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Abgabesatz der Künstlersozialversicherung steigt 2021 auf 4,4 Prozent

Branchen-News
Heribert Uschtrin
Aktenordner mit Beschriftung für die Künstlersozialkasse (KSK)

Der Abgabesatz zur Künstlersozialversicherung wird im Jahr 2021 voraussichtlich 4,4 Prozent betragen (2020: 4,2 Prozent). Die Veröffentlichung der Künstlersozialabgabe-Verordnung 2021 im Bundesgesetzblatt steht allerdings noch aus. Der neue Abgabesatz betrifft unter bestimmten Voraussetzungen auch Selfpublisher, die beispielsweise die Leistungen freier Lektorinnen oder Grafikdesigner einkaufen.

Das »Gesetz über die Sozialversicherung der selbstständigen Künstler und Publizisten« (Künstlersozialversicherungsgesetz – KSVG) gewährleistet die soziale Sicherheit der selbstständigen Künstler*innen und Publizist*innen. Am 1. Januar 2020 waren rund 190.000 Menschen in der Künstlersozialkasse (KSK) versichert.

Wichtigste Regeln und Grundsätze zur Künstlersozialversicherung*

  • Die Künstlersozialversicherung ist eine Pflichtversicherung. Der vom Gesetz erfasste Personenkreis – und dazu gehören Autor*innen und Übersetzer*innen (literarische/künstlerische Texte) – muss sich über die KSK versichern.
  • Versicherungspflicht besteht für selbstständige Künstler*innen  und Publizist*innen, die ihre Tätigkeit erwerbsmäßig und nicht nur vorübergehend ausüben.
  • »Erwerbsmäßig« ist jede nachhaltige, auf Dauer angelegte Tätigkeit, um Einnahmen zu erzielen. »Selbstständig« ist die künstlerische oder publizistische Tätigkeit nur, wenn sie nicht im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses abhängig ausgeübt wird.
  • Aus der Tätigkeit müssen Einkünfte von mehr als 3.900 Euro jährlich (Betriebseinnahmen abzüglich Betriebsausgaben) erzielt werden (Geringfügigkeitsgrenzen 2020).
  • Berufsanfänger*innen sind in den ersten drei Jahren ihrer erstmaligen erwerbsmäßig ausgeübten selbständigen künstlerischen/publizistischen Tätigkeit auch bei einem geringeren Einkommen versicherungspflichtig.
  • Wer die künstlerische oder publizistische Tätigkeit nicht erwerbsmäßig, sondern als Hobby ausübt, wird nicht versichert.
  • Wer neben dem Einkommen aus freier künstlerischer oder publizistischer Tätigkeit noch ein anderes, nicht geringfügiges Arbeitseinkommen hat, kann ganz oder teilweise von der Künstlersozialversicherung ausgeschlossen werden. Die Ausübung einer sogenannten geringfügigen Beschäftigung (450-Euro-Job) und Einkünfte aus anderen selbständigen nichtkünstlerischen/nichtpublizistischen Tätigkeiten mit einem jährlichen Gewinn von maximal 5.400 Euro beeinflusst die Mitgliedschaft in der KSK nicht.
  • Die soziale Sicherung umfasst Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Rentenversicherung.
  • Diese Versicherungen werden über die Künstlersozialkasse (KSK) abgewickelt. Sie selbst ist keine Versicherung. Die/Der Versicherte wählt die Kranken- und Pflegeversicherung und wendet sich im Krankheitsfall an sie. Wichtig ist es, sich von behandelnden Ärztin ggf. eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen zu lassen und diese an die Krankenkasse zu senden. Die Rentenversicherung erfolgt über die Deutsche Rentenversicherung – Bund (DRV, früher BfA).
  • Der/Die Versicherte (Autor*in) zahlt 50 Prozent der Beiträge. Sie werden an die KSK entrichtet. Die anderen 50 Prozent zahlt die KSK aus der Künstlersozialabgabe, zu der die einschlägigen Unternehmen (sog. Verwerter selbständiger künstlerischer/publizistischer Leistungen – z. B. Verlage, Rundfunksender, aber auch Selfpublisher, die zum Beispiel Grafikdesigner oder Lektorinnen beauftragen) durch Gesetz verpflichtet sind, und aus Zuschüssen des Bundes.
  • Versicherte brauchen sich nicht darum zu kümmern, ob die Verlage jeweils ihren Arbeitgeberanteil an die KSK entrichten. Die Arbeitgeberabgaben müssen von den Verlagen personenungebunden an die KSK abgeführt werden, also unabhängig davon, ob eine Autorin/ein Autor versicherungspflichtig ist oder nicht.
  • Die Beiträge richten sich nach dem für das Folgejahr geschätzten Einkommen (Termin: 1. Dezember) und werden von der KSK gemäß den gesetzlichen Beitragssätzen für Pflichtversicherte festgelegt. Das vom Künstler/Publizisten geschätzte Jahresarbeitseinkommen kann jederzeit schriftlich und formlos korrigiert werden. Die Änderung wird mit Folgemonat nach Eingang der Änderung berücksichtigt.

Was gibt es noch zu bedenken?

Um keine wertvolle Zeit zu verlieren, sollte man sich möglichst frühzeitig bei der KSK anmelden. Der grundsätzliche Versicherungsbeginn ist, bei Vorlage der Voraussetzungen, der Zeitpunkt der Meldung des Künstlers/Publizisten bzw. der Antragseingang. Wer zur Aufnahme berechtigt ist, entscheidet die KSK aufgrund von Fragebögen, die sie an die Antragstellerin/den Antragsteller verschickt. Dem Fragebogen zur Prüfung der Mitgliedschaft sind aktuelle Tätigkeitsnachweise über die erwerbsmäßig ausgeübte selbständige Tätigkeit beizufügen.

Die Antragsunterlagen und Ausfüllhinweisen sind als Download auf der Homepage der KSK erhältlich (www.kuenstlersozialkasse.de).

Dort findet man auch ausführliche Informationen zu den angesprochenen Themen, den Beitragsbemessungsgrenzen sowie beispielhafte Beitragsberechnungen.

Abgabepflicht für Selfpublisher

Abgabepflichtig sind die sogenannten Verwerter*innen, also diejenigen, die typischerweise künstlerische oder publizistische Leistungen verwerten. Dazu zählen unter anderem Buch-, Presse- und sonstige Verlage, Rundfunk und Fernsehen, Theater und Galerien oder Werbeagenturen – und oft auch Selfpublisher. Und zwar wenn sie in einem Kalenderjahr mehr als 450 Euro an Entgelten bezahlen. Diese Summe kommt schnell zusammen.

Wer nur gelegentlich Aufträge erteilt, ist nicht abgabepflichtig. »Gelegentlich« bedeutet, dass die Gesamtsumme der gezahlten Entgelte bei unter 450 Euro in einem Kalenderjahr liegt.

Wer die Künstlersozialabgabe nicht von sich aus zahlt, muss mit hohen Nach- und Strafzahlungen rechnen.

* Dieser Text basiert auf einem Beitrag aus dem »Handbuch für Autorinnen und Autoren«, 8. Auflage 2015, Seite 656–659.

Tipp: In der Februar-Ausgabe der Federwelt 2021, Heft 146, wird es einen umfangreichen Artikel über die KSK geben.

Link: www.kuenstlersozialkasse.de

Blogbild: Foto: Sandra Uschtrin