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Netzwerk Autorenrechte fordert faire Rahmenbedingungen beim E-Lending

Branchen-News
Sandra Uschtrin
Netzwerk Autorenrechte fordert faire Rahmenbedingungen beim E-Lending

Das Netzwerk Autorenrechte (NAR) mit seinen 16.000 Autor:innen und Übersetzer:innen fordert faire Rahmenbedingungen beim E-Lending in Öffentlichen Bibliotheken (Onleihe). Das Recht auf Zugang zu Bildung dürfe nicht auf dem Rücken derjenigen ausgetragen werden, die die kulturelle Vielfalt erschaffen.

Das Netzwerk Autorenrechte fordert faire Bedingungen für Urheber:innen – bei der Onleihe sowie beim Verleih von Printbüchern

Der Deutsche Bibliotheksverband will ein Gesetz durchbringen, das Verlage und AutorInnen verpflichtet, ihre E-Books vom Tage des Erscheinens an für die Onleihe zu lizenzieren. Begründet wird diese Forderung u.a. mit dem Recht auch einkommensschwacher Bürger auf Zugang zu Bildung. Eine solche Zwangslizenz im Urheberrecht würde aber nicht nur die Einkommenssituation von Verlagen und AutorInnen deutlich verschlechtern. Sie griffe auch massiv in die Rechte und ökonomischen Freiheiten der Verlage und AutorInnen ein, und würde gleichzeitig ein destruktives Exempel für andere urheberische Gewerke setzen. Daher fordert das NAR:
Das Recht auf Zugang zu Bildung darf nicht auf Kosten des Urheberrechts gehen.

Schon jetzt wird fast jedes zweite E-Book in Deutschland über die öffentliche Bibliotheksausleihe gelesen. Aufgrund der niedrigen Pauschalzahlungen umfasst der Gesamterlös aber nur 6% des gesamten elektronischen E-Bookmarktes. Eine Zwangslizenz würde die Bibliotheken zu einem marktbeherrschenden Anbieter für aus Nutzersicht kostenfreie E-Books machen, ohne dass eine angemessene Vergütung für die Schöpfer:innen dieser Bücher auch nur ansatzweise vorgesehen ist. Daher fordert das NAR:
Keine Schrankenlösung und keine verpflichtende Lizenz für das E-Lending. Stattdessen: Freiwillige Lizensierung bei signifikanter Erhöhung der Anschaffungsbudgets für E-Medien.

Die Bibliothekstantieme ist für eine angemessene Vergütung der digitalen Leihe in Öffentlichen Bibliotheken keine Lösung. Obwohl eine Vergütung nach Ausleihen technisch möglich ist, wird bei gedruckten Büchern von über 8000 öffentlichen Bibliotheken nur nach den Zahlen von maximal 18 Referenzbibliotheken abgerechnet. Dieses intransparente Verfahren sollte auf keinen Fall auf E-Books übertragen werden. Aber auch das derzeitige Lizenzmodell ist intransparent. Bei E-Books wird zurzeit die Vergütung pro Leihe schon mit dem Erwerb des Werkes kläglich eingepreist. Eine angemessene Vergütung wird dadurch unmöglich. Daher fordert das NAR:
Eine genaue Dokumentation der Ausleihen von gedruckten Werken und von E-Books.

Ohnehin gehört Deutschland – als immerhin stärkste Volkswirtschaft in Europa – bei der Bibliothekstantieme zu den Schlusslichtern in der EU. Gerade einmal 4,3 Cent pro Ausleihe eines gedruckten Buches werden von der Kultusministerkonferenz der Länder kalkuliert. In anderen Ländern der EU liegt der Etat zwischen 11 Cent (UK) bis zu 48 Cent (Irland). Im Europavergleich liegt nur Tschechien hinter Deutschland. Daher fordert das NAR:
Eine Vergütung für ausgeliehene Druckbücher, die deutlich über dem europäischen Durchschnitt liegt.

Zwangslizenz würde die bereits prekäre Einkommenssituation der Autor:innen und Übersetzer:innen extrem verschärfen

Diesen Forderungen der Autor:innen- und Übersetzer:innenverbände im Netzwerk Autorenrechte (NAR) geht eine Studie voraus, die das NAR im Herbst 2021 in Auftrag gegeben hat. Rund 800 Autorinnen und Autoren waren befragt worden, wie sie zu den Öffentlichen Bibliotheken stehen, dem E-Lending und der analogen Leihe von Büchern.

Die Auswertung zeigt, dass Autor:innen das System Öffentliche Bibliotheken grundsätzlich befürworten, und das, obwohl schon jetzt die Höhe der Vergütungen beim Verleih von Printbüchern im europäischen Vergleich fast Schlusslicht ist. Die digitale Leihe wird jedoch viel kritischer gesehen, denn diese wird einen immensen Einfluss auf das Einkommen von Autor:innen haben.

Vorangegangene Studien zeigen, dass Nutzer:innen der Onleihe deutlich weniger Bücher kaufen als zuvor. Die bereits prekäre Einkommenssituation der Künstler:innen würde sich mit der Einführung der Zwangslizenz weiter verschärfen. Deswegen darf der Bildungsauftrag des Staates nicht auf dem Rücken derjenigen ausgetragen werden, die die kulturelle Vielfalt erschaffen. Die gesamtgesellschaftliche Aufgabe der kulturellen Bildung muss von der Gesellschaft auch adäquat entlohnt werden und dies, so die Befürchtung des Gros der Autor:innen, wird nicht geschehen. Die Zwangslizenz würde der hinter der Onleihe stehenden privatwirtschaftlichen Firma divibib GmbH eine staatlich geförderte Monopolstellung verschaffen.

Noch können Autor:innen die Leihe ihrer E-Books ausschließen und tun dies häufig; vor allem, weil die Verleiher derzeit nicht in der Lage oder nicht willens sind, transparente Zahlen der Ausleihen zu liefern. Dieses Problem ist für Printbücher bereits seit Jahren bekannt und mit der Zwangslizenz für E-Books würde sich die Lage für Autor:innen weiter verschlechtern.

Netzwerk Autorenrechte (NAR)

Das Netzwerk Autorenrechte repräsentiert 15 Verbände und knapp 16.000 Autor:nnen und Übersetzer:nnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mitglieder:

  1. 42erAutoren e. V.
  2. A*dS Autorinnen und Autoren der Schweiz
  3. Autorinnenvereinigung e. V.
  4. Bundesverband junger Autorinnen und Autoren e. V. (BVjA)
  5. Bundeskongress Kinderbuch
  6. DELIA – Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautorinnen und -autoren
  7. IG Autorinnen Autoren (Österreich)
  8. IG Übersetzerinnen Übersetzer (Österreich)
  9. Mörderische Schwestern e. V.
  10. PEN-Zentrum Deutschland
  11. PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland
  12. Selfpublisher-Verband e. V.
  13. SYNDIKAT e. V.
  14. Verband deutschsprachiger Übersetzer/innen literarischer und wissenschaftlicher Werke
  15. Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) in ver.di

Links:
https://www.netzwerk-autorenrechte.de/studie-e-lending.html
Studie: https://www.netzwerk-autorenrechte.de/docs/STUDIE_Digitale_Leihe_und_Bibliotheken%20-%20Ergebnisse_des_Netzwerk_Autorenrechte.pdf

Blogbild: Foto von Anna Demianenko auf Unsplash