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Erfolg der Onleihe macht Verlagen und Autorinnen und Autoren Sorgen

Branchen-News
Sandra Uschtrin
Erfolg der Onleihe macht Verlagen und Autorinnen und Autoren Sorgen

Bei der Onleihe werden immer mehr E-Books ausgeliehen. Das macht Verlagen und Autorinnen und Autoren Sorgen. Denn Lesen zum (nahezu) Nulltarif ist zwar für die Verbraucher prima. Aber diejenigen, die die Inhalte liefern, müssen schließlich auch was zum Abbeißen haben.

»Unsere erste Million!«, jubelte die Onleihe, die Plattform zur digitalen Ausleihe von digitalen Medien der öffentlichen Bibliotheken, am 7. November in einer Meldung. So viele Menschen, exakt 1.000.919 Personen, haben im Jahr 2019 mindestens einmal in der Onleihe etwas ausgeliehen oder vormerken lassen. »Damit setzt sich der kontinuierliche Aufwärtstrend fort«, so die Onleihe, »bei dem Jahr für Jahr circa zehn Prozent mehr Menschen die digitale Medienvielfalt aus der Bibliothek für sich entdecken. Die über eine Million Onleihe-Fans verteilen sich auf rund 3.300 Bibliotheken im deutschsprachigen Raum. Sie sind fleißige Leserinnen und Leser von E-Books, E-Papers oder E-Magazinen sowie Nutzer von E-Audios, E-Videos und E-Learnings. Gab es 2018 insgesamt 32 Millionen Entleihungen in allen Onleihen, so erwarten wir für 2019 mit geschätzt 37 bis 38 Millionen einen neuen Rekord. Jedes der derzeit 5,2 Millionen Medienexemplare im Gesamtbestand aller Onleihen wurde in diesem Jahr bereits durchschnittlich jeweils sechsmal ausgeliehen.«

Onleihe-Ausleihen sind für AutorInnen und Verlage ein Grund zur Sorge

Der Erfolg der Onleihe ist für Verlage und ihre AutorInnen ein Grund zur Sorge. Der buchreport schreibt: »Bei Gegenüberstellung von Bibliotheksnutzung und E-Book-Verkaufszahlen kommen Verlage zu dem Schluss, dass die Onleihe die Verkäufe mittlerweile überflügelt hat und damit ihr Geschäftsmodell stark beeinträchtigt. Selbst die deutlich zeitversetzte Freigabe von Novitäten für Bibliotheken scheint den Trend nicht zu bremsen.«

Es besteht die ganz konkrete Gefahr, dass die (E-Book-)Onleihe das Primärgeschäft mit E-Books nicht nur schädigt, sondern mehr und mehr verdrängt. Verlage und ihre AutorInnen werden so um die Früchte ihrer Arbeit gebracht.

Selfpublisher – aufgepasst!

Auch Selfpublisher sollten sich überlegen, ob sie ihre Bücher für die Onleihe freigeben. Bei tolino media zum Beispiel ist eine solche Freigabe seit Oktober 2019 möglich. Gibt man sein E-Book frei und erwirbt eine Bibliothek eine Lizenz für ein Exemplar, kann sie es beliebig oft nacheinander verleihen. Zahlen tut sie dafür aber nur ein einziges Mal und nicht für jeden einzelnen Ausleihvorgang. Für die E-Book-Ausleihen bekommt man außerdem als AutorIn über die Verwertungsgesellschaft WORT keine Bibliothekstantieme, wie das bei gedruckten Büchern der Fall ist.

Links
> https://www.onleihe.net/news/aktuelles/titel/onleihe-die-erste-million.html
> https://blog.tolino-media.de/2019/10/neu-dnb-skoobe-und-bibliotheksanbindung-onleihe/
> https://blog.tolino-media.de/2019/11/mit-der-onleihe-in-die-virtuelle-bibliothek/
> https://tarnkappe.info/die-autorin-nina-george-warnt-vor-e-book-flatrate/

Neue Beiträge zum Thema »Onleihe«:
26.11.19: https://www.buchreport.de/news/boersenverein-nimmt-die-e-book-ausleihe-in-angriff/
26.11.19: https://www.boersenverein.de/markt-daten/marktforschung/studien-umfragen/studie-zur-onleihe-2019/

Blogbild: Sandra Uschtrin auf der Grundlage eines Fotos von Jessica Ruscello, Unsplash