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Helpline: Hilfe für traumatisierte Journalist:innen

Branchen-News
Sandra Uschtrin
Helpline: Hilfe für Journalistinnen und Journalisten mit psychosozialen Problemen

Journalistinnen und Journalisten berichten oft über schlimme Ereignisse und geraten in stressige und belastende Situationen, die sie traumatisieren. Jetzt gibt es ein erstes Projekt, um ihnen zu helfen: die Helpline, eine Telefonberatung für Journalist*innen mit psychosozialen Problemen. Derzeit ist das Projekt noch im Aufbau, Anrufe sind bei der Helpline noch nicht möglich. Die Süddeutsche Zeitung hat das Projekt bereits mit einer Spende unterstützt. Gesucht werden weitere Förderer.

Das Projekt ist beim Netzwerk Recherche e. V. angesiedelt. Das Dart Centre for Journalism and Trauma Europe war auf den Verein zugegangen und hatte das Projekt angeregt. Dank einer großzügigen Förderung durch die Süddeutsche Zeitung konnte nun der Grundstein für das Projekt gelegt werden. Um auch mit dem Herzstück des Projekts – der telefonischen Beratung der Betroffenen – loslegen zu können, braucht es allerdings weitere Förderer.

Wofür braucht es eine Helpline?

Die Helpline ist ein kostenloses Hilfsangebot für freie oder festangestellte Journalist:innen, die traumatisiert, gestresst oder psychisch belastet sind – sei es wegen eines schrecklichen Ereignisses, über das sie berichtet haben (zum Beispiel während einer Kriegsberichterstattung, über eine Naturkatastrophe oder einen Unfall), wegen prekärer Arbeitsbedingungen oder Drucksituationen im beruflichen Alltag wie Übergriffe auf Demonstrationen.

Anders als in anderen Berufsgruppen gibt es im Journalismus bislang keine frei zugänglichen Angebote zur Verarbeitung dieser mentalen Herausforderungen. In den meisten Medienhäusern spielt das Thema mentale Gesundheit immer noch eine untergeordnete Rolle.

Was macht die Helpline?

Die Helpline bildet interessierte Kolleg:innen aus, die dann – auf Honorarbasis – in einen informellen Austausch mit den Betroffenen gehen und gemeinsam Lösungsansätze entwickeln. Falls nötig, werden die Betroffenen an spezifische Angebote und Einrichtungen vermittelt. Die Helpline ist ausdrücklich kein Therapieersatz, soll aber niedrigschwellig und präventiv für Entlastung sorgen.

Jeanny Gering, die das Projekt auf Seiten des Dart Centre Europe betreut und mit der Idee für dieses Projekt auf NR zugegangen ist, sagt: »Die zahlreichen Reaktionen auf die Vorstellung der Helpline bei der Jahreskonferenz von Netzwerk Recherche haben uns gezeigt, wie groß der Bedarf für ein solches Angebot ist. Deshalb appellieren wir an die gesamte Branche, dem Beispiel der SZ zu folgen und das Projekt finanziell zu unterstützen. Nur so lässt sich die Helpline und die Hilfe für die betroffenen Journalist:innen langfristig sichern.«

Alexandra Föderl-Schmid, stellvertretende Chefredakteurin der Süddeutschen Zeitung, begründet das Engagement der SZ so: »Journalistinnen und Journalisten sind häufig hohen Belastungen ausgesetzt. Die Helpline ist ein gutes Angebot, um entlastend zu wirken. Deshalb fördern wir das Projekt.«

Weitere Förderer gesucht!

»Mit diesem Projekt wollen wir die psychische Gesundheit und Belastbarkeit aller Journalist:innen im deutschsprachigen Raum stärken und setzen uns so für einen stärkeren Journalismus ein. Deshalb sehen wir eine gewisse Verantwortung der gesamten Branche, das Angebot zu unterstützen. Unser Ziel ist es, ein breit aufgestelltes Konsortium aus Verlagen, Rundfunkanstalten, Medienorganisationen, Gewerkschaften, Verbänden und Stiftungen aufzubauen, das die Kosten trägt«, sagt Jeanny Gering.

Weitere Informationen zum Projekt gibt es hier: www.journalisten-helpline.de. Dort wird in Kürze auch die Telefonnummer der Helpline bekannt gegeben. Wer über den Start des Projekts informiert werden möchtest, kann eine Mail an diese Adresse senden: [email protected]

Blogbild: Screenshot von der Website