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Gender-Pay-Gap in Kulturberufen liegt bei 24 Prozent

Branchen-News
Sandra Uschtrin
Gender-Pay-Gap in Kulturberufen

Der Gender-Pay-Gap in Kulturberufen ist gewaltig. Frauen verdienen 24 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Das ergab eine Auswertung der Zahlen der Künstlersozialkasse.

Frauen, die über die Künstlersozialkasse (KSK) versichert sind, verdienen 24 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Das ergab eine Auswertung der Zahlen der KSK durch das Büro für Kulturwirtschaftsforschung (KWF) im Auftrag von ver.di. Die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen in der Kultur sind damit deutlich höher als der bundesweite Durchschnitt von 18 Prozent im Jahr 2022. Die Zahlen zeigen, dass es in allen Kulturbranchen deutliche Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern gibt.

Die Gründe für den Gender-Pay-Gap in der Kultur sind vielfältig. Fehlende Transparenz bei Honorarzahlungen, Männerbünde und mangelndes Selbstvertrauen der Frauen tragen dazu bei. Deshalb fordern Lisa Basten und Lisa Mangold kollektive Verhandlungsmöglichkeiten für selbstständige Kreative. Tarifverträge und Basishonorare als Mindeststandards könnten vor ungleicher Bezahlung schützen.

Frauen arbeiten in Deutschland im Schnitt die ersten 66 Tage des Jahres umsonst. Der Equal Pay Day am 66. Tag des Jahres erinnert an diese Ungerechtigkeit.

»Unter denjenigen, die mit Worten arbeiten, beträgt die Einkommenslücke insgesamt 22 Prozent. In der KSK sind mehr Frauen als Männer mit dem Beruf "Belletristik-Autor*in" gemeldet, der Gender Pay Gap umfasst hier acht Prozent. Sobald wir in andere Genres blicken, ändert sich die Lage massiv: Autorinnen für Bühne, Film, Funk, Fernsehen und Multimedia verdienen 24 Prozent weniger als männliche Kollegen«, so Lisa Basten und Lisa Mangold.

Vergleicht man die Zahlen, erscheinen 8 Prozent Lohnunterschied bei Belletristikautor*innen im Vergleich zu 24 Prozent durchschnittlichem Gender-Pay-Gap bei selbstständigen Kulturschaffenden auf einmal wenig. Hinter jedem einzelnen Prozentpunkt steckt jedoch eine massive Ungerechtigkeit.

Eine Untersuchung des Deutschen Kulturrats zeigt, dass es vor allem die informellen Netzwerke und die gewachsenen Strukturen der Geschlechterverhältnisse sind, die es Frauen schwer machen, gleichberechtigt Fuß zu fassen. Vorurteile der Auftraggeberseite sowie mangelndes Selbstvertrauen von weiblichen Kulturschaffenden tragen zu einer Differenz der Honorare bei.

Es braucht tiefgreifende und strukturelle Lösungen, um den Gender-Pay-Gap in der Kultur zu verringern. Es reiche nicht, Frauen für eine bessere Verhandlungsführung zu schulen. Wir müssen sexistische Strukturen in der Arbeitswelt und patriarchale Rollenvorstellungen in der familiären Sorgearbeit bekämpfen.

Die Ergebnisse der Auswertung zeigen, dass Frauen in der Musikindustrie insgesamt 23 Prozent weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. In der bildenden Kunst und im Design ist die Lohnlücke mit insgesamt 30 Prozent enorm hoch. Im Bereich Theater und Film liegt der Einkommensunterschied zwischen den Geschlechtern bei über 34 Prozent. Als Mode-Designerin verdienen Frauen knapp halb so viel wie Männer, hier liegt der Gender Pay Gap bei 46 Prozent.

»Equal Pay muss eine Selbstverständlichkeit sein. Es ist eigentlich ein schlechter Witz, dass wir hier und heute überhaupt dafür einstehen müssen«, meint Lisa Basten, Bereichsleitung Kunst und Kultur, ver.di-Bundesverwaltung.

Blogbild: Foto: That's Her Business, Unsplash