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ISNI macht UrheberInnen sichtbarer

Branchen-News
Sandra Uschtrin
Logo des ISNI

Die MVB GmbH wird ab 2020 die schnelle Verbreitung des International Standard Name Identifier (ISNI) zur eindeutigen Identifikation von Urheberinnen und Urhebern vorantreiben. Die ISNI soll zur digitalen Visitenkarte für Urheberinnen und Urheber werden.

Der Frankfurter Technologie- und Informationsanbieter MVB, eine Wirtschaftstochter des Börsenvereins, übernimmt ab dem 1. Januar 2020 die Aufgaben einer Registrierungsagentur für den International Standard Name Identifier (ISNI) in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Die ISNI dient der weltweit eindeutigen Identifizierung von Urheberinnen und allen Akteuren, die an der Veröffentlichung eines Werkes beteiligt sind. Einen entsprechenden Vertrag haben MVB-Geschäftsführer Ronald Schild und Michael Healy, Vorsitzender der internationalen ISNI-Agentur mit Sitz in London und Executive Director (International Relations) beim Copyright Clearance Center, auf der Frankfurter Buchmesse unterzeichnet.

Schritt für Schritt zum ISNI-Angebot

Das neue Standardisierungsangebot baut MVB im ersten Halbjahr 2020 auf.
Im ersten Schritt erhalten alle Urheberangaben im Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB) automatisch eine ISNI, insofern die Deutsche Nationalbibliothek den Urheber eindeutig identifiziert hat. Dies unterstützt Verlage bei der Zuordnung bereits existierender Nummern.
Im zweiten Schritt können VLB-Verlage neue ISNIs für die Urheber ihrer Werke kostenfrei und direkt aus dem VLB heraus registrieren.
Händler erhalten in den VLB-Daten bereits jetzt von Verlagen gemeldete ISNIs. Mit der automatischen Einspielung und der Möglichkeit, neue Urheber zu registrieren, wird sich die Zahl an Titeln mit eindeutiger Urheberzuordnung in kürzester Zeit enorm vergrößern. Die Nutzung von ISNI in den angeschlossenen Systemen VLB-TIX und Metabooks ist ebenfalls geplant.

Der ISNI-Standard

Die 16-stellige ISNI ist ein internationaler, ISO-zertifizierter Standard. Millionen von Personen auf der ganzen Welt, die schöpferisch tätig sind, lassen sich mit ihrer Hilfe eindeutig in ihrer jeweiligen Funktion identifizieren – so wie die Internationale Standardbuchnummer (ISBN) ein Werk in genau einer spezifischen Ausgabeform bezeichnet. Dabei kann eine Person mehreren ISNIs zugeschrieben sein, zum Beispiel, weil ein Pseudonym eine eigene Identität im Sinn des Standards darstellt.
Die spartenübergreifende Identifikationsnummer wird nicht nur an Autoren und Herausgeberinnen vergeben, sondern auch an Wissenschaftlerinnen, Erfinder, Künstlerinnen, Grafiker, Interpreten, Produzentinnen, Verlegerinnen, Übersetzer, Aggregatoren und viele mehr.
Neben natürlichen Personen können auch Organisationen und Körperschaften eine ISNI erhalten.
Mit dem ISNI-Datensatz lassen sich ergänzende Informationen wie zum Beispiel Namensvarianten, Geburts- und Sterbedaten oder Titel an zentraler Stelle pflegen. Somit können auch gleichnamige UrheberInnen bei der Suche und Anzeige eindeutig unterschieden und die von ihnen erstellten Werke korrekt zugeordnet werden.

Die digitale Visitenkarte für Urheberinnen und Urheber

»Mit der großflächigen Nutzung des ISNI-Standards schaffen wir die Voraussetzung für weitere Vermarktungsmöglichkeiten unserer Branche«, so MVB-Geschäftsführer Ronald Schild. »Denn mit seiner Hilfe lassen sich Urheber mittelfristig noch besser als Marke inszenieren. So präsentieren ISNI-basierte Autorenseiten dann sämtliche Veröffentlichungen eines Urhebers auf einen Blick, liefern einheitliche, aktuelle Zusatzinformationen und bilden einen zusätzlichen Sucheinstieg für Buchkäufer. Perspektivisch bildet ISNI auch die Grundlage für so genannte Linked-Data- und Semantic-Web-Anwendungen, die zukünftig die Orientierung im immer vielfältigeren Angebot des Buchmarkts gewährleisten und neue Angebote ermöglichen.«

Michael Healy, Vorsitzender der internationalen ISNI-Agentur, sagt: »Mit MVB können wir einen kompetenten Partner für den weiteren Ausbau des ISNI-Standards in unseren immer größer werdenden Reihen begrüßen. Das Team in Frankfurt ist als nationale ISBN-Agentur sehr erfahren in der Umsetzung internationaler Standards und hat auch bei der Etablierung der Thema-Klassifikation in Deutschland, Österreich und Schweiz sowie in Brasilien sehr gute Arbeit geleistet. Deshalb freuen wir uns sehr auf die Zusammenarbeit.«

Zahlen und Fakten

ISNI ist ein Metastandard, der bestehende Identifikator-Systeme vernetzt und so besser handhabbar macht. In der ISNI-Datenbank fließen derzeit Personennormdaten aus 52 Quellen zusammen, unter anderem aus großen Nationalbibliotheken und Bibliotheksverbünden. Dazu gehört auch die Gemeinsame Normdatei (GND), die von der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) und ihren Partnern geführt wird.
2012 wurde der ISNI-Standard eingeführt. Aktuell sind bereits mehr als 10,7 Millionen ISNIs vergeben. Davon beziehen sich mehr als 9,8 Millionen Einträge auf natürliche Personen – darunter fast 2,9 Millionen WissenschaftlerInnen – und mehr als 890.000 auf Organisationen.
Weitere nationale Registrierungsagenturen gibt es unter anderem in Frankreich, Spanien, Russland, Südkorea und den USA. Auf der Website der ISNI International Agency können alle ISNI-Einträge recherchiert werden: www.isni.org

Links:
> www.german-isni.de
> www.isni.org

Blogbild: Logo des ISNI