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Autorenportrait - Fantasie ist grenzenlos

der selfpublisher
Hanna Kuhlmann

Autorenportrait
Fantasie ist grenzenlos

Interview mit der Autorin Hanna Kuhlmann

Die 23-jährige Hanna Kuhlmann studiert Germanistik und Buchwissenschaft in Erlangen. Schreiben war immer ihr größtes Hobby und das schon, seit sie das erste Mal ein Buch in der Hand hatte. Zu viel Fantasie sagte man ihr nach, in ihrem Genre Fantasy kein Nachteil. Sie ließ sich zum Glück nicht beirren.

Vor kurzem hat sie ihr Buch „Nachtschatten“ beendet und sich – weil die Gelegenheit günstig war – um den Indie Autor Preis beworben, der zum ersten Mal gemeinsam von der Leipziger Buchmesse, dem Literaturpreis der Phantastischen Akademie e. V. „Seraph“ und neobooks verliehen wurde. Sie war am meisten überrascht, als sie tatsächlich gewann. Bei der offiziellen Preisverleihung auf der Fantasy-Leseinsel der Leipziger Buchmesse lobte die Jury die komplexe, trotzdem glaubhafte Konstruktion des Romans. Hanna Kuhlmann habe in ihrer Geschichte eine ausgewogene Welt mit einer Vielzahl geschickt platzierter Charaktere erschaffen, die den Leser in ihren Bann ziehe und bis zur letzten Seite fessle.

Mittlerweile hat Hanna Kuhlmann einen Agenten, der sich darum kümmert, dass „Nachtschatten“ auch als gedrucktes Buch auf den Markt kommt. Und sie hat noch viele Ideen, die sie realisieren will.

Sie haben einen Fantasy-Roman um einen jungen Dieb geschrieben, der mit einer einzigartigen Gabe gesegnet wird und sich gegen Schattengeister und Wasserdrachen durchsetzen muss. Was reizt Sie an diesem Genre?

Vor allen Dingen die Vielfalt. Bei Fantasy ist alles möglich: Fabelwesen, nie dagewesene Kulturen und natürlich Magie. Wenn man Fantasy schreibt, kreiert man eine eigene Welt, die Regeln und die Grenzen bestimmt man selbst. Manchmal will man einfach aus dem Alltag fliehen, mehr Farben, mehr Magie erleben, etwas Neues entdecken. Fantasy gibt mir die Möglichkeit, mich ganz zu vergessen und auf etwas völlig anderes einzulassen, seien es faszinierende Fabelwesen, finstere Magier oderverschollene Zivilisationen. Fantasie ist grenzenlos.

Sie stehen am Anfang Ihrer Schriftstellerkarriere. Ist Fantasy Ihr Zuhause? Oder können Sie sich vorstellen, auch ganz andere Genres zu bedienen, zum Beispiel einen Thriller zu schreiben?

Tatsächlich habe ich mich schon an einem anderen Genre versucht, nämlich dem Realife-Drama. Es war eigentlich nur eine Idee, weil ich das zwar immer gelesen, aber nie geschrieben hatte. Ich wollte mal ausprobieren, wie es sich anfühlt, etwas ganz anderes zu schreiben, da ich sonst immer im Fantasy-Bereich unterwegs bin. Es hat mir viel Spaß gemacht und ich kann mir vorstellen, auch andere Genres auszuprobieren, aber Fantasy ist mir doch das liebste.

„Nachtschatten“ ist Ihr erster Roman. Schwerpunktthema dieser Ausgabe des „selfpublishers“ ist der Weg vom Manuskript zur Veröffentlichung. Was haben Sie unternommen, nachdem Sie „Ende“ unter Ihren ersten Wurf geschrieben hatten?

Erst einmal habe ich mich dem Gefühl hingegeben, eine Geschichte, ein Buch sogar, beendet zu haben. Etwas geschafft zu haben. Die Korrekturphase überließ ich dann Freunden und Bekannten, von denen ich sicher war, dass sie mir auch mal sagen, wo etwas nicht stimmt und wo ich mich noch verbessern kann. Das Cover war, nach dem eigentlichen Schreibprozess, der schwierigste Schritt, vor allen Dingen, wenn man so unerfahren mit Bildbearbeitungsprogrammen ist wie ich. Allerdings finde ich, es ist gar nicht so übel geworden.

Mit Ihrem Roman haben Sie einen Coup gelandet, nämlich den Indie Autor Preis gewonnen. Wie hat das Ihr Leben verändert?

