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35 Jahre BücherFrauen – Jahrestagung 2025

Branchen-News
Sandra Uschtrin
Britta Jürgs (Moderatorin), Ines Geipel, Nour Al-Zoubi und Esther Dischereit während der Podiumsdiskussion der BücherFrauen am 15.11.2025

Mitte November 2025 fand die Jahrestagung der BücherFrauen in Erfurt statt. Sie stand im Zeichen des aktuellen Jahresthemas „Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“. Außerdem wurde ein neuer Vorstand gewählt.

Die BücherFrauen trafen sich anlässlich ihres 35-jährigen Jubiläums in diesem Jahr zu ihrer Jahrestagung wieder in Erfurt zum gemeinsamen Austausch und zur Mitgliederversammlung. Am Samstagabend fand die feierliche Verleihung des BücherFrauen-Literaturpreises „Christine“ statt. Die Vollversammlung wählte mit Yvonne de Andres (1. Vorsitzende), Juliane Seifert (Stellvertretende Vorsitzende) und Annett Geselle (Schriftführerin) einen neuen Vorstand. Carola Köhler wurde als FinanzFrau bestätigt. Verena Schmidt übernimmt ab sofort das Presseamt zusammen mit Turi Bankwitz.

Keynote und Podiumsdiskussion zum Jahresthema „Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“

Das Tagungsprogramm startete am Samstag (15.11.2025) mit der Keynote von Ines Geipel. Sie ist Schriftstellerin, Publizistin sowie Professorin für Verssprache an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst und sprach zum Thema „Neues Land? Populismus, Trauma, Rechtsextremismus, Nostalgie“. 

Die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes drängte darauf, „unsere deutschen Ängste hinter uns zu lassen, auf Freiheitspotenziale zu setzen“ und auf uns selbst und damit Freiheit zu ermöglichen, indem wir uns „für das Unwahrscheinliche verfügbar halten“. Um unser „historisches Glück“ der Demokratie zu schützen, brauche es „eine Gegenerzählung. Keine, die märchenhaft auf Verkitschung, Naivität, Schwarz-Weiß, Plus-Minus, An-Aus setzt, sondern auf Goodwill, direkte Begegnung und Zugehörigkeit. Auf offene Orte, Bibliotheken, Buchhandlungen, Kneipen und Shisha-Bars.“   

Nach der Keynote folgte eine Podiumsdiskussion. Es diskutierten Ines Geipel, die Schriftstellerin Esther Dischereit sowie Nour Al-Zoubi vom Flüchtlingsrat Thüringen e. V. über die reale Lebenswelt und welche Strategien gegen den aktuellen Rechtsruck wirken können. Britta Jürgs, Verlegerin des AvivA Verlags, moderierte die Podiumsdiskussion. 
Esther Dischereit gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen unter den Nachkommen der Shoa-Überlebenden in Deutschland. Sie betonte, dass es darum gehe, „sehen [zu] wollen, was ist“ und dass sich aus dem Sehen eine Verantwortung ergebe. Eindringlich beschrieb sie die Wirkmechanismen der Vertreibung und wie es sich anfühlt, wenn die Familie auf der ganzen Welt verstreut lebt. Man wisse häufig gar nicht, wer überhaupt überlebt habe und wo man anfangen solle zu suchen, erklärte sie. 
Ähnlich ergeht es der engagierten Sozialarbeiterin Nour Al-Zoubi. Sie ist 2015 aus Syrien nach Deutschland geflohen. Im Alltag muss sie sich permanent rechtfertigen, warum ein Bürgerkrieg Menschen in die Flucht treibt. 
Alle im Podium stimmten überein, dass es wichtig sei, die Stimmen der direkt Betroffenen hörbar zu machen, mit Menschen direkt zu sprechen und durch Medien ihre Perspektive zu veröffentlichen. Denn nur im Dialog entstehe Verständnis. 

