organisationen.
  • Sensibilisierung für die russischen Verbrechen gegen die Ukraine, insbesondere die gegen unser kulturelles Erbe.
  • Weiterhin Spenden an medizinische Hilfsorganisationen schicken, die die vom Konflikt Betroffenen unterstützen.
  • Weitere Spenden für die ukrainische Armee.«

Spendenaktion für Faktor Druk / Factor Druk

Das Unternehmen „Faktor“ hat eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Alle Spenden werden zur Unterstützung der Betroffenen und zur Wiederherstellung der Druckindustrie verwendet.

Angaben zum Unternehmen/Firmenname:

CHARITY COMMUNITY FOUNDATION OF KHARKIV “TOLOKA”

Name der Bank: JSC CB „PRIVATBANK“, 1D HRUSHEVSKOHO STR., KYIV, 01001, UKRAINE
Referenz: factor druk
SWIFT-Code der Bank: PBANUA2X
IBAN: UA633515330000026004052234902
Adresse des Unternehmens: 106a Sumska Street, Kharkiv, 61002, Ukraine, Region Kharkiv, Stadt Kharkiv

Blogbild: Foto: Enrique, Pixabay