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Netzwerk Autorenrechte reagiert mit Aktionsplan auf NEUSTART KULTUR

Branchen-News
Sandra Uschtrin
Netzwerk Autorenrechte reagiert mit Aktionsplan auf NEUSTART KULTUR

Das Netzwerk Autorenrechte (NAR) hat als Stellungnahme zum Konjunkturpaket NEUSTART KULTUR einen umfangreichen Aktionsplan zur Verbesserung der Situation der Autorinnen und Übersetzer erarbeitet.

Mit 30 Millionen Euro will die Bundesregierung die Buchbranche sowie Galerien und sozio-kulturelle Zentren fördern. Für einen »NEUSTART KULTUR« sei das viel zu wenig, meint das Netzwerk Autorenrechte (NAR) mit seinen über 15.500 Autoren und Übersetzerinnen.

»Der Kultur- und Kreativsektor rangiert bei der Bruttowertschöpfung hinter dem führenden Fahrzeugbau nahezu gleichauf mit dem Maschinenbau. Unter Zugrundelegung des Anteils dieses Wirtschaftszweiges ergäbe sich für diese durch die Folgen der Covid19-Krise besonders gebeutelte Branche ein rechnerischer Unterstützungsbetrag in Höhe von 4,34 Milliarden Euro und allein für den Buchsektor ein Betrag von 208 Millionen Euro. Die im Konjunkturpaket NEUSTART KULTUR bislang vorgesehenen Mittel stehen hierzu in keinem Verhältnis.«

In der Stellungnahme des Netzwerks Autorenrechte zum Konjunkturpaket NEUSTART KULTUR heißt es:

»Wir [...] ersuchen die politischen Entscheidungsträger, sich dafür einzusetzen, dass die bereitgestellten Mittel innerhalb des NEUSTART KULTUR-Pakets noch einmal vervielfacht werden und [...] in einer signifikanten Weise auch jene erreichen, die das Rückgrat und der Ursprung der Buchwertschöpfungskette sind und ohne deren Leistungen kein pulsierendes literarisches Leben möglich ist: die Autoren, Autorinnen, Übersetzer und Übersetzerinnen. Diese wurden bisher kaum unterstützt. Ein Abdrängen in Hartz IV der oftmals an der Grenze ihrer Belastbarkeit arbeitenden Kulturschaffenden ist weder gerecht noch zielführend.«

Um nicht nur zu jammern, hat das Netzwerk einen umfassenden Aktionsplan für Autorinnen und Übersetzer erarbeitet, der im Rahmen der NEUSTART-KULTUR-Programme umgesetzt werden könnte.

Krisenhilfe und Zukunftsinvestitionen

Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehören u.a.

  • ein ABGESAGT-FONDS,
  • ein COMEBACK-Fonds,
  • ein LESEN!-Fonds,
  • ein LITERATUR-ONLINE-Fonds sowie
  • Leseförderung.

Denn: »Die Absage von Veranstaltungen hat für einen Großteil der Autoren und Autorinnen dramatische Auswirkungen, so vor allem für Genres wie das Kinder- und Jugendbuch, Drama oder Sachbuch, die in besonderer Weise auf Vortragstätigkeit angewiesen sind, sowie für jene, die neben dem Schreiben auch moderieren, an Schreibwerkstätten mitwirken und an Podien teilnehmen.«

Der umfassende zwölfteilige Vorschlagskatalog des Aktionsplans steht im Internet unter: www.netzwerk-autorenrechte.de/NEUSTART_KULTUR.html.
Dort finden sich auch Informationen zur Einkommenslage und Erwerbssituation der Autorinnen und Übersetzer in Deutschland.
Außerdem gibt es dort einen Überblick über die derzeitigen und zu erwartenden Verluste der Worturheber*innen.
Und es wird gut erklärt, warum die derzeitigen Bundeshilfen für diese diese Gruppe von nicht-gewerblich arbeitenden Freiberufler*innen nicht funktionieren.

