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Interview mit Claudia Toman

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Interview mit Claudia Toman, Autorin und Buchcover-Designerin

1) Unter dem Label »Traumstoff« bietest du Buchcover Design an. Wer sind deine Kunden?

Ich mache Buchdesign in erster Linie für Autoren. Weil es mir am Wichtigsten ist, zwei Dinge zu verbinden: ein Design, das die Leser fasziniert und das Wesen der Geschichte erzählt. Ich kenne viele tolle Cover, die mit den Büchern darunter nicht viel zu tun haben. Verlagscover werden nach Marketingkriterien gestaltet, um Bücher zu verkaufen. Mein Ziel ist es aber, dieses EINE BESONDERE Buch zu verkaufen. Ich bin selbst Autorin, ich verstehe was von Geschichten. Darum sind meine Kunden Autoren, die professionell selbst veröffentlichen.

2) Was macht für dich ein gutes Cover aus. Brauche ich bei einem E-Book überhaupt ein besonderes Cover?

Ein gutes Cover ist so eines, das zwischen vielen Buchstapeln hervorsticht, weil es dieses ganz besondere Etwas hat. Drei Komponenten müssen stimmen: gute Grafik, gute Typographie und gute Idee. Außerdem sollte ein wirklich gutes Cover auf einen einzigen Blick ein Gefühl dafür vermitteln, was für ein Buch drinsteckt. Leser haben nicht die Zeit, alle verfügbaren Geschichten anzulesen. Selbst Klappentexte werden nur gelesen, wenn der erste Eindruck stimmt. Und der ist das Cover. Die Chance, den Inhalt verkaufen zu können, dauert nur wenige Sekunden lang. 

Darum bin ich der Meinung, dass E-Books unbedingt ein außergewöhnliches Cover brauchen. Warum? Ganz einfach: Die potentiellen Käufer sind stets einen Klick weit entfernt. Und was sie zu diesem Klick veranlasst, ist nicht größer als eine Briefmarke. Umso wichtiger ist es, dass ein E-Book-Cover sofort sagt: Ich bin das Buch, das du lesen willst!

3) Welche 3 Fehler sollten Selfpublisher vermeiden, was die Gestaltung ihres Covers angeht?

1. „Dieses Foto von der Kirche in Toledo aus dem letzten Urlaub ist so supi, das wird mein Cover.“ 

Selbstgemachte Fotos eignen sich nur in sehr seltenen Ausnahmefällen für Buchcover. Sie sind oft schon technisch schlecht, in zu niedriger Auflösung, grenzwertiger Belichtung, falscher Tiefenschärfe. Man sollte IMMER zumindest das Geld für eine professionelle Fotolizenz investieren. Je nach Anbieter kostet das maximal 20-30 Euro, eher weniger. Eine Standardlizenz reicht, wenn man nicht mit einer Auflage von 250.000 rechnet.

2. „Ich mach den Titel mal in pink mit Schnörkeln!“ 

Faustregel: Je aufwendiger die Bildgestaltung ist, desto einfacher sollte man die Typo halten. Immer auf Leserlichkeit achten! Farbigkeit in der Schrift nur sehr vorsichtig einsetzen. Vor sehr unruhigem Hintergrund besser gar keine Schrift und wenn, dann schattiert. Das Cover vor der Fertigstellung in Briefmarkengröße anschauen. Und Comic Sans gleich von der Festplatte löschen. JETZT! Wenn man unsicher ist, stets an Garamond halten, damit kann man zumindest nichts total falsch machen. Und beim Download aus dem Internet bitte Lizenzen beachten! Auch Schriften haben Besitzer und man braucht die Lizenz für kommerzielle Nutzung. Die kostet nicht immer was, aber oft.

3. „Da muss noch das Schwert mit dem Elfenbeingriff drauf!“ 

Viele Cover sind schrecklich überladen, weil ein Autor glaubt, dass er seine Story mit sämtlichen Details auf dem Cover inszenieren muss. Das ist falsch. Was das Cover zeigen sollte, ist die ESSENZ der Geschichte, das Gefühl, mit dem er den Leser ansprechen möchte. Kauf hat ganz viel mit Emotion zu tun. Das Buch ist auch ein Produkt und das Cover ein Werbemittel. Es hilft, sich zu überlegen: Welche Werbefilme sind mir in Erinnerung geblieben? Zu welchen Flyern/Karten/Büchern greife ich selbst? Sind das nicht immer die, die uns überraschen? Oder optisch verzaubern? Es braucht Mut zur Reduktion, finde ich. Aber auch Mut zum Besonderen.

Aber am Besten: Viele Cover im gleichen Genre anschauen. Immer die Meinung von jemandem einholen, der grafische Ahnung hat. Oder einen Grafiker mit der Gestaltung beauftragen. Aber besser nicht bloß dem eigenen Geschmack vertrauen. Er könnte schlecht sein. 

Bonusfrage: Welches Buch liest du gerade und wie gefällt es dir?

Ich habe gerade „Das Schattenhaus“ von Mascha Vassena beendet. Ein wunderbares Cover zu einer wunderbaren, fesselnden Geschichte, die man nicht mehr aus der Hand legen kann. Mit einem unglaublich berührenden Frauenschicksal. Ein Buch mit langem Abgang, der nach dem letzten Sommertag schmeckt.

www.facebook.com/traumstoffdesign