
ISBN-Agentur stellt Selfpublisher Verlagen gleich und ändert ihr Preismodell.
Seit dem 26. April 2017 zahlen Selfpublisher dieselben Preise wie Verlage, wenn sie mehrere ISB-Nummern kaufen wollen, und sparen damit viel Geld.
Zuvor unterschied die ISBN-Agentur zwischen »Verlagen mit fortlaufender Produktion« und »(Selbst-)Verlagen mit voraussichtlich einmaliger Verlagsproduktion«. »Verlage mit fortlaufender Produktion« mussten eine Gewerbeanmeldung als Verlag oder einen Handelsregistereintrag vorweisen können und konnten dann Kontingente von ISB-Nummern relativ günstig erwerben. Die meisten Selfpublisher mussten dagegen in den sauren Apfel beißen und teure Einzel-ISBNs kaufen, wenn sie nicht ein Gewerbe anmelden wollten.
Frühere Preise
Eine Einzel-ISBN kostete 75,00 Euro zuzüglich 1,45 Euro Versandkosten, plus 14,53 Euro Umsatzsteuer, das heißt insgesamt 90,98 Euro brutto.
Verlage mit Gewerbeanmeldung zahlten eine Grundgebühr (für die Zuteilung) von 146 Euro und dann für ein Kontingent mit 10 ISBN 27 Euro, für ein Kontingent mit 100 ISBN 55 Euro oder für ein Kontingent mit 1.000 ISBN 94 Euro, und zwar jeweils zuzüglich Versandkosten und Umsatzsteuer.
Neue Preise
Eine Unterscheidung in (Selbst-)Verlage mit und ohne Gewerbeanmeldung gibt es nun nicht mehr. Selfpublisher zahlen damit dieselben Preise wie Verlage. Folgende Preise sind nun gültig:
- 1 ISBN: 70,00 Euro zzgl. MwSt.
- 10 ISBN: 180,00 Euro + MwSt.
- 100 ISBN: 220,00 Euro + MwSt.
- 1000 ISBN: 260,00 Euro + MwSt.
Bisherige Argumentation
Die große Diskrepanz bei den Kosten zwischen Einzel-ISBN und ISBN im Kontingent rechtfertigt die ISBN-Agentur damit, dass die »umfangreiche Korrespondenz mit einer Person, die einmalig eine Einzel-ISBN erwirbt und hohen Informations- und Beratungsbedarf hat«, großen Aufwand erfordere, »während ein Verlag, der einen ihm zugewiesenen 1000er-Block über viele Jahre allmählich aufbraucht, der ISBN-Agentur praktisch keine Arbeit« mache. Das Gebührenmodell orientiere sich »streng an dem Verwaltungs-, Service- und Überwachungsaufwand, der mit der ISBN-Vergabe verbunden ist«.*
Der Selfpublisher Frank Rösner, Mitglied im Selfpublisher-Verband, fand diese Regelung ungerecht und zerpflückte die Argumente der ISBN-Agentur in einem Artikel, der im September 2016 in der Fachzeitschrift »der selfpublisher« erschien.
Selfpublisher-Verband kämpft erfolgreich
Frank Rösner im »selfpublisher«: »Der Selfpublisher-Verband [fordert] vehement eine signifikante Senkung der ISBN-Gebühren für Autoren ohne Gewerbeanmeldung und moniert vorhandene Eigen- und Einkommensinteressen. Denn die Verlage, die über den Börsenverein die MVB [zu der die ISBN-Agentur gehört] beherrschen, haben verständlicherweise wenig Interesse daran, den Selfpublishern entgegenzukommen. Anstelle der Gewerbeanmeldung sollte deshalb ein anderes Abgrenzungskriterium definiert werden, das der ISBN-Agentur die Erfüllung ihrer Aufgabe als Wächter über die ISBNs ermöglicht.«
Jubel bei den Selfpublishern
Die neue Regelung wurde von der ISBN-Agentur mit keiner Pressemitteilung angekündigt. Selfpublisher wie Vera Nentwich, die zufällig auf die neue Preisgestaltung stoßen, jubeln: »Nun ist auch diese Hürde gefallen. [...] Es bewegt sich was in den Institutionen des Buchhandels.«**
ISBN
Die Internationale Standard-Buchnummer (ISBN) ist die weltweit gültige, 13-stellige Identifikationsnummer für Bücher, E-Books und andere Publikationen. Um ein Buch/E-Book in das Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB) eintragen zu können, benötigt man zwingend eine ISBN.
* Zitiert nach Frank Rösner: Die Krux mit der ISBN. In: der selfpublisher, Heft 3, September 2016, Seite 34–39, https://www.autorenwelt.de/magazin/der-selfpublisher/archiv/der-selfpublisher-32016
** http://www.vera-nentwich.de/coni/vera/verablog.nsf/dx/isbn-selfpublisher.htm
> http://www.german-isbn.de
> https://www.isbn-shop.de
Bild: ISBN des im Uschtrin Verlag erschienenen »Handbuchs für Autorinnen und Autoren«, 8. Auflage, Inning am Ammersee 2015