Gravierende Folgen durch Corona für Worturheberinnen

Die Covid19-Krise wird nach Einschätzung des Netzwerks »gravierende Folgen für den Buchmarkt haben«. »Autorinnen und Übersetzer sehen sich für 2020 und 2021 mit einer zweiten und dritten, allerdings sehr viel stilleren Welle von existenzgefährdenden Einbußen konfrontiert. Die aus den Verkaufseinbrüchen resultierende Verkleinerung der Verlagsprogramme wird im kommenden Jahr in ganz Europa zu einer Verringerung der Zahl an Neuerscheinungen um bis zu 150.000 Titeln führen. Hinzu kommen Abschläge bei den Vorschüssen und Tantiemen, die Stornierung von Aufträgen sowie ein erschwerter Marktzugang für junge Autoren und Autorinnen, für Nischenthemen und auch für Übersetzungen aus weniger bekannten Sprachen und Kulturkreisen. So befürchten wir neben den wirtschaftlichen Nöten auch eine direkte Bedrohung der Bibliodiversität.«

Das Netzwerk weiter: »Ein zukunftsfähiges Deutschland muss dafür sorgen, dass die menschlichen Quellen des Wissens und der Bildung nicht versiegen. Kultur- und Künstlerförderung ist darüber hinaus auch Wirtschaftsförderung. So unterstrich unlängst das BMWI die Bedeutung des kulturellen Umfelds einer Region oder Kommune als entscheidenden Standortfaktor bei der Ansiedlung von Unternehmen. Die Unterstützung von Schriftstellerinnen und Übersetzern ist folglich kein Luxus. Unsere Arbeit steht für Vielfalt und Meinungsfreiheit, für Wissen und Pluralismus, für emotionalen, intellektuellen und kulturellen Austausch, Innovation im Denken und die geistige Schaffung neuer – und manchmal besserer – Welten.«

Netzwerk Autorenrechte

Das Netzwerk Autorenrechte repräsentiert 14 Verbände und über 15.500 AutorInnen und ÜbersetzerInnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mitglieder sind:

  1. 42er Autoren,
  2. Autor*innen und Übersetzer*innen der Schweiz,
  3. Autorinnenvereinigung e.V.,
  4. Bundesverband junger Autorinnen und Autoren,
  5. Bundeskongress Kinderbuch,
  6. IG Autoren Autorinnen Österreich,
  7. Mörderische Schwestern e.V.,
  8. PAN – Phantastik-Autoren-Netzwerk,
  9. PEN-Zentrum Deutschland,
  10. Exil-Pen
  11. Selfpublisherverband e.V.,
  12. Syndikat – Vereinigung deutschsprachiger Krimi-Autoren und Autorinnen,
  13. Verband deutschsprachiger Übersetzerinnen und Übersetzer,
  14. Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS).

Links:
http://www.netzwerk-autorenrechte.de/NEUSTART_KULTUR.html
http://www.netzwerk-autorenrechte.de/docs/Krisenhilfe_fuer_Autorinnen_und_Autoren_23062020.pdf
https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/eine-milliarde-euro-fuer-neustart-kultur-1757174
http://www.netzwerk-autorenrechte.de

Blogbild: Foto: biboLoebnau. Auf dem Bild: v.l.n.r. (vorne) Nina George (PEN Beirätin), Imre Török (Vize-Vorsitzender VS), Cordula Hamann (42er Autoren), Jana Jürß (Sprecherin Das Syndikat), Eva Leipprand (Budnesvorsitzende VS), Ute Hacker (Vorsitzende Autorinnenvereinigung), Dorrit Bartel (42er Autorinen) v.l.n.r. (hinten) Jo Kramer (Initiative Fairer Buchmarkt), Tobias Kiwitt (Sprecher BVjA), Gino Leineweber (Präsident TSWTC), Lena Falkenhagen (PAN), Janet Clark (Präsidentin Mörderische Schwestern)