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Als Co-Autorin im Ghostwriting Memoirs schreiben

Federwelt
Brigitte Pagendamm
Das Bild zeigt Beate Rygiert und die Cover der von ihr geschriebenen Buchtitel

Beate Rygiert ist Co-Autorin vieler Memoirs. Brigitte Pagendamm hat nachgefragt, wie sie in Sachen Memoir arbeitet und welche Eigenschaften man als Ghostwriterin braucht.

Haben Sie alle Protagonistinnen persönlich getroffen: Wie gut möchten Sie Ihre Protagonistin kennenlernen, um deren Geschichte so authentisch wie möglich wiedergeben zu können?
Die Protagonisten muss ich IMMER persönlich kennenlernen, und zwar so gut wie möglich. Denn ich schreibe ja das Memoir aus ihrer Perspektive. Ich muss quasi in diesen Menschen hineinschlüpfen und sein Innerstes kennenlernen und wiedergeben können und zwar so, dass er oder sie sich wirklich damit identifizieren kann. Ich glaube, das kann man nur bis zu einem gewissen Grad lernen. Weiter braucht es ein Gefühl für Storytelling, dafür, was an einer Biografie wichtig ist und was man weglassen kann oder nur kurz darstellen muss, damit die Geschichte rund wird und spannend. Anders als im Journalismus geht es auch nicht darum, die Geschichte des anderen mit einer gewissen Distanz wahrzunehmen und kritisch in einen Kontext einzuordnen. Meine Aufgabe ist pure Identifikation. Dazu muss ich die Menschen treffen, sie innerhalb von einigen Wochen sehr gut kennenlernen, denn mehr Zeit ist meist nicht. Dabei ist jede Geschichte anders.
Mit einigen Protagonisten wie Juliane Koepcke (Als ich vom Himmel fiel), Meral Al-Mer (Nicht ohne meine Mutter), Harriet Bruce-Annan (African Angel) und Bettina Landgrafe (Weisse Nana), um nur einige zu nennen, habe ich auch Reisen unternommen: nach Peru, Ghana, an die Grenze zwischen der Türkei und Syrien. Ich war dabei, als Meral Al-Mer zum ersten Mal ihrer Mutter begegnet ist, der sie als Baby weggenommen wurde. Das sind bewegende Momente, und da muss man als Autorin das richtige Fingerspitzengefühl mitbringen, mitunter fast unsichtbar werden, um nicht zu stören und doch alles mitzuerleben.
Die gemeinsame Arbeit hat für die Betroffenen auch immer etwas von einer Therapie, da sie mir ihre Geschichte, die oftmals traumatisch ist, bis ins letzte Detail erzählen.
Eine einzige Ausnahme von der Regel gab es: Berit Kessler konnte ich nicht persönlich treffen, da sie zum Zeitpunkt der Bucharbeit in Israel festsaß – das war Teil der Geschichte – und ich keine Möglichkeit hatte, hinzukommen. Wir haben viel geskypt und E-Mails geschrieben.

Welche Unterlagen haben Sie von der Protagonistin?
Es kommt vor, dass die Protagonisten schon versucht haben, das Buch selbst zu schreiben und gescheitert sind. Oder sie haben sich das Erlebte schon einmal zu Therapiezwecken von der Seele geschrieben. Das ist aber nicht die Regel. Falls es solche Unterlagen gibt, erhalte ich sie, aber sie sind niemals ausreichend. Interviews sind trotz allem notwendig, weil ich noch ganz andere Fragen stelle und Fakten oder Geschehnisse herausarbeite, auf die die Betroffenen gar nicht selbst kommen würden.

Wo treffen sie sich für die Interviews und wie nehmen Sie die auf?
Die Orte der Treffen sind individuell. Da ist vieles möglich: Bei den Protagonisten zuhause, in einem Hotel, bei mir zuhause, in einem Büro ... Da muss man immer schauen, was im Einzelfall das Geeignete ist, wo die Protagonisten sich am wohlsten fühlen und sich am besten öffnen können. Ich schreibe alle Interviews sofort am Notebook wortwörtlich mit und nehme die Gespräche auf, wenn es den Protagonisten recht ist. Das Mitschreiben habe ich so perfektioniert, dass die Betroffenen ...

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Autorin: Brigitte Pagendamm | bpagendamm@web.de
Weiterlesen in: Federwelt, Heft 132, Oktober 2018
Blogbild: Beate Rygiert. Foto: Claudia Toman

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