Workshops

Am Nachmittag folgten vier Workshops, die verschiedene Aspekte des Tagungsthemas aufgriffen. Die Themen:

  1. Woher kommt der Hass? Psychologische Ursachen des Fremdenhasses
  2. Das Wort ergreifen beim Poetry Slam
  3. Deine Stimme, deine Powser
  4. Neue Narrative – welche Bücher brauchen wir heute?

Mit dem Impulsworkshop über „Körperarbeit für die Innere Mitte“ von Iris Seyband endete das Tagungsprogramm am Samstagnachmittag.

Verleihung des BücherFrauen-Literaturpreises „Christine“

Am Abend des Jahrestreffens wurde der Literaturpreis „Christine“ zum dritten Mal verliehen. Zum ersten Mal ging der Preis an eine Übersetzung. Ausgezeichnet wurde Friederike Hofert für ihre Übersetzung des Romans „Was Hortensia nicht mehr erzählen konnte“ der spanischen Autorin Dulce Chacón, 2024, erschienen im Verlag w_orten & meer. Helena Cosano, Kultur- und Wirtschaftsrätin der Spanischen Botschaft in Deutschland, übermittelte der Preisträgerin ihre tiefe Anerkennung des Werkes in Form eines Grußwortes.

Mit der „Christine“ würdigen die BücherFrauen seit 2021 literarische Stimmen, die feministische und diverse Perspektiven sichtbar machen und stärken. Der Preis hat sich in kurzer Zeit als feste Größe der Branche etabliert.

BücherFrauen wählen neuen Vorstand

Der Sonntag (16.11.2025) stand ganz im Zeichen der Vollversammlung und war von den Wahlen eines neuen Vorstands geprägt. Die Kulturmanagerin Yvonne de Andrés wurde als 1. Vorsitzende des Branchennetzwerks gewählt. Neu im Vorstand sind die Literatur- und Fachübersetzerin Juliane Seifert als zweite Vorsitzende und Annett Geselle als Schriftführerin. Carola Köhler wurde als Schatzmeisterin bestätigt. Alle Kandidatinnen wurden mit überwältigender Mehrheit und ohne Gegenstimme gewählt. Neu gewählt wurde auch Verena Schmidt, die ab sofort gemeinsam mit Turì Bankwitz Ansprechperson für die Pressearbeit des Verbandes ist.

Über die BücherFrauen e.V.

Das Branchen-Netzwerk BücherFrauen e. V. wurde 1990 nach dem Vorbild der englischen „Women in Publishing“ (WiP) in München gegründet. Mittlerweile bündelt der Verein die Interessen von gut 800 Verlagsfrauen, Buchhändlerinnen, Übersetzerinnen und Frauen aus anderen Arbeitsbereichen rund ums Buch. Mentoring, Weiterbildungen, Veranstaltungen, Förderung von Sichtbarkeit und beruflicher Entwicklung sowie der Literaturpreis Christine gehören zu den Kernaktivitäten.

Zielsetzung des BücherFrauen e. V. ist es, Kontakte herzustellen, Informationen und Erfahrungen auszutauschen, Jobs und Aufträge zu vermitteln, aber auch frauenspezifische Interessen in der Buchbranche zu vertreten. Bundesweit sind die BücherFrauen in Regionalgruppen organisiert, die eigenständig thematische Schwerpunkte setzen sowie Veranstaltungen wie beispielsweise Fachvorträge, literarische Ausflüge oder Stammtische organisieren. Darüber hinaus bringen Mentoring-Projekte weibliche Nachwuchskräfte mit Führungsfrauen zusammen, und die Akademie lädt zu Fortbildungen ein.

Blogbild: Britta Jürgs (Moderatorin), Ines Geipel, Nour Al-Zoubi und Esther Dischereit während der Podiumsdiskussion der BücherFrauen am 15.11.2025. Foto: Ulrike Lohmann, http://www.luenefotografie.de/