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Diversität in der Buchbranche

Branchen-News
Sandra Uschtrin
Diversität in der Buchbranche

Eine Studie in Großbritannien zur Diversität in der Buchbranche und in Büchern hat ergeben, dass es einen Mangel an Vielfalt gibt. Nicht-weiße Schriftsteller*innen werden benachteiligt, ihre Bücher schaffen es seltener in die Verlagsprogramme und in die Buchhandlungen.

»Die Kultur- und Kreativwirtschaft im Vereinigten Königreich ist weder ein Spiegelbild der Gemeinschaften, in denen wir leben und arbeiten, noch produziert sie Inhalte für diese Gemeinschaften. COVID-19 und Black Lives Matter zeigen die seit langem bestehenden strukturellen Ungleichheiten in unserer Gesellschaft auf. Es ist dringend notwendig, dass die Verlagsbranche mehr tut und es besser macht.« Zu diesem Schluss kommt die Studie »Rethinking ‘Diversity’ in Publishing«.

Es handelt sich hierbei um die erste akademische Studie überhaupt, die sich mit der Frage befasst, ob und wenn ja in welchem Ausmaß »Writers of Colour« benachteiligt werden. Geleitet wurde die Studie von Dr. Anamik Saha und Dr. Sandra van Lente in Zusammenarbeit mit Goldsmiths, University of London, Spread the Word und The Bookseller.

113 Fachleute aus der Verlagsbranche wurden befragt: Autorinnen, Agenten, Geschäftsführerinnen und Direktoren, Redakteurinnen, Designer, Mitarbeiterinnen in Marketing, PR und Vertrieb sowie Buchhändler und Organisatorinnen von Literaturfestivals. Alle großen Verlage waren bei der Untersuchung vertreten, und die Befragten wurden zu ihren Praktiken und Erfahrungen bei der Veröffentlichung von Writers of Colour befragt. Die Untersuchung konzentrierte sich auf drei Schlüsselbereiche: Erwerb (1), Werbung (2), Verkauf und Einzelhandel (3). Untersucht wurde, wie Writers of Colour von jeder dieser Produktionsphasen betroffen sind.

Ergebnisse der Studie Rethinking ‘Diversity’ in Publishing

Herausgefunden wurde, dass das Kernpublikum für Verlage Weiße aus der Mittelklasse sind. Die gesamte Branche sei im Wesentlichen darauf ausgerichtet, dieses eine Publikum zu bedienen. Verleger*innen meinten, dass sie gerne ein vielfältigeres Publikum erreichen würden. Sie wüssten aber nicht, wie sie dies erreichen können, oder zögerten, dafür Ressourcen aufzuwenden. Viele befürchten, dass Bücher von nicht-weißen Autor*innen zu nischenhaft seien. Schwarze, Asiaten, ethnische Minderheiten sowie Arbeiter*innen werden von den Verlegerinnen als Publikum sowohl wirtschaftlich als auch kulturell unterbewertet. Dies wirkt sich wiederum auf den Erwerb, die Förderung und den Verkauf von farbigen Autoren aus.

Ältere Agent*innen neigen dazu, sich auf ihre traditionellen Netzwerke zu konzentrieren, die nicht das gesamte Schriftsteller-Spektrum umfassen. Es gäbe zwar eine neue Generation von Agent*innen, die neue Strategien anwendet, um farbige Schriftsteller*innen zu finden, aber es werde Zeit brauchen, bis diese Initiativen Früchte tragen.

Manche Verleger äußerten auch Bedenken im Hinblick auf die Qualität der Werke von farbigen Schriftstellerinnen. In der Studie heißt es dazu: »Qualitätsargumente erschienen jedoch oft unaufrichtig und zeigten, wie wenig darüber nachgedacht wurde, wie die Vorstellungen von "Qualität" von der jeweiligen Klasse und Bildung eines Individuums geprägt sind. Manchmal spricht der vermeintliche Mangel an "Qualität" eines farbigen Schriftstellers eher für das mangelnde Vertrauen eines Verlegers in die Art und Weise, wie er ein nicht-weißes, nicht-mittelklassiges Publikum erreicht.»

Auch die PR-Mitarbeiter müssten dazulernen. Viele stützten sich bei Werbemaßnahmen immer noch auf die traditionellen Mainstream-Medien wie überregionale Zeitungen oder BBC Radio 4 und nicht auf digitale Medien. Verlage sähen die Auseinandersetzung mit diesen Medien eher als Ergänzung denn als Kern von Marketingkampagnen an.

Auch das Lesepublikum werde sehr eng definiert: »Buchhändler, ob Ketten oder unabhängige Buchhändler, tendieren immer noch dazu, das weiße, bürgerliche Publikum in den Mittelpunkt zu stellen, was sich in der Ästhetik dieser Räume widerspiegelt.« Auch Supermärkte könnten verschiedene Gemeinschaften erreichen, aber sie verkaufen nur ein begrenztes Sortiment an Büchern. Bücher von nicht-weißen Schriftsteller*innen werden als Nische angesehen.

Die Studie ermutigt Verlegerinnen, Agenten und Buchhändlerinnen ihr Verhalten zu ändern, um die Verlagsbranche fairer und vielfältiger für alle zu machen.

Die Studie Rethinking ‘Diversity’ in Publishing gibt es als 44-seitiges PDF kostenlos im Internet.

Link: www.spreadtheword.org.uk/projects/rethinking-diversity/

Blogbild: Foto: Nathan Dumlao, Unsplash