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Piraterie bei E-Books steigt

Branchen-News
Sandra Uschtrin
Piraterie bei E-Books steigt

Piraterie bei E-Books wird kaum noch bekämpft. Autorinnen und Autoren tragen die Folgen.

Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen e.V. (GVU) hat im März 2020 Insolvenz anmelden müssen. Hauptaufgabe des Vereins war es, Verstöße gegen das Urheberrechtsgesetz zu ermitteln und die dabei gewonnenen Erkenntnisse den Strafverfolgungsbehörden mitzuteilen. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hatte eine Kooperationsvereinbarung mit der GVU, um seinen Mitgliedsverlagen und deren Autor*innen einen besseren und effizienteren Schutz gegen Internetpiraterie anbieten zu können.

Erst zu Jahresbeginn hatte Andreas Kaspar von CounterFights Anti-Piracy bekannt gegeben, dass er die Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen im Bereich Belletristik und Sachbuch einstelle. Gegenüber Tarnkappe.info begründete er diesen Schritt mit den Worten: »Leider musste ich feststellen, dass es uns gegenüber keine substanzielle finanzielle Unterstützung von unseren Kunden und den Branchenverbänden gibt, um diese notwendigen rechtlichen Durchsetzungen zu ermöglichen. [...] Als Unternehmensinhaber musste ich auf diese Situation reagieren und ineffiziente Teile des Unternehmens einstellen. Aus diesem Grund habe ich die Verträge mit Kunden aus der Buchbranche im Bereich Belletristik und Sachbuch (Verlage und Autoren) zum 31.12.2019 gekündigt.«

Der buchreport äußerte sich im Februar 2020 zum Thema Piraterie mit den Worten: »Die illegale ‚Flatrate‘-Variante, der digitale Piratenmarkt, vor Jahren noch Topthema der Buchmarkt-Digitalisierung, ist dagegen bei vielen Verlagen auf der Agenda nach unten gerückt. Auch weil sich der E-Book-Vertrieb deutlich bescheidener und langsamer entwickelt als von Digital-Pionieren erwartet, gilt Piraterie als schwer abzuschüttelnde Begleiterscheinung, die das Geschäft aber nicht massiv beeinträchtigt.«

Online-Audio- und E-Book-Piraterie sind auch Thema beim European Writers’ Council (EWC). Dort heißt es: »Seit März 2020 beobachten wir einen enormen Anstieg der Urheberrechtsverletzungen im Netz, in Spanien etwa hat sich die Zahl der illegal konsumierten E-Books und Hörbücher verdreifacht. Um diese Entwicklung zu beobachten und evidenzbasiert zu dokumentieren, stellen wir u. a. für die EU-Kommission eine ‚Watch-List‘ zusammen, eine Online-Piraterie-Beobachtungsliste, um die Betreiber in Zukunft zu bekämpfen und die Mitgliedsstaaten zu ermutigen, Untersuchungen einzuleiten und Konsequenzen zu ziehen.«

Links
> https://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft_zur_Verfolgung_von_Urheberrechtsverletzungen
> https://tarnkappe.info/counterfights-anti-piracy-kuendigte-viele-verlage-keine-ermittlungen-mehr-im-stil-des-fbi/
> www.buchreport.de/news/tiefer-gehaengte-herausforderung/
> https://vs.verdi.de/ewc

Blogbild: Foto von iMattSmart, Unsplash