Ich selbst habe überhaupt nicht damit gerechnet zu gewinnen. Zufrieden war ich eigentlich schon, als ich auf der Shortlist stand. Doch mit dem Gewinn stehe ich auf einmal im Rampenlicht, bekomme Anfragen für Interviews und Lesungen und weiß dann nicht, wie ich damit umgehen soll. Die Situation ist für mich noch ganz neu, da bin ich schon manchmal etwas verwirrt. Doch mit der Unterstützung meiner Familie und meiner Freunde schaffe ich das. Hoffe ich zumindest ...

Die Erwartungen, die in Sie gesetzt werden, sind jetzt sicherlich hoch. Was haben Sie sich vorgenommen?

Erst einmal mein Studium beenden.

Das Schreiben war für mich eigentlich immer ein Hobby, dem ich mit großer Leidenschaft begegnet bin, viele Ideen kreisen noch in meinem Kopf herum. Allerdings werde ich jetzt, nachdem ich einen großen Preis gewonnen habe, sicherlich nicht damit aufhören. „Nachtschatten“ war nur eine von vielen Geschichten, und nachdem ich mir quasi bewiesen habe, dass ich es schaffen kann, ist die Motivation für das nächste Buch ziemlich hoch. Ich hoffe, ich werde den Erwartungen gerecht.

Mittlerweile haben Sie eine Agentur, die Editio Dialog Literary Agency, die sich unter anderem darum kümmert, dass „Nachtschatten“ auch als gedrucktes Buch auf den Markt kommt. Wie haben Sie sich gefunden?

Vor ein paar Jahren trieb ich mich oft in Internet-Foren und auf Schreibportalen herum, dort habe ich viele Freunde kennengelernt. Eine von ihnen erzählte mir, dass sie einen Agenten für sich gewinnen konnte und wohl bald veröffentlicht wird. Ich freute mich mit ihr und fragte sie nach der Agentur: Editio Dialog. Vor kurzem habe ich dann ihr Buch im Laden gesehen und dachte, ich könnte das auch mal versuchen. Die Antwort von Editio Dialog auf meine Mail kam noch am selben Tag. Ich war positiv überrascht.

Sie haben „Nachtschatten“ über neobooks selbst publiziert. Wo sehen Sie Ihre Zukunft? Weiter im Selfpublishing, bei einem Verlag oder irgendwo dazwischen als Hybridautorin?

Das ist jetzt natürlich schwierig auszumachen. Selbstverständlich will ich, wie ich es mir als Kind so oft gewünscht hatte, in einem Verlag veröffentlichen. Aber nun, wo ich das Selfpublishing kennen gelernt habe, sehe ich auch dort viele Vorteile und vor allen Dingen Möglichkeiten. Der Kontakt zu den Lesern ist viel intensiver, das Feedback kommt direkt und ungefiltert. Jeder kann seine Geschichten mit anderen teilen. Ich denke, ich werde wohl Teil von beiden Welten sein.

Was empfehlen Sie anderen Selfpublishern, besonders denen, die wie Sie am Anfang Ihrer Karriere stehen?

Nicht aufzugeben. Sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. In der Buchbranche sehen wir immer nur Erfolge, doch ich bin sicher, dass auch große Autoren wie Kai Meyer oder J. K. Rowling mal eine Absage in der Hand hielten. Man muss nur immer weitermachen, hartnäckig bleiben und sich selbst und seine Geschichten nicht vernachlässigen. Irgendwann findet sich schon jemand, der das Potenzial erkennt. Bis dahin heißt es: weitersuchen!

Sie studieren Germanistik und Buchwissenschaft, Schreiben war schon immer Ihr größtes Hobby. Was machen Sie, wenn Sie nicht zwischen echten oder virtuellen Buchdeckeln stecken? Woher holen Sie sich Ihre Inspiration? 

Inspiration ist ein weites Feld. Manchmal entdecke ich sie tatsächlich zwischen den Zeilen, wenn mich eine Geschichte wirklich berührt und mitreißt. Aber auch in Träumen, Filmen, in der Musik oder bei Spaziergängen. Es kann nur ein kurzer Moment sein: die Art, wie sich zwei Personen ansehen, wie sich das Licht zwischen zwei Häusern verfängt, eine leise Melodie im Hintergrund. Es gelingt nicht immer, diese Gefühle in Worte zu fassen oder, besser noch, eine Geschichte oder ein Gedicht darum zu weben. Aber auch das ist das Schöne am Schreiben: das Unberechenbare. Ich habe oft das Gefühl, wenn ich eine bestimmte Szene jetzt sofort noch einmal schreiben würde, dass etwas ganz anderes herauskommen würde. Inspiration ist vielfältig, und Schreiben ist es auch.

Das Interview mit Hanna Kuhlmann |
https://www.facebook.com/Hanna-Kuhlmann-849131171900241/
führte Ingrid Haag | http://www.ingrid-haag.de/
In: der selfpublisher, Heft 2, Juni 2016